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26.05.1989 - 

Anwender auf CSE-Kongreß: Vorsprung nur mit eindeutigen Informationsstrukturen

Die DV-Chefs müssen den Datenwirrwarr entflechten

MÜNCHEN (CW) - Ein heißes Eisen müssen DV-Chefs künftig anpacken: das "unternehmensweite Datenmodell". Bislang fehlen dazu qualifizierte Fachleute, taugliche Tools und das Wohlwollen der Fachabteilungen. Keine Patentrezepte gegen den Datenwirrwarr, doch Lösungsansätze stellten Org./DV-Manager auf dem CSE-Anwender-Kongreß Management-Informations-Systeme" in München vor.

Mehr als 50 Milliarden Mark gehen hierzulande durch die Hände von rund 5000 verantwortlichen Managern für Organisation und Informationsverarbeitung. Damit müssen sie künftig, statt wie bisher weiter zu rationalisieren, ihren Service-Beitrag zum strategischen Nutzwert des Unternehmens leisten.

Der DV-Verantwortliche hat sich in dieser Führungsfunktion bei laufenden Umstrukturierungsprozessen erst noch zu beweisen. Kritische Faktoren dabei sind, so Heinz Streicher auf dem CSE-Kongreß vor DV-Führungs- und -Fachkräften, seine künftigen Rolle im Unternehmen, die hierarchische Stellung und persönliche Qualitäten.

Trotz frustrierter Top-Manager und aufmüpfiger Endanwender prophpezeit der DV-Analytiker der SCS GmbH aus Hamburg ein Comeback für den häufig gebeutelten DV-Chef. Ergebnisse einer Studie der Hamburger aus dem vergangenen Jahr belegen nämlich: Der Org./DV-Leiter hat sich in den 80er Jahren - "im eleganten Zweireiher statt im weißen Kittel" - dem Vorstand bis auf Tuchfühlung genähert. Als Informatiker oder Wirtschaftswissenschaftler fungiert er nun stärker als Manager denn als Systemspezialist, oder kehrt mehr den Kaufmann als den Programmierexperten heraus.

Was der Org./DV-Zentralist an Technik, Systemen und Personal an die Fachbereiche einbüßt, gewinnt er laut SCS-Studie auf der strategisch-planerischen Seite: Als Controller über Organisation und Information definiert, verwaltet und pflegt er auch die Unternehmens-Datenbestände.

Derzeit indes muß die DV nicht selten noch passen, wenn sie strategische Geschäftseinheiten gezielt unterstützen oder gar Wettbewerbsfaktoren beinflussen soll. Gerade die bestehenden Datenstrukturen bilden dabei das Hemmnis. Sie nämlich produzieren eine "Informationsflut bis zur Verseuchung", stellt Paul Blaschke, Leiter des Ressorts Organisation bei der Nestlè Deutschland AG in Frankfurt fest. Noch mangelt es der Unternehmensspitze nämlich an eindeutigen dispositiven und strategischen Richtwerten.

Die Führungscrew gerät nicht selten auf Schleuderkurs: "Plötzlich sind verschiedene Ergebnisse trotz richtiger Inhalte möglich", beschreibt Irene Gohl von der Corphis (Plenum Consulting) in München die Folgen des Datenwirrwarrs.

Um das Chaos zu ordnen, müßten Anwendungssysteme im strategischen Bereich auf Datenbeständen fußen, die unabhängig von der DV sowie ihrer funktionalen Verwendung aufgebaut wurden. Den Schlüssel dazu liefert das unternehmensweite Datenmodell.

Branchenübergreifend geht das Unternehmensdatenmodell gerade in Arbeit, wie die Anwender aus Finanzwirtschaft und Fertigung auf dem CSE-Kongreß demonstrierten. Doch niemand packt das heiße Eisen gern an. Hochgesteckte Anforderungen schrecken ab. "Der Entwurf erfordert funktionsübergreifendes Wissen, auch darüber, wie sich die Daten vertikal weiterverwenden lassen, bis hin zur Unternehmenssteuerung", markiert Professor August-Wilhelm Scheer, Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik an der Universität Saarbrücken die Know-how-Koordinaten. Doch es mangelt bislang an qualifizierten Fachleuten in den Unternehmen.

Tools, die Methoden im Bereich der strategischen Informationsplanung unterstützen sollen, versagen bisweilen noch. Als "äußerst mangelhaft" in der vorliegenden Version beschreibt etwa Kurt Kengelbacher die SAP-Software. Der DV-Profi des Schweizer Anlagenbau-Unternehmens, konzernweit verantwortlich für Datenmanagement und Leiter Systementwicklung der Bühler AG in Uzwil, weiter: Fehler in der Software sowie mangelhafter Bedienungskomfort zwangen dazu, das Werkzeug nur für Teilbereiche einzusetzen."

Schließlich ist Kompetenzgerangel an der Tagesordnung. Es gilt, Regeln für teils schmerzhafte Veränderungen zu finden. Der Direktor der Klöckner-Humboldt-Deutz AG in Köln für Organisation und Informationssysteme, Fertigung und Materialbereich, Alfred Noske, setzt daher auf "Projektmanagement".

Rolf E. Peyer favorisiert ebenfalls das Projektmanagement als "strategisches Instrument der Unternehmensführung". Für Projektarbeit gibt der Direktor Informatik und Dienste der VITA Lebensversicherungsgesellschaft in Zürich per anno 20 Millionen Franken aus. Er forciert daher die ganzheitliche Ausbildung der Projektleiter. Der ideale Projektleiter agiert für ihn multifunktional: als Informatikfachmann und Versicherungsexperte ebenso wie als Stratege, Ressourcenmanager und Psychologe gegen Mißverständnisse und Kompetenzstreitigkeiten. Der Versicherungsvorstand über sein ehrgeiziges Erfolgsrezept: Akzeptanz im Unternehmen "von ganz oben bis ganz unten".

Unternehmensweite Integration ist angesagt, lautete der einhellige Kommentar der Anwender auf dem CSE-Kongreß. Nur dann könne der Service der Informationsverarbeiter für Unternehmensspitze und Fachbereiche greifen. Ein effektives Benutzermanagement verpflichte die oberen Führungsebenen geradezu zu systemkonformen Informatik-Anwendungen, betont Paul Blaschke, doch: "Bei der älteren Managergeneration sind noch weiße Flecken auf der Landkarte." Diese müßten - so gut es gehe - beseitigt werden.