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17.03.1989

Die CeBIT ist nicht anwenderfreundlich

Als Fachzeitung plädiert die COMPUTERWOCHE für ein Fachmessekonzept, das die aktuellen Bedürfnisse der DV-Spezialisten aus mittleren und großen Anwenderunternehmen berücksichtigt, eingeht auf Zielkonflikte, als da sind: Planungssicherheit, Meinungsführerschaft und Vorsprung durch Information. Die CeBIT wird diesem Anspruch aus Gründen, die in ihrer schieren Größe, ihrer Unübersichtlichkeit liegen, nicht mehr gerecht.

Da die Messeleitung, von den Ausstellerfirmen vorgeblich autorisiert, den Gigantismus auf die Spitze treibt, indem sie die CeBIT zu einer Publikumsmesse aufbläst, muß jede einschlägige Kritik (Warum keine Fachtage?) ins Leere gehen. Wir wollen es denn auch mit dem Hinweis bewenden lassen, daß die CeBIT-Messe nicht anwenderfreundlich ist - und für eine Großkundgebung, bei der Klatschen (Wofür eigentlich?) angesagt ist, fühlen wir uns nicht zuständig.

Halten wir uns lieber an die Branchenfakten - und die geben zum Jubeln nach CeBIT-Art derzeit keinen Anlaß: Die DV-Industrie erzielte zwar 1988 gegenüber dem Vorjahr in der Bundesrepublik ein Umsatzplus von 4,5 Prozent, doch kam das Wachstum zum größten Teil aus dem Servicebereich (Stichwort: höhere Wartungsgebühren). So ist das Branchenestablishment trotz des Preisverfalls bei der Hardware, dem keine entsprechende Mengenabsatzsteigerung gegenüberstand, gerade noch mit einem blauen Auge davongekommen.

Bei den sogenannten operativen Anwendungen (LuG und Fibu for ever) ist der Markt ausgereizt - und im sensitiven Bereich des Managementsupports (Information als Wettbewerbsfaktor!) fehlt es den DV-Herstellern an Marketing-Kreativität, vor allem aber an Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit. Beispiel Mittelstand: Was da unbedarften Unternehmern als Nonplusultra der Informationstechnik angeboten und verkauft wird, hat mit echter Innovation im Sinne eines Lösungsfortschritts so gut wie gar nichts zu tun. Die MDT-Henteller haben es versäumt, den Anwender für Visionen aufnahmefähig zu machen. Die Datenverarbeitung ist, nichts gegen die IBM und gegen die Datev, organisatorisch in der Schrägstrich- und in der RZ-Ecke stehengeblieben.

Mit verbaler PR-Artistik ("Wir haben Ihre Lösung, haben Sie unser Problem?") ist es ja nicht getan. Gerne wüßte der Anwender etwa, weshalb er sich auf die ISDN-Reise begeben sollte. Das Breitband ist kein Selbstzweck. Wenn man die Hersteller indes so reden hört, bekommt man manchmal diesen Eindruck. Die Crux ist, daß niemand sagen kann, worin sich, was die Information als solche betrifft, der Edelstoff vom Schrott unterscheidet.

Für den, der es nicht bemerkt haben sollte: Wir schreiben immer noch über die CeBIT. Ein Fazit ist leicht gezogen: Weltneuheiten auf dem Produktsektor gab es nicht, die DV-Industie legt gewissermaßen eine technologische Atempause ein. Aus Anwendersicht ist das aber sogar ganz gut, denn so haben die Systeme endlich Zeit, zur Benutzerfreundlichkeit zu reifen.