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25.06.1995

Die Fileserver-Gemeinde kann nur gewinnen

Von Hermann Ramacher

General Manager des Value-Added-Distributors ADN in Bochum

Wer kaeme ernsthaft auf den Gedanken, einen 15 Jahre alten Z80- Rechner zu frisieren, in ein neues Gehaeuse zu stecken, anschliessend in ein PC-Netz zu integrieren und ihn fuer die tagtaegliche Arbeit einzusetzen? Die Softwarebranche tut so etwas. Entwickler nutzen heute noch auf breiter Front eine Technologie, die seit Anfang der 80er Jahre von ihrer Struktur her im wesentlichen unveraendert ist: die Fileserver-Datenbanksysteme. Im schnellebigen PC-Markt ist das eine halbe Ewigkeit.

Die Gemeinde der Fileserver-Programmierer verweigert sich dem Fortschritt und haelt eisern an ihrer altgedienten Veteranen- software e la Xbase & Co. fest. Client-Server-Produkte fuer den PC werden in der Regel streng gemieden.

Sicher, die klassischen Fileserver-Anbieter haben in den vergangenen Monaten beachtliche Neu- und Weiterentwicklungen vorgestellt. Sie halten ihre langjaehrige Kundschaft mit Features wie grafischer Oberflaeche oder OO-Unterstuetzung bei Laune - Funktionen, die bis vor einem guten halben Jahr noch professionellen Client-Server-Entwicklungs-Tools vorbehalten waren.

Sogar richtige Client-Server-Faehigkeiten versprechen sie bei ihren Updates - in Form der ODBC-Unterstuetzung. So etwas lockt, auch wenn der neue Connectivity-Standard eher Bremsklotz ist als ein Performance-Wunder und im Praxistest nur mager abschneidet.

Was ist mit Transaktions- und Zugriffssicherheit, Sperrverhalten, Skalierbarkeit, Performance, referentieller Integritaet? Das Basisgemisch einer nur halbwegs professionellen Applikation existiert in der Fileserver-Welt nicht. Komischerweise spricht niemand drueber.

Dabei ist die PC-Client-Server-Technologie Sieger nach Punkten in fast allen Bereichen und die Migration dorthin vergleichsweise einfach. SQL-Datenbanken sind mit wenigen Mausklicks einzurichten, der Komfort bei Reporting und Administration ist unerreicht. Maechtige Quick-Objects oder Assistenten erlauben in modernen 4GL- Tools die Entwicklung komplexer Applikationen, ohne eine Zeile Code schreiben zu muessen. Auch kann der bestehende Datenbestand problemlos uebernommen werden.

Man kann mit der neu erstellten Client-Server-Software sogar direkt auf alte Xbase-Dateien zugreifen - das ist dann allerdings wie Porschefahren mit einem Ente-Motor. Die Preise fuer PC-Client- Server-Produkte sind zudem auf ein ertraegliches Mass gesunken.

Eine Studie brachte das ueberraschende Ergebnis an den Tag, dass ein Grossteil der Fileserver-Programmierer zwar die Absicht hat, ueber kurz oder lang auch PC-Client-Server-Systeme zu installieren. Ernsthaft beschaeftigt aber hat sich nur eine Minderheit mit der neuen Technologie.

Anspruch und Realitaet klaffen so sehr auseinander wie in kaum einem anderen Bereich der PC-Branche. Die Beruehrungsaengste sind vergleichbar mit denen der Mainframe-Welt, wo Scharen von Assembler- und Cobol-Programmierern sich noch immer strikt weigern, auf moderne 4GL-Tools umzusteigen. Sie haben gelernt, innerhalb von zehn, 15 oder noch mehr Jahren die Macken ihrer Softwarerelikte liebzugewinnen - wie in einer richtigen Ehe.

Natuerlich ist die Umstellung von einer vertrauten Technologie auf ein neues System nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen. Es waere deshalb auch naiv zu glauben, auf Anhieb professionelle Leistungen erbringen zu koennen. Die eingehende (und zeitintensive) Beschaeftigung mit Client-Server-Technologie ist dazu erforderlich; so etwas bindet ueber Wochen und Monate immer wieder Manpower und kann bei kleinen Entwicklungsfirmen sogar laufende Projekte gefaehrden. Kein Wunder also, dass viele zoegern.

Mancher Entwickler vertritt auch die Ansicht, der Kunde verlange kein besseres System, weil das bestehende zweckmaessig sei und die Anwender sich sowieso daran gewoehnt haetten. Fileserver-Entwickler sollten jedoch wissen, dass sie mit Client-Server eine Technologie nutzen, die zukunftssicher ist, weil flexibel und skalierbar, und dem starken Trend nach Telekommunikation entgegenkommt: Ein reibungsloser Remote-Zugriff auf eine zentrale SQL-Datenbank ist mit Fileserver-Systemen nun mal nicht moeglich.

Die Entwickler erweitern ausserdem ihre Leistungspalette nach oben und sind in der Lage, eine wirklich professionelle Applikationsentwicklung anzubieten. Ihren Kunden koennen sie eine schnelle und sichere Alternative zu ihren bestehenden Systemen vorschlagen. Downsizer haben laengst erkannt, welches Potential in der PC-Client-Server-Technologie verborgen liegt, und haben ihre Beruehrungsaengste ueberwunden. Warum zoegert die Fileserver-Gemeinde noch?