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21.12.2015 - 

Managed Service Provider sind gefragt

Die Cloud ist im deutschen Mittelstand angekommen

René Büst ist Technology Analyst & Advisor mit dem Fokus auf Cloud Computing und IT-Infrastrukturen. Er ist Mitglied des weltweiten Gigaom Research Analyst Network und gehört weltweit zu den Top 50 Bloggern in diesem Bereich. Seit Ende der 90er Jahre konzentriert er sich auf den strategischen Einsatz der Informationstechnologie in Unternehmen.
Lange Zeit fremdelten mittelständische Unternehmen hierzulande mit der Cloud. Doch das Bild hat sich gründlich verändert.

Cloud Computing, das für viele Unternehmen im US-amerikanischen Raum schon seit Jahren zur Realität gehört, hat sich auf dem europäischen Kontinent und speziell im deutschen Markt zunächst nur schleppend entwickelt. Insbesondere der deutsche Mittelstand, die Hochburg vieler "Hidden Champions", verhält sich bei neuen IT-Trends oft zurückhaltend; bisher galt das auch für die Cloud.

Insbesondere seit Ende 2014 lässt sich in Deutschland eine spürbar belebte Nachfrage nach Cloud-Services beobachten. Allerdings ist hierbei festzuhalten, dass der deutsche Mittelstand mit dem flexiblen Bezug von IT-Ressourcen lange Zeit gefremdelt hat. Doch wie sieht es im Jahr 2016 aus? Worauf müssen sich Cloud-Anbieter und -Dienstleister einstellen?

Dieser Frage ist Crisp Research in der Studie "Multi-Cloud-Management im deutschen Mittelstand", nachgegangen. Im Auftrag der Nexinto GmbH wurden dazu 222 IT-Entscheider aus mittelständischen deutschen Unternehmen befragt. Die drei Key-Findings der Studie lauten:

• Die Cloud ist im Mittelstand angekommen.

• Der Mittelstand kann mit einem der Hauptcharakteristika der Public Cloud, dem Self-Service, nichts anfangen.

• Managed Services und Managed Public Cloud Provider (MPCP) haben in diesem Kontext eine große Bedeutung.

Cloud Computing im Mittelstand ist der Normalfall

Die Studie zeigt, dass die Cloud im Jahr 2015 in den mittelständischen Unternehmen angekommen und in den IT-Abteilungen von der Ausnahme zum Normalfall geworden ist. Über 85 Prozent der Mittelständler befinden sich derzeit in der Phase der aktiven Planung und Implementierung oder bereits im produktiven Betrieb von Cloud-Services und -Technologien. Dabei lassen sich schon gut 25 Prozent als Cloud-Profis identifizieren, für die Cloud ein fester Bestandteil der IT-Strategie ist oder bereits im IT-Betrieb eingesetzt wird. Ein weiteres Drittel lässt sich den Einsteigern zuordnen, die Cloud-Lösungen im Rahmen erster Projekte und Workloads betreiben. Etwas weniger als ein Drittel (27 Prozent) der Befragten plant und evaluiert aktuell Cloud-Angebote und lässt sich somit den Cloud-Planern zuordnen.

Cloud Computing und die IT-Strategie
Cloud Computing und die IT-Strategie
Foto: Crisp Research AG, 2015

Nur noch eine Minderheit von knapp 15 Prozent zählt sich zu den Cloud-Verweigerern und gab an, dass Cloud-Services und -Technologien heute wie auch zukünftig keine Bedeutung innerhalb ihrer IT-Strategie haben. Für diese Gruppe drängt sich die Frage auf, wie sie ihr Unternehmen im Rahmen der Umgestaltung der Geschäftsprozesse und -modelle auf IT-Infrastrukturebene aufstellen wollen. Denn das ist ein notwendiger Teil der Digitalisierungsstrategie.

Cloud Deployment-Modelle
Cloud Deployment-Modelle
Foto: Crisp Research AG, 2015

Gefragt nach dem bevorzugten Cloud-Deployment-Modell zeichnet sich unter den mittelständischen Cloud-Nutzern (n= 189) kein eindeutiges Bild ab. Etwas mehr als ein Drittel gab an, die Applikationen und Systeme innerhalb einer eigenen Private Cloud-Umgebung zu betreiben. Aber auch die Public Cloud kommt im deutschen Mittelstand gar nicht so schlecht weg, wie immer behauptet. Etwas weniger als ein Drittel der IT-Entscheider (27,5 Prozent) setzt auf dieses Deployment-Modell, um die eigenen Mitarbeiter mit modernen Lösungen und IT-Ressourcen zu versorgen. Die Hybrid- und Multi-Cloud-Formen sind mit 25,9 beziehungsweise 12,7 Prozent der Nennungen noch etwas unterrepräsentiert. Das lässt sich mit der hohen Komplexität der Integration und den dafür notwendigen Kenntnissen erklären.

In Zukunft wird sich allerdings ein anderes Kräfteverhältnis zeigen. Sowohl der reine Public-Cloud-Einsatz (von 27,5 Prozent gefallen auf 10,6 Prozent) als auch die reine Private Cloud-Nutzung (von 33,9 Prozent auf 20,6 Prozent gesunken) nehmen deutlich ab. Hybrid Cloud-Umgebungen steigen dagegen von 25,9 Prozent auf 32,8 Prozent und Multi-Cloud-Umgebungen sogar von 12,7 Prozent auf 36 Prozent.

Es lässt sich somit festhalten, dass mittelständische IT-Entscheider verstanden haben, dass eine moderne, Cloud-basierte IT-Welt nicht nur schwarz oder weiß gezeichnet werden sollte. Vielmehr ist Vielfalt gefragt, um Services und Innovationskraft über eine größere Menge von Cloud-Anbietern einzukaufen. Private Clouds stoßen hier schnell an ihre Grenzen und können mit den Vorteilen einer Public Cloud, darunter Skalierbarkeit, Innovationskraft oder der Wegfall von Investitionskosten, nicht mithalten. Andererseits ist es risikoreich oder derzeit schlicht unmöglich, auf einen One-Stop-Shop-Anbieter aus der Public Cloud zu setzen, der alle Anforderungen und Wünsche erfüllen kann. Ein gesunder Mix aus beiden Welten führt zum Erfolg, was den hybriden Ansatz beziehungsweise ein Multi-Cloud-Szenario so attraktiv macht.

Der Mittelstand kann mit dem Self-Service nichts anfangen

Eine besondere Eigenschaft der Public Cloud ist das Self-Service-Modell. Hierbei übernimmt der Anbieter, je nach Portfolio, nur auf bestimmten Ebenen des Cloud-Stacks Verantwortung für den Betrieb und die Sicherheit der Services. Dieses sogenannte Shared-Responsibility Konzept zeigt sich insbesondere im Infrastructure-as-a-Service (IaaS-)Umfeld von seiner unbequemen Seite, was schon so manchen Anwender vor eine Herausforderung gestellt hat.

Verantwortungsverteilung in der Public Cloud
Verantwortungsverteilung in der Public Cloud
Foto: Crisp Research AG, 2015

Gefragt nach der Verantwortungsverteilung im Rahmen der Nutzung einer Public Cloud-basierten IaaS-Umgebung, lässt sich eindeutig feststellen, dass mittelständische Cloud-Nutzer dass Shared-Responsibility Modell nicht verstehen. Bei allen Fragen rund um den Betrieb und die Sicherheit, von der physikalischen RZ-Infrastruktur bis hin zu den eigenen Systemen, Anwendungen und Daten, nehmen mittelständische IT-Entscheider den Public Cloud-Anbieter in die Pflicht.

Erwartungsgemäß sieht vor allem die Geschäftsführung oder der Vorstand den Anbieter in der Pflicht, die Aufgaben innerhalb der Public Cloud-Infrastruktur zu übernehmen. In den Köpfen von Top-Entscheidern mittelständischer Cloud-Einkäufer ist das Thema klassisches Outsourcing offenbar weiterhin sehr präsent. Allerdings liegen auch die IT-Architekten und Manager der Cloud-Computing-Einheiten bei der Zuordnung der Verantwortung nicht immer richtig. Der Großteil dieser Expertengruppe sieht die Public-Cloud-Anbieter in der Pflicht und zieht sich beziehungsweise das eigene Unternehmen aus der Verantwortung.

Einerseits muss man die mittelständischen Cloud-Sourcer in Schutz nehmen. Denn dieses Ergebnis zeigt ja nur, dass die großen Public-Cloud-Anbieter es in den vergangenen acht Jahren schlicht versäumt haben, die notwendige Aufklärungsarbeit zu leisten. Anderseits haben es mittelständische Unternehmen in den vergangenen Jahren nicht für nötig gehalten, sich mit der Public Cloud proaktiv zu beschäftigen und diese stattdessen lieber in Frage gestellt. Das rächt sich nun und beide Seiten sollten anfangen, ihre Hausaufgaben zu erledigen. Das beginnt durchaus bei den Public-Cloud-Größen, die ihr Marketing bezüglich der Shared-Responsibility klarer und transparenter ausrichten sollten.

Managed Services und Managed Public Cloud Provider haben eine hohe Bedeutung

Das fehlende Verständnis beim Aufteilen der Verantwortlichkeiten spiegelt sich im Bedarf nach externer Unterstützung. Gefragt nach den Bereichen, in denen mittelständische Cloud-Einkäufer Hilfe benötigen, gab ein Drittel an, bei der Integration von Applikationen und Systemen in der Cloud sowie deren Betrieb in einem Managed Services-Modell auf das Expertenwissen von Dritten zurückzugreifen. Geht es um die Modellierung von Architekturen und das Design von Infrastrukturen, Applikationen und Services, setzen rund 28 Prozent der mittelständischen IT-Entscheider auf Unterstützung von außen.

Nutzungsarten der Public Cloud
Nutzungsarten der Public Cloud
Foto: Crisp Research AG, 2015

Die Suche nach externer Hilfe zeigt deutlich, dass der Aufbau einer Dynamic IT (vgl. "Digitalisierung, Fast and Slow: Legacy & Innovation mit der Cloud") in mittelständischen Unternehmen für die IT-Abteilungen nicht einfach ist. Nur wenige werden den Aufbau ihrer Public-, Hybrid- oder Multi-Cloud aus eigener Kraft schaffen. Auch deshalb antworteten die wenigsten befragten Entscheider auf die Frage nach dem Verantwortungs-Modell bezüglich der Public Cloud-Infrastrukturen, dass sie einen Self-Service vorziehen (15 Prozent). Weitere 30 Prozent gaben an, dass sie Teile des Cloud-Betriebs und der Administration im Self-Service und andere Teile im Managed Service realisieren. Ein Großteil (55 Prozent) will hauptsächlich das Managed Cloud-Modell nutzen. Damit buchen die Nutzer gewissermaßen ein Rundum-sorglos-Paket, in dem der oder die Dienstleister nicht nur den Betrieb sicherstellen, sondern darüber hinaus auch Aufbau, Integration, Sicherheit, Applikationsverwaltung etc. übernehmen.

Cloud: Die Frage nach dem "wie" bleibt!

Wie die Ergebnisse der Studie zeigen, ist die Cloud nun definitiv auch im deutschen Mittelstand angekommen. Eine "Neinsager-Quote" von nur noch 14,9 Prozent ist ein eindeutiges Indiz dafür, dass die große Mehrheit die Cloud als das operative Rückgrat der digitalen Transformation erkannt hat.

Die Entscheider stellen nicht mehr die Frage nach dem "ob", sondern dem "wie". Allerdings sorgt genau diese Frage unter den Mittelständlern weiterhin für Kopfzerbrechen. Das mangelnde Verständnis für die Verantwortlichkeiten in der Public Cloud wird zu einer kritischen Variable auf ihrer Cloud-Reise werden. Als weiße Ritter bringen sich hier die sogenannten Managed Public Cloud Provider (MPCP) in Position. Sie entwickeln und betreiben die Systeme, Applikationen und virtuellen Umgebungen ihrer Kunden. Das funktioniert in Public-Cloud-Infrastrukturen ebenso wie in komplexeren Multi-Cloud-Umgebungen in einem Managed-Cloud-Service-Modell. (wh)

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Guido Frommwald

Die hippe Cloud ist nichts anderes als ein server im keller von jemand Fremden. IT Verantwortliche sollten maximal den private cloud ansatz verfolgen, public- oder hybride Lösungen sind nicht mit dem deutschen datenschutzrecht vereinbar, zuwiderhandeln kann justiziable konsequenzen nach sich ziehen.

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