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16.09.1994

Die Foerderungschancen nutzen Die Mittelstaendler muessen auf Forschung nicht verzichten Von Hans Eugster*

Investitionen in Forschungs- und Entwicklungsprojekte sind fuer Mittelstaendler schwierig: Zu oft wird viel Geld fuer Vorhaben ausgegeben, die am Ende nicht das halten, was man sich versprochen hat. Die Zusammenarbeit mit Hochschulen, anderen Softwarehaeusern und Anwendern in staatlich gefoerderten Forschungsverbund-Vorhaben kann hier weiterhelfen.

Foerderprojekte tragen oft schillernde Namen wie Esprit oder Eureka. Die Hochschulen beherrschen inzwischen den professionellen Umgang mit den entsprechenden Foerdertraegern und kennen die Formalismen, um an oeffentliche Mittel fuer Forschungszwecke zu gelangen. Kleinere und mittlere Unternehmen tun sich oft schwer, wenn es darum geht, Partnerschaften zur gemeinsamen Durchfuehrung von Forschungsprojekten zu bilden.

Ihnen fehlt es an Wissen ueber diverse Foerdermoeglichkeiten und am Kontakt zu forschungserfahrenen Instituten. Auch haben Mittelstaendler wenig Vertrauen in die eigene Faehigkeit zur angewandten Forschung. Im folgenden soll daher gezeigt werden, wie sogenannte Forschungsverbund-Vorhaben zum Erfolg fuehren koennen.

Seit 1979 arbeitet Straessle - zunaechst sporadisch - im Forschungsverbund mit deutschen Hochschulen zusammen. Anfang der 90er Jahre begann man schliesslich mit der Systematisierung. Das heisst konkret: Wir orientierten uns gezielt am hausinternen Bedarf und machten diesen in den relevanten Kooperationen geltend.

Um einem Wildwuchs von Projekten entgegenzusteuern, mussten einige Grundsaetze formuliert und anschliessend umgesetzt werden. Gerade ein mittelstaendisches Unternehmen kann sich nicht jede Art von Projekten leisten. Sowohl die eigenen Mittel als auch die Kraefte der beteiligten Institute und Anwender sind zu fokussieren. Die Maximen dienen im wesentlichen dem Ziel, die Forschungsprojekte dem unternehmerischen Ziel unterzuordnen.

Aufgrund von Erfahrungen halten wir uns heute an folgende Regeln:

1. Wir beteiligen uns ausschliesslich an Projekten zur angewandten Forschung. Als mittelgrosses Unternehmen muessen wir verhindern, in die Grundlagen abzugleiten. Hochschulinstitute neigen leicht dazu, ihre Forschung weg von der Anwendung und hin zur Grundlage zu verlagern. Diesem Trend ist schon bei der ersten Projektskizze zu begegnen.

2. Der Inhalt der Forschungsvorhaben hat sich mit nachlaufenden Entwicklungsprojekten zu decken. Die Fokussierung von Entwicklungsressourcen und Management-Kapazitaet macht es unabdingbar, dass nur dort geforscht wird, wo die Ergebnisse unmittelbar in Produkte ueberfuehrt werden koennen. Entsprechende Forschungsverbund-Vorhaben werden deshalb bei uns vom Produkt- Marketing mitgenehmigt und regelmaessig reviewt.

3. Schluesselanwender verifizieren in ihrem Zielmarkt die Forschungsergebnisse. Hochschulen und Entwickler muessen im Verlauf des Projekts mit ihren Prototypen und anwendbaren Ergebnissen vor ihre Kunden treten und diesen ein angemessenes Beurteilungsrecht zugestehen. Da sich die Kunden in der Regel finanziell an den Aufwendungen beteiligen, waechst der Druck zu einer ergebnisorientierten Forschung.

4. Grossprojekte mit internationalen Konsortien sind wegen des relativ geringen administrativen Aufwands kleinen Forschungsverbund-Vorhaben vorzuziehen. Projektbeantragung, - verfolgung und -nachkalkulation absorbieren zwischen zehn und 30 Prozent des angestrebten Projektvolumens. Der Aufwand fuer Akquisition und Nachkalkulation unterscheidet sich jedoch bei kleineren und groesseren Vorhaben nur wenig. Entsprechend sinkt der administrative Aufwand proportional zur zunehmenden Projektgroesse.

5. Foerdertraeger, die den Aufwand der Software-Industrie mitfinanzieren, werden bevorzugt. Projekte, in denen dieser Faktor beruecksichtigt wird, laufen stabiler und kontinuierlicher als andere.

So einleuchtend die genannten Grundsaetze erscheinen moegen, so schwierig ist es manchmal, sie den Partnerfirmen und

-instituten transparent darzustellen und ihr Verstaendnis zu gewinnen.

Ein sehr wichtiger Partner fuer ein anwendungsorientiertes Softwarehaus ist die Hochschule. Die Zahl der in Frage kommenden Institute ist in der deutschsprachigen Region und im europaeischen Raum mehr als ausreichend. Dies birgt die Gefahr, dass professionelle Institute Softwarehaeuser und Anwender zur Teilnahme an Projekten bewegen koennten, die nicht direkt in deren unternehmerische Zielsetzung passen. Andererseits kann ein Softwarehaus davon profitieren, dass ihm mehrere Institute zur Auswahl stehen.

Kriterien, nach denen die geeignete Hochschule ausgewaehlt werden kann, sind:

- Das fachliche Know-how und Expertenwissen des gewaehlten Instituts sollten fuer das jeweilige Projekt einmalig sein.

- Die Hochschule muss ueber Erfahrungen im Umgang mit Forschungsverbund-Vorhaben verfuegen.

- Das Institut sollte geografisch nicht zu weit entfernt liegen. Zumindest ist eine gute Erreichbarkeit mit oeffentlichen Verkehrsmitteln zu gewaehrleisten.

Interessierte Kunden sind mit einzubeziehen

Wie bereits ausgefuehrt, kommt dem kuenftigen Benutzer der Software im Forschungsverbund-Vorhaben hohe Bedeutung zu. Nicht alle potentiellen Kunden sind jedoch auch aus Sicht der Forscher gute Anwender. In erster Linie kommen Haeuser in Frage, die eine aehnliche Groesse wie die beteiligten Entwicklungsfirmen haben. So laesst sich eine angemessene Kooperation sicherstellen.

Der Anwender muss in der Lage sein, professionelle Mitarbeiter fuer den Zweck der Evaluation von Forschungsergebnissen abzustellen. Er sollte sich an der produktiven Umsetzung der erzielten Ergebnisse interessiert zeigen. Nur so ist eine engagierte, kritische, aber auch konstruktive Mitarbeit gewaehrleistet.

Neben fachlichen, regionalen und zielmarktorientierten Kriterien spielen gerade bei Forschungsverbund-Vorhaben, die mit einer Foerderung verbunden sind, politische Aspekte eine Rolle. In EU- Projekten ist es beispielsweise ratsam, fuer einen angemessenen regionalen Ausgleich innerhalb Europas zu sorgen. Diese politische Komponente koennte dazu verleiten, Projekte mit sehr vielen Partnerfirmen zu plazieren. Das waere ein Fehler. Projekte haben nur Erfolgsaussichten, wenn das Konsortium schlank gehalten wird. Ideal sind Forschungsverbund-Vorhaben mit Konsortien von drei bis sieben beteiligten Firmen, Instituten und Anwendern.

Die Schwerpunkte der angewandten Forschung liegen in unserem Fall hauptsaechlich im CAD-CAM-Umfeld. Themen wie simultanes Engineering oder automatisierte Prozessplanung, verbunden mit moderner Softwaretechnologie, sind fuer die beteiligten Partner besonders dankbar: Arbeitsergebnisse lassen sich direkt in die Produktentwicklung uebernehmen.

Auch aktuell laufende Projekte wie Sesame (Simultaneous Engineering System for Applications in Mechanical Engineering) oder Optimal (Optimized Preparation of Manufacturing Information with Multi-Level CAD-CNC-Coupling) werden auf die Entwicklung unserer Produkte Einfluss haben. Selbstverstaendlich ergibt sich auch im Bereich der Produktionsinformations-Systeme (PIS) ein entsprechender Forschungsbedarf. Straessle arbeitet daran, den Anteil der angewandten Forschung am Gesamtentwicklungsumfang auf diesem Gebiet deutlich zu steigern.

Unternehmensdaten-Modellierung, moderne Arbeitszeitmodelle und die Notwendigkeit zur Konfiguration von Produktionsinformations- Systemen geben genug Anhaltspunkte fuer eine interessante und zielgerichtete Zusammenarbeit mit Anwendern und Instituten. Insgesamt darf gesagt werden, dass sich Forschungsergebnisse und - effektivitaet in ihrer Qualitaet verbessert haben, seit auf diesem Gebiet systematisch und mit der notwendigen Offenheit die Zusammenarbeit mit Partnern in Forschungsverbund-Vorhaben realisiert wird.