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07.01.1983

Die Berufsbilder der Datenverarbeitung sind im Umbruch

Datenverarbeiter brauchen die Zukunft nicht zu fürchten. Trotz schlechter Konjunktur gibt es nach wie vor für DV-Spezialisten zahlreiche Stellenangebote. Ein Wandel bahnt sich allerdings bei traditionellen DV-Berufen an. Operating und "Otto-Normal-Programmierung" werden in ihrer Bedeutung abnehmen, Systemanalyse dagegen gewinnen. Fortschritte in der Kommunikationstechnologie verändern das Anforderungsprofil der DV-Mitarbeiter gravierend. Auch der Trend zur Anwendernähe bringt neue Berufsbilder: Der "Informations-Manager" und "Datenbank-Administrator" sollen helfen, zwischen DV-Abteilung und Endbenutzer eine Brücke zu schlagen.

Dr. Werner Dostal

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nürnberg

Die Geschichte der DV-Berufe ist komplex und farbenreich. Aber für die Zukunft werden wir noch manche Veränderungen erwarten können.

Welches sind nun die wesentlichen Tendenzen?

1. Die eher operativen Berufe, das heißt Operating und Programmierung nehmen in ihrer Bedeutung (inhaltlich und bezogen auf die Zahl der Erwerbstätigen) ab. Folgende Gründe wirken sich hier aus:

Durch entsprechende höhere Programmiersprachen, durch Fertigteile und durch weitergehende Vorstrukturierung der Probleme hat die Programmierung ihren Nimbus verloren.

Durch den Wandel der DV-Systeme von der traditionellen Rechenanlage mit ihrer mechanischen Peripherie hin zum Informationssystem nehmen Bedienungsaufgaben im Operating weiter ab, Überwachungsaufgaben zu.

2. Einige Berufe nehmen in ihrer Bedeutung zu:

Die Systemanalyse als Zwischenglied zwischen Organisation und Programmierung saugt zusätzliche Aufgaben auf: Programmierung wird bereits weitgehend vorstrukturiert und die Organisation durch die Informationssysteme beeinflußt.

Die Auswahl und Anpassung von Standard-Software, von Tools und von Methoden wird mit zunehmender Komplexität des Umfeldes wichtiger. Dafür gibt es noch kaum abgegrenzte Berufsfelder.

An den Rändern der Informationssysteme entstehen neue Berufe, die die Brücke zwischen der DV und den Anwendern bauen, der Informationsmanager, der Datenbankadministration oder ähnliche, noch nicht einheitlich abgegrenzte Berufsbilder.

3. Die Qualifikationsanforderungen scheinen sich allgemein zu erhöhen. Dies geht einerseits aus der Arbeitsmarktstatistik hervor (bei offenen Stellen hohe Qualifikationsanforderungen bei Arbeitslosen im wesentlichen wenig Qualifikationsangebot), andererseits aber auch aus der Wertschätzung Hochqualifizierter und der Probleme der Geringer -Qualifizierten.

Deutlich scheinf der Trend zur eher schulmäßigen Aus- und Weiterbildung zu gehen. 4. Der DV-Bereich ist ein klares Beispiel für Berufswandel: Die DV-Berufe ändern sich ebenso, wie durch den DV-Einsatz auch andere Berufe geändert werden. Die Anpassung erfordert Weiterbildung; "learning by doing" scheint nicht auszureichen.

Dr. Heinz Streicher

Leiter Kommunikation der SCS Scientific Control Systems GmbH, Hamburg

Die magerer gewordenen Stellenanzeigenteile in den einschlägigen Zeitungen weisen immer noch zahlreiche und lukrative Angebote für DV-Leute auf. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt jedoch, daß die schlechte Konjunktur auch hier Spuren hinterläßt. So lagen zum Beispiel die DV-Stellenangebote in den drei überregionalen Tageszeitungen (FAZ, Süddeutsche Zeitung, Welt) im 3. Quartal 1982 um die Hälfte niedriger als im 3. Quartal des Vorjahres. Ein anderes Ergebnis aus dieser Untersuchung der SCS Personalberatung gibt noch mehr zu denken: Der Anteil der Stellenangebote für DV-Leute an allen Stellenangeboten sank von 7,2 Prozent (3. Quartal 1981) auf 6,0 Prozent 13. Quartal 1982).

Bei diesem Quartalsvergleich fällt weiter auf, daß sich die Hauptnachfragebranchen Computerindustrie (Anteil 13,2 Prozent) und Elektrotechnische Industrie (11 Prozent) weiter verstärkt haben, während die übrigen Industriezweige, mit Ausnahme des Maschinen und Apparatebaus (8,2 Prozent) deutlich weniger DV-Stellen anboten Anteile gewannen hingegen die Dienstleistungen (z. B. Handel: 4,2 Prozent) Versicherungen (4,5 Prozent).

Schaut man auf die geforderten Ausbildungsfachrichtungen, so zeigt die SCS Personalberatungsanalyse, daß Informatiker (20 Prozent) wie vor Jahresfrist vor Betriebswirten 10,2 Prozent) und Ingenieuren (6,2 Prozent) an der Spitze lagen. Bei 28,8 Prozent der DV-Stellenangebote war nicht speziell eine akademische Ausbildung erwähnt.

Diese Angaben bedeuten nicht, daß die Bewegungen am DV-Arbeitsmarkt geringer geworden sind. Teilweise verlagert sich nämlich der DV-Stellenanzeigenmarkt auf Zielgruppenpublikationen, und zum anderen erhalten die "interessanten" Arbeitgeber heute laufend freie Bewerbungen von DV-Fachleuten. Gilt also die Aussage der deutschen Org./DV-Chefs aus der großen SCS-Online-Enquete von Anfang 1981 nicht mehr, ist das Personalproblem nicht mehr die Restriktion Nr. eins des Org./DV-Leiters?

Nach wie vor Mangelware sind gute DV-Leute mit speziellem Anwendungs-Know-how und Projekterfahrung. Die Spezialisten für bestimmte Branchen und Anwendungsgebiete werden den Generalisten vorgezogen. Gefragt sind auch DV-Leute mit Projektleitererfahrung, Leute also, die Fachkenntnisse und Managerqualitäten, wie wirtschaftliches Denken, Verhandlungsgeschick und Personalführung kombiniert vorweisen können. Für die Programmierer wird die Beherrschung oder zumindest die Bereitschaft zum Lernen der modernen Software-Produktions-Methoden unverzichtbar. Ähnlich wie die Anwender und Software- und Beratungsunternehmen suchen, die Hardwarehersteller zunehmend Leute mit Anwendungs-Touch. Im Zeichen zögernder Nachfrager und starker Anbieterkonkurrenz werden DV-Leute, die die Probleme des Anwenders kennen und ihm mehr als ein Stück Hardware verkaufen können, immer wichtiger.

Unabhängig von der schlechten Wirtschaftslage weist der Trend - rein zahlenmäßig -. weg vom Realisierer, dessen Tätigkeit technische Mittel rationalisieren helfen zum Analysierer und Konzeptionisten, wo spezielles Anwendungs-Know-how gefragt ist.

Helmut Weber

Geschäftsführer des Bifoa an der Universität zu Köln

Berufe im Büro- und Verwaltungsbereich unterliegen zukünftig sicherlich einem sehr starken inhaltlichen und formalen Wandel. Dies betrifft einmal die Leitungsaufgaben von Führungskräften, die Fachaufgaben der Spezialisten und Sachbearbeitungsaufgaben der Sachbearbeiter, in erhöhtem Maße allerdings die Unterstützungsaufgaben zum reibungslos ein Bürobetrieb. Somit scheint es, als ob die stärksten Veränderungen im Bereich der routinemäßigen, repetitiven, stark strukturierten Aufgaben zu sehen sind. Hatte der Funktionsbereich, der solche, formalisierbaren Aufgaben in der Vergangenheit in eine "programmierbare" Form brachte, hohen Stellenwert (Programmierer), so ist der Prozeß dieser Strukturierung selbst in den letzten Jähren immer mehr formalisiert und vereinfacht worden (Tools, Generatoren, Sprachen, Werkzeuge usw,) das heißt man spricht hier bereits von "Automatisierung der Automatisierung". Dies bedeutet, daß der traditionelle Programmierer beziehungsweise Codierer seine Aufgaben mehr und mehr in die Vorphasen der Programmerstellung wird verlagern müssen, (Vom Programmierer zum Organisator). Nachdem Software, in zunehmendem Maße ingenieurmäßig erstellt wird, geht es nun darum, stärker die "Requirements" auszulosen und zu bestimmen. Programmierer, die bereit und fähig sind, sich stärker den organisatorischen Aufgaben und Analysen zu widmen, finden ihre berufliche Zukunft.

Der Prozeß der Vereinfachung von Softwareerstellung geht Hand in Hand mit der Verlagerung der Programmierung in die Fachabteilungen, das heißt, dort, wo die Probleme am besten formuliert werden können. Einfachere Sprachen, mehr Komfort in der Systemsoftware, aber auch zunehmende Online-Verfahren, sowie die Höhe der heutigen Softwarekosten werden diesen Trend beibehalten lasen. Auch spielt sicherlich die mittlerweile positivere Einstellung der Fach- und Führungskräfte zur Informationstechnologie eine wichtige Rolle. Wenn rechtzeitig der Wandel erkannt und diesen Faktoren Rechnung getragen wird, wird es auch hier eine Zukunft in qualifizierten Berufen geben (von der Fach- und Führungskraft zu einer solchen mit profunden Kenntnissen der Informations- und Kommunikations-Technologie) .

Dies ist allerdings eine mehr langfristige Perspektive -denken wir zum Beispiel auch an die Modelle des "Home-Programming" - kurz- und mittelfristig werden nach wie vor zentrale Systementwicklungs kapazitäten erforderlich sein.

Einem sehr starken beruflichen Wandel werden die Organisatoren selbst unterliegen. Die über Jahrzehnte getrennt gelaufenen Entwicklungen Datenverarbeitung, Textverarbeitung und rechnergestützter Kommunikation sind auf dem Wege, zusammenzufinden. Dabei haben sich DV-Organisatoren sehr (vielleicht zu) weit von der Büroorganisation entfernt. Zum Beispiel werden in Teilbereichen vollkommenen verschiedene Sprachen gesprochen (denken wir nur an die total unterschiedlichen Begriffsinhalte von "Computer-Prograrmmierung" und "Textprogrammierung"). Auch müssen hier die Kompetenzen vereinheitlicht werden. Es geht einfach nicht mehr, daß für die Datenverarbeitung das Rechenzentrum, für die Textverarbeitung die ,allgemeine Organisation" und für die Kommunikation die "Haustechnik" verantwortlich sind. Hier muß ein zentrales Management der Information und Kommunikation mit den entsprechenden Vollmachten, aber auch der Sachkenntnis, seine Aufgaben finden. Es scheint, als ob hier die größten beruflichen Chancen, aber auch die größten Schwierigkeiten zu finden sind. Gerade in dem Bereich sind dringend Initiativen und Aktivitäten erforderlich. Dies betrifft einmal den Bereich von Bewußtsein und Einstellung, aber auch den Bereich der Aus- und Weiterbildung. Ständige Weiterbildung ist unabdingbare Notwendigkeit. Wenn diese Voraussetzungen geschaffen sind, wird der Organisator als Koordinator der verschiedenen Ressourcen welche heute zur Bewältigung der Informations-und Kommunikationsprobleme zur Verfügung stehen, seine Aufgaben finden.