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15.12.2006

Die Digital Natives kommen

Steve Prentice 
Von Gartner als "bedeutendster Trend der nächsten Dekade" identifiziert, geht es bei der "Konsumerisierung der IT" um weit mehr als Technologien. Die Technik wird sozialisiert - und beeinflusst den Markt.
Künftig bestimmen Mitarbeiter ihre digitale Arbeitsumgebung. Die IT stellt nur noch zentrale Services und Infrastruktur bereit.
Künftig bestimmen Mitarbeiter ihre digitale Arbeitsumgebung. Die IT stellt nur noch zentrale Services und Infrastruktur bereit.

Gut 25 Jahre nach IBMs Einstieg in den Markt für Personal Computer sind bald eine Milliarde PCs verkauft worden. In den letzten Jahren sind die PC-Preise stetig gesunken, während das Mooresche Gesetz dafür gesorgt hat, dass Funktionalität und Leistung sich stetig verbessern. Spielkonsolen, die man aufgrund ihrer Leistung noch vor einigen Jahren als "Supercomputer" klassifiziert hätte, stehen nun weltweit in Kinderzimmern. In den entwickelten Ökonomien von Westeuropa, Asien und Nordamerika wächst eine neue Generation von Teenagern mit Notebook-PCs, Smartphones und Spielekonsolen auf und hält deren Besitz für selbstverständlich. Dies sind die "Digital Natives", digitale "Muttersprachler", für die sich Technologie zu einem Gebrauchsgut, einem Element ihrer persönlichen Infrastruktur entwickelt hat.

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Fazit

Immer erschwinglichere Technologien und das wachsende Angebot an Informationen, Services und Communities haben eine Machtverschiebung von den Unternehmen auf den Verbraucher bewirkt, welche die IT-Branche und die IT-Organisationen transformieren wird. Der Einfluss dieser "Customization of IT" wird nicht nur in der Massenvermarktung von Technologien spürbar, sondern bewirkt auch einen gesellschaftlichen Umbruch.

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In dem Umfang, in dem die IT erschwinglicher geworden ist, hat sie sich auch außerhalb der Unternehmen in die Heimumgebung und das persönliche Umfeld der Benutzer ausgebreitet. Doch erst durch das Aufkommen von Breitband-Internet-Zugang und ein wachsendes Angebot an zunehmend reichhaltigen Multimedia-Informationen, Inhalten und Services begann das volle Ausmaß der sozialen Veränderungen augenscheinlich zu werden. Der PC ist zu einem Tor in ein globales Universum von Communities geworden, das alle denkbaren Interessen bedient.

Ein großes Maß an sozialen Veränderungen

Gemeinschaften haben immer eine entscheidende Rolle in der Entwicklung der Menschheit gespielt, doch ihre Reichweite war lange durch geografische Grenzen beschränkt. Das Telefon verringerte diese Einschränkung; E-Mail, Internet, Instant Messaging, Voice over IP, Video und kollaborative Applikationen haben sie schließlich aufgehoben. Heute definieren Social-Networking-Seiten wie Myspace.com und Multimedia-Sharing-Sites wie Flickr und Youtube das Umfeld und die sozialen Interaktionen einer ganzen Generation.

Auswirkungen auf Technologie-Anbieter

Das wachsende Volumen und der Einfluss konsumentengesteuerter Märkte bringen die Wettbewerbsbedingungen der Technologie-Anbieter ins Wanken. Denn mit dem Übergang der Technologien in Endverbraucher-Produkte gewinnen Themen wie Branding, Image und Design zunehmend an Bedeutung; ganz zu schweigen von der Notwendigkeit, die Distributionskanäle neu zu durchdenken. Die Tage der unscheinbaren Notebooks im Einheitsdesign nähern sich dem Ende.

Der schnelle Aufstieg von Internet-fokussierten Giganten wie Google hat das Kräftespiel der Softwareindustrie verändert. Hersteller beeilen sich nun, ihre traditionelle Software in "Services" umzuwandeln. Anbieter wie Microsoft investieren stark in gewaltige neue Rechenzentrumskapazitäten, die sie brauchen, um Services global bereitzustellen. Unternehmen, die mit diesem Wandel nicht mithalten, sind zum Scheitern verurteilt.

Selbst die Halbleiterhersteller sind sich zunehmend der Bedürfnisse der Verbraucher bewusst. Sie beschränken sich nicht mehr auf die herkömmlichen Funktionen für den Unternehmenseinsatz, sondern entwickeln auch Chips, die Multimedia- und Grafikanforderungen von Konsumenten erfüllen.

Da die Produktlebenszyklen sich von Jahren auf Monate verkürzen, sind kontinuierliche Innovationen und Produktwechsel an der Tagesordnung - sie treten an die Stelle der langfristigen Stabilität und wohl etablierter Entwicklungs-Roadmaps, welche bis dato das Einkaufsverhalten der Unternehmen geprägt haben. Die leistungsstärksten PCs befinden sich heute eher in den Haushalten als im Arbeitsumfeld, und immer mehr "Knowledge Worker" finden subjektiv zu Hause ein besseres und produktiveres Umfeld vor als im Büro. Selbst die höchsten Sphären der Rechenleistung sind von der Consumerization betroffen: IBM plant, den Multikern-"Cell"-Prozessor, den das Unternehmen zusammen mit Sony und Toshiba für eine neue Generation von Spielkonsolen entwickelt hat, in der nächsten Generation von Supercomputern einzusetzen.

Auswirkungen auf die Unternehmen

Das wahre Ausmaß der IT-Konsumerisierung hat die Unternehmen noch nicht getroffen, wenngleich erste Anzeichen schon erkennbar sind. Das Zusammenspiel von Moore’s Law und der Massengüterfertigung hat einst unerreichbare Rechnerleistung selbst für das kleinste Unternehmen bezahlbar gemacht. Da immer mehr leistungsstarke Rechner auf Geschäftsprozesse ausgerichtet werden, schreitet die Automation stetig voran und löst immer komplexere Aufgaben. Qualifizierte Facharbeiter, die lange glaubten, ihr hohes Ausbildungsniveau werde ihnen immerwährende Jobsicherheit garantieren, stehen nun vor demselben Schicksal wie zuvor ungelernte Fertigungs- und Montagekräfte: Ihre Arbeit wird in Niedriglohnländer verlagert und durch automatisierte Produktionsanlagen ersetzt. Der Abbau von qualifizierten Fachkräften repräsentiert einen großen gesellschaftlichen Umbruch in entwickelten Ökonomien, die inzwischen fast nur noch auf ihre Wissensarbeiter angewiesen sind.

Die Situation wird erschwert, weil die Führungskräfte bisher weder die technologisch bedingten Veränderungen begriffen haben noch deren Geschwindigkeit richtig einschätzen. Die alten Geschäftsmodelle und Management-Methoden sind de facto den neuen Marktdynamiken und Arbeitsgewohnheiten nicht gewachsen. Sir Howard Stringer, Vorsitzender der Sony Corporation, fasste es in einem Kommentar so zusammen: "Sony beschäftigt eine Menge Leute über 50, die nicht inkompetent sind, aber als ,analoge’ Menschen in einer digitalen Welt handeln." Die heutigen Führungskräfte, bestenfalls als "digitale Immigranten" zu bezeichnen, tun sich schwer mit der Unangemessenheit ihrer veralteten Methoden und Techniken.

Die Rolle der IT-Abteilung innerhalb der Großunternehmen lag stets im Aufbau, der Bereitstellung und der Verwaltung der Unternehmensinfrastruktur. Durch die eskalierende Komplexität und zunehmende Schäden, die aufgrund von Sicherheitsverletzungen, Compliance-Versäumnissen und Serviceausfällen auftraten, war sie in den letzten Jahren dazu gezwungen, die hausinterne Technik immer rigoroser zu reglementieren. Doch die neuen digitalen Muttersprachler lassen ihre Aktivitäten nicht mehr begrenzen. Sie haben bereits ihre eigene Infrastruktur aufgebaut - zum einen mit ihren Notebooks, Smartphones und personalisierten Produktivitäts-Tools, und zum anderen, indem sie diese auch am Arbeitsplatz verwenden. Immer mehr Unternehmen werden sich bewusst, dass sie Wege zur Integration dieser persönlichen Infrastruktur in die des Unternehmens finden müssen, statt zu versuchen (und dabei in der Regel zu scheitern), beides voneinander getrennt zu halten.

Von der Consumerization zur Sozialisation

Die Konsumerisierung der IT ist in die zweite Phase eingetreten - die Sozialisierung. Die Technologie bleibt wichtig, doch der Schwerpunkt verlagert sich auf die Suche nach neuen Einsatzwegen. Oft wird eine Technik mit einer neuen Applikation oder einem neuen Geschäftsmodell kombiniert. Als Folge des Ausmaßes und der Geschwindigkeit der Veränderungen scheitern nun die alten Management-Methoden, Arbeitspraktiken und Geschäftsmodelle.

Eine wachsende Generation von technikfreundlichen Digital Natives errichtet soziale Netzwerke und globale Communities, welche die geografischen Grenzen aufbrechen, die menschliche Gesellschaften in der Vergangenheit einschränkten. Auf einer digitalen Welle der Interaktion reitend, beginnen die digitalen Muttersprachler, ihre frisch erworbenen Kräfte spielen zu lassen, und übertragen allmählich ihre Arbeitsstile, -praktiken, -präferenzen und ethischen Standards auf Wirtschaft und Gesellschaft. (ciw)