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26.02.1999 - 

Interview

"Die fachliche Qualifikation des CIO ist sekundär"

Mit Christian Stolorz, designierter Vorstandsvorsitzender der CSC Ploenzke AG, sprach die freie Journalistin Heidrun Haug

CW: Warum sollen IT-Manager zu CIOs aufgewertet werden?

Stolorz: Kaum ein Manager wird leugnen, daß die Geschäfte heute direkt von der Funktions- und Leistungsfähigkeit der Informationstechnologie abhängen. In weiten Teilen der Telekommunikationsbranche, des Finanzsektors, aber auch in Transport und Verkehr ist die elektronische Intelligenz inzwischen ein wettbewerbsentscheidender Faktor. Dem trägt der CIO Rechnung.

CW: Wie oft reden Ihre Berater zur Zeit mit einem Informatikvorstand über IT-Projekte?

Stolorz: Zugegeben, bei der Mehrzahl der deutschen Unternehmen ist die IT-Kompetenz nach wie vor in einer Fach- oder Stabsabteilung angesiedelt. Allerdings gibt es interessante Ausnahmen wie den ehemaligen IBM-Chef Hermann-Josef Lamberti, der im Vorstand der Deutschen Bank für Informatik zuständig ist. Ich bin sicher, daß solche Beispiele Schule machen werden. Die Entscheidung über die Einführung einer betriebswirtschaftlichen Standardsoftware wird heute in der Führungsetage getroffen.

CW: Wo liegt dann das Problem?

Stolorz: Laut einer Umfrage von Deloitte Consulting schätzen 70 Prozent der Vorstandsmitglieder die eigenen IT-Fähigkeiten als zu gering ein, um kompetent mitreden zu können. Viele Unternehmen mußten Lehrgeld bezahlen, weil sie IT-Entscheidungen ohne die nötige Fachkenntnis gefällt haben. Andererseits hat sich in einer CSC-Studie die Mehrzahl von 600 befragten IT-Leitern besorgt über ihren geringen Einfluß auf die Unternehmensplanung geäußert. Die Verantwortung für IT-Fragen liegt in vielen Unternehmen nicht an den richtigen Stellen.

CW: Gilt dies für alle Branchen und Größenordnungen von Unternehmen?

Stolorz: Im Prinzip ja. Technologieorientierte Firmen werden wahrscheinlich erst spät auf den Zug aufspringen, weil sie über High-Tech als Kernkompetenz verfügen. Vermutlich wird auch der Mittelstand zögern. IT hatte hier immer eine dienende Rolle und wurde sehr pragmatisch danach ausgewählt, wie sie zur Erreichung der Unternehmensziele beiträgt. Deshalb ist der Druck, Informatik als Werkzeug zu begreifen, im Mittelstand nicht so groß.

CW: Bedeutet die Einführung des CIO, daß sich Vorstände in Zukunft mit Datenbank- und Netzwerktechnologien auseinandersetzen müssen?

Stolorz: Keineswegs, das wäre ja absurd. Die Aufwertung der Informatik ist gerade ein Zeichen dafür, daß die Technologie gar nicht mehr so wichtig ist. Mit der Reife der Systeme sind betriebswirtschaftliche Fragen in den Vordergrund gerückt. Die meisten Anwender sehen die Informatik als Hilfsmittel, um Geschäftsprozesse zu verbessern.

CW: Welches Profil muß ein CIO haben?

Stolorz: Wie jede Führungskraft muß der CIO ein Team leiten, Personen motivieren und überzeugen können. Zusätzlich sollte er Freude an Erneuerung haben und sich gerne mit den durch IT möglichen ökonomischen Vorteilen befassen. Daß Innovationsfähigkeit einen dauerhaften Lernprozeß voraussetzt, muß diese Person verinnerlicht haben.

CW: Auf fachliches Know-how wird der CIO nicht verzichten können.

Stolorz: Sicher nicht. Aber er muß nicht wissen, wie eine Datenbank im Detail funktioniert oder eine Anwendung programmiert wird. Viel wichtiger ist, daß er solche Systeme nach ihrem betriebswirtschaftlichen Nutzen bewerten kann. Er muß den Markt und seine Trends kennen. Fachliche Qualifikation ist eindeutig sekundär.

CW: Sie sind bald der erste Mann bei Deutschlands größtem IT-Berater und haben weder Informatik noch Wirtschaftsinformatik studiert, sondern Jura.

Stolorz: Ja, ich habe als Finanzvorstand bei CSC Ploenzke begonnen und mir erst nach und nach Orientierungswissen über die Informatik angeeignet. Voraussetzungen für eine solche Karriere sind das Interesse an der Branche und die Begeisterung für Innovationen. Bei CSC Ploenzke sind Informatiker im Vorstand in der Minderheit. Neben den Informatikexperten beschäftigen wir viele Quereinsteiger, die als Berater angefangen haben und heute Practice-Verantwortliche sind. Ich bin überzeugt, daß viele IT-Beratungsunternehmen dazu übergehen werden, mit dem wachsenden Aufgabenspektrum zunehmend Mitarbeiter ohne Informatikausbildung einzustellen.