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03.10.2003 - 

AMD kontert die Ankündigungswelle des Intel Developer Forum

Die Chiprivalen beziehen neue Positionen

MÜNCHEN (ls) - Seit der Einführung der 64-Bit-CPU Itanium konzentriert sich Intel zunehmend auf Verbesserungen der Prozessorumgebung und neue Märkte wie drahtlose Datenkommunikation. Der Konkurrent AMD versucht, mit einer 64-BitInitiative verlorenen Boden gutzumachen.

Intel will künftig nicht mehr durch ständig neue Taktratenrekorde auffallen, sondern rückt die Entwicklung von Prozessoren mit zwei und mehr Rechenkernen sowie die Partitionierung von CPUs in den Vordergrund. Das stellte Firmen-President und Chief Operating Officer (COO) Paul Otellini gleich zu Beginn des zweiten Intel Developer Forum (IDF) dieses Jahres klar (siehe CW 39/03, Seite 16). Zugleich präsentierte er Protoypen einiger Geräte, die anzeigen, dass der Chiphersteller zum Sprung in neue Märkte Anlauf nimmt. Drahtlose Kommunikation war das Lieblingsthema der Intel-Referenten auf der Konferenz in San Jose.

"Die Renaissance des Funks" beschwor Intels Chief Technology Officer Patrick Gelsinger. "Wir wollen Wireless zur dominierenden Zugangstechnik machen. Kurz gesagt, kein Kupfer mehr." Intel möchte den Markt der drahtlosen Kommunikation aufmischen, hat aber in diesem ihm neuen Segment alles andere als einen guten Start hingelegt. Eigentlich wollte das Unternehmen im März dieses Jahres ein Centrino-Paket aus stromsparender Pentium-CPU, Chipset und einem kombinierten Wifi-Chip nach den Standards 802.11a und b auf den Markt bringen. Daraus wurde nichts, das Set enthält einen 802.11b-Chip von Philips. Der zweite angekündigte Termin zur Jahresmitte platzte ebenfalls. Jetzt wurde auch die für Ende September 2003 angekündigte reduzierte 802.11a-Version verschoben.

Der Branchenriese tut sich schwer

Nach Firmenangaben ist das Testing der Wifi-Komponenten nicht abgeschlossen, was auf Produktionsprobleme hindeutet. Gleichwohl gibt sich Intel optimistisch. Der Kombichip 802.11a/b soll noch in diesem Monat marktreif sein. Eine Variante nach den Standards 802.11b und g möchte Intel bis Ende dieses Jahres in Produktion gehen lassen. Die für alle Hotspot-Typen geeignete Komponente 802.11a/b/g könnte - schon etwas vager versprochen - in der ersten Hälfte des nächsten Jahres erscheinen.

Wiederfinden soll sich die Multiband-Wifi-Technik in einer neuen Centrino-Generation, die unter dem Titel "Sonoma" läuft. Sie umfasst "Dothan", einen Pentium-M-Prozessor, der über 2 MB Level-2-Cache verfügt und in 90-Nanometer-Technik gefertigt wird. Das macht die CPU kleiner und ermöglicht höhere Taktraten. Hinzu kommen ein derzeit unter dem Codenamen "Alviso" entwickeltes Chipset sowie das Wifi-Element "Calexico 2". Dieses könnte nicht nur die Breitbandstandards 802.11a, b und g, sondern auch die Variante i unterstützen. Angekündigt ist Sonoma für das nächste Jahr.

Auch ein Branchenriese wie Intel tut sich mit neuen Techniken und Märkten schwer, während weit kleinere Hersteller wie Broadcom und Atheros Communications Zwei- und Drei-Band-Chips schon seit einem Jahr liefern. Doch der Hersteller scheut sich nicht, bereits drahtlose Lösungen für die letzte Meile nach dem Standard 802.16a für die zweite Hälfte des Jahres 2004 anzukündigen. Solche "Wimax"-Netze sollen bei einem Durchsatz von 70 Mbit pro Sekunde eine Reichweite von bis zu 50 Kilometern haben.

Integrierte Sprach- und Datenkommunikation

Noch einen neuen Markt peilt Intel an, den für Handys und PDAs. CTO Gelsinger führte auf dem IDF den Prototyp eines "Universal Communicator" vor. Das Handheld verwendet einen "Xscale"-Prozessor für ultrakompakte Geräte. Die unter dem Codenamen "Bulverde" entwickelte CPU soll sehr sparsam mit Energie umgehen, Multimedia-Anwendungen beschleunigen und die Auflösung der Minibildschirme erhöhen. Bulverde ist eine Ausprägung von Intels "Personal Internet Client Architecture" (PCA), in deren Zentrum gleichzeitige Sprachkommunikation und Internet-Zugriff für Handys, PDAs und andere mobile Endgeräte steht. Die Devices können nahtlos zwischen unterschiedlichen Netzen wechseln, ohne die Verbindung zu unterbrechen. So unterstützt der Universal Communicator 802.11b-, GSM- und GPRS-Netze.

Doch Intel wäre nicht Intel, wenn das Unternehmen in San Jose nicht auch Neuigkeiten für PCs und Server vorgestellt hätte. Im Zentrum steht zum einen die "PCI-Express"-Technik, welche die gegenwärtigen PCI- und PCI-X-Architekturen ablösen und mit skalierbaren Bandbreiten von 2,5 bis 80 Gbit pro Sekunde I/O-Funktionen beschleunigen soll. Der für Server vorgesehene "Lindenhurst"-Chip ermöglicht eine direkte Verbindung zu Gigabit-Ethernet-Adaptern sowie anderen Breitbandkomponenten und macht die bisher benötigten teuren I/O-Brückenchips obsolet. In PCs sollen "Tumwater"-Chips die Grafik-Schnittstelle AGP8X ersetzen und ihren Durchsatz auf 4 Gbit pro Sekunde verdoppeln. Entsprechende Chipsets sollen im nächsten Jahr auf den Markt kommen.

Zum anderen hatte Intel Neues für den Server-Markt zu bieten. So stellte das Unternehmen einen Blade-Server "SBXL52" vor, der mit zwei Xeon-Prozessoren arbeitet. 14 dieser Blades haben auf einem Chassis Platz. Im nächsten Jahr will Intel auch eine Vier-Wege-Variante dieses Blade-Typs auf den Markt bringen. Die Xeon-Familie der 32-Bit-Prozessoren wird auf 90-Nanometer-Technik umgestellt. Die erste CPU mit dieser Strukturbreite, Codename "Nocona", wird in der ersten Hälfte des kommenden Jahres erscheinen, gefolgt vom Chip "Jayhawk". Der entsprechende Xeon MP hat den Codenamen "Potomac". Dazu erscheinen neue Chipsätze, die Lindenhurst- und Tumwater-Technik enthalten.

64 Bit nur für Server?

Im 64-Bit-Bereich hat Intel neue Itanium-Prozessoren mit größerem Cache-Speicher angekündigt. Das Unternehmen scheint mit der Entwicklung dieses Markts nicht ganz zufrieden zu sein. So äußerte Intel-Chef Otellini, eine Ablösung der 32-Bit-Systeme auf breiter Front sei zwar "eingeplant, aber noch weit entfernt". Die Entwicklung von 64-Bit-Software hinke hinterher, wie es schon beim Umstieg von 16- auf 32-Bit-Umgebungen der Fall war. Der habe damals rund sechs Jahre gedauert, und "das ist heute nicht viel anders", so Otellini.

Besonders laut trommelt Intel allerdings für den neuen PC-Prozesor "Pentium 4 Extreme Edition". Der ist von seinem Design her weniger ein Pentium 4, sondern vielmehr ein Xeon mit anderem Pin-Layout. Er verfügt über 2 MB Level-3-Cache, während der Pentium 4 nur 512 KB Level-2- und keinen L3-Cache hat. Die Taktgeschwindigkeit des Hyperthreading-Chips beträgt 3,2 Gigahertz. Die CPU soll rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft verfügbar sein. Mit diesem 32-Bit-Chip will Intel explizit PC-Spieler und Power-User ansprechen. Damit versucht das Unternehmen, exakt die Anwendergruppe bei der Stange zu halten, auf die Konkurrent AMD zielt.

AMD konterte wenige Tage nach dem Ankündigungsmarathon des Branchenführers auf dem Intel Developer Forum. Firmen-President und -CEO Hector Ruiz präsentierte in San Francisco vier 64-Bit-Prozessoren für PCs. Die Chips des Typs "Athlon 64" sind genau wie AMDs "Opteron"-CPUs für Server in der Lage, sowohl 64-Bit- als auch 32-Bit-Software auf der Basis eines 64-Bit-Betriebssystems zu verarbeiten. Denn AMD hat die Befehlssätze der alten x86-Architektur nur erweitert, während Intels Itanium-Familie ausschließlich mit den inkompatiblen "Epic"-Befehlssätzen arbeitet.

Desktop-Turbo von AMD

Alle vier Prozessoren haben 1 MB Level-2-Cache, AMDs Hypertransport-Technik und integrierte Memory-Controller. Die jetzigen CPUs sind noch in 130-Nanometer-Technik gefertigt und haben eine Fläche von 195 Quadratmillimetern. In der ersten Hälfte des kommenden Jahres will AMD auf 90 Nanometer Strukturbreite umsteigen.

Spitzenmodell unter AMDs Top-PC-Prozessoren ist der "Athlon 64 FX-51". Er arbeitet mit 2,2 Gigahertz Taktgeschwindigkeit, 128 KB Level-1-Cache und 128-Bit-Memory-Controller und kostet 733 Dollar (hier und im Folgenden Preise jeweils in 1000er Einheiten). Preislich viel attraktiver ist mit 417 Dollar der "Athlon 64 3200+". Diese CPU für Desktops ist 2 Gigahertz schnell und hat wie die folgenden Chips einen 64-Bit-Memory-Controller. Unter dem gleichen Namen, mit identischer Ausstattung und zum selben Preis gibt es einen Prozessor für Notebooks. Die vierte CPU mit der Typenbezeichnung "Athlon 64 3000+" ist ebenfalls für Notebooks vorgesehen. Sie arbeitet mit 1,8 Gigahertz und kostet 278 Dollar. Äußerliches Merkmal der Notebook-Varianten ist, dass sie nicht ummantelt sind.

AMD möchte mit den 64-Bit-Chips vor allem die PC-Spieler und die Power-User für sich gewinnen. Doch das wird nicht leicht. Bisher läuft nur 64-Bit-Linux auf den Prozessoren. Microsoft hat anlässlich der AMD-Präsentation lediglich eine Betaversion von Windows XP vorgelegt. Die endgültige 64-Bit-Variante des Betriebssystems will Microsoft im ersten Quartal 2004 freigeben. Bis dahin müssen die Gamer mit 32-Bit-Windows vorlieb nehmen.

AMD hofft, mit dem Athlon 64 nach acht Verlustquartalen in Folge endlich wieder Gewinne machen zu können. Eine Voraussetzung dafür wird sein, ob andere Hard- und Softwareanbieter ebenfalls darauf setzen, dass 64-Bit-Computing auf dem Desktop sinnvoll ist. Immerhin haben Hewlett-Packard, Fujitsu-Siemens und NEC angekündigt, die Chips in eigene Computer einbauen zu wollen. Besonders willkommen dürften AMD zwei weitere Alliierte sein: Nvidia hat angekündigt, eine auf den Athlon 64 abgestimmte Grafikkarte auf den Markt zu bringen. Und Epic Games beabsichtigt, seine Spiele (unter anderem "Unreal Tournament") an 64-Bit-Systeme anzupassen. Das hätte weitere Folgen; denn auch der Anbieter Electronic Arts verwendet die Games-Engine von Epic für seine PC-Spiele.

Sollte AMD mit dem Athlon 64 Erfolg haben, dann wird Intel - das kann man als sicher annehmen - ebenfalls schnell mit einer 64-Bit-CPU für Desktops auf den Markt kommen. Bisher erklärt Intel, es gebe keine entsprechende Nachfrage. Aber das hat der Chipgigant auch schon bei stromsparenden Prozessoren behauptet - bis Transmeta damit Furore machte und Intel zum Umdenken veranlasste. Und Apple hat mit der 64-Bit-Maschine "G5" bereits mehr als einen Achtungserfolg errungen: Sie verkauft sich flott.