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24.04.1998 - 

Euro-Umstellung

Die EU möchte Zeichen setzen

Von Stephan Eder

Die neuen Überweisungsträger von Sparkassen und Banken sind bereits auf den Euro vorbereitet: "DM oder EUR" steht über dem Betragsfeld. Das Verfahren ist genormt. Das Kürzel EUR für den Euro ist in der Internationalen Norm ISO 4217 für Währungscodes inzwischen enthalten. Dort heißt es auch "DEM" für die deutsche Mark und "USD" für den US-Dollar.

Es könnte also alles ganz einfach sein. Da müßte nichts geändert werden bei Hard- oder Software - einfach EUR schreiben statt DM oder DEM. Ab 1999 stellten wir unsere Rechnungen in EUR aus, Gehaltsabrechnungen könnten zwei Währungen ausweisen ... - aber halt: Da gibt es ja noch das neue Währungssymbol, eine Art "e", das aus einem quer gestrichenen "c" gebildet ist. Dieses - und nicht der Währungscode EUR - soll nach dem Willen der EU-Kommission überall prangen und die neue Währung repräsentieren.

Das Problem: Das Symbol ist ein vollkommen neues Zeichen, im Gegensatz zum Kürzel EUR, das aus verfügbaren Zeichen besteht. Es ist erst einmal in alle Zeichensätze zu integrieren. Die EU-Kommission drückt es so aus: "Es ist unser starker Wunsch, daß die europäische Standardisierungsorganisation CEN und dessen technisches Kommitee TC304 die Einbindung des Euro in Standards koordinieren. "

Die EU-Kommission will dabei in Prominenz und Verfügbarkeit nicht hinter dem US-Dollar und dessen Symbol "$" zurückstehen. Der Währungscode EUR reicht der EU-Kommission nicht - und damit ist also doch nicht alles so ganz einfach.

Das Problem der betroffenen IT-Hersteller von Druckern, Tastaturen oder Kassenautomaten bei der Einführung des Symbols ist dabei anscheinend nicht die technische Umsetzung, sondern die Ungewißheit, wo es auf der Tastatur unterzubringen ist und wie es in die Zeichensätze integriert werden kann.

Am einfachsten haben es sicher die Tastaturhersteller. Auch ohne offiziellen Beschluß ist so gut wie sicher, daß zumindest für eine Übergangszeit das Währungssymbol auf der dritten Ebene der "E"-Taste untergebracht wird. Mit "Alt Gr"+"E" oder "Ctrl"+"Alt"+"E" bei älteren Keyboards ist das Euro-Symbol dann verfügbar.

Bei Cherry im oberpfälzischen Auerbach erläutert Pressesprecher Robert Michalke, daß die Umstellung der Produktion von Tastaturen sehr kurzfristig erfolgen könne. Hierzu wäre nur eine Umprogrammierung für die Laserbeschriftung der Tastenkappen auf das neue Zeichen notwendig. "So ließen sich innerhalb kürzester Zeit alle Produktlinien komplett umstellen", meint Michalke.

Der Konkurrent NMB Minebea wird den Wechsel in den nächsten Monaten hinter sich bringen, wie Stephen Pack, Vertriebsverantwortlicher für Tastaturen in Zentraleuropa, erklärt. "Für einen OEM-Kunden sind bereits Euro-kompatible Tastaturen hergestellt worden. "

Neue Keyboards schon vorgestellt

Dennoch erwartet er keine generelle Austauschwelle alter gegen Euro-kompatible Keyboards. "Das wird den Endkunden kaum interessieren, sondern hauptsächlich bestimmte Branchen wie Banken und Versicherungen", meint er.

Und auch Siemens-Nixdorf (SNI) garantiert allen Kunden einen leichten Umstieg auf den Euro. Auf der CeBIT stellte SNI bereits Euro-kompatible Tastaturen vor. Auf Anfrage sind Austauschtastenkappen für die Umrüstung vorhandener SNI-Tastaturen erhältlich, wie Gottfried Acher, Entwicklungsleiter Peripherie/Tastaturen bei SNI in Augsburg, mitteilte.

Etwas schwieriger könnte es werden, wenn das Euro-Symbol eine eigene Taste bekommen soll, wie die EU sich das wünscht: unter der Eingabetaste und neben der Umschalttaste. Da müßte der Spritzguß für die Keyboard-Gehäuse sowie das Layout von Schaltungsfolien oder Leiterplatten geändert werden, und der Tastaturchip müßte die neue Taste auch finden können. Wegen Windows 95 haben die Keyboard-Hersteller das Layout vor Jahren ohne Klagen schon einmal erweitert.

Dieser Weg hätte zumindest den Vorteil, nationale Eigenheiten nicht zu berühren. In Irland, Großbritannien, Brasilien, Lettland und beim US-Layout ist nämlich "Alt Gr"+ "E" schon besetzt. Trotzdem: Kurzfristig ist auch die EU dafür, ihr Währungssymbol auf der "E"-Taste unterzubringen.

Für die Hersteller im Bereich der Tintenstrahl- oder Laserdrucker ist die Euro-Umstellung ebenfalls kein großes Problem, wie Hans Gersch von Epson Deutschland erläutert. "Bei vielen Applikationen arbeiten die Anwender heute schon im Grafikmodus. Wenn das Euro-Zeichen also in den True-Type-Fonts implementiert ist, ist die Umstellung kein Problem. "

Das beträfe dann auch nicht die Druckerhersteller, wie Gersch betont, sondern die Software-Anbieter. Das Zeichen zum Download zur Verfügung zu stellen, so Gersch, sei eine sinnvolle Lösung.

Anders, so Gersch, sehe es bei den Programmen aus, die nicht mit einer grafischen Benutzeroberfläche arbeiten. "Hier stehen als Grundlage die ASCII-Zeichen zur Verfügung, und da müßte das Euro-Zeichen untergebracht werden. "Gefordert sind also Institutionen wie die Internationale Standardisierungsorganisation (ISO) in Genf oder die European Computer Manufacturer Association (ECMA) in Brüssel.

"Vermeiden sollte man die für die Anwender unfreundliche Lösung, daß jeder Druckerhersteller eigene Zusatzfonts anbietet, bei denen das Euro-Zeichen ein wenig benutztes Zeichen im ASCII-Code ersetzt", so Gersch. Er ergänzt gleich, daß es fraglich sei, ob sich der entsprechende Aufwand lohne. Die Anwender würden wesentlich pragmatischere Wege gehen: "Wer statt des Euro-Zeichens EUR schreibt, ist das Problem los. "

Also doch wieder das Währungskürzel EUR. Gersch dürfte recht behalten. Zumindest ältere Geräte, nicht nur Drucker, sondern auch Kassen und Bankautomaten werden wohl mit EUR arbeiten. Es hat an sich wenig Sinn, mühsam alte Treiber auf Vordermann zu bringen oder neue PROMs zu installieren. Man denke nur an Ketten- oder Banddrucker. Sicherlich ließen sich neue Typenbänder mit Euro-Symbol herstellen, denn die Bänder müssen als Verschleißteile ohnehin irgendwann gewechselt werden. Aber warum den Aufwand betreiben, wenn neue Gerätegenerationen das Problem über die Software viel besser bewältigen können?

Dies bestätigen für Registrierkassen und Bankautomaten Manfred Wallner, Marketing-Leiter Handel bei NCR, und sein Kollege Konstantin Koenigs, dort Marketing-Direktor für den Bereich Banken und Sparkassen. EUR sei die pragmatischste und preisgünstigste Lösung bei älteren Geräten. Wann dagegen die aktuelle Produktion umgestellt werde, hänge davon ab, wie schnell eine verbindliche Lösung gefunden würde, insbesondere die Einbindung des Zeichens in den ASCII-Code.

Konstantin Koenigs gibt zu bedenken, daß eine Einführung des Symbols auch deshalb ein Problem sein könne, weil es durchaus üblich sei, für die DV-Software individuell konfigurierte ASCII-Zeichensätze zu verwenden. In diesem Fall würde die Änderung des Standard-ASCII-Sets wenig nutzen. Die gesamte Software wäre unter die Lupe zu nehmen, alle modifizierten ASCII-Codes ausfindig zu machen und individuell an die Verwendung des Zeichens anzupassen.

Auch Uwe Krause, bei SNI Leiter für internationales Marketing von Selbstbedienungssystemen wie Kundenterminals bei Banken, ist gelassen: "Wenn die Euro-fähige Software auf den Automaten zur Verfügung steht, müssen bei der Umrüstung nur noch die Systemeinstellungen - softwaregesteuert - geändert werden. "Das sei im Prinzip eine Routineangelegenheit. Schwierigkeiten mit dem Euro-Symbol hätten ältere Systeme, die bis Anfang der 90er Jahre verkauft worden sind. "Hier müßten wir den PROM tauschen", so Krause, falls ein Kunde das Euro-Symbol wünsche. Aber auch darauf sei man vorbereitet.

Nach Ansicht des Bundesverbandes Deutscher Banken wird sich in der Praxis nach und nach herauskristallisieren, inwieweit das grafische Zeichen oder der Währungscode EUR dominiere. Setze sich das Symbol durch, würden die Systeme, soweit erforderlich, schrittweise umgestellt.

Das käme auch den Druckerherstellern entgegen. Doch die EU drängt. Sie will offensichtlich die Angelegenheit bis zum Stichtag Anfang 1999 möglichst weit voranbringen. "Das Problem ist nicht das Euro-Symbol, sondern die zeitlichen Vorgaben der EU-Kommission", umriß ein Verbandsvertreter auf der CeBIT das momentane Problem. Prinzipiell sei die Implementierung eines neuen Zeichens keine große Sache.

"Das ginge viel einfacher, würde man das der Nachfrage überlassen. Wenn im nächsten Jahr ein Druckerhersteller mit Euro-kompatiblen Druckern auftaucht, muß die Branche nachziehen", ist sich der Verbandvertreter sicher.

Was aber müssen die Druckerhersteller überhaupt unternehmen? Die Crux ist, daß auch bei einer grafischen Benutzeroberfläche Probleme auftauchen können. Angenommen, das Zeichen ist in die True-Type-Schriften integriert. Bei Postscript-Druckern ersetzt der Windows-Druckertreiber True-Type- durch Postscript-Schriften. Durch diese Zuordnung geht das Euro-Symbol wieder verloren, falls die Postscript-Fonts nicht angepaßt sind. Entsprechende Schriftarten werden die Druckerhersteller also in Zukunft anbieten müssen.

Maßgeblich hängt die Einführung des Euro-Symbols von zwei Dingen ab: von seiner Aufnahme in den ASCII-Code und von der Unterstützung durch Betriebssysteme, vor allem also von Microsoft.

Beim ASCII-Zeichensatz plädierten viele Stimmen auf der CeBIT dafür, das Pfund-Zeichen "£", weil kaum benutzt, zu entfernen. Doch das Thema ist politisch heikel. Offiziell mag niemand dazu Stellung nehmen. Irgendein Zeichen muß aber weichen, denn die Code-Tabelle ist belegt.

Microsoft stellt das Zeichen bereits zur Verfügung. Neue Versionen der True-Type-Basisfonts Arial, Times New Roman und Courier sind über den Web-Server kostenlos erhältlich - inklusive Euro-Symbol. Das Manko bisher: Nutzen können die Euro-Erweiterung nur PCs mit Windows 98, NT 5 und NT 4 (über eine Erweiterung). Weder für Windows 95 noch Windows 3.x oder ältere NT-Versionen sind Updates geplant.

Diese Marktlücke schließt der Softwarehersteller Euro-Type. Ab April sollen Ergänzungen der True-Type-Schriftarten für diese Systeme zur Verfügung stehen. Der besondere Clou des Angebots: Die Zuordnung des Zeichens zu irgendeiner Taste ist frei wählbar.

Verglichen mit anderen Umstellungsproblemen, ist die Einführung des Euro-Symbols leicht zu schaffen. Nur die EU macht aus politischem Interesse unnötigen Druck. Unnötig, da mit dem genormten Kürzel EUR eine hinreichend akzeptierte und einfach umzusetzende Übergangslösung bereits existiert.

Stephan Eder ist Freier Journalist in Bonn.