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10.06.1994

Die Corba-Dinger interoperieren ja nicht mal untereinander

CW: Viele Ihrer potentiellen Kunden warten gespannt auf den Windows-NT-Nachfolger Cairo. Dessen Auslieferung wurde gerade um etwa ein Jahr - von Anfang auf Ende 1995 - verschoben. Warum?

Allchin: Wir haben Cairo zurueckgestellt, um uns voll und ganz auf Daytona konzentrieren zu koennen. Daytona ist ein Release, das von den Kunden forciert wird. Sie wollten mehr Groesse, Durchsatz und Funktionalitaet. Also mussten wir Leute von der Arbeit an Cairo abziehen und bei Daytona einsetzen.

CW: Boese Zungen behaupten, Sie wollen Cairo zurueckhalten, bis sich das naechste NT-Release, naemlich Daytona, genuegend oft verkauft hat.

Allchin: Cairo ist kein neues Betriebssystem, sondern nur das naechste NT-Release mit einigen zusaetzlichen Funktionen. Und sobald wir Daytona ausgeliefert haben, holen wir alle Entwickler zurueck zu Cairo. Der Grund, warum sich Cairo verzoegert, ist lediglich der, dass wir zu viel Entwicklungsressourcen auf Daytona verlagert haben.

CW: Im Unterschied zum Daytona-Release haben Sie Cairo aber als ein objektorientiertes Betriebssystem angekuendigt - was immer das heisst!

Allchin: Es bedeutet, dass wir eine Infrastruktur schaffen, mit deren Hilfe die Leute ihre Applikationen anpassen koennen. Zum Beispiel stellt sich bei der Manipulation von Objekten heraus, dass Chicago - da es mit wenig Speicherplatz auskommen muss - OLE nicht voll ausnutzt. Bei Cairo ist das anders: Hier kommt OLE voll zur Entfaltung. Aber der Betriebssystem-Kernel bleibt davon unberuehrt. Er bekommt nur wenige neue Features - nichts Dramatisches.

CW: OO-Experten wie der OMG-President Chris Stone werfen Microsoft vor, Sie haetten keine Ahnung von Objektorientierung. Beispielsweise wuerden Sie die Vererbung - eine Schluesselfunktion objektorientierter Systeme - in Bausch und Bogen verdammen.

Allchin: Es ist schade, dass Chris so etwas sagt. Unserer Ansicht nach werfen die Leute eine Menge unterschiedlicher Dinge in die "Objekt"-Kiste: Entwicklungswerkzeuge, Klassenbibliotheken, Compiler, Datenbanken, Objektmodelle ... Und da gibt es Bereiche, in denen Sie die Vererbung benoetigen, und andere, in denen Sie sie nicht werden haben wollen - oder jedenfalls nur in eingeschraenktem Masse.

CW: Nennen Sie bitte Beispiele.

Allchin: Die Foundation Classes in Visual C++ bieten volle Unterstuetzung fuer die Vererbung - sowohl in bezug auf die Schnittstellen als auch auf die Implementierung. Hier gehen wir davon aus, dass alle Objekte auf derselben Maschine laufen und die Entwickler mit denselben Komponenten arbeiten. Im Objektmodell fuer OLE hingegen bezieht sich die Vererbung nur auf die Schnittstellen, aber nicht auf die Implementierung. Der Grund dafuer ist, dass sich Komponenten, die auf unterschiedlichen Maschinen laufen, austauschen lassen muessen, ohne dass die anderen Komponenten dadurch beeinflusst werden. Wenn Sie hier eine Vererbung der Implementierung zulassen, werden Sie interessante Probleme bekommen.

CW: Wie weit sind Microsoft und Digital Equipment eigentlich mit ihren Bemuehungen, Interoperabilitaet zwischen OLE und Corba herzustellen?

Allchin: Das ist eine merkwuerdige Frage.

CW: Inwiefern?

Allchin: Eines der grossen Problem bei Corba ist, dass es ueberhaupt keinen Standard fuer Interoperabilitaet gibt.

CW: Nicht in Corba 1 ...

Allchin: Genau! Also, die Leute haben uns gesagt: Ich will, dass meine Altsysteme Zugriff auf OLE bekommen; gebt uns diese Moeglichkeit. Also habe ich auf einen Standard gewartet, der uns die Interoperabilitaet mit anderen Plattformen erlaubt, denn moeglicherweise werden wir OLE ja nicht auf MVS portieren. Aber dieser Standard kam nicht; Corba bietet keinen Netzstandard.

CW: Ist das Thema Corba damit fuer Microsoft abgehakt?

Allchin: Ich denke nicht so viel ueber Corba-Interoperabilitaet nach. Denn heute interoperieren diese Corba-Dinger ja nicht mal untereinander. Meiner Ansicht nach wird das Netzprotokoll, das wir (mit Digital Equipment, Anm. d. Red.) spezifizieren, dasjenige sein, das die Leute benutzen. Aber wenn es jemals ein Standardprotokoll gibt und die Kunden es fordern, finden wir einen Weg, wie wir damit interoperieren koennen.

Jim Allchin ist Vice-President Business Systems Divisions bei der Microsoft Corp., Redmond, Washington. Das Gespraech fuehrte CW- Redakteurin Karin Quack.