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03.04.1980

Die Datenpaket-Technik ist noch nicht zu kaufen

Herr Steuer, mit dem Projekt "PAPA" prüft der Verband Deutscher Rechenzentren die Möglichkeiten, den Datenvermittlungsdienst Datex-P der Bundespost in Service-Rechenzentren zu nützen. Zumal Datex-P verspricht, daß dadurch auch in den Bereichen, in denen nur geringer Datentransfer stattfindet, Datenfernübertragung preiswert durchgeführt werden kann. Wie weit ist PAPA aus lhrer Sicht als Projektleiter gediehen?

Wir haben im Jahre 1979 die wesentlichen planerischen Vorarbeiten durchgeführt, haben die Konzeptionsphase durchlaufen und sind mit Ausgang des Jahres 1979 in konkrete Entwicklungen in Technik und Anwendung eingetreten.

- Der Zeitplan stimmt, stimmen auch noch die Rechenansätze: Wird Datex-P tatsächlich dem Anwender bei geringen Übertragungsvolumina ein wesentlich preiswerteres Arbeiten ermöglichen, als dies mit festgeschalteten Leitungen durchführbar wäre?

Wir sind in den letzten Wochen sehr intensiv in die Anwendung in den Rechenzentren eingestiegen. Wir haben die spezifischen Probleme vor Ort untersucht und festgestellt, daß die ursprünglich angedachte Gebührenstruktur, die durch die Bundespost in den gravierenden Elementen auch immer noch aufrechterhalten wird, gerade in den geringen Übertragungsvolumina das Attraktive an Datex-P ausmachen wird. Vor allem, wenn Übertragungen im Dialogverkehr abgewickelt werden, die nur spontan innerhalb einer längeren Sitzung die Leitung in Anspruch nehmen, dann dürfte nach unseren heutigen Erkenntnissen Datex-P der ideale Übertragungsdienst sein.

- Haben Sie schon Formeln entwickelt, die der Anwender unterlegt, um kalkulieren zu können, bis zu welchem Datenvolumen er Datex-P nutzen soll?

Unsere Beratung gegenüber dem Anwender ist grundsätzlich so ausgerichtet, daß im Rahmen des Pilotvorhabens Anwendungen empfohlen werden, die auch nach Ablaufen des gebührenfreien Probebetriebsjahres dem Wettbewerb standhalten . . .

. . . eine sehr philosophische Formulierung - dem Wettbewerb standhalten. Führen Sie Alternativ-Rechnungen durch?

Wir ziehen grundsätzlich alle Dienstleistungen der Deutschen Bundespost in die Wirtschaftlichkeitsüberlegungen mit ein. Wir gehen auch soweit, daß wir dem Anwender sehr klar vor Augen halten wenn seine vorgesehene Anwendung nach unseren Erkenntnissen unter Datex-P nicht wirtschaftlich sein wird.

- Wann ist Datex-P nicht wirtschaftlich?

Ganz klare Erkenntnis: Bei Massendatenübertragung. Hier kann man aus heutiger Sicht nur empfehlen, den Hauptanschluß für Direktruf weiterhin als das geeignete Übertragungsmedium zu wählen.

- Wo ist der Break-even-point für Massendaten-Transfer? Wo beginnen also Massendaten und wo endet Datex-P?

Da wird heute die Entscheidung dem Anwender doch recht schwer gemacht, weil es nicht mehr über zwei oder drei Einzel-Kriterien möglich ist, die Entscheidung nach gut oder böse zu treffen. Sondern hier muß nach einer ganzen Reihe von Leistungsmerkmalen spezifisch untersucht werden: Entfernung, Gebühren, Übertragungszeiten, Sonderleistungen, oder will man die gesamte Last gebührentechnisch auf einen Anschluß konzentrieren, um damit von einer Degression in der Volumengebühr Gebrauch zu machen? Saubere Entscheidungen gibt es nur, wenn man die Anwendung von Grund auf analysiert und dann die Ergebnisse nach Volumen und Übertragungszeit in den alternativen Dienstleistungsangeboten der Post von A-Z durchrechnet.

- Sie sind aus der theoretischen Überhöhung des Projektleiters sicherlich in der Lage, eine saubere Lösung zu entwerfen. Meinen Sie, daß auch der Anwender dazu in der Lage ist? Kann er analysieren, welche Informationsmenge jederzeit über die Leitung geht?

Das Gesamtangebot der Deutschen Bundespost im Dateldienst kann nur durch systematische Auseinandersetzung mit diesem Angebot effizient genutzt werden. Das wird zwangsläufig mit sich bringen, daß eine sehr große Nachfrage nach Schulungen einsetzen wird, weil der Anwender klassischer Prägung, heute ohne weitere intensive Schulung, zumindest unserer Erfahrung nach, nicht in der Lage ist, mit seinem vorhandenen Wissen in diesem Feld selbständig und kurzfristig Entscheidungen zu treffen.

- Wenn Sie den Schulungsaufwand auf der Zeitachse auftragen: Wie lang fährt der durchschnittliche Anwender auf dieser Schiene?

Zwei- bis dreiwöchige Schulungen werden in der Summe notwendig sein, um in einem größeren System die richtige Entscheidung treffen zu können. Das gilt natürlich nicht für den Fall, in dem nur mal eben ein Terminal an die Leitung anzuschalten ist, sondern für Applikationen, wo es darum geht, wirtschaftlich zu betreibende flächendeckende Systeme

zu installieren.

- Mit Datex-P soll ja auch ein offenes Netz entstehen: Nun gibt es Hersteller, die nur kleines Interesse an offenen Netzen und an unmittelbarer Rechner-Kommunikation mit Konkurrenz-Produkten haben. Wie aktiv unterstützt der Marktführer IBM das Entstehen eines offenen Netzes und wie engagiert arbeitet Siemens als größter deutscher Hersteller mit?

Mit unserem Projekt haben wir systemorientierte Anwendergruppen gebildet, in die die Hersteller integriert sind. Wir haben zum Beispiel eine Gruppe, die IBM-orientiert ist, eine weitere, die mit Siemens-Gerät arbeitet, eine dritte, die mit Honeywell Bull- und eine vierte, die mit Digital Equipment- und Hewlett-Packard-Gerät ausgestattet sind. Innerhalb dieser Gruppen ist mit allen dahinterstehenden Herstellern die Arbeit insoweit aufgenommen, als daß die Hersteller die Gruppen beraten. Zugegeben natürlich: mit etwas unterschiedlicher Intensität. Aber es wäre falsch zu behaupten, daß sich diese Hersteller grundsätzlich aus der Arbeit ausblenden.

- Um den Sprung in die Technik zu machen: Wie weit sind denn nun Schnittstellen definiert und Protokolle festgelegt?

Ein wesentliches Ziel des Projektes ist es, die Protokollebenen oberhalb der nach CCITT festgelegten ersten drei Ebenen, die durch X.25 beschrieben sind, entwickeln zu lassen. In diesem Bereich sind es nach dem ISO-7-Schichten-Modell die Ebenen vier, fünf und sechs, in denen papaspezifische Protokollentwicklungen zum Tragen kommen.

- Was soll in den Ebenen vier, fünf und sechs jeweils festgelegt werden?

Ich möchte in diesem Fall auf die Begriffe zurückgreifen, die aus der Übersetzung der ISO-Terminologie resultieren. Demnach sind es in der Ebene vier die Protokolle der Transportebene, die zu entwickeln sein werden. In der Ebene fünf ist die Sitzung abzuwickeln. In der Ebene sechs ist die sogenannte Darstellungsebene angesiedelt, in der virtuelle Terminals die gerätespezifischen Funktionen abbilden werden.

- Wenn man davon ausgeht, daß durch X.25 die drei untersten Ebenen festliegen: Wieviel Nebel liegt noch über den Protokollebenen vier, fünf, sechs?

Auch in den höheren Protokollebenen lichtet sich der Nebel zusehends. Wir sind vom Projekt PAPA her in der Situation, die Definitionsarbeiten in den Ebenen vier und fünf so gut wie abgeschlossen zu haben. Das gleiche gilt für die Schnittstelle zwischen den Ebenen vier und fünf. Wir haben darüber hinaus die Grobspezifikation in der Ebene sechs, einschließlich dem virtuellen Terminal und dem Mapping, der Abbildung marktgängiger formatorientierter Geräte, insoweit im Griff, als daß sich auch hier kurzfristig Detailspezifikationen anschließen werden.

- Da das so schnell ging: Sie konnten wohl auf Vorarbeiten zurückgreifen? Wer hat hier Know-how geliefert?

Erst einmal die Aktivität der internationalen Normung in der ISO, der International Standardisation Organisation, die mit ihrem Referenzmodell gewisse Vorarbeiten geleistet hat, dann sind im Rahmen verschiedener Fördervorhaben durch den Bundesrninister für Forschung und Technologie konkrete Vorentwicklungen in den Protokollebenen erfolgt; beispielsweise sei hier das Vorhaben PIX genannt. Darüber hinaus sind im Bereich des Landesamtes für Datenverarbeitungs-Statistik und des Landes Nordrhein-Westfalen konkrete . Implementierungen unter anderem im Rahmen der Finanzverwaltung in der Durchführung, mit dem Vorteil, daß bereits Teilfunktionen in der Realisierung nachgewiesen werden konnten.

- Herr Steuer, wer viel Gehirnschmalz in solch ein Projekt hineingestrichen hat, der besteht natürlich darauf, daß besonders seine Erfahrungen berücksichtigt werden. Gab's Positionsgerangel?

Es war mal die Befürchtung da, daß es zu Komplikationen kommen würde. Aber während der Arbeit haben erfreulicherweise alle beteiligten Stelen festgestellt, daß keiner allein die Protokolle entwikkeln kann. Dementsprechend hat jeder sinnvolle Abstriche getätigt und zu einem guten gemeinsamen Vielfachen beigetragen. Nach dem Stand der Diskussion sind die vorliegenden Ergebnisse unmittelbar zur Weiterverwendung als wesentlicher Bestandteil der Einheitlichen Höheren Kommunikationsprotokolle - EHKP - geeignet. Die Protokolle der Ebene vier werden desweiteren im Bildschirmtext Rechnerverbund mit Diensteinführung Verwendung finden.

- Diskussionen gab's um die Knotenrechner bei Datex-P.

Da hat sich die Bundespost zu Gunsten der Northern Telecom Inc. entschieden.

- Die doch damals wohl im Wettbewerb mit Siemens stand?

. . . unter anderem.

- Und warum ging der Wettbewerb zu Gunsten Northern Telecom aus?

Wir glauben, ausschlaggebend war, daß Northern Telecom bereits ein nationales Netz, nämlich das kanadische, mit seiner Technologie ausgestattet hatte und den Funktionsnachweis, den die Deutsche Bundespost forderte, eindeutig bringen konnte.

- Dieses Verhalten, das beste Produkt und nicht unbedingt einen nationalen Anbieter zu verwenden, scheint für das bisher geübte Auswahlverhalten der Bundespost ziemlich einmalig.

Ich weiß nicht, ob es einmalig ist. Aber zumindest ist es eine spektakuläre Entscheidung.

- Ist Siemens jetzt out?

Siemens ist jetzt mit Geräten nicht im, aber am Netz: Wir haben innerhalb unseres Projektes im Rahmen einer Ausschreibung 34 potentielle Anbieter anaIysiert und aufgrund objektiver Kriterien ein Produkt des Hauses Siemens als Netzanpassungsrechner für unser System gewählt.

- Welches?

Ein Acht-Bit-Mikroprozessor-System, das in gemeinsamer Arbeit zwischen Siemens und der Universität Karlsruhe mit Fördermitteln entwickelt wurde.

- Wann darf der Anwender damit rechnen, Datex-P im aktiven Betrieb nutzen zu können?

Aus der Sicht der Deutschen Bundespost wird das Netz zum ersten Juli diesen Jahres funktionsfähig zur Verfügung gestellt werden. Der Anwender wird es unserer Erfahrung nach etwas schwerer haben, die Dienstleistung des Netzes gleich zu Beginn in voller Breite zu nutzen. Wir hatten bereits eingangs festgestellt, daß bei den Anwendern, zumindest den Kleineren, eine sehr große Informationslücke vorhanden ist, die durch Schulung und Probeanwendung abgedeckt werden muß. Auf der anderen Seite sind auch bei den Herstellern unserer Erfahrung nach X.25-Schnittstellen in Terminals, Front-End-Prozessoren oder auch in den Rechnern selbst, nur in sehr begrenztem Maße verfügbar. Das heißt also: Selbst wenn der Anwender wollte, würde er bei seinem Hersteller, bezogen auf sein spezifisches Betriebssystem, nicht einmal die Technik kaufen können.