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19.01.1979 - 

James Martin Seminar in München:

"Die Dokumentation einfach verbieten?

MÜNCHEN - Aufbrausende Reaktionen - so bei dem Vorschlag, "die Dokumentation einfach zu verbieten, weil sie nie funktioniert hat" (Dr. Ben-Michael Schüler) - bis hin zum blanken Staunen über die eloquente Art, in der James Martin, IBM-Fellow und hyperproduktiver EDV-Pädagoge, gesellschaftspolitische Konsequenzen des DV-Einsatzes vom Tische wischte: Alles Reaktionen auf das von 180 Teilnehmern einhellig überschwenglich positiv eingestufte James Martin Seminar, das vergangene Woche im Münchener Hilton über -die Flip-Charts ging.

Martin, nach eigenen Worten sonst an 400 bis 600 Zuhörer gewöhnt, hat vor allem strategische Aspekte für das gehobene DV-Management angesprochen. Schwerpunkte: Datenbankentwicklung -und Satelliten-Zukunft der Datenfernverarbeitung. Obgleich Schnellredner Martin teilweise recht fragmentarisch von den Simultanübersetzern bewältigt wurde, entwickelte er seine Zukunforderungen an Relationen-Datenbanken in einem professionellen Lehrstil, so daß auch bei weniger spezialisierten Zuhörern die Grundzüge seines Postulats dämmerten.

Martin wünscht für Datenbanken vor altern saubere und übersichtliche Datenstrukturen. Die sind ihm wichtiger als klare Programmierverfahren (wie beispielweise strukturiertes Programmieren).

Die Trennschärfe zwischen den Datensätzen erreicht Martin durch "kanonische Strukturen": Durch dieses mathematische Verfahren lassen sich die zeitlichen Änderungen einer Variablen X als Differential-Ableitung einer beliebigen Größe der anderen Variablen darstellen.

Konsequenz für das DB-Design: Die Abhängigkeiten zwischen Datensätzen werden (um die redundanten Teile erleichtert) auf ein Minimum reduziert.

Während der traditionelle Datenbankentwurf langwierig nach häufigen und weniger häufigen Datenfaden unterscheidet, kann dies bei kanonischen Strukturen entfallen und der Programmierer braucht bei taktischen Änderungen nicht neu zu programmieren.

Sehr ausführlich beschäftigte sich Martin überdies mit der Telecommunication via Satellit: Er prophezeit Übertragungsleitungen von 40 Millionen Bit/sec., gegenüber jetzt 40 800 Baud. Unter anderem berichtet Martin davon, daß bereits jetzt für das Space-Shullte-Programm der Amerikaner Satelliten-Plätze in der Pendelfähre zum Weltraum "hart verkauft" würden.

Gastvorträge hielten unter anderem D. Morgenstern (Siemens AG) und Ben-Michael Schüler (Axel Springer Verlag), der vor allem durch seine ketzerischen Bemerkungen zur Softwarekrise das Auditorium in Wallung versetzte. Schüler listete die "schädlichen Konstrukte und Konzepte" nach ihren Folgen auf.