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Nicht auf jedem IBM-PC läuft jede Art von Software:

Die Ebene der Kompatibilität entscheidet

06.09.1985

Kompatibilität war lange Zeit ein undurchsichtiger Begriff. Vor allem der Grad der Kompatibilität ist umstritten. Wenn heute jemand von kompatibel oder wie auch häufig "kompatibel zum Industrie-Standard" spricht, so meint er, daß ein Mikrocomputer kompatibel zum entsprechenden "IBM PC" ist.

Ein wichtiger Meilenstein der technischen Entwicklung, die zum Mikrocomputer führte, war der Mikroprozessor. Auf Basis des Intel-8080-Prozessors, später des Z80-Prozessors, entstanden Computer, die mit dem CP/M-Betriebssystem von Digital Research arbeiteten. Apple benutzte den 6502-Prozessor mit einem eigenen Betriebssystem.

Als IBM 1980 den "PC" entwickelte, standen für die 8-Bit-Systeme CP/M und das p-System von Softech zur Wahl. Für 16-Bit-Prozessoren waren das Betriebssystem CP/M-86 von DRI sowie MS-DOS von Microsoft in Entwicklung. Das letztere wählte IBM für den "PC", und damit begann eine Marktverschiebung zugunsten von 16-Bit-Rechnern, speziell dem 8088-Prozessor von Intel und dem MS-DOS.

Die "offene" IBM-Architektur und der Name des Marktführers brachten Erfolg: Viele Softwarepakete, die aus der CP/M-Welt kamen, wurden auf dem "IBM PC" adaptiert, wie Wordstar, Supercalc, dBase und viele andere.

Die erweiterte Adressierbarkeit des 16-Bit-Prozessors verschob auch die Grenzen für die Programmierer. Anstelle von nur 64 KB der 8-Bit-Prozessoren standen nun 640 KB zur Verfügung. Was lag näher, als Pakete zu kombinieren. Programme wie Lotus 1-2-3, Textverarbeitung, Tabellenverarbeitung und Grafik verbindend, wurden für den Mikro geschrieben. Auf Hardware-Seite boten viele Hersteller Zusatzleistungen, wie TECMAR für den technischen Bereich, Herkules machte den Bildschirm grafikfähig, und IRMA bot Boards und Software zur Kommunikation mit IBM-Großrechnern an.

Andere Hersteller brachten, der technischen Entwicklung und dem Trend folgend, 16-Bit-Rechner mit MS-DOS auf den Markt, zum Beispiel DEC den Rainbow.

Durch bessere technische Leistungen versuchten sich die Wettbewerber einen Vorsprung zu verschaffen, wie etwa Sirius mit hohen Disketten-Kapazitäten oder NCRs DM V mit 8- und 16-Bit-Dual-Prozessoren für CP/M und MS-DOS und hochauflösender Grafik mit schnellen Grafik-Prozessoren.

Doch alle Geräte, die auf dem Operatingsystem-Level kompatibel waren, hatten Probleme, neue für die "IBM PC" geschriebene Software wie Lotus 1-2-3, lauffähig zu machen.

Als dann Compaq auf den Markt kam und nahezu alle "IBM-PC" Software benutzen konnte, wurde ein neuer Begriff geprägt: "operational-kompatibel". Somit gibt es verschiedene Ebenen der Kompatibilität.

Gleiches Diskettenformat ermöglicht Datenaustausch

Eine Art von Kompatibilität ist die funktionelle "PC"-Kompatibilität. Diese Systeme unterscheiden sich in der Hardware vom "IBM PC", benutzen aber Prozessoren der 8088-Familie: den 8088-, den 80186- oder den 8086-Prozessor. Das Betriebssystem dieser Systeme ist MS-DOS. Die Datenformate der Disketten sind so gewählt, daß Daten mit dem "IBM PC" getauscht werden können. Ebenso können Source-Programme mit dem "IBM PC" getauscht werden, wenn die verwendeten Sprachen auch auf dem kompatiblen Mikro angeboten werden. Manchmal werden jedoch auch andere Datenformate verwendet, beispielsweise Disketten mit einem Megabyte, dann ist Datenaustausch mit dem "IBM PC" nur mit den Kommunikationsleitungen möglich.

Von Hardware-Seite bieten diese Geräte oft Vorteile gegenüber dem "IBM PC". Hochauflösende Grafik, schnelle Grafik-Prozessoren, schnellere Prozessoren und höhere Disk-Kapazitäten.

Die Hersteller verweisen auch auf Listen mit lauffähiger Software, ebenso werden häufig Hardware-Zusätze für spezifische Anwendungsgebiete angeboten. Doch viele "Hit"-Softwareprogramme laufen nicht oder erst nach einiger Verzögerungszeit durch die erforderliche Anpassung.

Die zweite Ebene ist die operationale Kompatibilität.

Das sind Systeme, auf denen alle Programme laufen, die auch auf dem "IBM PC" angeboten werden. Ferner lassen sich auch Boards, die für den "IBM PC" entwickelt sind, in den Erweiterungssteckplätzen verwenden. Um operational-kompatibel zu sein, sind bestimmte Voraussetzungen notwendig. Das Betriebssystem muß funktionsgleich mit dem "IBM PC" sein, also gleiche Dienstprogramme bieten. Das System muß ein ROMBIOS aufweisen, das gleiche Einsprungspunkte wie das IBM-BIOS hat. Um jedoch das "Copyright" nicht zu verletzen, darf es nicht identisch codiert sein. Ein ROM-BIOS zu entwickeln, das sowohl Copyright als auch allen Kompatibilitätsansprüchen genügt, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Die Hardware muß in bestimmten Bereichen identisch mit dem "PC" sein, das heißt, gleiche Controller-Bausteine sind notwendig für Disks, Keyboard, Timer, DMA und Graphic Controller.

Ohne die genannten Voraussetzungen ist eine Lauffähigkeit der Software nicht gewährleistet, denn manche Programme greifen auf das Operating System zu, manche auch auf das ROM-BIOS und manche zusätzlich direkt auf die Hardware.

Somit müssen viele Details sehr genau erfüllt sein, um "operational-kompatibel" zu sein. Es sollte immer der größtmögliche Kompatibilitätsgrad angestrebt werden. Denn was nützt es, wenn Programme "fast" laufen? Wie soll der Benutzer wissen, wie kompatibel ein Gerät ist? Hilfreich sind die Listen derjenigen Software-Pakete, die die Hersteller dem Kompatibilitätstest unterzogen haben. Einige Programme eignen sich zum Testen der Kompatibilität, etwa der Flight-Simulator von Mikro-Soft, der auf die Hardware zugreift. Ein weiterer Test ist, ob die IBM-Betriebssysteme und Diagnoseprogramme laufen. Ein unabhängiges Institut, Future Computing, testet ebenfalls den Grad der Kompatibilität.

Mehr Memory in der Grundausstattung

Zum "IBM PC" kompatible Systeme benutzen meist den gleichen Prozessor, den 8088, der manchmal auch auf höhere Frequenz schaltbar ist. Der 8086 bietet größere Rechengeschwindigkeit, aber aus diesem Grunde auch eingeschränkte Kompatibilität. Der Prozessor 80186 bietet die höchste Integration, jedoch sind diese integrierten Funktionen nicht kompatibel.

Systeme, die kompatibel zum AT sind, verwenden den 80286-Prozessor.

Um den Kunden Vorteile zu bieten, werden häufig seriell parallele Interfaces integriert und mehr Memory in der Grundausstattung angeboten. Hochauflösende Grafik und trotzdem volle Kompatibilität bieten der NCR PC4i und PC6.

Beim IBM "IBM AT", den IBM vor einem Jahr vorstellte, zeigt sich deutlich der Trend zur operationalen Kompatibilität. Auf der Condex in Atlanta im April dieses Jahres wurden fünf "Operational-Kompatible" zum AT vorgestellt und nur ein Gerät, das trotz 80286 nur zum XT kompatibel war. Nur ein Hersteller, NCR, bietet ein eigenes Xenix an, alle anderen verweisen auf das IBM Xenix.

Der "IBM PC" kam mit DOS I. I im August 1981 auf den Markt. Im März 1982 folgte der "IBM XT" mit Festplatte und DOS 2.0. Im August 1984 kam der AT mit DOS 3.0 oder, wenn Netzwerksupport notwendig, mit DOS 3.1. Ferner wurde das Xenix Operating-System angekündigt.

Programme von DOS 1.1 waren aufwärtskompatibel zu DOS 2.0. Auf DOS 3.0 laufen rund 80 Prozent der Programme von DOS 2.0. Für die anderen Programme gibt es meist neuere Versionen, die sowohl auf 3.0 als

auch auf 2.0 laufen. Ferner können die Operating-Systeme 3.0 und 3.1 auch auf dem "IBM PC" und XT verwendet werden.

Zusammen mit dem AT wurde eine neue Display-Serie, der Enhanced-Color-Display, mit einer Auflösung von 640 x 350 Punkten und der Professional-Graphic-Display mit einer Auflösung von 640 mal 480 Punkten angekündigt. Für den IBM Enhanced Color-Display gibt es jetzt nur wenig Software. Die meisten Pakete, auch für den AT, unterstützen nur den Color-Display mit der geringen Auflösung von 640 mal 200 Punkten.

Jeder Anwender wird erst die Aufgabe definieren, die er mit dem Mikro zu lösen gedenkt. Somit beginnt er mit der Software für diesen Aufgabenbereich. Dann wird er einen Preis/Leistungs-Vergleich über die am Markt verfügbaren Geräte durchführen.

Nicht-kompatible Geräte sind fast unverkäuflich

Von der benötigten Software wird es abhängen, welcher Mikro "funktionell-" oder "operational-"kompatibel in Frage kommt. Das Preis/ Leistungs-Verhältnis gibt häufig einem weniger kompatiblen Mikro den Vorrang. Doch bei der Entscheidung ist Vorsicht geboten. Wer weiß heute schon, welche Software er in einigen Jahren benötigt? Dann ist es ärgerlich, ein wichtiges Programm, einen "Hit", nicht verfügbar zu haben. Oder es wird für ein Spezialgebiet Software benötigt, die nur auf "operational-kompatiblen" Mikros läuft.

Marktprognosen zeigen, daß der Anteil "operational-kompatibler" Mikros wächst. Nur Apple wird sich, mit abnehmendem Marktanteil, behaupten können. In den USA zeigt sich schon heute, daß "nicht operational-kompatible" Geräte nahezu unverkäuflich sind.

Deshalb ist ein Anwender zum jetzigen Zeitpunkt gut beraten, der im Zweifelsfall den "Operational-Kompatiblen" vorzieht.

*Dipl.-Ing. Helmut Weber leitet die Entwicklung des Bereichs Entwicklung und Fertigung der NCR GmbH, Augsburg.