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11.06.1982 - 

Comecon-Länder auf der Hannover-Messe:

Die DDR und Ungarn bestimmten das Angebot

Mit zum Teil neuen Exponaten ihrer Computerindustrie warteten die Comecon-Länder auch in diesem Jahr wieder auf der Hannover-Messe auf. Die DDR und Ungarn präsentierten sich dabei mit dem breitesten Leistungsspektrum, während die Sowjetunion wie schon 1981 nicht vertreten war.

Das Kombinat Robotron Dresden aus der DDR, alleiniger Hersteller rechentechnischer Erzeugnisse, war wiederum mit seiner neuesten Rechen- und Bürotechnik in Hannover vertreten. Im Mittelpunkt des Robotron-Angebotes stand das kommerzielle Basisrechnersystem A 6402 dessen Grundlage der Robotron-Mikrorechner K 1630 mit 16 Bit Verarbeitungsbreite und zwei CPU U 830 mit je acht Bit bildet. Dieses System gehört wie die ebenfalls vorgestellten Bürocomputersysteme A 5110 und A 5120 (Basis: Robotron-Mikrocomputersystem K 1520 mit 8-Bit-CPU U 880 D), das Datenerfassungssystem A 5220 (Mehrplatzsystem zur Erfassung von Massendaten auf Magnetdatenträgern mit DFÜ-Anschluß, Seriendrucker und Bildschirm) und die vorgestellten OEM-Erzeugnisse zum neuen Erzeugnisprogramm "Dezentrale Datentechnik".

Daneben stellte Robotron spezielle Anwenderlösungen vor. Hierzu zählte vor allem das bereits auf der Leipziger Frühjahrsmesse erstmals demonstrierte System zur "Bestrahlungsplanung Dopsy". Nach den Messeinformationen kann damit eine individuelle Bestrahlungsplanung für jeden an Krebs erkrankten Patienten durchgeführt werden, bei der neben den Parametern des Bestrahlungsgerätes auch die individuellen topometrischen Verhältnisse des Erkrankten im Bestrahlungsfeld berücksichtigt werden. Hardwareseitig besteht das System aus dem Mikrorechner K 1630 als Zentralprozessor und einer auf den konkreten Anwendungsfall bezogenen Peripherie.

Außerdem stellte Robotron das Org.- und Softwarepaket "Marmedo" und das Geburtenüberwachungssystem "Natali" vor. Das Marmedo-Softwarepaket enthält unter anderem Möglichkeiten der Röntgen- und EKG-Befundbeschreibung sowie eine rechnergesteuerte Terminkontrolle. Das System Natali dagegen ist für eine mikrorechnergesteuerte Überwachung des Geburtenvorganges konzipiert worden. In beiden Fällen bildet das Bürocomputersystem A 5120 mit spezieller Konfiguration die Basis.

Die neue Fertigungslinie "Dezentrale Datentechnik" von Robotron umfaßt Bürocomputer, Basisrechnersysteme, Textsysteme, Datenerfassungsgeräte sowie Terminals und OEM-Erzeugnisse. Mit ihr hat man nunmehr nach Herstellerangaben eine Möglichkeit gefunden, das gegenüber dem Westen bestehende Niveaugefälle abzubauen.

Der größte ungarische Hersteller rechentechnischer Erzeugnisse, die Videoton Elektronischen Werke aus Budapest, präsentierte auf der Hannover-Messe wiederum eine umfangreiche Produktpalette mit den dazugehörigen Problemlösungen. Schwerpunkte des Ausstellungsprogramms waren das Rechnersystem VT 600 mit CAD/CAM-Anwendungsbeispielen und einem Programmpaket für den Maschinenbau das Dialogsystem VT 30 mit dem Softwarepaket "Bora" (Bildschirmorientiertes Reiseveranstalter-Anwendungssystem), das Display-Terminal VDT 52 121 mit Rastergrafik sowie das Radiozirkulograph NS 111 für medizinische Anwendungen.

Neuer Vertriebspartner von Videoton in der Bundesrepublik Deutschland ist jetzt die VTD Computer-Handelsgesellschaft in Düsseldorf, die den Alleinvertrieb der Hard- und Software übernommen hat.

Eine nachhaltige Stärkung der Produktion rechentechnischer Erzeugnisse verspricht die Budapester Firma sich durch das Ende 1981 beschlossene Entwicklungsprogramm für die elektronische Industrie. Wie zu erfahren war, will Ungarn rund 2,4 Millionen Forint in den Ausbau der IC-Produktion investieren. Die hiermit verbundenen Planungen sehen nach den Worten des zuständigen Regierungskommissars Mihaly Sandory vor, die ICs nicht von einem der bereits bestehenden Elektronikunternehmen, sondern von einer neu zu gründenden Gesellschaft herstellen zu lassen.

Das tschechoslowakische Außenhandelsunternehmen Kovo zeigte in Hannover nur einen kleinen Ausschnitt aus dem derzeitigen Produktionsprogramm der Rechen- und Bürotechnikhersteller. Im Mittelpunkt stand hier das modular aufgebaute Kleinrechnersystem SM 4-20, das sich nach Herstellerangaben besonders zur Steuerung technischer Prozesse, für die Datenerfassung, für wissenschaftlich-technische Berechnungen und für den Einsatz in Terminal- und Rechnernetzen eignet. Dieses Kleinrechnersystem gehört zum "System der Kleinrechner" der Comecon-Länder.

Wie kürzlich der Minister für die elektronische Industrie, Milan Kubat, hervorhob, sollen die Importe von elektronischen Bauelementen und Baugruppen sowie anderen elektronischen Erzeugnissen aus dem Westen reduziert und auf dem Stand von 1980 eingefroren werden. Ab 1985 rechnet man dann mit einem Rückgang der Importe. Ziel der weiteren Planung auf dem Elektronik-Sektor ist es, den Bedarf sowohl aus der eigenen Produktion als auch durch Importe aus den anderen Comecon-Ländern zu decken.

Ähnlich wie bereits in Leipzig zeigte das bulgarische Außenhandelsunternehmen Isotimpex verschiedene Schreibmaschinentypen, Magnetplattenspeicher und Disketten.

Umfangreicher als in Leipzig war dagegen die Exponatpalette des polnischen Außenhandelsunternehmens Metronex. Zu den vorgestellten Erzeugnissen zählten unter anderem das Minischreibsystem Mera-2500, bestehend aus der Zentraleinheit mit Intel-CPU 8008, einem internen Speicher, einer Floppy-Disk-Speichereinheit für zwei Disketten (je acht Bit), Drucker, Tastatur und Steuereinheiten; das Terminalsystem Mera 7952, der mikroprozessorgesteuerten Nadeldrucker D-200 (180 Zeichen pro Sekunde) sowie Schreibmaschinen.

In der Bundesrepublik Deutschland ist die in Düsseldorf ansässige Deutsch-Polnische Maschinen-Handelsgesellschaft mbH (Depolma) für den Vertrieb von Erzeugnissen der Büro- und Rechentechnik aus den Mera-Werken zuständig.

Das rumänische Außenhandelsunternehmen war in Hannover unter anderem mit elektronischen Baugruppen, dem universell einsetzbaren Kleinrechnersystem Coral 4011 mit 16-Bit-Verarbeitung und der programmierbaren Steuerung AP 101 vertreten.

Die UdSSR, die in Leipzig noch verschiedene Exponate gezeigt hatte und mit Messegold für den Ein-Chip-Mikrorechner Elektronika NZ-80 T prämiert worden war, fehlte in diesem Jahr in Hannover. Bereits 1981 war die Präsenz sowjetischer Außenhandelsbetriebe stark reduziert.

*Dipl.-Kfm. Klaus Krakat ist Mitarbeiter des Westberliner Wirtschaftsinstituts DIW