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10.10.1975

Die DV-Schlacht wird in den nächsten zehn Jahren geschlagen

Mit EG-Direktor Sir Christopher Layton sprach CW-Redakteur Michael Pauly

- Wie sehen Sie von Brüssel aus die Lage der europäischen DV-Industrie?

Nicht erfreulich. Das Unidata-Debakel war ein schwerer Schlag für unsere Politik. Zur Zeit sieht es sehr negativ aus, weil diese Entwicklung mit einer schlechten Endgeräten Lage in der Gemeinschaft zusammentrifft und deswegen nicht durch Einsatz öffentlicher Mittel kurzfristig kompensiert werden kann.

- Sehen Sie für die Zukunft schwarz?

Nein. Die DV-Industrie hat in Europa größere Wachstumsmöglichkeiten als in den USA. 13 Prozent Zuwachs pro Jahr reichen aus um die DV-Umsätze bis Ende dieses Jahrzehnts zu verdoppeln. Besonders gute Wachstumschancen ergeben sich bei Peripheriegeräten und Minicomputern. Trotz der starken Stellung von amerikanischen Produzenten wie Digital Equipment (DEC) ist die Schlacht für die Europäer noch nicht verloren - im Gegenteil sie muß in den nächsten zehn Jahren auf dem Gebiet des "distributed computing" geschlagen werden.

- 1976 soll ein Vierjahres-Programm für die europäische DV-Industrie vorgelegt werden. Was wird darin für die eigentliche Computerindustrie vorgeschlagen?

Das Programm wird sich auf Peripherie Minis, Software und Bauelemente konzentrieren. Hier sehen wir schon klar. Mittlere und große Reiner haben wir zunächst außer acht gelassen weil wir noch nicht wissen wie wir auf diesem Gebiet zurechtkommen sollen.

- Müssen sich die europäischen Großrechner-Hersteller weiter auf die nationalen Regierungen verlassen?

Nationale Subventionen sind weder für Siemens noch für ICL eine endgültige Lösung. Die nationale Computer-Politik kann nicht so weitergehen - sonst macht sie bankrott. Andererseits steht Siemens da wie ein Mann, der seine Frau verloren hat - sich aber noch nicht frei fühlt eine neue Braut zu suchen.

- Fördert die EG-Kommission eine Zusammenarbeit mit Japan als Gegengewicht gegen die US-Hersteller?

Wir sind nicht gegen eine Kooperation mit US-Firmen - aber vorher ist eine Umstrukturierung der DV-Industrie in Europa nötig. Wir hätten nichts gegen eine Kooperation der ganzen Unidata mit einer US-Firma gehabt - aber wir würden es nicht gern sehen wenn sich ein klar europäisches Unternehmen wie ICL oder Siemens von Univac abschleppen ließe. Von einer direkten Förderung europäisch/japanischer Kontakte kann man nicht sprechen aber wir sehen Möglichkeiten darin.

- Der holländische Abgeordnete Jan Broeks hat die EG-Kommission aufgefordert, darauf zu achten, daß die britischen Behörden bei der Auftragsvergabe nicht ICL gegenüber anderen Computerherstellern aus der Gemeinschaft bevorzugen. Was wird auf diesem Gebiet unternommen, nachdem seit 1973 geplant ist, die Markte für öffentliche Auftrage in der Gemeinschaft schrittweise für alle Wettbewerber zu öffnen?

Die englische Regierung hat genauso wie die französische ihre Kaufpolitik zur Förderung der heimischen Industrie. Die Bundesregierung fördert ja auch den Kauf deutscher Rechner - und die belgische beispielsweise nimmt regelmäßig eine bestimmte Menge Philips- und Siemens-Erzeugnisse ab, weil diese Unternehmen Fabriken in Belgien gebaut haben. Das widerspricht natürlich alles den formellen Zielen des gemeinsamen Marktes.

- Und dagegen wird nichts unternommen?

Der Rat verhandelt seit zwei Jahren über eine Direktive, um auch die Informatik einzubeziehen. Bisher waren Frankreich und England dagegen - aber ein Kompromiß ist in Sicht, daß ab 1980 die Märkte für öffentliche Computer-Aufträge auch in diesen Ländern geöffnet werden. Auf dem Fernsprechsektor ist es ja noch mindestens 100 Prozent schlechter.

- In dem zweiten jetzt von der Kommission vorgeschlagenen DV-Förderprogramm sind Mittel von 84 Millionen Mark für die Zeit von 1976 bis 1979 vorgesehen. Ist das nicht viel zu wenig, um einen ernstlichen Fortschritt zu erreichen ?

Vielleicht hatten wir besser gleich einen größeren politischen Schritt tun sollen. Es ist ja manchmal schwerer, kleine Aktionen durchzusetzen als große. Aber die Bundesrepublik hat mit ihrer DV-Förderung auch klein angefangen.

- Die EG-Kommission hat kürzlich eine Umfrage machen lassen, ob Bedarf an einer europäischen Gesellschaft zur Finanzierung des Computer-Mietgeschäftes besteht. Wie war das Ergebnis?

Bedarf wäre da - aber wir haben bisher keinen entsprechenden Vorschlag gemacht, weil die Regierung in Bonn hier sehr zurückhaltend ist. Ich glaube nicht, daß das Vorhaben gestorben ist - wir wollen auf diesem Gebiet etwas tun, aber wir müssen unseren Vorschlag sorgfältig ausarbeiten und gut präsentieren. Das Problem ist doch, daß IBM eine Menge flüssiger Mittel hat - aber bei anderen Unternehmen wird die Bilanz um so katastrophaler, je mehr Systeme sie vermieten.

- Wieviel Geld wird die Gemeinschaft denn für das Vierjahres-Programm zur Verfügung stellen?

Natürlich ist eine finanzielle Unterstützung nötig - aber ich glaube, daß insgesamt gar nicht mehr Fördergeld ausgegeben werden muß als bisher - die Mittel müssen nur besser genutzt werden. Es gibt ja jetzt schon Firmen wie Olivetti und Nixdorf, die ohne Subventionen konkurrenzfähig sind. Wer klug ist wie Burroughs kann sogar auf dem IBM-Hausmarkt profitabel arbeiten.

- Wird es ein Programm geben, wie jetzt für die Luftfahrtindustrie vorgeschlagen - also gemeinschaftliche Beihilfen statt einzelstaatlicher?

Auch bei der DV ist ein politischer Schritt nötig, aber nicht in der gleichen Form wie bei der Luftfahrt. Die Computer- und Zubehörindustrie kann eine viel pluralistischere Entwicklung nehmen.

Sir Christopher Layton (46)

leitet seit über zwei Jahren die Direktion D "Elektronik Nachrichtenübermittlung, Land- und Luftverkehrsmittelindustrie", die zur Generaldirektion III "Gewerbliche Wirtschaft und

Technologie" der EG-Kommission ,in Brüssel gehört.

Er hat nach Studium an der Universität Grenoble zunächst zwei Jahre beim englischen Chemiekonzern ICI und dann acht Jahre lang in der Europaredaktion der Wirtschaftszeitung "Economist" gearbeitet, 1968 wurde er Direktor des Studienzentrums für europäische Industriefragen in Bath (England), danach erst Sonderbeauftragter, dann Kabinetts-Chef bei dem Mitglied der EG-Kommission, Altiero Spinelli.

Der Mann, der jetzt für so zukunftsträchtige Gebiete wie Datenverarbeitung und Raumfahrt zuständig ist und bisher vier Bücher - beispielsweise über US-Investitionen in Europa und "Zehn Innovationen" - schrieb, war von 1962 bis 1970 Wirtschaftsberater der liberalen Partei in England und ist seit 1971 Mitglied der Labour Party.