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22.06.2009

"Die Freiheit im Internet ist bedroht"

Franz Josef Radermacher, Informatiker, Wirtschaftswissenschaftler und Mitglied im Club of Rome, fürchtet eine stärkere Regulierung des Web.

CW: Die gegenwärtige Wirtschaftskrise scheint die ITK-Branche nicht so stark mitzunehmen wie beispielsweise den Maschinenbau. Woran liegt das?

RADERMACHER: Die IT ist einer der Hebel, um in der Krise die Zahl der Mitarbeiter verringern zu können. Gleichzeitig wird die Produktion tendenziell billiger, je mehr Technik eingesetzt wird. Die IT-Branche ist Teil der Lösung und nicht des Problems.

CW: Unter dem Stichwort Enterprise 2.0 ist Wertschöpfung über Unternehmensgrenzen hinweg ein großes Thema. Wie sehen Sie diese digitale Bewegung?

RADERMACHER: Das hat ein Riesengewicht. Nicht zuletzt deshalb, weil diese Bewegung potenziell die Dominanz der Medien aushebeln könnte durch eine Art Gegenöffentlichkeit. Dieses Thema findet sich sehr breit in dem neuesten Buch von Al Gore behandelt ("Angriff auf die Vernunft", Anm. d. Red.). Er sieht im Web 2.0 eigentlich die einzige Chance der Neuerfindung der Demokratie. Aber was Gore auch sagt: Die Freiheit im Internet ist bedroht. Es gibt Versuche, das Internet zu kontrollieren und den relativ chaotischen, offenen Teil durch Regulierung und so genannte Trusted-Strukturen auszuhebeln.

CW: Die meisten Menschen können im Web doch problemlos kommunizieren

RADERMACHER: Richtig, aber wie lange noch? Die Zügel werden angezogen, indem Sicherheitsprobleme aufgebauscht werden. Sehen Sie sich die absurde Kontrolle von mitgenommenen Flüssigkeiten an Flughäfen an. Das ist nur eine Methode, um Paranoia zu erzeugen. In den Gehirnen der Menschen wird verankert, dass wir durch Terrorismus gefährdet sind. Das ist die Voraussetzung dafür, Dinge zu kontrollieren. Das funktioniert auch mit dem Internet: Kinderpornografie, intellektuelle Eigentumsrechte und Terror sind passende Themen. Die Menschen werden in den Krieg gegen den Terror geführt.

Im Krieg gelten natürlich Notstandsmaßnahmen, das leuchtet jedem ein. Die sind von der Art, dass wir den Terroristen keinen Zugriff auf das Netz erlauben. Also sollte man möglichst registriert sein und bestimmte Qualitäten haben, um ins Netz zu gelangen - Trusted Access ist das Thema. Zum Schluss darf nur noch derjenige ins Netz, der registriert ist und sich in einem bestimmten Korsett bewegt, das mit Eigentumsrechten zu tun hat. Der Normalbürger, selbst wenn ihm als Trusted Person Zugang gewährt wird, darf letzten Endes den Computer nicht mehr als universell programmierbare Maschine nutzen, sondern nur noch auf der Ebene bestimmter Interfaces Bausteine zusammenbauen. (hv)

Franz Josef Radermacher ist ...

  • Professor für Informatik an der Universität Ulm und dort Leiter des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung/n (FAW/n);

  • gefragter Experte für Globalisierungsgestaltung, Innovation, Technologiefolgen, umweltverträgliche Mobilität, nachhaltige Entwicklung und Überbevölkerung;

  • stark engagiert in der Global Marshall Plan Initiative, die sich seit 2003 für eine gerechtere Globalisierung, eine Welt in Balance, einsetzt.

  • Mehr lesen Sie unter www.computerwoche.de/1898618.