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29.07.2009

Die ersten Bachelors suchen Jobs

Zwar begrüßen Vertreter der IT-Branche die neuen Studienabschlüsse, doch die Auswahl von geeigneten Bewerbern wird schwieriger.

Die Diplomzeiten in der Informatik sind bald vorbei. Viele Hochschulabsolventen bewerben sich inzwischen mit einem Bachelor- oder Master-Abschluss in Informatik. Im Jahr 1999 beschlossen 29 europäische Bildungsminister im italienischen Bologna, ein einheitliches europäisches Hochschulsystem zu schaffen. Die zweistufigen Studienabschlüsse Bachelor und Master sollen bis 2010 Diplom und Staatsexamen ablösen.

IT-Unternehmen hatten jahrelang über die langen Studienzeiten von Informatikern und die hohen Abbrecherquoten geklagt. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) zählte von Anfang an zu den Befürwortern des neuen Studiensystems. Mit den zweistufigen Abschlüssen entbrannte bald eine neue Diskussion: Sind die Absolventen gut genug ausgebildet, um hervorragende Arbeit zu leisten? Stephan Pfisterer vom Bitkom in Berlin begrüßt die Neuerungen: "Ein Bachelor-Abschluss ist auf jeden Fall berufsbefähigend. Nur wenige unserer Mitgliedsunternehmen sehen die neuen Abschlüsse kritisch." Gerade in der IT-Industrie sei es wichtig, dass "Absolventen jung sind, wenn sie ins Berufsleben einsteigen".

Allerdings räumt Pfisterer ein, dass sich viele Fimen noch nicht mit dem neuen System beschäftigt hätten. Gerade für kleinere Anwenderunternehmen, die nur alle paar Jahre Hochschulabsolventen einstellten, werde es schwieriger, zwischen den vielen Studienabschlüssen und Hochschulen zu unterscheiden. Große Unternehmen hätten sich dagegen meistens intensiv mit dem Thema Bachelor und Master beschäftigt, so seine Beobachtung.

Jetzt oder nie! dachte sich Andreas Bayer. Der Abiturient kam nach Zivildienst und kaufmännischer Lehre ins Grübeln: "Entweder studiere ich jetzt noch, oder ich mach das wahrscheinlich nie mehr", überlegte der damals 25-Jährige. Also schaute sich der Münchner nach einem passenden Studienfach um. "Wirtschaftsinformatik hat mich interessiert, denn in meiner Ausbildung hatte ich viel mit Warenwirtschaftssystemen gearbeitet." Bayer und seine Kommilitonen waren im Wintersemester 2003/04 die ersten Studenten der Wirtschaftsinformatik mit Bachelor-Abschluss an der Hochschule München. Obwohl Anfang 2004 die Berufschancen für Wirtschaftsinformatiker schlecht waren, kam Bayer schnell unter.

Bessere Chancen mit Master?

"Ich habe fünf oder sechs Bewerbungen geschrieben und mich dann für Consol entschieden." Das Münchner IT-Dienstleistungsunternehmen überzeugte Bayer. "Das Vorstellungsgespräch war wie ein Kolloquium und relativ anspruchsvoll", erinnert sich der heute 34-Jährige. Einen Master-Abschluss in Wirtschaftsinformatik strebt Bayer nicht an. "Hätte ich direkt nach dem Abi studiert, hätte ich vielleicht den Master gleich angehängt. Doch ich fühle mich gut ausgebildet. Die Arbeit macht mir Spaß, und ich lerne hier noch viel dazu. Und für einen Großteil der Aufgaben im IT-Bereich ist die Art des Studienabschlusses irrelevant", so Bayer. Er glaubt nicht, dass sich seine Karrierechancen mit einem Master verbessern würden.

Teamfähigkeit kann man nicht lernen

Andrea Stellwag, Geschäftsführerin von Consol, hat sich ausführlich mit den neuen Studienabschlüssen beschäftigt. Für sie steht das Anforderungsprofil für die jeweilige Position nach wie vor im Mittelpunkt, wenn es um die Personalauswahl geht, und weniger der formale Studienabschluss. "Wer bei uns Karriere als Softwarearchitekt machen möchte, sollte einen Master-Abschluss mitbringen. Doch das ist kein Dogma. Wir führen ausführliche Gespräche mit den Bewerbern und entscheiden dann, wer am besten zu uns passt", so Stellwag. Bei Bachelor-Absolventen achtet sie noch genauer darauf, welche Studieninhalte vermittelt wurden.

"Wissenslücken an sich sind nicht das Problem, sondern wie jemand damit umgeht", meint die Consol-Managerin. Selbst wenn Bachelor-Absolventen im Vorstellungsgespräch nicht jede Fachfrage des künftigen Teamchefs beantworten können, beobachten Personalverantwortliche und der Fachmann genau, wie der potenzielle neue Mitarbeiter die Situation meistert. "Die soziale Kompetenz ist uns im Zweifelsfall wichtiger als die fachliche Ausbildung. Eine Programmiersprache lässt sich lernen, Teamfähigkeit dagegen nur schwer", sagt Stellwag. Deshalb überwiege für sie dieser Aspekt bei der Personalauswahl. Das Münchner IT-Unternehmen bildet außerdem seit einigen Jahren Fachinformatiker aus und hat gute Erfahrungen damit gemacht.

Ein duales Studium stellt neben einer IT-Ausbildung eine weitere interessante Ausbildungschance dar. Abiturienten, die sich für diese Option entscheiden, verbinden Studium und Praxisphasen. Von guten Erfahrungen mit dualen Studiengängen in Informatik und Wirtschaftsinformatik berichtet auch André Häusling, Leiter des HR Competence Center des IT-Dienstleistungsunternehmens Fujitsu Services. Momentan sucht er vor allem neue Mitarbeiter für die TDS AG; an diesem Unternehmen ist Fujitsu Services mit 80 Prozent beteiligt. "Wir bilden selbst aus; zwar ist der Aufwand größer, doch es lohnt sich", erklärt Häusling. Momentan sei es einfacher als noch vor ein paar Monaten, IT-Spezialisten am Arbeitsmarkt zu finden, doch Leute mit Berufserfahrung und speziellem Know-how seien immer noch rar. Die neuen Bachelor- und Master-Abschlüsse schrecken den Personaler kaum. "Wir gehen bei der Auswahl nicht formalistisch vor", betont Häusling. "Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit sind uns wichtig, aber auch schwer erlernbar. Das sollten Bewerber mitbringen."

Unis und FHs nähern sich an

Viele Firmen reagieren gelassen auf die neuen Bewerber mit Bachelor- und Master-Abschluss. "Wir haben bereits Bachelor-Absolventen eingestellt und gute Erfahrungen gemacht", berichtet Judith Kederer vom Beratungsunternehmen Accenture. "Bachelor-Studenten bringen eine breite Ausbildung mit und spezialisieren sich häufig erst mit ihren ersten Projekteinsätzen. Dagegen verfügen Master-Absolventen bereits über eine Spezialisierung, die häufig zu unserem Unternehmen passt", ergänzt die Recruiting-Leiterin. Ein Master-Abschluss sei aber nicht zwingend notwendig, um die Karrierechancen zu erhöhen.

Die Profile der Hochschulen wandeln sich momentan stark. Unterschiede zwischen Universitäten und Fachhochschulen verschwinden immer mehr. Kederer beobachtet Hochschul-Rankings genau. "Die Studienlandschaft verändert sich. Noten sind uns zwar wichtig, doch wir achten auf das Gesamtbild. Bewerber sollten auf jeden Fall während des Studiums praktische Berufserfahrung gesammelt haben. Praktika ab acht Wochen zählen für uns als ernst zu nehmende Größe, drei bis sechs Monate sind ideal", erläutert Kederer. Wer sich ganz ohne praktische Berufserfahrung bewirbt, schafft es kaum ins Vorstellungsgespräch.

Bachelor beherrscht nur Grundlagen

Das IT-Unternehmen Capgemini sd&m dagegen legt auch weiterhin großen Wert auf eine fundierte theoretische Informatikausbildung. "Die Anforderungen an einen Informatiker steigen, einfachere Entwicklungsaufgaben werden nach Indien verlagert", sagt Stephan Frohnhoff, der in der Geschäftsleitung der Capgemini sd&m AG für Hochschulkooperationen und strategische Unternehmensentwicklung verantwortlich ist. Seiner Meinung nach vermittelt ein Bachelor-Studium in erster Linie Grundlagen. Allerdings sei die Ausbildung zu kurz, um sich für anspruchsvolle Entwicklungsaufgaben zu qualifizieren oder sich in ein Fachgebiet umfassend einzuarbeiten. Aus diesem Grund sucht das Unternehmen neben Diplominformatikern künftig verstärkt Master-Absolventen. Mit einem eigenen Förderprogramm unterstützt Capgemini sd&m die zweite Studienetappe.

Proklamierten Hochschulen wie die Technische Universität Karlsruhe oder die TU München seit langem eine hochwertige Informatikerausbildung, brachte der Titel "Elite-Universität" eine weitere Komponente ins Spiel. Viele Hochschulen versuchen, sich als Marke zu positionieren. Sie wollen sich damit als erste Adresse in den Blickpunkt der Studienanfänger rücken und sich gleichzeitig als attraktiver Ansprechpartner für Forschungsprojekte empfehlen. Für Fachkräfte suchende Unternehmen wird es deshalb immer schwieriger, zwischen all den neuen Studienabschlüssen, Titeln und dem tatsächlichen Wissen des Bewerbers zu entscheiden.

Neue Abschlüsse, neue Titel

Auf Firmen und Personalverantwortliche kommt erst einmal mehr Arbeit zu; denn neben den neuen Abschlüssen schufen viele Hochschulen auch eine neue Vielfalt an Titeln und Spezialisierungen. Stephan Pfisterer vom Bitkom empfiehlt Firmen deshalb, nicht nur nach Rankings und Elitestatus der Hochschule zu entscheiden: "Es kommt immer auf die Qualifikation des Bewerbers an. Das Studium an einer prestigeträchtigen Universität allein reicht als Argument nicht aus." (hk)

Elite-Unis: Bachelor allein reicht nicht

Die Interessenvertretung TU9 entstand aus dem Gedanken heraus, den Diplomstandard Technischer Universitäten gegen den Bologna-Prozess zu verteidigen. Aus dem losen Verbund wurde inzwischen eine Lobbygruppe, die die Interessen ihrer neun Mitglieder auf politischer Ebene vertritt und die Technischen Universitäten mit Marketing unterstützt.

Zum elitären Kreis gehören die RWTH Aachen sowie die Technischen Universitäten in Berlin, Braunschweig, Darmstadt, Dresden und München, die Universitäten in Karlsruhe (TH), Hannover und Stuttgart. Sie empfehlen ihren Studierenden, niemals allein einen Bachelor-, sondern auch einen Master-Abschluss zu machen. So soll "das Niveau einer exzellenten wissenschaftlichen Ausbildung" auch in Zukunft erhalten werden, so Horst Hippler, Professor an der Universität Karlsruhe (TH) und TU9-Präsident.

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft unterstützt dagegen ausdrücklich den Bologna-Prozess. Den Bachelor plus Master zum universitären Regelabschluss zu erheben, lehnt der Stifterverband eindeutig ab.

Das Master-Programm von Capgemini sd&m

Studieren und dabei Geld verdienen können angehende Informatiker während ihres zweijährigen Master-Studiums auf Kosten von Capgemini sd&m. Das Unternehmen vergibt Stipendien mit einer monatlichen Förderung in Höhe von 750 Euro, übernimmt die Studiengebühren und beobachtet genau die Lernfortschritte.

Das Auswahlverfahren für das Programm entspricht dem während eines regulären Recruitments. Erwartet werden sehr gute Studienleistungen im Bachelor-Zeugnis.

Die Teilnehmer verpflichten sich, nach Studienabschluss noch zwei Jahre für Capgemini sd&m zu arbeiten, denn die Investitionen pro Teilnehmer liegen bei rund 20.000 Euro.