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02.12.1977 - 

Methodentraining in System- und Software-Entwicklung:

Die Einführungsproblematik wird ständig unterschätzt

Heidi Heilmann, Geschäftsführerin der Intergrata GmbH, Tübingen

Nach allgemeiner Erkenntnis und Erfahrung steigt der Anteil der Software an den EDV-Kosten. Neue Arbeitstechniken und Methoden, ihre Konzeption und Einführung in die EDV-Praxis haben dadurch an Bedeutung gewonnen. Sie sollen dabei helfen, Organisationssysteme von hoher Qualität und Wartungsfreundlichkeit nach festgelegten Standards rationeller als bisher zu entwickeln.

Geeignete Standards, Techniken und Methoden werden von verschiedenen Institutionen angeboten. Die Aufgabe der Sichtung und Auswahl im konkreten Fall darf nicht unterschätzt werden

- Neue Methoden der System- und Softwareentwicklung können nicht auf der grünen Wiese eingeführt werden, sondern müssen sich an vorhandene Techniken anfügen lassen.

- Sie sollen flexibel auf Groß- und Kleinprojekte anwendbar sein.

- Sie müssen dem Praktiker eine überschaubare, eindeutige und einleuchtende Vorgehensweise demonstrieren.

- Sie sollen ihren Benutzer nicht zu sehr reglementieren sondern ihm noch gewisse Freiheiten in der Darstellung erlauben.

Die Auswahl ist also nicht einfach. Der nachweisbare Erfolg zeitgemäßer und einheitlicher Methoden der System- und Softwareentwicklung rechtfertigt aber durchaus einen gewissen Aufwand für Auswahl und Einführung neuer Methodenpakete.

Unsicherheit und Beharrungsvermögen

Dabei wird die Einführungsproblematik häufig unterschätzt. Auch wenn die Auswahl sorgfältig und unternehmensbezogen getroffen worden ist, kann nicht mit einer reibungslosen Einführung der neuen Methoden gerechnet werden. Menschliches Beharrungsvermögen, Unsicherheit gegenüber neuen Verfahren, unzureichende Information und bewußtes oder unbewußtes Unterlaufen der neuen Verfahren sind in EDV-Abteilungen genauso möglich wie in Fachbereichen, die solches Verhalten zum Kummer der EDV-Experten bei Umstellungen immer wieder zeigen. In Unternehmen mit genügend langer EDV-Erfahrung kann man unter der Hand auch häufig Verfahren genannt bekommen, die auf diese Weise gescheitert sind.

Wer neue Methoden und Techniken der System- und Softwareentwicklung erfolgreich nutzen will, muß eine Reihe von Grundsätzen beachten:

- Treffen Sie eine sorgfältige Auswahl und passen Sie die Methoden und Techniken Ihren Gegebenheiten an.

- Gewinnen Sie die Führungskräfte für die neuen Methoden: Überzeugte Führungskräfte motivieren, unterstützen und kontrollieren ihre Mitarbeiter beim Einsatz der neuen Verfahren.

- Schaffen Sie klare, klare und eindeutige Richtlinien knappe und machen Sie ihre Anwendung zur Pflicht. Stellen sie die Nutzung der neuen Verfahren nicht in das Ermessen des einzelnen.

- Informieren und trainieren Sie alle betroffenen Mitarbeiter mit großer Sorgfalt in einem mehrstufig aufgebauten Methodentraining.

Training am Pilotprojekt

In der ersten Stufe werden Motivation und Information durch Vorstellung der Verfahren und Erläuterung ihrer Zielsetzung vermittelt.

Workshops zur Verdeutlichung und Einübung der Verfahren an vereinfachten und skizzierten Beispielen, die schon aus dem eigenen Unternehmen stammen können, schließen sieh als zweite Trainingsstufe an.

Training on the job in Pilotprojekten des eigenen Hauses bildet die dritte Stufe. Die aus gewählten Projekte sollen weder zu einfach noch zu komplex sein. Für die sachliche Abwicklung und Koordination des Projekts trägt ein Projektleiter die Verantwortung. Er wird durch einen Methodenfachmann unterstützt, dessen Aufgabenschwerpunkt in der Unterstützung der Projektmitarbeiter bei der richtigen Auswahl und Anwendung der neuen Methoden und Techniken liegt.

Entsprechend der Zahl der zu trainierenden Mitarbeiter muß dieses Vorgehen entsprechend oft wiederholt oder parallel realisiert werden.

Training on the job ist wichtig, weil es entgegen verbreiteter Meinung den meisten nämlich nicht gelingt, die im Workshop kennengelernten und in einem gewissen Maße eingeübten Verfahren selbständig auf die eigene Praxis zu übertragen. Die neue Technik ist nicht voll verstanden worden, die Anwendung im konkreten Fall verlangt Modifikationen und sie kostet zunächst mehr Zeit als das alte, vertraute Vorgehen. Unter Zeitdruck und ohne entsprechende Unterstützung neigt fast jeder zum Rückfall in die alten Methoden!

Vorgefertigte Teachware überbetrieblich einsetzbar

Neue Methoden und Techniken der System- und Softwareentwicklung werden auf dem Markt angeboten. Die Anbieter sind im allgemeinen auch zur Mitwirkung bei der Anpassung an unternehmensindividuelle Gegebenheiten und zur Übernahme des Methodentrainings bereit.

Es ist sinnvoll, die Möglichkeiten der Zusammenarbeit auf diesem Sektor zu prüfen. Einige Gründe dafür sind in der Folge genannt: Verfahren, Methoden und Techniken der System- und Softwareentwicklung sind prinzipiell überbetrieblich einsetzbar. Die Grundsätze etwa der strukturierten Vorgehensweise in Systementwicklung und Programmierung sind weder branchen- noch anwendungsabhängig. Richtlinien, Formulare, Beispiele und Seminarunterlagen können also zum Teil vorgefertigt vom Markt übernommen werden. Die Mitwirkung des Anbieters bei der firmenindividuellen Anpassung bindet weniger eigene (hochqualifizierte !) Kapazität. Mitarbeiter mit pädagogischer Eignung und Erfahrung zur Trainingsvorbereitung und -durchführung stehen im eigenen Hause oft nicht zur Verfügung und - last not least - wird dem Externen (vielleicht?) die Effizienz der neuen Verfahren doch etwas leichter geglaubt als dem eigenen Kollegen.

Eine sorgfältige Auswahl auf dem Methoden- und Teachwaremarkt und die Hinzuziehung externer Experten können also helfen, die System- und Softwareentwicklung frühzeitiger und kostengünstiger zu verbessern.