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20.09.1991 - 

Ein Einführungsprojekt wie jedes andere auch

Die CASE-Einführung braucht ein gutes Projektmanagement

Ein CASE-System ist eine Meta-Anwendung, die dem Zweck dient, Anwendungen zu entwickeln. Folglich unterscheidet sich seine Einführung - einschließlich der dabei gemachten Fehler - nicht wesentlich von der Einführung eines "normalen" Anwendungssystems, mit dem Unterschied, daß die Benutzer hier in der Abteilung Informationssysteme (IS) sitzen.

Die Produktivitätsverbesserung in der Anwendungsentwicklung vollzieht sich evolutionär und kann keine großen Sprünge machen. Dies liegt im wesentlichen daran, daß die kreativen Teile der Anwendungsentwicklung nicht mechanisierbar sind und entscheidend von der Qualifikation der beteiligten Mitarbeiter abhängen. Die Werkzeuge wirken sozusagen nur indirekt über die verbesserte Qualifikation der Mitarbeiter.

Daher braucht das Thema CASE eine strategische Perspektive und kann nicht anhand kurzfristiger Überlegungen festgemacht werden. Kurzfristige Betrachtungen liefern im allgemeinen nur die "Showstopper": zu teuer, Wirtschaftlichkeit nicht nachweisbar, unübersichtlicher Markt, keine Standards, Widerstand der Betroffenen etc.

Trotzdem stehen wir an einem Wendepunkt bezüglich der Methoden und Werkzeuge sowie der Mitarbeiterqualifikation in der Anwendungsentwicklung. Grund dafür ist die umfassende Nutzung der Informationsverarbeitung (IV), die in den meisten - insbesondere größeren - Unternehmen heute anzutreffen ist.

Die Situation ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

- Die Nutzenpotentiale isolierter Anwendungen, die meist an der Aufbauorganisation orientiert sind, sind weitgehend ausgeschöpft Heute geht es darum, Anwendungen zu integrieren und über die Grenzen der Aufbauorganisation verlaufende Geschäftsprozesse zu unterstützen. Dazu muß eine anwendungsübergreifende Datenarchitektur geschaffen werden

- Wesentliche Produktivitätsreserven liegen in einem genaueren Abbild der Anwenderwünsche. Dies gelingt nur über eine Verbesserung der Kommunikation zwischen Fachabteilungen und IS-Abteilung auf der Basis gemeinsamer Projektmanagement- und Arbeitstechniken.

- Voraussetzung ist eine klare Trennung zwischen fachlichem Systementwurf und technischem Systementwurf. Der Übergang muß jedoch methodisch durchgängig sein.

- Die Pflege und Weiterentwicklung bestehender Anwendungen kostet häufig ein Vielfaches der Kosten für die Erstentwicklung. Diese Kosten müssen reduziert werden - bei gleichzeitiger Verlängerung der Lebensdauer.

Den beschriebenen Anforderungen stehen auch verbesserte Technologien zur Anwendungsentwicklung gegenüber. Auf der Basis der am Markt verfügbaren Informationen kann man sich heute die Grundlage für eine umfassend integrierte Entwicklungsumgebung schaffen, die auch für künftige Technologien offen ist Diese Grundlage muß, wie immer, eine gesunde, ausbaufähige Systemarchitektur sein.

Der folgende Abschnitt soll wesentliche Trends in der Anwendungsentwicklung aufzeigen, anhand derer schon heute eine langfristige Ausrichtung möglich ist. Entscheidungen für eine integrierte Entwicklungsumgebung müssen langfristig tragfähig sein. Schließlich geht es darum, einen Großteil der IS-Mitarbeiter auf der Basis neuer oder veränderter Vorgehens- und Denkweisen auf ein verbessertes Qualifikationsniveau zu führen.

Dies gilt auch für Fachabteilungsmitarbeiter, soweit sie an IV-Projekten mitwirken. Zur Entwicklung einer langfristigen Konzeption muß man einen Blick in die Zukunft wagen Folgende Trends sind zu erkennen:

- IV-Investitionen werden stärker an den Unternehmenszielen ausgerichtet. Dazu werden langfristig gültige Architekturen für Anwendungssysteme, Daten sowie technische und organisatorische Infrastruktur entwickelt.

- Die Phase enger Zusammenarbeit mit der Fachabteilung wird intensiviert und liefert über eine strukturierte Vorgehensweise das Funktionenmodell, das Datenmodell und das Benutzermodell mit Masken-/ Listenlayout sowie den Entwurf der Dialogsteuerung.

- Das Funktionenmodell wird mit Hilfe der Top-down-Analyse von Geschäftsprozessen erarbeitet Datenmodellierung geschieht mit Hilfe von Entity/Relationship-Diagrammen und Überführung in ein Relationenmodell in der dritten Normalform.

- Für das Benutzermodell und Teile des Funktionenmodells kommt Prototyping zum Einsatz.

- Die Frage nach der richtigen Methode für den fachlichen Systementwurf kann nicht mehr als kritisch angesehen werden, da sich inzwischen einige praxiserprobte Methoden etabliert haben und mit Werkzeugen unterstützt werden Längerfristig ist eine stärkere Objektorientierung zu erwarten.

- Anwendungsintegration findet über gemeinsame Datenbestände statt. Daher werden Daten anwendungsübergreifend analysiert. Die weitreichendste Ausprägung dieser Vorgehensweise stellen unternehmensweite Datenmodelle dar - oder so- gar Modelle, die Geschäftspartner miteinbeziehen.

- Insgesamt wird die herkömmliche Programmiertätigkeit abnehmen. Der Trend geht in Richtung CASE-Werkzeuge mit Generierungsmöglichkeiten für C und Cobol. Ziel der Werkzeuge ist es, aus einer gut strukturierten technischen Spezifikation mit klaren Bezügen zum Fachkonzept lauffähige Systeme zu generieren. Damit wird auch das Problem der Konsistenz von Dokumentation und Programmrealität entschärft werden.

- Der Anwender engagiert sich in der Phase des fachlichen Systementwurfs immer stärker. Sein Partner im Bereich Informationssysteme (IS) ist der Systemanalytiker, der auch lauffähige Prototypen "bauen" kann. Ihnen zur Seite stehen Daten- und Datenbank-Administrator sowie PC- und Kommunikationsspezialisten. Die Steuerung dieses arbeitsteiligen Prozesses erfordert professionelles Projektmanagement Dabei steigen die qualitativen Anforderungen an den einzelnen.

- Eine gewisse Planungsunsicherheit rührt von den fehlenden Standards her. Eine Verbesserung dieser Situation durch internationale Standards und "De-facto-Standards" ist zu erwarten. Diese werden bis in eine Standardisierung von Daten- und Anwendungsarchitekturen hineinreichen. So wird zum Beispiel das IBM-Repository im Rahmen des AD/Cycle-Konzeptes mit einem Standard-Metadatenmodell versehen sein, dessen Veröffentlichung allerdings noch aussteht.

Sowohl für Entwicklung als auch für die Wartung

Mit den vorstehenden Thesen wurden Trends aufgezeigt, zugleich aber auch Ziele, die in naher Zukunft erreicht werden müssen, um die bestehenden und zu erwartenden Anforderungen an eine professionelle Anwendungsentwicklung erfüllen zu können. Aus dem skizzierten Szenario lassen sich wesentliche Anforderungen an eine zukunftssichere Computerunterstützung der Anwendungsentwicklung ableiten.

Zuvor soll CASE aber einmal aus einer anderen Perspektive betrachtet werden: CASE ist ein Meta-Anwendungssystem zur Entwicklung und Wartung von Anwendersystemen. Entsprechend dem dargestellten Trend zu größerer Arbeitsteilung gibt es viele Benutzer: Projektleiter Fachabteilungsmitarbeiter, Systemanalytiker, Datenadministratoren, Programmierer etc.

Bei der Einführung von CASE als komplexem Anwendungssystem muß mit allen Problemen und Schwierigkeiten gerechnet werden, wie sie von Anwendungssystemen für Fachabteilungen her bekannt sind. Neben den Gemeinsamkeiten gibt es aber auch Unterschiede zu den Anwendungssystemen für Fachabteilungen: So gehören CASE-Systeme nicht zur Klasse der deterministischen Systeme, sondern müssen kreative Prozesse unterstützen. Diese Kreativität ist nicht die eines einzelnen, sondern vollzieht sich in Gruppen. CASE muß also die Kommunikation unterstützen.

Außerdem ist CASE nicht primär ein Mittel zur Steuerung von Abläufen, sondern vor allem ein Mittel zur Verwaltung komplexer Zusammenhänge unter Sicherstellung weitgehender Konsistenz. Zur Darstellung dieser Zusammenhänge sind grafische Mittel unerläßlich.

Fazit aus den Trends und der IV-Durchdringung

Der hohe Durchdringungsgrad der IV im Unternehmen, die erkennbaren Trends in der Anwendungsentwicklung und die Betrachtung von CASE als Anwendungssystem mit besonderen Merkmalen führen zu folgenden Anforderungen:

- CASE muß den gesamten Life-Cycle der zu entwickelnden Anwendungssysteme unterstützen. Die Unterstützung muß durchgängig sein.

- CASE muß auch die bereits bestehenden Anwendungssysteme integrieren können. Dazu sind "Reverse-Engineering" Techniken notwendig.

- Kernstück einer ausbaufähigen Systemarchitektur muß eine zentrale Datenhaltung für alle Arbeitsergebnisse sein, also die Entwicklungsdatenbank beziehungsweise das Repository. Ein sauber definiertes Meta-Datenmodell sorgt für die Integrierbarkeit von Arbeitsergebnissen der Benutzer über eine lange Zeit hinweg.

- Die Architektur muß offen sein, um die unterschiedlichen Werkzeuge vom Editor bis zum Anwendungsgenerator anschließen zu können. Insbesondere muß die Architektur auch für heute noch nicht bekannte Produktivitätshilfen offen sein.

- CASE muß den beteiligten Menschen helfen, den Anwendungsentwicklungs-Prozeß besser zu verstehen. Dazu gehört die Unterstützung systematischer Vorgehensweisen und Methoden- insbesondere in den frühen Phasen - unter Einbeziehung der Fachabteilungsmitarbeiter. Die datenorientierte Denkweise muß neben der ablauf- beziehungsweise funktionsorientierten Denkweise gefördert werden.

- CASE verlangt nach einer grafikorientierten, interaktiven Benutzeroberfläche, aber auch nach starker Integration. Es muß daher auf einem Konzept verteilter Datenverarbeitung beruhen; grafikfähige Workstations werden über lokale Netze mit dem zentralen Rechner zu einem Gesamtsystem integriert, wobei die Projektteams auf der LAN-Ebene mit schnellen Antwortzeiten unterstützt werden müssen. Auf dem Zentralrechner erfolgt die Pflege der unternehmensweiten Modelle.

Experten sind bislang eher skeptisch

Die heutige Situation wird im allgemeinen nicht so beurteilt, daß mit CASE oder wegen CASE der große Durchbruch in Richtung einer Verbesserung der professionellen Anwendungsentwicklung gelungen sei. Die Beurteilung der Experten ist eher skeptisch. Kommentare wie "Es wird bald mehr CASE-Anbieter als CASE-Anwender geben" oder Schlagzeilen wie "CASE, Strohhalm oder Strohfeuer" sind nicht ungewöhnlich.

Der Grund für diese Einschätzung ist zweifacher Natur: Zum einen erfolgt die Beurteilung der heutigen Situation auf der Basis völlig unrealistischer Erwartungen, nämlich in der Hoffnung, daß durch den Einkauf eines CASE-Tools schlagartig dramatische Produktivitätssteigerungen zu erreichen seien. Unserem Verständnis nach handelt es sich bei CASE hingegen um die Einführung eines komplexen Anwendungssystems, das nur schrittweise - entsprechend den verfügbaren technischen Mitteln und der Fähigkeiten der betroffenen Mitarbeiter - wachsen kann.

Zum anderen basiert die Beurteilung der heutigen Situation auf dem derzeitigen CASE-Standardsoftware-Angebot. Die Mehrzahl der mit "CASE-Tool" titulierten Produkte sind jedoch reine PC-Tools. Sie sind damit ein bißchen Benutzeroberfläche und ein bißchen Werkzeug aus der von uns skizzierten Systemarchitektur.

Die Positionierung wichtiger Hersteller wie DEC mit "Cohesion" und IBM mit "AD/Cycle" bietet zwar eine Perspektive, aber noch keine Lösung. Integrierte Systeme gibt es nur als geschlossenen proprietäre Systeme.

Das Angebot an CASE-Standardsoftware steht also noch am Anfang, so daß sich auch von daher die eher skeptische Beurteilung verstehen läßt. Erst auf der Basis von Produkten mit einer offenen Architektur, einer zentralen Ablage und einer einheitlichen Benutzeroberfläche für alle angeschlossenen Werkzeuge lassen sich konkrete Einführungsplanungen für CASE als "Computer-integrated Application System Engineering" durchführen .

CASE muß als komplexes Anwendungssystem mit sehr unterschiedlichen Benutzergruppen genauso sorgfältig geplant und eingeführt werden wie "normale" Anwendungssysteme für die Fachabteilung. CASE ist also ein Projekt vom Typ Einführung von Standardsoftware", wie es sicher schon häufig erfolgreich von der IS-Abteilung durchgeführt wurde. Der Unterschied besteht jedoch darin, daß die IS-Abteilung CASE für sich selber einführt.

Bei CASE-Einführungsprojekten läßt sich eine fatale Neigung feststellen, alles falsch zu machen, was bei komplexen Projekten überhaupt falsch gemacht werden kann Dies mag darin begründet sein, daß man nun plötzlich selber der "Anwender" ist. Erfahrungsgemäß fallt es besonders schwer, für Andere entwickelte Vorgehensweisen und Grundsätze auf sich selber anzuwenden. Das fängt mit Leichtsinnsfehlern an, gar nicht zu erkennen, daß es sich bei der CASE-Einführung um ein Projekt handelt.

Weitere Fehler sind folgende:

- Es gibt keinen Auftraggeber, der diese Rolle wahrnimmt. Das Projekt ist dadurch herrenlos: Auftraggeber muß in einem CASE-Projekt der IS-Manager selber sein. Nach Möglichkeit ist das Management der Fachabteilungen in geeigneter Form mit einzubeziehen, da Fachabteilungs-Mitarbeiter wesentliche Aufgaben im Entwicklungsprozeß übernehmen müssen.

- Die künftigen Benutzer sind nicht genügend einbezogen: Künftige Benutzer einer CASE-Umgebung sind im allgemeinen Projektleiter, Fachabteilungsmitarbeiter, Systemanalytiker, Daten- und Datenbank-Administratoren, Programmierer, PC-Spezialisten sowie RZ-Mitarbeiter Ohne ein Akzeptanzgremium als Teil der formalen Projektorganisation ist es unmöglich, die zu erwartende Meinungsvielfalt zu einem Konsens zu führen.

- Die Komplexität wird unterschätzt: CASE kann man nicht "nebenher" einführen. CASE erfordert ausreichende Finanzmittel, großen Evaluierungs-, Entwicklungs-, Integrations- und Lernaufwand sowie viel Zeit. CASE läßt sich auch nicht in einem Schritt einführen. Daher ist ein langfristig wirkendes Gesamtkonzept erforderlich, das einen stufenweisen Ausbau absichert.

- Einführungsunterstützung und Ausbildung der Benutzer sind nicht sichergestellt: Den Umgang mit CASE kann man nicht aus Handbüchern oder Trainings alleine lernen, auch wenn sie noch so gut sind. In Pilotanwendungen, die von erfahrenen Mitarbeitern aus dem eigenen Haus oder von Externen intensiv betreut werden, muß schrittweise das notwendige Wissen aufgebaut und müssen Akzeptanzhürden überwunden werden.

Es empfiehlt sich, das im jeweiligen Hause übliche Vorgehensmodell auch auf das CASE-Projekt anzuwenden. Die Aus- E gangsvoraussetzungen sind in jedem Haus anders. Je weiter fortgeschritten ein Unternehmen in der Nutzung der Informationsverarbeitung (IV) ist, desto höher können seine Ansprüche für eine erste Einführungsstufe von CASE sein.

Unterschiede liegen in der bereits vorhandenen Werkzeugausstattung mit den zugrundeliegenden Vorgehensweisen, Methoden und Standards, in deren Akzeptanz, in der Aufbauorganisation innerhalb der IS-Abteilung, in der Art und dem Klima der Zusammenarbeit mit der Fachabteilung sowie in vielen anderen Merkmalen. Wichtig für eine Einführungsstrategie von CASE ist auch die jeweilige Führungskultur des Unternehmens.

Wie jedes Projekt beginnt auch das CASE-Projekt mit einer Studie. Es empfiehlt sich, die Punkte Ist- und Schwachstellenanalyse zu einer gründlichen Standortbestimmung des IS-Bereiches zu benutzen. Dazu sollen externe Berater hinzugezogen werden, da sie die jeweilige Ist-Situation neutraler beurteilen können als eigene Mitarbeiter.

Am Ende der Studie steht ein Stufenplan für die CASE-Einführung zur Genehmigung an. Wegen der Höhe der zu erwartenden Investitionen - insbesondere in Ausbildung und Betreuung - ist eine Kosten-Nutzenbetrachtung unerläßlich. Hier steht man vor dem grundsätzlichen Problem, daß in den wenigsten Unternehmen verläßliche Produktivitätskennzahlen eingeführt sind, die als Grundlage für quantitative Betrachtungen herangezogen werden können. Es müssen daher eigene Schätzungen zugrundegelegt werden, wobei auf Erfahrungen Anderer zurückgegriffen wird.

CASE hat aber zweifelsohne auch eine strategische Bedeutung für die Unternehmen, die in eine entsprechende Entscheidung mit einfließen muß. Bestimmte Marktpositionen und Nutzenpotentiale sind ohne den Einsatz von IV, höherwertige Einsatzformen von IV sind ohne CASE-Einsatz nicht zu erreichen Von daher ist CASE eine Sprunginvestition, die getan werden muß, um mit Hilfe von IV wettbewerbsfähig zu bleiben. Eine umfassende CASE-Umgebung wird in wesentlichen Bereichen aus Standardsoftware-Komponenten zusammengestellt. Oben habe ich bereits erläutert, welche Anforderungen an die einzelnen Komponenten der CASE-Architektur zu stellen sind. Zusätzlich ist die Integration erfolgreich eingeführter Werkzeuge anzustreben. Die funktionalen Anforderungen werden durch die Spezifikation des Vorgehens- und Methodensystems, der Standards, des Meta-Datenmodells und gegebenenfalls des Projektmanagement-Verfahrens festgelegt.

Auf dieser Basis sind nun die Softwarekomponenten für die erste Realisierungsstufe auszuwählen. Zweifelsohne nimmt dabei das Repository eine ähnliche Schlüsselposition ein wie bei normalen Anwendungen die Datenbank. Über das Repository werden alle Entwicklungsergebnisse integriert. Nur ein zentrales Repository kann eine durchgängige Werkzeugnutzung und die notwendige Offenheit für künftige Werkzeuge sicherstellen.

Für die oben genannten Werkzeuggruppen müssen im weiteren Vorgehen Werkzeuge ausgesucht werden, die in das Gesamtkonzept integrierbar sind und das gewünschte Vorgehens- und Methodenkonzept unterstützen. Nach der Auswahl der CASE-Komponente erfolgt die technische Implementierung und Integration mit bereits vorhandenen Werkzeugen Nun sollte an Hand eines gut vorbereiteten Beispiels die konzipierte Verfahrensweise über prüft und die Zustimmung des Akzeptanzgremiums eingeholt werden.

Danach sind die Einführungsstrategie und das Trainingskonzept festzulegen. Dabei müssen die anstehenden Projekte sowie der Wissensstand und die Aufnahmefähigkeit der Mitarbeiter berücksichtigt werden.

Selbst bei vorsichtiger Vorgehensweise werden der Lernsprung und die damit verbundene Akzeptanzprobleme relativ hoch sein.

Neben einem guten Training ist eine intensive Betreuung der ersten Projekte (Pilotprojekte) durch Mitarbeiter mit praktischer Erfahrung in den neuen Methoden und Werkzeugen unerläßlich. Auch hier zeigt ein Einsatz von externen Mitarbeitern häufig die größte Wirkung.

Im Zusammenhang mit der Einführungsstrategie wurde die Notwendigkeit einer leistungsfähigen Projektorganisation mit starker Benutzerbeteilung (Akzeptanzgremium) betont. Diese sollte als Kernmannschaft auf eine Gruppe von CASE-Spezialisten zurückgreifen können, die im allgemeinen in der Abteilung Methoden und Tools angesiedelt sind.

Diese Mitarbeiter müssen die künftigen Anwender einer CASE-Umgebung in Pilotprojekten wirkungsvoll und zeitnah unterstützen können. Dabei sind praktische Erfahrungen in den neuen Methoden und Werkzeugen unerläßlich. Stehen diese im eigenen Hause nicht ausreichend zur Verfügung, so sollte auf externe Hilfe zurückgegriffen werden.