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08.09.1978

Die EDV "I'art pour l'art" gibt es nicht mehr

- Die Fachabteilung wurde in der Vergangenheit in zweierlei Hinsicht - um es salopp auszudrücken - arg gebeutelt: Zuerst wurde ihr im Zuge der Zentralisierung der Datenverarbeitung die Verantwortung weggenommen, heute werden ihr die Umstellungsschwierigkeiten, bei der Einführung von Bildschirmen aufgebürdet. Als Leiter der Organisation bei Triumph International stehen Sie zwischen der EDV und der Fachabteilung - riechen Sie den Pulverdampf?

Die Zentralisierung der Datenverarbeitung Mitte bis Ende der sechziger, Jahre war unvermeidlich, um die ständig zunehmenden Mengengerüste in den Griff zu bekommen und das Bedürfnis der Unternehmensleitung nach besseren Informationssystemen zu befriedigen. Die Zentralisierung der Datenverarbeitung brachte einmal Vereinfachungen in der Abwicklung mit sich, zum anderen entstanden natürlich Probleme in der Fachabteilung dadurch, daß der frühere direkte, sofortige Zugriff zu den Daten: des Kunden nicht mehr in gleicher Weise gewährleistet war wie mit der früher vorhandenen Kartei-Organisation.

- Hat das zu einer Konfrontation zwischen der Fachabteilung und der Datenverarbeitung geführt?

Zu einer zwangsläufigen Konfrontation - obwohl die Datenverarbeitung alles getan hat, mit den Möglichkeiten einer zentralen Batchabwicklung die Informationsbedürfnisse der Fachabteilung zu befriedigen. Schon damals wurden in unserem Hause mehrmals täglich Listausdrucke über die Auftragsbestände und den Stand der Auslieferung erstellt, um so dringende Kundenanfragen - wenn auch nicht sofort - beantworten zu können. Daß dieser Service aufwendig war und an den Nerven der Fachabteilungen zerrte, ist klar. Aber die heutigen technischen Mittel standen damals ja nicht zur Verfügung.

- Die zentrale Datenverarbeitung Ó la IBM hat, wie Spötter behaupten, einen Typ von EDV-Leuten produziert, der kein Ohr mehr für die individuellen Wünsche der Fachabteilung hat. Gab's den bei Triumph International auch?

Sicher nicht nur bei Triumph International. In den Anfangsjahren waren sich ja alle EDV-Spezialisten ihrer Sonderstellung bewußt. In unserem Hause wurden diese Sunden der Vergangenheit allerdings bereits vor Jahren begraben, und eine sehr erfolgreiche Art der Zusammenarbeit zwischen Fachabteilung, Datenverarbeitung und Organisation wurde zustande gebracht.

- Wurde das in irgendeiner Form institutionalisiert, oder bezieht sich Ihre Aussage nur auf das Arbeitsklima?

In erster Linie auf das Arbeitsklima Institutionalisiert wurde diese Zusammenarbeit allerdings in der Zusammensetzung der Projektteams und in Form der Projektarbeit. In unserem Hause ist kein Projekt denkbar, das im Alleingang von Fachabteilung, Datenverarbeitung oder Organisation durchgezogen würde. Zumindest in der Konzeptionsphase werden alle Projekte gemeinsam getragen und entwickelt. Eine wichtige Rolle spielt dabei die gemeinsame Zielsetzung unserer Projekte. Diese sind fast ausschließlich kostenorientiert, die EDV "l'art pour l'art" gibt es nicht mehr.

- Nun hat Triumph erfolgreich den Bildschirm eingeführt. Derartige Umstellungen werden im Nachhinein selten objektiv dargestellt: Entweder wird die Leistung der EDV oder die der Fachabteilung überbewertet. . .

. . . es besteht kein Anlaß, die Leistung der EDV und der Organisation überzubewerten, wenn gute Arbeit geleistet wurde. Das liegt ja in der Aufgabenstellung, die diese Leute durchzuführen haben. Dagegen ist es wert hervorgehoben zu werden, wenn die Aktivität der Fachabteilung von der oft passiven Art und Weise der Zusammenarbeit positiv abweicht.

- Was heißt "vom Passiven positiv abweichen"?

Mit passiv meine ich: Zwar Mitarbeit im Projektteam, aber dann abwarten, bis die Einführung realisiert ist, und erst danach von dahinterstehen.

- War das bei Ihnen der Fall?

Wir haben heute in unserem Haus eine sehr fruchtbare Art der Zusammenarbeit erreicht. Zum Beispiel war die Fachabteilung von Anfang an hundertprozentig bei der Sache, hat die Konzeption und die Realisierung mit teilweise eigenen Ideen beflügelt und war sogar in der Lage, die Arbeitsabläufe und Arbeitsanweisungen bei der Einführung allein zu realisieren.

- Sie sagten, daß die Mitarbeit der Fachabteilung nicht hoch genug eingeschätzt werden könne.

In einem Unternehmen, das bemüht ist, kostenbewußt zu arbeiten, steht für die anstehenden Arbeiten eher zu wenig als zu viel Manpower zur Verfügung. . .

- . . . auf der Seite der Programmierung ?

Ja, und auf der Seite der Organisation. Aus dieser Sicht ist man natürlich nicht darauf bedacht, den eigenen Arbeitsbereich abzugrenzen, sondern man ist im Gegenteil glücklich, wenn noch Arbeit von den anderen am Projekt beteiligten Gruppen übernommen werden kann.

- Das geht doch aber nur, wenn deren EDV-Know-how angehoben wird.

Nicht nur. Bei entsprechender Anleitung kann eine Menge zeitraubender Untersuchungen in die Fachabteilung verlagert werden.

Unabhängig davon ist EDV-Schulung eine wichtige Voraussetzung zur späteren Übernahme der neuen Abläufe. Sie erfolgt bei uns intern, vor Projektstart und später, wenn die Bereitschaft besteht, auch in Kurzschulungen außer Haus.

- Nun ist es aber doch so, daß schon das Entwerfen einer Bildschirmmaske Spezialkenntnisse voraussetzt. In der Regel bringt der Fachabteilungsmitarbeiter diese Kenntnisse auch nach einer Kurzschalung nicht mit. Inwieweit kann er dann überhaupt mitarbeiten, und wieviel ist seine Mitarbeit wert?

Hier sind meines Erachtens zwei Gesichtspunkte von Bedeutung. Häufig ist die Fachabteilung nicht bereit, eigenes Gedankengut in die Konzeption einzubringen. Sie übernimmt dann weitgehend die von der EDV entwickelten Vorstellungen und versucht später nach Einführung, die Dinge in ihrem Sinne zu verändern, was einen entsprechenden Änderungsaufwand und Nachprojekte mit sich bringt. Der zweite Aspekt ist die Trennung zwischen den rein technischen und den inhaltlichen Dingen. Meines Erachtens ist es schon von erheblichem Nutzen wenn es die Fachabteilung versteht, ihre inhaltlichen Vorstellungen klar gegliedert zu Papier zu bringen. Das Übertragen in die technisch erforderliche Form ist ein Schritt, der von geringerer Bedeutung ist.

- Soll das Volumen des EDV-Einsatzes das Ausmaß der Integration zentral gestaltet werden, oder kann hier der Anstoß von der Fachabteilung kommen ?

Je höher der Automatisierungsgrad im Gesamtunternehmen, desto größer die Probleme der "Zentralverwaltung", auch im Hinblick auf den ständig zu leistenden Entwicklungsservice für viele Fachabteilungen gleichzeitig. Aus dieser Sicht ist eine Dezentralisierung sicher im Kommen.

- Meinen Sie das jetzt in dem Sinne, daß es durchaus in Ordnung ist, daß der Assistenzarzt den Blinddarm operiert daß es der Chefarzt aber auf jeden Fall wissen sollte?

Wenn Sie damit Eingriffe meinen, die allein die entsprechende Fachabteilung tangieren, dann ja. Die Einbettung der dezentralen Anwendungen in die Gesamtkonzeption, die Koordinierung des Informationswesens und das zentrale Datenmanagement müssen allerdings gewahrt bleiben. Letzten Endes ist es auch keine Frage der Unternehmensstruktur, ob und wie weit der Aufbau dezentraler Organisations- und Programmier-Kapazitäten sinnvoll ist.

Allerdings: Die rein abteilungsbezogene Abwicklungsarbeit wird angesichts des Gesamtvolumens doch erheblich überschätzt.

- Inwiefern?

Projekte, die auf Abwicklungsverbesserungen in den einzelnen Abteilungen zielen, sind heute bereits zu einem großen Teil realisiert. Die neuen Aufgabenstellungen für Organisation und Datenverarbeitung gehen mehr in Richtung auf Koordination der Arbeitsabläufe zwischen den Abteilungen.

- . . . und die wäre nur durch bessere Integration möglich ?

Wenn wir heute unsere Programme, die auf der Anlage laufen, ansehen, dann sind das sicher Buchhaltung, Auftragsabwicklung, Lagerabwicklung, Materialabwicklung. Darüber hinaus gibt es aber auch die Programme der Disposition mit Trendrechnung, Hochrechnung, Absatz-Disposition, Kapazitätsdisposition, Materialdisposition also Abläufe, die das Lager und die Auftragsabteilung mit der Produktion und dem Einkauf im Monatszyklus koordinieren. Ähnliche Aufgabenstellungen ergeben sich im marktorientierten Unternehmen bei der täglichen Koordination der gesamten Abteilungen oder beim Unternehmenscontrolling. Fragestellungen wie "Kann noch ein Großauftrag kurzfristig angenommen werden", "Sind die freien Bestände dafür da", "Ist die Lïeferbereitschaft für andere Aufträge gefährdet, wenn ich den Großauftrag annehme'' erfordern einen hohen Integrationsgrad der EDV.

- Kann man hier eigentlich so sauber trennen: zentral, dezentral. Für den Mann, der draußen in den Bildschirm schaut, ist es doch letztendlich egal, ob er die Intelligenz in der eigenen Schublade hat oder ob die irgendwo anders steht?

Das ist richtig. Bei den üblichen Bildschirmanwendungen treten die genannten Koordinationsprobleme allerdings auch nicht auf. Der Begriff dezentrale Datenverarbeitung ist ja nicht gerade eindeutig.

Helmut Steininger (37)

Leiter der zentralen Organisation bei Triumph International, München, hat für nachträgliche Änderungswünsche der Fachabteilungen vollstes Verständnis: "Das 100-Prozent-Projekt muß erst noch gemacht werden." Der Diplom-Wirtschaftsingenieur, gebürtiger Nürnberger, kam 1971 von Knorr-Bremse zu dem Münchner Markenartikler. Die Atmosphäre in der EDV und in den Fachabteilungen bezeichnet er als "hektisch, aber stimulierend".