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Peter Glotz und Konrad Seitz kritisieren antiquiertes Management

Die CIM-Tage 1993 waren von labiler Stimmungslage gepraegt

17.09.1993

Waehrend der technisch-wirtschaftliche Teil der aufgrund der Rezession nur maessig besuchten CIM-Tage 1993 in Bielefeld sachlich- konzentriert ablief, ging es bei der abschliessenden Podiumsdiskussion in der Stadthalle hoch her. Die Diskussion des Produktionsstandortes Deutschland foerderte die Verunsicherung ueber die wirtschaftlichen und politischen Veraenderungen zutage.

Dass die vierte Auflage der CIM-Tage nicht die bestbesuchteste sein wuerde, war angesichts der Konjunkturlage klar. Mit 46 Ausstellern waren allerdings nur dreizehn weniger praesent als letztes Jahr in Duesseldorf - von etlichen Rueckziehern kamen erst unmittelbar vor der Messe die letzten drei ins Haus. Doch schon vor der objektiven Auswertung aeusserten sich die Veranstalter positiv. Hubert Schmidt von der veranstaltenden CIM GmbH, Aachen, sprach von sehr guten Diskussionen auf den Staenden, gut besuchten und hochwertigen Vortraegen und von einem qualifizierten Publikum: 58 Prozent der 950 Teilnehmer stammten aus Geschaeftsfuehrungen oder seien DV- beziehungsweise Produktionsverantwortliche. Von 67 Referenten sprachen 14 ueber konkrete Anwendungen.

Bedauerlich sei, so Schmidt, dass wieder einmal vor allem die erreicht wurden, die ohnehin schon ein starkes Bewusstsein der Moeglichkeiten von CIM und Lean Management haetten. Waehrend viele Geschaeftsfuehrer wichtige Wirtschaftspotentiale uebersaehen, naehmen engagierte Mitarbeiter Urlaub, um ohne Unterstuetzung ihrer Firmenleitung den Anschluss an moderne Fertigungstechnologien zu behalten.

Zu den neuen Ausstellern gehoerte Computer Associates. Das Unternehmen war vor allem um Aufmerksamkeit hinsichtlich seiner Unix-Kompetenz bis in CIM-Anwendungsbereiche hinein bemueht. IBM zeigte einmal mehr den Stand der Technik beim hauseigenen CAD/CAM- System Catia und aeusserte klammheimliche Freude ueber den unfreiwilligen Vertriebspartner Autoindustrie, der dieses IBM- Produkt oftmals seinen Zulieferern aufzwingt.

Weniger produkt-, dafuer mehr beratungs- und kundenorientiert gaben sich andere Unternehmen. Das Angebot von Experteam - Firmenmotto: "Ihre Geschaeftsprozesse werden nicht von selbst ,lean+" - liess sich als einziges auch unter wissensbasierte Systeme subsummieren. Die Veranstalterfirma CIM GmbH war mit einer eigens entwickelten Dokumentationssoftware fuer Transparenz von Datenbestaenden vertreten.

Das Saarbruecker CAM-Unternehmen des CIM-Papstes Scheer praesentierte seinen von der CeBIT her bekannten Ressourcen- Leitstand. Ein Mitarbeiter aeusserte sich positiv ueber die aktivere Haltung vieler Unternehmen im Gegensatz zum Vorjahr: "Es wird wieder investiert."

Besondere Aufmerksamkeit galt CAP- und CAQ-Loesungen. Computer Aided Planning (CAP) ist heute in der Lage, Angebote, Stuecklisten und Arbeitsplaene zu generieren, basierend auf einer Wissensbasis, die auch, wie die Camos GmbH demonstrierte, auf einem Laptop Platz finden kann. Die computer- gestuetzte Qualitaetssicherung (CAQ) zog diverse Interessenten an, weil viele europaeisch engagierte Unternehmen sich um die Einhaltung der Qualitaetssicherungsnormen (EN 29000 beziehungsweise ISO 9000 sowie EN 45000) kuemmern muessen.

Das starke Engagement der Industrie- und Handelskammern Arnsberg, Bielefeld, Bochum, Detmold, Dortmund, Hagen, Muenster und Siegen schon im Vorfeld der CIM-Tage und waehrend der Veranstaltung liegt sicher nicht zuletzt darin begruendet, dass der ostwestfaelische Raum einen starken Schwerpunkt im stark angeschlagenen Investitionsguetergewerbe besitzt. Ausserdem verfuegen nur 0,3 Prozent der ostwestfaelischen Betriebe ueber mehr als 500 Beschaeftigte. Die Konkurrenzfaehigkeit der vielen Kleinbetriebe liegt, so hat man erkannt, in der "Produktionskostensenkung bei gleichzeitiger Verbesserung der Flexibilitaet" - ein echtes CIM- Thema.

Hoehepunkt war die, leider aufgrund des letzten Messetages nur schwach besuchte, Podiumsdiskussion ueber die unerwartete Schwere der jetzigen Wirtschaftsprobleme. Das "Forum fuer innovative Loesungen zur Kostensenkung im Betrieb" (Untertitel der CIM-Tage) geriet mit der Diskussion unmittelbar zur politischen Veranstaltung.

MdB Peter Glotz polemisierte gegen die Moral- und Arbeitsethik- Apostel im Gewande der Kulturkritiker, die wie Podiumsgast Gerd Moeller, Geschaeftsfuehrer der Kloeckner Moeller GmbH, von den guten alten Zeiten schwaermen, als die Arbeitnehmer sich noch mit ihrem Job und dem Unternehmen identifizierten. Den verantwortlichen Wirtschaftspolitikern warf er vor: "Ueber die wirklich grossen Themen wird nicht diskutiert."

Wie Glotz forderte Konrad Seitz, deutscher Botschafter in Italien, energische Anstrengungen im Bereich der Schluesseltechnologien. Er sieht gar Gewaltausbrueche voraus, falls nicht bald etwas in dieser Richtung geschieht.

Ernst du Maire, Geschaeftsfuehrer der Heidenreich & Harbeck Giesserei GmbH, hofft ebenfalls auf eine ernsthafte Diskussion, jetzt, da die klassischen Indu- strien in eine existentielle Krise geraten seien, wie etwa der Maschinenbau, der heute 40 Prozent Produktionsrueckstand aufweise. Es reiche nicht, beim Export nur Europa im Auge zu haben, noch sei Substanz vorhanden, auch weltweit aufzuschliessen.

Einig waren sich Kultur- und Strukturkritiker lediglich darin, dass auch die Hinwendung zum Einsatz von Hochtechnologien keinen vollstaendigen Ersatz fuer verlorene Arbeitsplaetze garantiert. Den Zuhoerern aus mittelstaendischen Unternehmen konnte freilich niemand sagen, was konkret als naechste Schritte fuer sein Unternehmen in Frage kaeme.