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15.02.1980 - 

Nixdorf ließ Amateur-Karnevalisten über öffentliche Mittelvergabe nachdenken:

Die Förderung muß siemenschfreundlich sein

ROLANDSECK - Die um eine rechte Förderung Besorgten - die wackeren elf von der "Deutschen Gesellschaft zur Forderung", unterstützt von ihrem entführunsgefährdeten Maskottchen Hugo Supportus (Kirmeskerl in Schwarz-Rot-Gold) - nahmen nun schon den dritten Anlauf. Wesen und Unwesen der DV-Förderung aus Steuergroschen aufzuzeigen. Tatort wiederum: Bahnhof Rolandseck, letzte rheinland-pfälzische Durchgangsbastion auf dem Weg ins nordrhein-westfälische Bonn. Sponsor, Schirmherr und eine der Zielscheiben in Personalunion: Nixdorf Computer AG, Paderborn.

Der Tanz um das goldene Kalb hatte über 500 Interessierte - erheblich mehr Leute, als die Kunst in diesem Galerie-Bahnhof gemeinhin zusammenführt - zur Reise ins Rheintal unterhalb des Rolandsbogens veranlaßt. Sie waren gekommen trotz oder wegen der mit Ablauf des letzten Jahres dahingeschiedenen DV-Förderung, der Götz Klingenburg, Leiter von Nixdorfs Verbindungsbüro Bonn, in seinem Nachruf bescheinigte, sie habe "uns viel zu früh und als Jungfrau verlassen". Ihre Maxime sei stets gewesen: Glauben ist besser als Wissen.

Optimistisch gab sich der Chor der Förderungsgesellschaft: "Volker hört die Signale." Und Claus Detjen, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, unterstrich regierungsfromm und ganz im Sinne von Kanzler Schmidts Anregung, einen Tag pro Woche fernsehfrei zu halten, Medienpolitik könne auch wirksame Familienpolitik sein. Weniger effizient seien zwar

die Spirale im Gehörgang, weil dieses Instrument nur auf den Hörfunk wirke ("Bölling-Syndrom"),

die Augenbinde, die auf Transatlantik-Flügen der Lufthansa sicherlich nützlich (gegen das Bordkino) sei, aus bevölkerungspolitischer Sicht aber als untauglich gelten müsse,

der Westwall im Äther gegen Radio Luxemburg ("Knaus-Ogino a la Helmut Schmidt"),

eine befriedigende und damit förderungswürdige Empfängnisverhütung verspreche jedoch der neuzuschaffende Medienberechtigungsschein, der nach einer Ausbildung zum Diplom-Rezipienten erteilt werden könne. Auf diesem Wege lasse sich auch als Fernziel nicht Zuschauer-Wildwuchs, sondern das glatte Gegenteil erreichen: eine Post, ein Programm, ein Zuschauer.

Dr. Hugbert Flitner, Ex-GMDist und frischgebackener Senatsdirektor an der Universität Hamburg, hatte dem Textverarbeitungssystem "Biological Implication Behind Ecological Lost" (BIBEL) entnommen, daß Adam und Eva entdeckt hätten, wie nackt sie ohne Datenschutz seien. Dies sei geschehen, als sie in den gewachsten Apfel gebissen und dabei erkannt hätten, Bewohner eines LOST-Paradises zu sein (LOST ist eines der Kampfgase, die beim Hamburger Giftmüll-Skandal eine Rolle spielen).

Dr. Gerhard Kohnen, Ministerialrat im Bundespresseamt, konnte ein Jahr nach der Verabschiedung eines Allgemeinen Deutschen Bundesförderungs-Gesetzes berichten, über die damals eingeführte Intensiv-Förderung lägen erste Ergebnisse vor. Sie behandelten die Frage, ob die von der Förderung Betroffenen Schmerz, Leid oder Angst empfänden, und seien einstweilen nur in der Hühnersprache niedergelegt. Kohnen verstand es sehr plastisch darzutun, wie gewaltig das Leid eines Hahns aus München, eines Huhns aus Paderborn und einer Schar von Küken (unerfahrenen Kleinanträglern) sein müsse.

Im Kanon und eng angelehnt an die volkstümliche Melodie fragten die Förderungsgesellschaftler sodann "GMD in Augustin, wo gehst Du hin?" und ließen sich danach von Moderator und Nachrichtensprecher Geert Müller-Gerbes (derzeit Radio-Luxemburg) melden, die Regierungen in Washington, Bonn und München hätten befunden, ein Olympia-Boykott stehe nicht mehr zur Debatte. Man werde die Wettkämpfe schlicht durch Großrechenanlagen simulieren und auf die Heim-TVs übertragen.

Professor Peter Canisius von der Bundesanstalt für Straßenwesen präsentierte eine Datensammlung aus deutsch-französischen Konsultationen: Schmidt "güntscht" Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Informationstechniken. Giscard hat nicht so einen "Hauffen" Geld. Für die Kommünikationsdienste gilt, es "kanzow" nicht bleiben; und die Förderung muß "siemenschfreundlich" sein. Die öffentlich Bediensteten (weiblich) beglückwünschte Canisius zu ihrem Gold-Kluncker, die männlichen zu ihrem GeHals-Krause; für die Industrie sei die A-, für die Beamten die Be-Förderung ein lohnenswertes Ziel.

Nicht weniger "materialistisch zeigten sich "Professor Nasenrümpf" Raimund Vollmer (Chefredakteur des Computer Magazins) und "Professor Pärlow" alias Dr. Hans-Gerd Pärli, Vorstandsmitglied beim Dortmunder Mathematischen Beratungs- und Programmierungsdienst. Vollmer dachte nach: "Hat Nixdorf überhaupt Geld? Ich denke, der lebt von der Luft!" und resümierte: "In dicker Luft hält man manchen Rausch aus." Pärli verstaatlichte die deutsche DV-Wirtschaft, sowohl die Afghanische Elektrizitäts-Gesellschaft (AEG) wie auch Siemens ("Ändert sich nichts; erhält Staatsaufträge nach wie vor"). Wie man die billigen und zivilisationshungrigen Programmierer aus den Weiten Rußlands bei ihrem Zug gen Westen übertölpeln kann, wußte Professor Pärlow ebenfalls: "Wo Du willst in Deutschland arbeiten? In Stadt oder auf Dorf?" "Ich? Nix Dorf!" "Gut. Du gehen nach Paderborn."

Die Deutsche Gesellschaft zur Förderung vergaß nicht, dem genius loci, der Kunst, ihre Reverenz zu erweisen. Drei Rechner ließen einen Poem-Generator in sich wirken und brachten hervor:

"Villingen oder, villingen ich nicht?

Das ist hier die Frage auf meine alten Tage." (Kienzle)

"Spiegleiln, Spieglein an der Wand,

wer ist der Größte im ganzen Land?

Natürlich Du, mein lieber Heinz, in Ostwestfalen-Lippe." (Nixdorf)

"Ächz! Bomm!" (Siemens).