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27.02.1987

Die DV muß sich aus der Isolation lösen

Zwischen der DV- und der Fachabteilung bestehen immer noch Kommunikationsschwierigkeiten: Die DV muß sich aus ihrer Isolation lösen und die Serviceleistungen verbessern. Gerade seit dem Einzug von PCs an den Arbeitsplätzen ist es erforderlich, ein Bindeglied zu den Fachbereichen zu schaffen. Schon heute übernimmt in vielen Unternehmen der DV-Koordinator diese Aufgabe "Der Koordinator ist als Filter der Datenverarbeitung zu betrachten, dessen Aufgabe darin besteht, die Wünsche der Fachabteilung an die DV zu vermitteln", kommentiert Josef Kapeller, DV-Leiter beim ADAC in München. Jürgen Kaack, DV-Leiter der Deutschen Texaco AG in Hamburg, will das Problem von einer anderen Seite angehen: "Die Datenverarbeitung entwickelt sich bei uns zur reinen Informationsverarbeitung, die nur noch eine beratende Funktion einnimmt." Seiner Meinung nach sei dies aber erst möglich, wenn innerhalb des Unternehmens eine vernünftige Infrastruktur aufgebaut werde. "Wir wollen den Sachbearbeiter zum mündigen Bürger machen."

Kurt Geiser

DV-Leiter, Bremer Lagerhausgesellschaft GmbH, Bremen

Die Aufgabe des DV-Koordinators in unserem Bereich "Güterumschlag" besteht hauptsächlich darin, für die unterschiedlichen Einsatzgebiete die entsprechenden Rechner und Peripheriegeräte zu überwachen und gegebenenfalls zu vernetzen. Er kümmert sich auch darum, daß die Belange der Fachbereiche zusammen mit der EDV in Projektgruppen besprochen werden. Des weiteren überbringt er die Wünsche der Fachbereiche an die DV-Abteilung, da er sie durch sein fachliches Hintergrundwissen besser vermitteln kann. Treten größere Probleme in der Fachabteilung auf, werden diese zunächst in einer Dreiergruppe erörtert Sachbearbeiter, DV-Abteilung und Koordinator.

Voraussetzung, die Aufgaben eines DV-Koordinators auszufahren, war, einen Mitarbeiter unseres Unternehmens zu finden, der über DV-Wissen verfügt sowie über die internen Betriebsabläufe genauestens informiert ist.

Die Koordination zwischen der Verwaltung und der EDV übernehmen die einzelnen Abteilungen oder leiten etwaige Probleme bei Bedarf an die Organisationsabteilung weiter.

Zudem schicken wir die Sachbearbeiter auf externe DV-Schulungen, um sie in die individuelle Datenverarbeitung einzufahren. Wir sind aber der Meinung, daß DV-Grundwissen heutzutage allein nicht mehr ausreicht. So stellt sich die Frage, ob Sachbearbeiter den Umgang mit Softwaretools und Sprachen der vierten Generation erlernen sollten. Diese Tools müssen aber von der DV-Abteilung entsprechend aufbereitet zur Verfügung gestellt werden.

Peter Stubbe

Direktor Organisation, Wolff Walsrode AG, Walsrode

Im allgemeinen werden Mitarbeiter aus den verschiedenen Fachabteilungen direkt in die Projektrealisierung durch die DV-Abteilung miteinbezogen. Sie übernehmen später dann auch die Schulung ihres Bereiches sowie die Koordination mit der DV-Abteilung.

Bei einem Großprojekt in der Folienfertigung, dem Aufbau eines BDE-Systems unter Einsatz eines fehlertoleranten Rechners, haben wir die Projektleitung einschließlich des Einsatzes der diesem Projekt zugeordneten Organisations-Programmierer einem Mitglied dieses Fachbereichs übertragen, der zwar kein DV-Fachmann ist, aber im Rahmen seines technischen Studiums und seines anfänglichen Einsatzes in der Arbeitsvorbereitung DV-Kenntnisse erworben hat und weitere DV-Ausbildung erhält. Wir haben diesen Schritt vollzogen, weil wir erkannt haben, daß die Lösung der Koordinationsprobleme in den verschiedenen Fertigungsbereichen wichtiger ist als die reine DV-Realisierung der Anwenderwünsche aus diesem Bereich. Um diese Aufgabe möglichst effektiv ausführen zu können, wurde dieser Mitarbeiter der Gesamt-Produktionsleitung unterstellt.

Es ist geplant, die Schulung der Anwender durch die hauseigene Aus- und Fortbildung durchfuhren zu lassen, nachdem das Schulungsprogramm zusammen mit dem Projektteam erarbeitet wurde.

In den kaufmännischen Bereichen (Buchhaltung, Kostenrechnung, Einkauf) sind wir derzeit mit der Einführung beziehungsweise mit der Einführungsvorbereitung von Standard-Software (SAP) beschäftigt. Hierzu haben wir eine Arbeitsgruppe für den gesamten Komplex gebildet, dessen Leitung einer Mitarbeiterin der DV, einer Organisationsprogrammiererin, übertragen wurde. Jeweils ein bis zwei Mitarbeiter aus den Fachabteilungen sind, zum Teil mit voller Kapazität, an der Realisierung beteiligt und werden später die Schulung ihrer Abteilung übernehmen sowie als Koordinatoren und Ansprechpartner tätig sein. Voraussetzung hierfür ist, daß sie zunächst eine sehr intensive Ausbildung bei dem Software-Anbieter erhalten haben. So sind sie auch in der Lage, die spezifische Ausprägung des Systems für die Anwendung in unserem Hause am Bildschirm mit vorzubereiten. Ihre wesentliche Aufgabe besteht jedoch in der Anpassung des Standardsystems auf unsere Organisation beziehungsweise umgekehrt, denn wir haben uns vorgenommen, am Standard so wenig wie möglich zu verändern.

Jürgen Kaack

DV-Leiter, Deutsche Texaco AG, Hamburg

Bei Texaco entwickelt sich die Datenverarbeitung immer mehr hin zur Informationsverarbeitung, und wir meinen, daß dieser Wandel wesentlichen Einfluß auf die Kommunikation zwischen DV und Fachbereich hat.

Ziel ist es, Mitarbeiter aus Fachbereichen zu autarken Benutzern zu machen, die weitestmöglich ihre Probleme mit Hilfsmitteln der Informationsverarbeitung lösen und dabei nur noch von der DV beraten werden. Nur komplexe, bereichsübergreifende Systeme werden noch in konventioneller Art gemeinsam von Informationsverarbeitung und Fachbereich entwickelt, und dies auch nur, wenn nicht vom Markt ein fertiges Paket erhältlich ist.

Erfolgreiches "Endbenutzer-Computing" setzt aber voraus, daß die Informationsverarbeitung hierfür die Voraussetzungen schafft. Diese bestehen aus unserer Sicht im Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur, die folgendes beinhaltet:

- Eine zentrale Informationsbasis, die mit Verfahren des "Information Resource Management" strukturiert und verwaltet wird. Mittels benutzerfreundlicher Zugriffsmethoden sollten alle unternehmensrelevanten Informationen hieraus verfügbar gemacht werden können.

- Netzwerke zur Übertragung, Speicherung und Verarbeitung aller Typen von Informationen, Rechner bilden die Knotenpunkte in diesen Netzwerken.

- Schließlich gehört die gesamte Software zur Infrastruktur. Dies betrifft sowohl Basis-Software-Systeme zum Betrieb dieser Netze und Rechner als auch alle transaktionsverarbeitenden Anwendungssysteme, welche die wesentlichen operationellen Aufgaben des Unternehmens routinemäßig unterstützen und Daten zur laufenden Fortschreibung der Informationsbasis liefern.

Eine solche Infrastruktur bildet die technische Grundlage für eine systembasierte Kommunikation zwischen DV und Fachabteilung.

Zur effizienten Nutzung und Weiterentwicklung dieser Infrastruktur benötigen wir in der Informationsverarbeitung zunehmend qualifizierte Mitarbeiter. Sie sind für Konzeption, Entwicklung beziehungsweise Beschaffung und teilweise auch für den Betrieb (soweit nicht in Regie der Fachabteilungen) dieser Infrastruktur zuständig. Sie sollten auch Benutzer schulen und beraten.

Harald Kirchner

DV-Leiter, Landeskriminalamt Niedersachsen, Hannover

Die Datenverarbeitung bei der Polizei ist vielleicht nicht ganz mit den Anwendungen in der Wirtschaft zu vergleichen.

Wir können Projekte erst realisieren, wenn die Zustimmung des Innenministeriums vorliegt. Basis hierzu ist meist ein Grobkonzept, das durch eine Projektgruppe unter Mitwirkung der Fachleute von der polizeilichen Basis erarbeitet wurde. Die Leitung derartiger Projektgruppen liegt in den Händen von DV-Organisatoren, die als Polizeibeamte entsprechend ausgebildet und somit sowohl über das notwendige DV-Wissen als auch über polizeilichen Sachverstand verfügen.

Obwohl versucht wird, die potentiellen Benutzer von Beginn an in die Projektentwicklung miteinzubeziehen, geschieht dies sicherlich nicht immer in dem wünschenswerten Umfang, zumal dann, wenn die Projektrealisierung unter starkem Zeitdruck steht.

Das Problem ist auch weniger die Beteiligung der Fachabteilung das Problem ist vielmehr, daß die potentiellen Benutzer ihre Wünsche in Richtung Datenverarbeitung nicht artikulieren können.

Das liegt sicher auch daran, daß noch immer eine bestimmte Hemmschwelle gegenüber der DV besteht, die zum einen von den DV-Leuten selbst mit aufgebaut wurde und zum anderen auf mangelnde Kenntnisse und Informationen zurückzuführen ist.

Mit den Zentralsystemen ist zwangsläufig auch ein "zentrales Vorbehaltswissen" entstanden, denn die DV-Fachleute brauchten sich nicht in die Karten gucken zu lassen, die sie jetzt aber, mit der Einführung von PCs auf den Dienststellen, auf den Tisch legen müssen,

Aus dieser Vergangenheit resultiert auch das immer noch unzutreffende "stabile Mißverstehen" zwischen den Fachleuten aus der DV und den polizeilichen Fachbereichen.

Um das DV-Wissen in den Fachbereichen zu erweitern, übernehmen Polizeibeamte aus der DV-Abteilung die Benutzer- und Einsatzbetreuung sowie die DV-Schulung der Sachbearbeiter.

So werden zum Beispiel die Wirtschaftskriminalisten für den Bereich der Computerkriminalität besonders geschult.

Josef Kapeller

Referatsleiter Systementwicklung, Technik, Touristik, Reisen, ADAC e.V.,

München

Beim ADAC werden DV-Koordinatoren in den Tochterfirmen, also in der Rechtsschutz- und Schutzbriefversicherung sowie in der Reise GmbH, eingesetzt. Unsere größten Projekte sind derzeit die Reorganisation der Mitgliederverwaltung und die Abrechnung der Pannendienste, wo ebenfalls seitens des Fachbereiches ein DV-Koordinator bestellt wurde. In allen ADAC-Fachabteilungen wird schon seit Jahren mit DV-Systemen gearbeitet; so haben wir schon früh die Notwendigkeit erkannt, daß sich Probleme nur mit Hilfe von DV-Koordinatoren lösen lassen.

Das Aufgabengebiet dieser Koordinatoren erstreckt sich von der Mitarbeit bei der Systementwicklung bis hin zur Mitarbeit bei der Wartung (wie Klärung der Anforderungen des Fachbereiches und Organisation der Fachbereichs-Tests). Auch sollten sie fähig sein, in etwa abzuschätzen, welche Kosten die Anforderungen der einzelnen Abteilungen verursachen. Grundsätzlich kann man diese Mitarbeiter als Filter der DV-Abteilung bezeichnen. Tritt ein Problem auf, wird dieses erst einmal in den Fachabteilungen erörtert, die aufbereitete Version dann vom Koordinator an die DV weitergegeben. Er ist auch der Mittler zwischen den einzelnen Bereichen.

Wir rekrutieren die DV-Koordinatoren teils aus der freien Wirtschaft, teils aus den einzelnen Abteilungen des Hauses. Voraussetzung für diese Aufgabe ist ein sehr guter Überblick über alle Belange des jeweiligen Fachbereiches. In der Versicherungsbranche bedeutet das eine abgeschlossene Ausbildung zum Versicherungskaufmann. Nur diese Basis garantiert, daß der Mitarbeiter mit der umfassenden Problematik seiner Abteilung vertraut ist. Vor einigen Jahren haben wir damit begonnen, unsere künftigen Koordinatoren auf externe und interne Schulungen zu schicken. Diese Kenntnisse wurden dann durch die permanente Zusammenarbeit mit der Systementwicklung erweitert.

Wir verfolgen beim ADAC das Ziel, operative Anwendungen hauptsächlich auf der Groß-EDV abzuwickeln. Adhoc-Auswertungen sollen mehr in die IDV verlagert werden. Voraussetzung dafür ist, eine voll transparente Datenbasis zu kreieren, auf die der Enduser bei seinen Anwendungen zurückgreifen kann.