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Kosten und Nutzen von Value-Added-Netzwerken


25.12.1992 - 

Die EG-Standards und -Tarife vereinfachen den Datenverkehr

Der Austausch geschäftlicher Daten auf elektronischem Wege nimmt immer größere Ausmaße an. An die Seite der klassischen Modems, bei denen der Informationstransfer über Telefonleitungen erfolgt, treten mittlerweile zahlreiche Dienste. Welche Alternativen bieten sich, wie sieht es mit den Kosten aus, und wie gestaltet sich der künftige innereuropäische Datenaustausch?

Vor einigen Jahren hielt das Telefaxgerät Einzug in viele Geschäftsräume, heute gehört es zur Standardausstattung jedes Büros. Ähnlich entwickelt sich zur Zeit die elektronische Datenübertragung. Vor zwei Jahren war diese noch relativ kostspielig, heute kommt kaum noch ein Unternehmen ohne Modem, Datex-Leitungen oder ISDN-Anschluß aus.

Im europäischen Binnenmarkt sind die Anforderungen und Kosten jedoch andere als bislang gewohnt. Die Europäische Kommission bemüht sich derzeit, grundlegende Direktiven für die diversen Telekommunikationsbereiche und die Netzentwicklung festzulegen. Zwei Aufgaben sind für den internationalen Datenaustausch besonders wichtig: Die Schaffung eines europaweit geltenden Übertragungsprotokolls sowie die Regulierung und Vereinheitlichung der Telekommunikations- und Datenübertragungsgebühren.

Bei den Value-Added-Netzwerken würden sich durch einheitliche Vorgaben entscheidende Erleichterungen ergeben. Bislang mußte in jedem Land, in dem ein Netzwerk mitbetrieben werden sollte, eine eigene Lizenz beantragt werden. Bis auf diese Weise zum Beispiel eine Netzwerkstrecke von Italien nach Deutschland steht, vergeht sehr viel Zeit.

Für die Betreiber von Value-Added-Netzwerken soll daher jetzt eine einzige, für den gesamten europäischen Binnenmarkt geltende Telekommunikationslizenz ins Leben gerufen werden. Open Network Provision (ONP), das Prinzip des offenen verteilten Systems, bildet das Kernstück dieser Bestrebungen.

Geplant ist ein europaweites Gesetz über die Benutzung öffentlicher Telefonleitungen, auf dessen Basis private Unternehmen ihre Dienste anbieten und verkaufen können. ONP legt fest, daß für alle Mitgliedstaaten ein allgemeingültiges Übertragungsprotokoll entstehen und der Anwender dieser Einrichtungen vollständige Betriebsunterlagen an die Hand bekommen muß; die EDI (Electronic Data Interchange)-Norm vereinfacht schon jetzt den elektronischen Datenaustausch zwischen Unternehmen.

Besonders wichtig ist auch eine verbindliche Gebührenordnung, damit die entstehenden Kosten von jedem Land der Gemeinschaft aus kontrollierbar sind.

Mit EDIFACT (Electronic Data Interchange for Administration, Commerce and Transport) existiert speziell für den papierlosen Geschäftsverkehr ein international gültiger Standard.

Anstatt Rechnungen, Bestellungen oder Lieferscheine in der herkömmlichen Weise per Post zu versenden, transferiert das Unternehmen A aus Deutschland über Daten- oder Postleitungen die Dokumente in Dateiform an das Unternehmen B in der Türkei. An der in EDI definierten Sprache erkennt der Empfänger beziehungsweise dessen DV problemlos die elektronisch übermittelten Dokumente. Die einmal konvertierten Daten müssen über Telekommunikationsleitungen Versandt werden.

Wer seine Informationen auf elektronischem Wege übermitteln möchte, ist auf die Telekom angewiesen. Diese stellt eine Vielzahl an Datenübermittlungsdiensten bereit, wovon hier vier besprochen werden sollen: die analoge Übertragung per Telefonleitung, das Datex-L- und das Datex-P-Netz sowie Datendirektleitungen. Geschwindigkeiten und Kosten unterscheiden sich erheblich.

Bei der analogen Übertragung ist, um Daten über Telefonleitungen zu transportieren, lediglich ein Modem notwendig. Von diesem hängt die erzielbare Geschwindigkeit teilweise ab, die gerätebedingt zwischen 300 und 19 500 Bit/s liegt. Größeren Einfluß hat jedoch die Qualität der Telefonverbindung. Bei schlechten Leitungen sind oftmals nicht einmal 2400 Bit/s realisierbar. An Kosten fallen nur die Telefongebühren an, die je nach Größe der zu übertragenden Dateien allerdings astronomische Ausmaße annehmen.

Etwas anders verhält es sich mit den Datex-Diensten. Über spezielle, seitens der Telekom und anderer Länder zur Verfügung gestellte Verbindungen, lassen sich Datentranfers sehr schnell abwickeln. Bei Datex-L und Datex-P sind die Leitungen störungsfrei und gestatten daher Übertragungsraten bis zu 64 Kbit/s.

Datex-L-Fernverbindungen lassen sich bisher allerdings erst nach Dänemark, Finnland, Japan, Norwegen, Österreich Schweden, Ungarn, der Türkei und den USA herstellen. Die monatlichen Rechnungen bestimmen bei beiden Datex-Diensten mehrere Faktoren in unterschiedlicher Gewichtung: Übertragungsgeschwindigkeit, Entfernung, Verbindungsdauer und Anzahl der Verbindungen.

Für die Nutzung des Datex-L-Netzes ist zunächst eine Bereitstellungsgebühr zu entrichten. Zusätzlich fallen, abhängig von der gewünschten Geschwindigkeit, Grundpreise für die Anmietung der Leitung all.

Weiterhin verursacht jeder Verbindungsaufbau je nach Entfernung weitere Übertragungskosten. Daher ist Datex-L im Grunde nur dort angebracht, wo große Datenmengen mit hoher Geschwindigekeit zu transportieren sind. Je schneller die Übertragungen erfolgen, desto besser ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis (vgl. Abbildung 1).

Die Kosten beim Datex-P-Netz

Im Datex-P-Netz dagegen richten sich, obwohl ebenfalls Bereitstellungsbeiträge zu entrichten sind, die Kosten in wesentlichen nach der übertragenen Datenmenge (vgl. Abbildung 2).

Bei beiden Netzen kommt jedoch noch ein weiterer Gebührenposten hinzu, nämlich die Anzahl der aufgebauten Verbindungen. Dies macht sich beispielsweise dort bemerkbar, wo ein permanenter Dialog zwischen zwei oder mehreren Teilnehmern erfolgt.

Unter Umständen ist es in solch einem Fall günstiger, Datendirektleitungen zu mieten. Solche Standleitungen stehen der mietenden Firma exklusiv zur Verfügung. Zusätzlich sind die Betreiber, in Deutschland die Telekom, durch die neuen EG-Gesetze dazu verpflichtet, für einen störungsfreien Netzbetrieb zu sorge. Dadurch lassen sich höchste Übertragungsgeschwindigkeiten erzielen. Leider hat die Direktverbindung zwischen zwei Teilnehmern auch ihren Preis (vgl. Abbildung 3).

Genaue Analyse ist der wichtigste Schritt

Für den schnellen Datenaustausch im künftigen Europa ist der Einsatz modernster Übertragungsmethoden zweifellos unabdingbar. Eine genaue Analyse der tatsächlich anfallenden Datenmengen ist der wichtigste Schritt zu einer effizienten Einführung elektronischer Kormmunikationseinrichtungen.

Bei allen Verbindungen ins Ausland erfolgt die Abrechnung über die Deutsche Telekom nach vorgezeichneten Gebührenmustern. Bei steigender Nachfrage werden die Kosten für die Nutzung der Telekommunikationsdienste sinken.

Mit der einheitlichen Gebührenstruktur für den künftigen Binnenmarkt hat, die Europäische Gemeinschaft eine wichtige Etappe auf dein Weg in das elektronische Medienzeitalter zurückgelegt.