Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

11.02.2000 - 

Einheitliches Service- und Tarifmodell im Mobilfunk geplant

Die Festnetztaktik von Vodafone bleibt zunächst undurchsichtig

MÜNCHEN (CW) - Die Würfel sind gefallen. Im Übernahmepoker zwischen Vodafone und Mannesmann hatten die Briten die besseren Karten. Doch auch wenn der Deal jetzt in trockenen Tüchern ist, hinter dem Festnetzgeschäft und Serviceangebot steht ein großes Fragezeichen.

Vor zwei Wochen sah es für den Mann mit den starken Brillengläsern noch schlecht aus. Chris Gent, CEO des britischen Mobilfunkers Vodafone, schien gegen Mannesmann-Boss Klaus Esser den Kürzeren zu ziehen; eine Übernahme des deutschen Traditionskonzerns durch die Briten galt als unwahrscheinlich. Doch dann kam schnell alles ganz anders. Dem gewieften Taktiker von der Insel war es gelungen, den französischen Mischkonzern Vivendi auf seine Seite zu bringen.

Esser konnte dem geschickten Schachzug nichts mehr entgegensetzen. Der internationale Druck seitens der Fonds-Mananger, aber auch im Aufsichtsrat des Düsseldorfer Konzerns wuchs. Esser gab dem Drängen letztlich nach und wurde mit der offiziellen Sprachregelung eines "Zusammenschlusses unter Gleichberechtigten" getröstet. Doch dem Mannesmann-Chef war die Enttäuschung nach der vergeblichen, dreimonatigen Abwehrschlacht deutlich anzusehen. Beim Handshake mit dem Erzrivalen Gent machte Esser zwar gute Miene zu bösem Spiel, das Lächeln des Siegers aber gehörte Gent.

Bewerber für Orange stehen schon SchlangeWas sich hinter diesem Lächeln genau verbirgt, ist jedoch fraglich. Gent wollte Mannesmann um jeden Preis und hat sich deshalb zu Zugeständnissen durchgerungen, deren Einlösung nicht unbedingt wahrscheinlich ist. Gewiss, um Mannesmann zu bekommen, griff der Brite tiefer in die Tasche als geplant. 59 Vodafone-Aktien statt 53,7 erhalten die Mannesmann-Aktionäre nun im Tausch für einen eigenen Anteilschein. Das steht fest, aber was geschieht mit dem Festnetzgeschäft? Gent hat aus seiner Abneigung gegen dieses Metier nie einen Hehl gemacht und sich in den letzten Wochen auch widersprüchlich dazu geäußert.

Erst wollte der Vodafone-Chef, dessen ganze Liebe dem Mobilfunk gilt, vom Festnetz überhaupt nichts wissen. Er werde diesen Zweig im Falle einer Übernahme abstoßen, sagte Gent noch vor Wochen, änderte dann aber plötzlich seine Meinung. Nun plant er, die von Mannesmann mit in die Ehe gebrachten Festnetzgesellschaften Arcor, Otelo und Infostrada mit der französischen Cegetel zu einem Unternehmen zu verschmelzen und eventuell Teile davon an die Börse zu bringen. Ein weiteres Investment in das Festnetz schließt Gent aber aus.

Sollte es bei dieser Haltung bleiben, dürfte das Festnetzgeschäft unter der Ägide von Vodafone nicht lange bestehen. Elmar Bille, Consultant bei HMP Teleconsult, hält nicht nur weitere Investitionen von Arcor in Deutschland, sondern auch international für unausweichlich, will Vodafone im Business mit Geschäfts- und Großkunden eine Rolle spielen. In den Ausschreibungen, so Bille, würden verstärkt IP-Dienste und globale Datenservices gefragt.

Ob Geschäftskunden Arcor den Rücken kehren, hängt stark von der Marschroute Gents ab. Die entscheidende Frage ist, ob sich der Vodafone-Boss doch noch zu einer stärkeren Kombination von Mobilfunk und Festnetz durchringt. Kombinierte Services wären durchaus vorstellbar. Würde sich Gent für diesen Weg entscheiden, müsste er seine ursprüngliche Strategie, nur auf den Mobilfunk zu setzen, über Bord werfen.

Das Wohl der Festnetzkunden wird außerdem von Gents Geschick abhängen, die Mannesmann-Mitarbeiter dieser Sparte bei Laune zu halten. Die Übernahmen von MCI durch Worldcom und Otelo durch Mannesmann Arcor haben gezeigt, dass bei der Belegschaft geschluckter Unternehmen Motivationsprobleme und Abwanderungsgedanken grassieren. Die Folge sind schlechter Service und Support für die Kunden. Der Vodafone-Chef weiß um dieses Problem und den Mangel an Arbeitskräften im TK-Markt: "Ich brauche jeden Mann", beschwor Gent deshalb die Mannesmänner.

Während Vodafone sein Engagement im Festnetzgeschäft erst noch richtig definieren muss, sind im Mobilfunk die Weichen so gut wie gestellt. Hier läuft alles auf ein einheitliches Service- und Tarifangebot hinaus. Vodafone, das nunmehr zusammen mit Mannesmann und dem US-Partner Airtouch weltweit rund 42 Millionen Mobilfunkkunden hat, wird künftig zwischen seinen Mobilfunktöchtern auf die für Kunden kostspieligen Roaming-Gebühren weitgehend verzichten können und damit die Wettbewerber unter Preisdruck setzen.

Doch nicht nur preislich, auch marktpolitisch hat der Deal zwischen Vodafone und Mannesmann die Konkurrenten in Zugzwang gebracht. British Telecom, France Télécom, KPN, die Deutsche Telekom oder Telecom Italia müssen sich international nun noch stärker nach der Decke strecken. Die Bewerber für Orange, die britische Mobilfunktochter von Mannesmann, stehen jedenfalls Schlange. Die Rede ist von France Télécom, KPN, der Telefonica, MCI-Worldcom und jetzt sogar von der japanischen NTT Mobile Communications Network. Vodafone wird Orange allerdings nur verkaufen, wenn es die Wettbewerbshüter in Brüssel fordern. Davon ist jedoch auszugehen.