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21.03.2003 - 

Kolumne

"Die CeBIT als Antidepressivum"

Heinrich Vaske Chefredakteur CW

Es war schon ein schwieriger Spagat, den der Hannoveraner Messeveranstalter vorturnte. Weil die CeBIT nun einmal nach Ausstellerzahl, vermieteter Standfläche und Besucherandrang gemessen wird, sah sich die Deutsche Messe AG gezwungen, die Tore wieder für die Massen zu öffnen. Also waren sie wieder da, die Daddler an den Joysticks, aber auch die Fotofreaks und die Spezialisten für die Druckvorstufe.

Für viele Marketiers war diese neuerliche Öffnung offenbar ein Zeichen. Sie luden Unterhaltungskünstler, Musiker und leicht bekleidete Damen ein, um Stimmung in die Hallen zu bringen. "Von der CeBIT muss ein positives Signal ausgehen" - das hatten sich die Messeleitung und der Beirat fest vorgenommen. Nur unverbesserliche Schwarzseher hatten angesichts der Geräuschkulisse und der Showelemente den Eindruck, als werde hier auf den Gräbern mancher IT-Unternehmen getanzt.

In dem Bemühen, das weitere Abdriften des ITK-Marktes zu stoppen, sind die Verantwortlichen über das Ziel hinausgeschossen. Informations- und Kommunikationstechnik ist - insbesondere wenn es um Software und Services geht - immer noch erklärungsbedürftig. Es fällt jedoch schwer, ein Fachgespräch zu führen, wenn gleichzeitig wenige Meter weiter eine Drums-and-Percussion-Band die Trommelfelle der Besucher malträtiert. Auch die größten Konjunkturoptimisten fangen irgendwann an zu jammern, wenn ihr Stand neben einer Showbühne angesiedelt ist.

Zum anderen sollten sich die Messemacher überlegen, ob sie den Fokus der CeBIT wirklich beliebig ausweiten wollen, nur weil ihre Kernklientel in der Krise steckt. Mit dem Konvergenzargument lässt sich die Messepräsenz nahezu jeder Technik begründen. In Wirklichkeit ist aber der Eindruck entstanden, dass einige mächtige Aussteller ihr ganzes Gewicht in die Waagschale geworfen haben, um mehr von sich zeigen zu können.

Doch gehören Spielkonsolen nur deswegen auf die CeBIT, weil Microsoft und Sony sie anbieten? Werden wir demnächst Mikrowellen und Kühlschränke bewundern, weil Siemens sie baut? Gibt es 2010 gar Mähdrescher zu sehen, weil IBM die Elektronik steuert und außerdem einen Outsourcing-Auftrag von Claas will?

Wenn die Messegesellschaft möchte, dass sich die potenziellen Aussteller in ihrem Konzept wiederfinden, dann sollte sie daran arbeiten. Der heutige Jahrmarkt dient allenfalls einem Teil der Aussteller. Das Argument "An der CeBIT kommt so oder so niemand vorbei" zieht irgendwann nicht mehr. In dem Maße, wie sich Hausmessen, Kongresse und zielgruppengerechte Kleinveranstaltungen verbreiten, wird die Bedeutung der CeBIT sinken.