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06.03.1987

Die ersten fünf Schritte auf dem Weg zum lSDN-Erfolg

MÜNCHEN - Das Jahr 1988 steht Im Zeichen der bundesweiten ISDN-Einführung. Doch bevor das Netz freigegeben wird, müssen die Komponenten der öffentlichen Vermittlungssysteme sowie der Endgeräte in einem fünfstufigen Pilotprojekt in Mannheim und Stuttgart bestehen. Vom dritten Quartal 1987 an erproben auch rund 350 Anwender die Test-lnstallationen.

Im Oktober 1984 hatte der CCITT Empfehlungen für ISDN verabschiedet, die von Bundespost und Industrie durch ergänzende Spezifikationen präzisiert wurden. Besonderes Augenmerk gilt im Rahmen des Projekts den neu definierten Schnittstellen des ISDN-Basisanschlusses.

Zuständig für die Verbindung von Netzabschlußgeräten (NT) mit Endgeräten sowie von Vermittlungseinrichtungen für Kommunikationsanlagen und Endgeräten untereinander ist die auf Vier-Draht-Leitungen zugeschnittene "Amts"-Schnittstelle S0. Als Interface in der Nebenstellenanlage fungiert die Schnittstelle Up0. Diese Komponente spezifiziert die Zwei-Draht-Anschlußleitungen zwischen der Vermittlungsstelle und dem Netzabschlußgerät beim Teilnehmer. Gemeinsam ist S0 und Up0 die Netto-Übertragungskapazität von 64 Kilobit pro Sekunde für zwei unabhängige Nutzkanäle; auch stellen beide Schnittstellen einen Zeichengabekanal mit 16 Kilobit pro Sekunde bereit.

"Für die Serientechnik gibt es andere Geräte"

Doch sowohl die technisch komplexen Interface-Entwicklungen als auch der finanzielle Aufwand für die Auf- und Umrüstung zur ISDN-Fähigkeit dient lediglich Testzwecken: Basierend auf diesen Ergebnissen sollen die Endgeräte-Versionen gefertigt werden, die endgültig zur Installation gelangen.

Denn "für die Serientechnik Æ88 gibt es andere Geräte", meint Tammo Rohlfs, der beim Fernmeldetechnischen Zentralamt in Darmstadt mit der Projektorganisation Dienste-lntegration im ISDN betraut ist.

Inzwischen hat von ursprünglich 24 Unternehmen, die die Deutsche Bundespost im Rahmen einer Ausschreibung zur Teilnahme am ISDN-Testprogramm einlud, die Mülheimer Neumann Elektronik bereits aufgegeben. Bei der Elmeg GmbH Kommunikationstechnik, Peine, kann man sich einer Projektbeteiligung ebenfalls nicht mehr entsinnen - dem Darmstädter FTZ ist ein Ausstieg des Herstellers allerdings noch nicht bekannt.

Der Feldversuch ist in fünf Stufen untergliedert, von denen in der ersten und fünften die Systeme der öffentlichen Technik getestet werden (Bild 1). Vertreten sind hier nur zwei Große aus der Branche: Siemens und SEL liefern die Ortsvermittlungssysteme der Stufe I sowie das vom CCITT spezifizierte Zeichengabesystem Nr. 7, dessen Leistungsfähigkeit in einem separaten Netz überprüft wird. Ziel des Versuchs ist es, eine ISDN-fähige Zeichengabe zwischen Vermittlungsstellen im Ortsund Fern-Netz zu ermöglichen. Die Übergabe ihrer öffentlichen Systeme EWSD und S 12 hatten die Unternehmen in München und Stuttgart schon am 30. Dezember vergangenen Jahres vollzogen. In Betrieb genommen wurden die Anlagen nach ausgiebigen Funktionstests von der Post am 1. Februar.

In den kommenden drei Monaten wird die Stabilität der Systeme getestet, ehe am 1. Mai mit Beginn der Stufe II die Endgeräte auf ihre ISDN-Einsetzbarkeit untersucht werden (siehe Kasten).

Von diesem Stichtag an sollen Netzabschlußgeräte (NT) und Endgeräteanpassungen für vorhandenes Equipment mit einer a/b- oder X.21-Schnittstelle geliefert werden. Von elf Unternehmen kauft die Post ISDN-Anschlußkomponenten für Endgeräte mit dem Ziel, deren Netz-Kompatibilität zu überprüfen sowie das neue Übertragungsverfahren auf der zweidrahtigen Teilnehmer-Anschlußleitung zu erproben.

Das Risiko, die Hürde über die Pilotphase hinaus in die allgemeine Einführung nicht zu überspringen, scheuen die Unternehmen nicht - diese Gefahr bestehe immer, wenn man mit der Post zusammenarbeitet, "das ist die Eigenart des Behördengeschäfts", gibt Bernwart Lenferding zu bedenken, zuständig für den Vertrieb von Geräten an die Deutsche Bundespost bei der Quante Fernmeldetechnik GmbH, Wuppertal. Das Unternehmen konzentriert sich ebenso wie die ANT Nachrichtentechnik aus Backnang auf die Entwicklung von Netzabschlußgeräten. Auch hier bestehen über die Motive für die Projektbeteiligung keinerlei Unklarheiten: "Wir machen bei ISDN alles, was in Richtung Übertragungstechnik geht", erklärt ein Experte aus dem Fachbereich Multiplextechnik.

"Voll im Zeitplan" wird laut Tammo Rohlfs auch die Stufe III in Mannheim und Stuttgart anlaufen. Die in dieser Etappe getesteten Nicht-Fernsprech-Endgeräte sowie die ISDN-Nebenstellenanlagen sollen ab Juni dieses Jahres geliefert und zunächst ebenfalls Funktionstests ausgesetzt werden. Zur Verfügung stehen die Geräte dann voraussichtlich ab Juli oder August.

Offenkundig können es sich nur wenige Telecom-Unternehmen leisten, bei dieser Etappe zu fehlen: Insgesamt 16 Hersteller wetteifern auf dem weiten Terrain dieses Produktbereichs miteinander (siehe Kasten). Die Teilnehmerliste reicht vom Marktführer, der seinem PC mit Adapterkarte für Telex und Teletex von der Post die "TÜV-Plakette aufdrücken lassen möchte, bis zur Hoechst-Niederlassung Kalle in Wiesbaden, die Fernkopierer anschließen will, oder Canon, deren Interessen jedoch nicht die deutsche Sektion in Neuss vertritt, sondern Canon International.

Erprobt werden soll die Kommunikation zwischen ISDN-Endgeräten innerhalb von Nebenstellenanlagen und über das öffentliche Netz ebenso wie die Kompatibilität der Non-Voice-Geräte mit dem Netz und miteinander (Bild 2). Von besonderem Interesse dabei sind die Fernkopierer der Gruppe 4, die in drei Klassen eingeteilt wurden. Neben den Grundfunktionen "Senden" und "Empfangen können Geräte der Klasse 2 zusätzlich Teletex- und Textfax-Dokumente empfangen. Zur Klasse 3 zählen sogenannte Mixed-Mode-Systeme, die Fernkopien und Teletex schicken und erhalten.

Darüber hinaus soll in Stufe III des Feldversuchs die Datenübertragung von 64 Kilobit pro Sekunde überprüft werden, um die Grundlage für weitere Anwendungen in diesem Bereich zu schaffen. Hierzu zählen die bisher noch nicht standardisierten Bewegtbildübertragungen, Festbildübertragungen sowie Fernzeichnen. Die Steigerung der Vermittlungsrate auf 64 Kilobit pro Sekunde genießt besondere Bedeutung: Die Übertragung soll kostengünstiger und die Qualität beim Fernkopieren durch eine Auflösung von maximal 400 Bildpunkten pro Inch optimiert werden.

Zeitgleich mit dem Lieferbeginn für die dritte Phase findet die Inbetriebnahme der Anschlüsse und Endeinrichtungen für jeweils rund 350 Anwender in Mannheim und Stuttgart statt.

2800 ISDN-Telefone in 20 Varianten

In Stufe IV, deren Start auf den 1. Mai fällt, beginnen die Hersteller mit der Installation von etwa 2800 ISDN-Telefonen (siehe Kasten). Bis zu drei verschiedene Geräte stellt die Bundespost in dieser vierten Stufe je Basisanschluß bereit. Insgesamt nehmen 20 Varianten des ISDN-Fernsprechgeräts am Projekt teil. Zu den neuen Optionen, die sich dem Anwender bieten, gehören unter anderem "Anklopfen" bei bestehenden Verbindungen, Umschalten während des Gesprächs auf einen anderen Dienst, um die Leitung anderweitig zu nutzen, oder Umleiten eines ankommenden Anrufs auf eine andere Nummer.

Ein Beispiel, daß für das Pilotprojekt nicht ausschließlich neue Systeme entwickelt werden, gibt die Nixdorf AG. "Wir müssen die ISDN-Fähigkeiten der Telefone nachrüsten", erläutert Hartmut Lubke, Leiter des Produkt-Marketings, hausintern seien derartige Geräte bereits im Einsatz.

Das Pflichtenheft der Deutschen Bundespost zur Hand genommen hat auch die Berliner Krone AG, wie Horst Ramin, Leiter des Vorstandes Bürotechnik, erklärt. Seit 1984 betreibt das Unternehmen Aktivitäten im ISDN-Bereich, denn das digitale Übertragungs-Medium wird zum "künftigen Fernmeldenetz für den gesamten geschäftlichen Bereich in Industrie und Wirtschaft" avancieren. Ob sich Produkte von Krone und den anderen Mitbewerbern bewähren, wird sich in den Funktionstests ab Mai und der darauf folgenden Versuchsphase mit Anwendern erweisen, die ab Juni läuft.

Als letzten Liefertermin für diese sowie für die Stufen III und IV hat die Post den 1. Oktober angesetzt. Nach drei weiteren Monaten soll dann am 1. Januar 1988, wenn sämtliche Testabschnitte erfolgreich abgeschlossen sein sollten, die ISDN-Ära offiziell eingeleitet werden.