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12.02.2015 - 

Gefälschte HP-Produkte

"Die Branche sollte den Markt sauber halten"

Doris Breitenreuter ist Communication Manager bei der Evernine Group, einem Deutschland weit vertretenen Spezialisten für Kommunikation und Medien im Umfeld der B2B-IT.
Gefälschte SFP-Module für Netzwerkverbindungen von Hewlett-Packard lassen derzeit die Branche aufhorchen. Auch der Distributor RDS hat von diesem Betrug Kenntnis erlangt. Die Handelsplattform ITscope hat beim Geschäftsführer Helko Matthäi nachgefragt.

Der französische Netzwerk-Distributor COM2 Networks hat jüngst die Nachricht von gefälschten HP-Produkten publik gemacht. Dabei handelt es sich um SFP-Module ("Small Form-factor Pluggable"), also kleine standardisierte Module für Netzwerkverbindungen. Sie dienen als Verbindungsstecker für extrem schnelles Ethernet. Aus diesem Anlass hat sich die Handelsplattform ITscope mit dem Distributor Red Delta Solutions (RDS) zum Thema Produktfälschungen im SFP-Segment unterhalten.

"KP" statt "HP": die (gefälschten) SFP-Module, links das Original, rechts die Fälschung.
"KP" statt "HP": die (gefälschten) SFP-Module, links das Original, rechts die Fälschung.
Foto: COM2

Herr Matthäi, als Geschäftsführer der RDS Group kennen Sie den Markt im Bereich Netzwerkkomponenten wie Ihre Westentasche. Wann haben Sie zum ersten Mal von den falschen HP-Modulen erfahren?
Helko Matthäi: Wir haben Mitte Dezember HP-Module zu einem Preis angeboten bekommen, der uns misstrauisch werden ließ. Wir haben uns Fotos der Ware schicken lassen, auf denen wir dieselben gefälschten Hologramm-Umverpackungen erkennen konnten, vor denen der französische Netzwerk-Distributor COM2 Networks aktuell warnt.

Kommt so etwas häufig vor?
Matthäi: Das Thema Produktfälschungen beschäftigt die Branche immer wieder, auch bei anderen Herstellern wie zum Beispiel Cisco, die ebenfalls in China produzieren. Gerade HP-Module sind ein großvolumiger und damit lukrativer Markt, da sich solche Module naturgemäß leichter nachbauen lassen als Router oder Switches. Am Anfang der Kette steht immer jemand mit krimineller Energie, der neben Modulen und Verpackungen gegebenenfalls auch Lieferscheine autorisierter Distributoren fälscht. Über viele Zwischenhändler können solche Module dann auch in Europa oder Deutschland auftauchen.

Wie kann man sich vor Fälschungen schützen?
Matthäi: Ich sag' mal ganz salopp: den gesunden Menschenverstand einschalten! Bei ITscope kann man ja sehr gut den Marktpreis einschätzen aufgrund der großen Anbieterzahl. Wenn nun auch die günstigen Anbieter dort für ein gewisses Modul durchweg 190 bis 200 Euro verlangen, und man kriegt von einer Quelle das Modul für 170 Euro oder weniger angeboten, sollte man sich schon fragen, welche Story dahintersteckt. Ganz besonders misstrauisch sollte man sein, wenn ein Anbieter nur Module anbietet und nichts anderes. Es gibt meist mehrere Unstimmigkeiten, die einen stutzig machen sollten, zum Beispiel TÜV-Siegel mit Schreibfehlern, aufgedruckte Sicherheitsstreifen oder unrealistische Produktionsdaten.

Helko Matthäi, Geschäftsführer der Red Delta Solutions GmbH: "Bei Netzwerkkomponenten habe ich leider noch von niemandem gehört, der das Thema Fälschungen angeht."
Helko Matthäi, Geschäftsführer der Red Delta Solutions GmbH: "Bei Netzwerkkomponenten habe ich leider noch von niemandem gehört, der das Thema Fälschungen angeht."
Foto: RDS

Inwieweit spielt das Produktionsdatum eine Rolle?
Matthäi: Autorisierte Distributoren werden von HP auf das First-In-First-Out (FIFO) Prinzip verpflichtet, d.h. die ältesten Produktionsstücke werden zuerst verkauft, so dass immer aktuelle Ware in der Branche ist. Natürlich kann es theoretisch auch mal vorkommen, dass ein "Karton im Lager übersehen" wird, aber niemals in hohen Stückzahlen.

Wie stellen Sie bei RDS sicher, dass Sie nur Original-HP-Ware im Angebot haben?
Matthäi: RDS kauft nicht wild auf dem Markt, sondern wählt seine Lieferanten gezielt aus, so dass der Weg der Ware über offizielle Kanäle nachvollziehbar ist. Ausschließlich bei HP-Distributoren einzukaufen ist für uns aber keine Option, wir suchen europaweit für unsere Kunden nach preiswerten Quellen. Immer wieder kommt es ja vor, dass Hersteller selbst – zum Zwecke guter Quartalszahlen oder bei regionalen Markteintritten – größere Stückzahlen, zum Beispiel über Broker, in den Markt geben. Insofern ist das (Preis-)Problem irgendwo auch hausgemacht.

Was könnte und sollte HP Ihrer Meinung nach gegen Fälschungen unternehmen?
Matthäi: Meiner Ansicht nach tut HP hier viel zu wenig. Ich habe schon von Arbeitsgruppen gehört, die Projektbetrug – also Weiterverkauf von Ware aus "zu groß dimensionierten Projekten" – anhand von Seriennummern aufdecken sollen, aber ich habe zumindest im Bereich Netzwerkkomponenten noch von keinem Team gehört, welches das Thema Fälschungen angeht. Der Hersteller hätte hier die Verantwortung, alle Mittel auszuschöpfen, angefangen von Testkäufen über rechtliche Schritte bis hin zur Unterstützung der Branche durch Aufklärung. Fälschungen schaden doch in erster Linie dem Image des Herstellers sowie allen Distributoren und Händlern, die die Ware regulär anbieten!
Selbst China hat ja mittlerweile erkannt, dass Fälschungen ein Problem und kein Geschäftsmodell sind. Konfuzius sagte zwar "Kopiere Deine Meister!", aber auch im Reich der Mitte wurde Produktpiraterie schon mit empfindlichen mehrjährigen Haftstrafen geahndet. Ich werde dagegen nicht mit dem Finger auf die zeigen, die – mitunter fahrlässig, aber ohne böse Absichten – das Zeug am Ende der Lieferkette ausbringen. Ich finde, die ganze Branche sollte jetzt wirklich mal an einem Strang ziehen, und sich gemeinsam darum bemühen, den Markt sauber zu halten.

Bei RDS bieten Sie neben Originalware auch weitaus günstigere "Kompatible Module" an, teilweise zu nicht mal 25 Prozent des Originalpreises. Was hat es damit auf sich?
Matthäi: Vor Jahren wurden ja die SFP-Module an der Schnittstelle zwischen Kupfer- und Glasfasernetzwerken als herstellerübergreifende Norm geschaffen. Insofern ist es nur natürlich, dass man auch von Drittherstellern Module erhalten kann, die den Zweck genauso erfüllen wie ein Originalprodukt. Wir bieten hier schon seit Jahren passende Drittmodule aus Fernost zu den gängigsten HP-Modulen an, für Kunden die sich Originalware nicht leisten können oder wollen. Die Funktion ist die gleiche wie beim Originalprodukt, es handelt sich jedoch nicht um Nachbauten, sondern um unabhängig produzierte, kompatible Ware. Auch von der Qualität her gibt es kaum noch Unterschiede, gerade im Bereich kurzer Reichweiten bis 200 Metern. Bei mehreren hundert Modulen, die wir pro Monat absetzen, können wir hier auf unsere Expertise in dem Bereich bauen. (tö)

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