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05.10.1979

"Die effektive Benutzung bestimmt den Preis"

Mit Hans J. Schäfer, Direktor der Abteilung Datenverarbeitung Service bei der IBM Deutschland GmbH, sprach CW-Redakteur Jochen Ewe

- War der externe RZ-Service die Idee eines Marktstrategen, oder entstand er eher zufällig?

Ich glaube, daß im Zusammenhang mit dem Angebot von Hardware und Software das Service-Geschäft logische Konsequenz war. Um auch das untere Ende der Kunden-Kategorie abzudecken, kam für die IBM eigentlich nur das Service-Geschäft in Frage.

- Wie viele Jahre liegen ungefähr zurück seit der Einführung dieses Services?

Der ursprüngliche LAB-Betrieb (Lohn-Arbeitsbetrieb, d. Red.) ist bis in die dreißiger Jahre zurückzuverfolgen.

- Welche Hardware muß kundenseitig installiert sein, um diesen IBM-RZ-Service nutzen zu können?

Hier müssen wir zuerst einmal differenzieren: Wir haben einmal ein Angebot, wo der Kunde das Anwendungspaket, wie Lohn Buchhaltung und Kostenrechnung, bei uns im Rechenzentrum fährt; wo er die Daten anliefert und zurückgeliefert bekommt. Für diese Anwendungsbereiche braucht der Kunde eine eigene Hardwareinstallation überhaupt nicht vorzunehmen. Dann gibt es diesen Batch-Service auch eingebunden mit einem Terminal; und es gibt natürlich auch den sogenannten Timesharing-Service, der ein Terminal auf Kundenseite voraussetzt. In diesen Fällen müßte der Kunde dafür sorgen, daß er ein Terminal installiert hat, das mit dem Service arbeiten kann.

- Ist nur IBM-Hardware einsetzbar oder IBM-kompatible Hardware - die gibt's ja auch? Kann es auch beliebige Hardware sein, oder sind da Restriktionen vorhanden?

Unsere Software ist im Hinblick auf IBM-Terminals entwickelt worden. Unsere Service-Kunden sind in der Auswahl der Terminals frei. Eine reibungslose Arbeit setzt jedoch voraus daß die Fremdterminals sich wie diejenigen IBM-Terminals verhalten, die für den entsprechenden Service vorgesehen sind.

- Welche Leistungen werden berechnet? Gibt es eine Grundgebühr? Wird die CPU-Zeit berechnet?

Grundsätzlich möchte ich vorausschicken, daß die Aufzählung von Schätz- oder Erfahrungswerten für jeden einzelnen Service zu weit führen würde, weil die Preisstruktur doch sehr unterschiedlich ist, auch innerhalb des einzelnen Services, den wir anbieten. Man kann grundsätzlich sagen, daß der Preis eines Angebotes der IBM so aufgebaut ist, daß die effektive Benutzung durch den Kunden schließlich den Preis bestimmt. Der Kunde bekommt je nach gewünschtem Service ein Angebot, das sich zusammensetzt aus verschiedenen Kriterien, wie zum Beispiel CPU-Leistung, Nutzung der Speicherkapazität, sprich der Platten und Bänder, wie aber auch den Anschlußzeiten an das System.

- Eine Grundgebühr gibt es nicht?

Für bestimmte Serviceleistungen werden Grundgebühren erhoben, auch wenn der Kunde diesen Service zum Beispiel einen Monat lang nicht in Anspruch nimm.

-Umfaßt der Service, den Sie bieten, neben der Zurverfügungstellung der Rechnerkapazität und Systemsoftware auch Anwendungssoftware - und welche?

Wir haben an den Anwendungsprogrammen wie Lohn, Buchhaltung, Kostenrechnung etc. Eigentumsrechte. Diese Programme werden ausschließlich im Rechenzentrum angeboten. Wir sind der Meinung, daß diese Programme unter dem Aspekt der Mehrbenutzerfunktion entwickeln worden sind. Dadurch sind diese Programme natürlich für die eigene Anlage zu komplex. Wir sind aber in der Lage, bei dem Kunden, der ein solches Programm auf die eigene Anlage übernehmen will, eine kundenspezifische Anwendung zu entwickeln, die er dann analog zu dem, was er zuvor im Rechenzentrum gemacht hat, auf seinem eigenen Computer installieren kann. Eine solche Entwicklung würde dann gegen Entgelt durchgeführt werden.

- Wie steht es um den Kunden, der sich ein aufwendiges Softwarepaket strickt, das er nur relativ selten zu fahren braucht, so daß es für ihn unwirtschaftlich wäre, sich eine Großanlage ins Haus zu stellen?

Auch diesen Service bieten wir an; das wäre eine reine Systembenutzung. Wir würden in diesem Fall dem Kunden das Rechenzentrum zur Verfügung stellen, und der Kunde könnte dieses für seine Anwendungen mit seinen Daten nutzen. Wir würden ihm dann den Preis für die Systembenutzung in Rechnung stellen.

- Und diese Systembenutzung könnte auch remote geschehen?

Das könnte unter bestimmten Voraussetzungen auch remote geschehen. Bedingung wäre, daß der Kunde in der Lage ist, sich über ein Leitungsnetz bei uns an den Computer anzuhängen, wobei wir aber auf der anderen Seite trotzdem noch das Operating dieses Systems durchführen.

-Kommen wir einmal zu den Risiken: Der Kunde, der ein eigenes Softwarepaket fahren will, tut gut daran, zur Vermeidung unnötiger Kosten nur ein wirklich durchgetestetes Programm einzusetzen ...

Wenn ein Kunde über die Leitung an das Rechenzentrum herantritt und dort eine Verarbeitung vornimmt, sind wir in aller Regel überhaupt nicht in der Lage festzustellen, was tatsächlich durchgeführt wird. Das heißt, wir haben weder Zugriff zu den Daten noch zu den Programmen.

- Aber bei der hauseigenen Software sagen Sie: "Dieses Programm ist funktionabel, enthält keine Fehler; und wenn es trotzdem vorkommt, dann stehen wir dafür gerade."

Bei unseren eigenen Programmen, die wir anbieten, laufen wir durch Testphasen hindurch, die sicherstellen, daß Fehler beseitigt sind und daß unsere Kunden - meist sind es ja mehrere, die das gleiche Programm benutzen - wirklich ein fehlerfreies Programm haben.

Sicherlich kann - beispielsweise im Zuge der Weiterentwicklung des Programms - für den einen oder anderen Kunden eine Situation auftreten, an die man nicht gedacht hat. Und dem würden natürlich Rechnung tragen und diesen Fehler beseitigen.

- Welche Fachkenntnisse sollte ein Kunde haben? Was muß er kennen oder können?

Das ist verständlicherweise abhängig von der gegebenen Anwendung. Wenn wir an den Endbenutzer in der Fachabteilung denken, der seine Probleme mit Hilfe unseres APL oder mit Hilfe von IBM-CALL löst, so haben wir hier zwei Serviceangebote, die unter der Überschrift "Benutzerfreundlichkeit" stehen und die nach kurzer Ausbildungszeit als Hilfsmittel wirtschaftlich sinnvoll genutzt werden können.

- Können Sie eine konkrete Angabe machen über Schulungskosten, die in einem exemplarischen Fall angefallen sind?

Wir haben lange im Service-Bereich keine gezielten Schulungskurse angeboten, sondern individuell nach Vertragsabschluß unsere Kunden in die Benutzung der Services eingeführt. Seit neuestem bieten wir bei IBM-CALL/AS einem kostenpflichtigen Kurs an, für den pro Teilnehmer 1440 Mark zu entrichten sind.

- Ganz ohne Eigenschaften, die man als "alternativ" bezeichnen würde, scheint mir der vorhin als additv gekennzeichnete RZ-Service übrigens nicht zu sein.

Ja, ganz recht. Das typische Beispiel hier für mich ist das Lohnpaket, was wir in sehr umfangreicher Form anbieten und mit dem wir eigentlich die Branchen abdecken, die ein solches Paket benötigen. Bei Lohn erscheint es mir sinnvoll zu überlegen, ob wirklich jeder Anwender die gleichen Aufwendungen jedes Jahr betreiben muß, um das Lohnpaket nach gesetzlichen oder tariflichen Änderungen wieder auf den neuesten Stand zu bringen, oder sich - alternativ - an einem Dritten zu hängen, der diese Änderungen für alle gleichzeitig durchführt.

- Wir sollten uns jetzt dem Service widmen, der an den Arbeitsplatz in einer Unternehmung geht, die über ein eigenes Rechenzentrum durchaus verfügt ...

Ja, das ist unser additives Geschäft.

- ... und die Frage stellen: WeIche Datenschutzvorkehrungen sind getroffen worden?

Zunächst einmal ist jeder Kunde für die Daten, die er selbst speichert oder auch einem Dritten zur Verfügung stellt, selbst zuständig und verantwortlich. Er ist auch verantwortlich für die Auswahl des Service-Zentrums, wo er diesen Service fahren läßt - so jedenfalls im Gesetz geregelt -. Wir sind, möchte ich sagen, hinsichtlich der Datensicherheit besonders aktiv und fortschrittlich, zumal wir die Anlagen ja auch teilweise für interne Zwecke einsetzen und als Hersteller von Datenverarbeitungsanlagen hier wirklich Vorbild sein wollen. Und auch unsere Kunden, glaube ich, können bestätigen, daß sie einer Kontrolle unterliegen, die sicherstellt, daß kein Unbefugter Zugriff zu den Anwendungen und Daten Dritter hat, die wir im Rahmen eines Auftrages abwickeln.

- Den Satz "Man kann mit den Daten nur zweierlei tun: Sie verarbeiten oder schützen" würden Sie also zurückweisen?

Ich glaube, man muß beides tun, wobei man natürlich die Datensicherheit nicht so weit treiben kann, daß eine solche Anwendung unwirtschaftlich wird.

- Sind nach Ihren Beobachtungen die Fachabteilungen zumeist die Initiatoren eines RZ-Service-Vorhabens, oder sind es mehr "die Vorstands-Etagen selbst" die an Sie herantreten?

Das ist sehr unterschiedlich; es gibt Situationen, wo ein Rechenzentrum eine klare, langfristige Planung hat, und wo überlegt wird, welche Anwendungen, die erst spät in der Prioritätenfolge liegen, vorgezogen werden können. In solchen Situationen kommt es vor, daß die EDV-Abteilung selbst dafür sorgt, daß der Endbenutzer in der Abteilung seine Forderung erfüllt bekommt. Es gibt aber auch die andere Situation, wo der Endbenutzer selbst aktiv wird und dafür sorgt, daß seine Bedürfnisse mit einem externen Rechenzentrum befriedigt werden. Hier kann man unterstellen, daß die EDV-Abteilung diese Fachabteilung nicht vorrangig bedienen kann.

- Passiert dies aus technischen Gründen?

Aus personellen oder technischen Gründen.

- Sie haben sicher schon einmal erlebt, daß die Einführung des Service bei einem Kunden nicht ohne Widerstände vonstatten gegangen ist. Von wem gingen diese in aller Regel aus?

Es gibt in einigen Situationen psychologische Widerstände; etwa wenn ein EDV-Leiter, der seine Planung verabschiedet hat für die nächsten Jahre, es schwer hat nachzuweisen, warum nun eine Anforderung einer Fachabteilung nicht eben mal zwischendurch realisiert werden kann. Ich glaube, hier spielt auch mit, daß man es nicht gern bei einer vorhandenen Kostensituation, sprich bei einer großen Kapazität, sieht, einen Service nach draußen zu geben. Da heißt es nur immer: "Wir haben genügend Personal; wir haben genügend Hardware installiert; warum ist das eigentlich notwendig?"

- Ist jede IBM-Niederlassung gleichzeitig auch ein Service-RZ?

Nein, wir haben Service-Rechenzentren schwerpunktmäßig an vier orten: Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt und Stuttgart.

- Es gibt auch kleinere!

Es gibt kleinere; wie zum Beispiel in Berlin, Dortmund und München.