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19.01.1990 - 

CASE und die Sprachen der vierten Generation

Die Entwicklung führt zu einer Aufgabenteilung

Das Schlagwort "CASE" hat im letzten Jahr die Titelseiten der Fachpublikationen beherrscht - deutlich auf Kosten der 4GL-Produkte. Viele Anwender fragen sich heute ob diese Sprachen eine Sackgasse der Achtziger Jahre waren. Walter Boltz untersucht daher, welche Rolle diese Technik für die Software-Entwicklung in Zukunft spielen kann.

Es ist kaum zwei Jahre her, daß die Anbieter von 4GL-Sprachen mit Euphorie in die Zukunft blickten und beträchtliche Absatzsteigerungen prognostizierten. Heute scheint eher gedämpfter Optimismus oder auch eine pessimistische Absatzerwartung angebracht, denn der Höhenflug der 4GL-Sprachen ist vorbei und diese Software-Werkzeuge werden bereits hier und dort totgesagt.

Auch wenn 4GL-Sprachen heute noch recht verbreitet sind, sollte jeder Anwender sich rechtzeitig darüber Gedanken - machen, welche Rolle diese Software-Werkzeuge im Rahmen der Anwendungsentwicklung der Zukunft spielen werden. Abhängig vom Ergebnis

dieser Überlegungen ist der Umfang der Investitionen in die 4GL-Sprache zu definieren und eventuell zu begrenzen.

Was ist eine 4GL-Sprache?

So wie für viele Marketing-Schlagworte der DV-Industrie gibt es für 4GL-Sprachen keine einheitliche, allgemein akzeptierte Definition. Typische Merkmale sind.

- non-prozedurale Sprachelemente,

- nutzbar durch Anwender mit minimaler Schulung;

- Der Schwerpunkt liegt bei der Implementierung. Typische Vertreter von 4GL-Sprachen sind:

- Abfragesprachen,

- Reportgeneratoren,

- Anwendungsgeneratoren

Um die künftige Rolle der 4GL-Sprachen besser zu verstehen, ist eine Definition und ein Vergleich zwischen einer leistungsfähigen 4GL-Sprache und einer CASE-Entwicklungsumgebung sinnvoll (siehe Tabelle).

Dabei wird sichtbare daß die Substitutionsgefahr nur gering ist und daß CASE den 4GL-Sprachen kaum direkt Konkurrenz machen dürfte. Der Grund, warum, mit den Einzug des CASE-Gedanken gleichzeitig die Skepsis gegenüber 4GL-Sprachen wuchs, ist einem anderen Bereich zu suchen.

Der von den Anbietern selbst erweckte Eindrucke sie könnten die traditionellen Programmiersprachen ersetzen, hat dazu geführt, daß die Anwender sehr hohe Ansprüche an die Produkte stellen. Diese Ansprüche hinsichtlich Performance, Kompatibilität mit gängigen DBMS-Systemen, Leistungsumfang und Standardisierung sowie Verfügbarkeit und Weiterentwicklung werden von den meisten Produkten nicht erfüllt.

Während viele CASE-Tools über einfache Schnittstellen zur Entnahme der Systemstrukturen und Datendefinitionen aus der zentralen Enzyklopädie verfügen, sind die Sprachen der vierten Generation meist geschlossene Systeme. Das heißt, eine etwa mit Focus oder Siros geschriebene Anwendung kann in aller Regel nicht ohne weiteres in eine andere 4GL-Sprache übertragen werden. Auch die Übernahme einer Anwendung anderen Rechner ist auf einen nur dann ohne Probleme möglich, wenn die 4GL-Sprache auf diesem Rechner verfügbar ist.

Ein weiterer wesentlicher Mangel der meisten Produkte ist das Fehlen von Standards. Das führt zu einer Verunsicherung der Anwender und einem Mangel an ausgebildeten Mitarbeitern und von fertigen Anwendungen. Trotz dieser Schwachstellen erfüllen sie durchaus eine wichtige Funktion im Rahmen der künftigen Anwendungsentwicklung.

Einerseits können in CASE-Systeme integrierte 4GL-Sprachen eine große Hilfe beim Einsatz von Prototyping sein. Andererseits sind sie bei sachgerechter Nutzung eine gute Alternative zur Entwicklung kleiner Anwendungen (500-10 000 Programmzeilen einer 3GL-Sprache).

Mittelfristig haben daher vor allem jene 4GL-Sprachen Zukunft, die in populäre CASE-Tools integrierbar sind und die gängigen Enzyklopädien als Informationsquelle nutzen können. Auch moderne 4GL/5GL-Sprachen, die über extrem hohen Benutzerkomfort wie eine fast natürlichsprachige Benutzerschnittstelle oder Expertensystemfunktionen zum Manövrieren in einer Datenbank verfügen, haben gute Chancen, sich mittelfristig neben den CASE-Tools zu behaupten.

Diese Sprachen werden weitgehend unabhängig von CASE-Tools zur Abdeckung eines laufend wachsenden Bedarfs an IDV-Wünschen zum Einsatz kommen und sind durch die langsame Verbreitung des CASE-Einsatzes nur wenig tangiert.

Für andere 4GL-Sprachen hingegen, die den Anspruch haben, ein Ersatz aller anderen Programmiersprachen zu sein, oder die nur für spezielle Klassen von Anwendungen eingesetzt werden können, sind die Zukunftsaussichten relativ schlecht. Sie werden aller Voraussicht nach in den nächsten Jahren stark an Bedeutung verlieren.

Insgesamt kann man daher nicht von einer Alternative 4GL-Sprachen versus CASE sprechen. In der Praxis vollzieht sich primär eine Verschiebung des typischen Einsatzbereiches der 4GL-Sprachen hin zur individuellen Datenverarbeitung, während CASE-Werkzeuge für die professionelle Software-Entwicklung zum Einsatz kommen werden.