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12.03.1982 - 

Schwedisches Dialogsystem hilft Oberpfälzer Verpackungswerk durch Organisationsstrudel:

Die EDV mit dem Neubau geplant

"Als wir jüngst In Regensburg waren, sind wir über den Strudel gefahren...", singt der Volksmund. Unweit der Donaustadt, im Verpackungswerk Schröter + Bake im Industriegebiet von Neutraubling, laufen jährlich Tausende von Aufträgen flüssig durch die Produktion. Von Staus und Strudeln ist da wenig zu merken. Denn bereits mit der Planung des 1980 neu erstellten Betriebes. bei dem besonderes Gewicht auf zügigen Materialdurchfluß und rationelle Fertigung gelegt wurde, war der Computer mit im Spiel: Ein Dialogsystem D 16 von Ericsson Information Systems, früher Datasaab.

Neben den üblichen kaufmännischen Aufgaben wie Lohn-/Gehaltsabrechnung und Finanzbuchhaltung hilft das System vor allem bei Produktplanung und Auftragsabwicklung bis hinein in die eigentliche Fertigung.

Schröter + Bake ist ein 1950 gegründetes, mittelständisches Unternehmen mit rund 350 Beschäftigten im Hauptwerk Neutraubling und zwei kleinen Zweigwerken im oberpfälzischen Tiefenbach. In Neutraubling werden Displays und Verpackungen aus Welloffset (Markenname für offsetbedruckte Wellpappe von Schröter + Bake) hergestellt. Die Zweigwerke produzieren vor allem tiefgezogene Kunststoffverpackungen und einfache Kartonagen.

Das Unternehmen versteht sich als "Partner für verkaufswirksame Warenpräsentation". Zum anspruchsvollen Kundenkreis gehören viele namhafte Unternehmen und Marktartikelfirmen - daß es auf die Verpackung ankommt, ist ja schon eine Marketing-Binsenweisheit.

Der Einsatz von Verpackungen ist fast immer an feste Termine gebunden. Dabei gehen der eigentlichen Produktion Entwicklung, Mustererstellung, Angebot und Planung voraus. Die fertigen Produkte werden, sofern sie nicht sofort ausgeliefert werden müssen, in einem Hochregallager mit 3024 Euro-Paletten für den Kunden abrufbereit eingelagert.

Wie EDV-Leiter Johann Weininger berichtet, hatten Schröter + Bake bereits unter seinem Vorgänger Meyer mit einem System D 16/30 gute Erfahrungen gesammelt. Seit Jahresanfang 1981 steht im Verwaltungsbereich des Neubaus jetzt das moderne Dialogsystem D 16/40, das zudem schrittweise ausgebaut wurde. So ist der Arbeitsspeicher in den letzten Wochen von 256 KB auf 384 KB erweitert worden. Zu den bereits vorhandenen drei Plattenstationen mit jeweils 60 MB kam ein viertes Laufwerk. Auch die Zahl der Bildschirm-Terminals von Typ 620 erhöhte sich von 18 auf 20.

Die räumliche Verteilung der Bildschirmarbeitsplätze macht bereits deutlich, daß bei Schröter + Bake die ganze Unternehmensorganisation und viele Mitarbeiter in die EDV einbezogen sind und mit dem Computer im Dialog stehen. Nur ein Terminal ist in der EDV-Abteilung für Kontrolle und Programmierung installiert Vier Geräte stehen in der Kostenkalkulation, zwei in der Arbeitsvorbereitung, drei im Verkauf. Versand und Wareneingang verfügen über je ein Bildschirmgerät, zwei Terminals werden in der Buchhaltung benutzt. Aber auch die Geschäftsleitung ist immer im Bilde: Geschäftsführer Egon Schröter macht davon ebenso Gebrauch wie Rudolf Dierauf, der im Rahmen der Geschäftsleitung für die Gesamtorganisation zuständig ist.

Wo Bedarf besteht, sind die Bildschirmarbeitsplätze durch sechs Arbeitsplatz-Drucker ergänzt, so etwa zum Ausdrucken der Lieferscheine und Palettenkarten im Versand. Die Anlage selbst und die Terminals sind geleast, die Drucker wurden gekauft.

Odin wurde angepaßt

Gerade bei der engen Verzahnung aller Unternehmensbereiche mit der EDV hilft der schönste Computer wenig wenn die Software nicht hält, was die Hardware verspricht. Im Bereich Lohn- und Gehaltsabrechnung und der Finanzbuchhaltung dienen Eigenprogramme der Aufbereitung der Daten für die Weiterverarbeitung durch Standard-Software des Herstellers. Für Auftragsbearbeitung und Produktplanung bis hin zur Fakturierung griffen Schröter + Bake auf das Standardpaket "Odin" zurück. Das Softwaregewand des Germanengottes mußte allerdings für die Bedürfnisse der Verpackungskünstler zurechtgeschneidert und erweitert werden. Neben Eigenleistungen der EDV-Mannschaft von Schröter + Bake kam dabei das Münchner Softwarehaus ISD (Institut für Strukturanalyse und Datenverarbeitung) zum Zuge.

Das Paket ist zu umfangreich und verästelt, um es hier im Detail zu beschreiben, aber einige wesentliche Hinweise genügen, um zu zeigen, wie die Organisation bei Schröter + Bake auf das EDV-System hin orientiert ist. Bereits bei der Kundenanfrage werden Kundenanschrift, Nummer, Datum und weitere Angaben in der EDV erfaßt, mit Hilfe des Systems werden Kalkulation und Angebot erstellt. Erfolgt der Auftrag, bilden die eventuell modifizierten Angebotsdaten wiederum die Ausgangsbasis für die Produktplanung. Integriert sind Softwareteile, die der Arbeitsvorbereitung aus der Produktplanung heraus die Möglichkeit geben, die Betriebsauftragspapiere bis hin zur einzelnen Maschinenbelegung und Fertigungskontrolle zu erstellen. Dabei werden die Auftragspapiere bei der Planung ausgedruckt und an den Betrieb weitergegeben. Zusätzlich wird die Fertigungs- und Terminkontrolle noch mit Hilfe einer Plantafel abgewickelt. Kommt nach dem Produktionsdurchlauf die entsprechende Rückmeldung an die EDV, schließt das System die Lieferscheine aus beziehungsweise schreibt in Form von Palettenkarten sozusagen die Überweisung zum Hochregallager für den späteren Abruf-Versand. Ganz abgesehen von den Rationalisierungsvorteilen für das Verpackungswerk selbst, so betont Rudolf Dierauf, wirkt sich der Computer auch positiv auf den Dienst am Kunden aus: Rasche Lieferbereitschaft und hohe Termintreue sind Punkte, auf die das mittelständische Unternehmen besonders stolz ist.

Keine Frage, EDV-Chef Johann Weininger ist mit der Effizienz des Systems zufrieden - das sind aber auch die Mitarbeiter. Im Anfang gab es natürlich, wie überall, Akzeptanzprobleme, ja Widerstand gegen den Kollegen Computer aus dem hohen Norden. Aber offenbar hat der praktische Sinn der Oberpfälzer bald erkannt, wie nützlich die Computerhilfe bei der täglichen Arbeit ist. "Wenn wir wirklich mal einen Ausfall haben und die Versandpapiere mit der Schreibmaschine getippt werden müssen, dann meutern die Kollegen", berichtet Weininger. Doch Ausfälle, so berichtet er auch, sind selten, trotz der hohen Auslastung des Systems. Der technische Service und die Wartung werden vom Ericsson-Stützpunkt München aus erledigt, erfahrungsgemäß ist der Techniker in drei bis vier Stunden nach dem "AIarm" schon vor Ort.

Die guten Erfahrungen, so Rudolf Dierauf, rechtfertigen auch im nachherein noch die zuerst 1979 getroffene Entscheidung, den Schweden-Computer einzusetzen. Als der damalige EDV-Leiter auf die Suche nach einem System ging, das mehr bot als eine schöne Verpackung aus Werbesprüchen und vagen Zusagen, erwies sich die damalige Datasaab nicht nur als der kostengünstigste Anbieter, sondern auch als fähig, die komplexe Organisation zu realisieren - und das, obwohl Schröter + Bake Odin-Pilotanwender in Deutschland war.

In einem Hausprospekt sagt Geschäftsführer Egon Schröter: "Wir haben erkannt, daß die zukünftige wirtschafts- und solzialpolitische Entwicklung in unserem Lande an die mittelständische Wirtschaft besonders hohe Anforderungen stellen wird. Wir sind überzeugt, daß unser Unternehmenskonzept und unser Know-how geeignet sind, diesen Anforderungen gerecht zu werden. "Ohne Computer wäre dieses Unternehmenskonzept gar nicht mehr denkbar.