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22.06.2006

Die Evolution der IT-Abteilung

Um zukunftsfähig zu sein, müssen sich IT-Abteilungen vom reinen Technologiepartner zum Erfolgsfaktor für das Unternehmen wandeln.
Die höchsten Weihen erhält die IT-Funktion in den Unternehmen, wenn sie "Erfolgspartner" des Business ist.
Die höchsten Weihen erhält die IT-Funktion in den Unternehmen, wenn sie "Erfolgspartner" des Business ist.

Die Rolle der IT in Unternehmen steht vor einem grundlegenden Wandel. Und mit ihr die IT-Abteilung. Wo sich gestern IT-Abteilungen noch mit ihrem technischen Know-how und der Beherrschung komplexer IT-Architekturen hervortaten, sind heute Werte wie Prozess-Know-how, Fach- und Branchenkompetenz gefordert. IT-Abteilungen in Unternehmen haben eine Zukunft, wenn sie zum vitalen Faktor bei der Entwicklung und Verfolgung von Unternehmensstrategien avancieren. Um diese oft zitierte Forderung zu erfüllen, müssen IT-Abteilungen aus der Ecke der Technologiegetriebenheit herauskommen und zu einem strategieorientierten Team geformt werden, das Technik in den Dienst des Unternehmens stellt und damit zum wirtschaftlichen Erfolgsfaktor macht.

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Das Ansehen der IT-Abteilun- gen in Unternehmen hat in den letzten Jahren gelitten. Vom Platzen der Dotcom-Blase hat sich die IT bis heute nicht erholt. Im Gegenteil: Sie verlor in vielen Unternehmen ihre Glaubwürdigkeit, wurde in erster Linie als Kostenfaktor angesehen und damit in den wirtschaftlich angespannten Zeiten oftmals unter die Verantwortung des Chief Financial Officer gestellt. So positioniert, blieb wenig Raum für Kreativität und die Übernahme einer aktiven Rolle im Unternehmen.

Technikpartner zu sein reicht nicht aus

Die IT konzentrierte sich mit beachtlichem Erfolg auf die Technik. Das beweist der Schub bei der prozess- und service- orientierten Ausgestaltung von Anwendungslandschaften.

Doch nutzt es der IT-Abteilung auf Dauer wenig, ein hervorragender Technologiepartner zu sein. Denn Technologie-Know-how ist in Zeiten zunehmender Standardisierung von IT-Landschaften und wachsender Bereitschaft zur Auslagerung der nicht zum Kerngeschäft gehörenden Tätigkeiten kein Garant für eine gesicherte Zukunft. Der Wandel zum Erfolgsfaktor gleicht einer Operation am offenen Herzen, denn er muss parallel zum Tagesgeschäft vollzogen werden. Dementsprechend behutsam sind Ziele zu formulieren, die allerdings konsequent verfolgt werden müssen.

Glaubwürdigkeit wiedergewinnen

Ein erster Schritt ist die Wiedererlangung der in den vergangenen Jahren verlorenen Glaubwürdigkeit. Eine (selbst)kritische Analyse der Ist-Situation hilft allen Mitarbeitern in der IT-Abteilung, zu erkennen, ob sie bisher reine Technologiepartner sind. Dabei belegen Erfahrungen aus Beratungsprojekten in großen mittelständischen Unternehmen und auch Konzernen, dass hier oft das Eigenbild der IT vom Fremdbild der Fachabteilungen abweicht. Um aus dieser Erkenntnis Motivation schöpfen zu können, muss der Weg zu einer anderen Zukunft erkennbar sein.

Erstes Ziel: Prozesspartner werden

Das erste Ziel auf dem Weg der IT-Abteilung in eine sichere Zukunft lautet daher: Prozesspartner im Unternehmen werden. Dahinter steht mehr als nur die Erkenntnis der IT-Verantwortlichen, über weit mehr als rein technologisches Wissen zu verfügen. Der Wert der Kenntnisse um die Abläufe im Unternehmen, von branchen- und fachbereichsspezifischem Wissen und vom Verständnis der Zusammenhänge muss wahrgenommen werden. Gleichzeitig ist ein ausgeprägtes Dienstleistungsverständnis zu entwickeln, das den Mehrwert der IT für den Kunden in den Vordergrund stellt.

Durch das allgemein wahrnehmbare Prozesswissen gewinnt die IT-Abteilung an Reputation und macht sich weit weniger austauschbar als in der Rolle des Technologiepartners. Doch bedeutet ein ehrlicher Wandel immer auch Mut zur Veränderung. Das Abschneiden alter Zöpfe ist erforderlich, etwa in Bereichen, in denen eine IT-Abteilung aufgrund standardisierter Aufgaben gegenüber der Billigkonkurrenz einen hoffnungslosen Kampf der Rechtfertigung kämpfen muss. Rechenzentrums- und Netzbetrieb stehen daher stets auf dem Prüfstand. Wird die IT konsolidiert, kann sich die IT-Abteilung auf ihren wahren Wertschöpfungsbeitrag im Unternehmen konzentrieren. Ein gezieltes und bedachtes Outsourcing von Aufgaben an Offshore- oder Nearshore-Dienstleister kann also die Position der IT-Abteilung im Unternehmen nachhaltig stärken. Sie kann ihre nicht reproduzierbaren Kenntnisse über Branche und Prozesse ausbauen und in die Beziehungen zu den Fachabteilungen als Prozesspartner einbringen. In diesen Bereichen liegt eine wesentliche Legitimation der IT-Abteilung der Zukunft. Hier ist die IT kein Selbstzweck mehr, sondern Produktivfaktor.

Zweites Ziel: Partner des Business werden

Die für den Wandel notwendige Konsequenz wird heutigen IT-Abteilungen nicht zugetraut. Erfahrungen belegen, dass ein wahrnehmbares verändertes Selbstverständnis nicht nur die Glaubwürdigkeit der IT-Abteilung steigert, sondern auch das Vertrauen in deren Leistungsfähigkeit. CIOs beziehungsweise IT-Leiter sind an diesem Punkt gefordert, die IT innerhalb der Governance-Strukturen des Unternehmens ihrer Bedeutung angemessen zu positionieren. Damit führen sie ihre Abteilung endgültig aus der Kostenfalle heraus und schaffen die Voraussetzungen, um die Aufgaben und Verantwortung der IT-Abteilung sukzessive zu erweitern: Die intelligente Integration von IT in die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen ist beispielsweise eine der Aufgaben, mit denen sich IT-Abteilungen in Zukunft befassen.

Lösungspartner für Fachabteilungen

Um solchen Anforderungen gerecht zu werden, sollten sich prozessorientierte IT-Mitar- beiter als Lösungspartner für die Fachabteilungen positionieren. Sie werden Ansprechpartner, wenn es um fach- und branchenspezifische Aufgaben geht. Erfolgreiche E-Commerce- und E-Business-Geschäftsideen und -Modelle, wie sie Amazon, Google, aber auch Telekom- munikationsunternehmen, Versandhändler oder Verlage be- treiben, können als Beispiele für die veränderte Rolle der IT dienen. Einer solchen Verantwortung wird die IT-Abteilung gerecht, wenn sie ihr Prozess- und Branchenwissen mit ihrer IT-Kompetenz zu koppeln versteht.

Über solche Aufgaben und die zunehmende Übernahme von Verantwortung kann sich die IT-Abteilung im Unternehmen zum Partner des Business entwickeln. Dabei ändern sich sukzessive auch die Ansprechpartner. Die IT-Abteilung arbeitet dann mit anderen Abteilungen wie der Entwicklung, dem Produkt-Marketing oder auch dem Vertrieb auf Augenhöhe. Und dreht dabei auch den Anspracheweg um: Statt wie heute primär Aufgabenempfänger und ausführendes Organ zu sein, geht die IT-Abteilung mit eigenen Ideen auf andere Abteilungen zu und inspiriert diese zur gemeinsamen Lösungsfindung.

Als Partner des Business übernimmt die IT-Abteilung eine aktive Rolle bei der Entwicklung und Unterstützung zukünftiger Business-Modelle. Sie macht IT attraktiv und zum Bestandteil von Produkten und Dienstleistungen, die das Unternehmen vermarktet.

Gesamtziel: Erfolgsfaktor für das Unternehmen

Bewegt sich die IT-Abteilung wie skizziert in Richtung Erfolgsfaktor, ändert sie sich permanent. In dieser Reihenfolge immer wieder nötig sind Analyse, Konsolidierung und Innovationsstreben. Eine Alternative dazu gibt es nicht. Das zeigt die Situation vieler IT-Abteilungen. Für IT-Leiter und auch Mitarbeiter ist diese Dynamik durchaus erstrebenswert, denn sie sichert ihnen dauerhaft einen angemessenen Stellenwert im Unternehmen. Doch erfordert sie einen Wandel in den Köpfen der Beteiligten: Damit die IT-Abteilung zum Erfolgsfaktor für das Unternehmen werden und bleiben kann, sind visionäre Qualitäten erforderlich.

Eine gemeinsame Sprache mit den Kunden im und außerhalb des Unternehmens ist dabei ebenso gefragt wie ein tief gehendes Verständnis für das Marktumfeld und den Wettbewerb. Dieses Verständnis bringen die IT-Profis der Zukunft mit. Denn ein moderner IT-Profi hat seine technische Ausbildung beziehungsweise seinen Werdegang um betriebswirtschaftliches und prozessorientiertes branchenspezifisches Wissen angereichert. (ciw)