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25.12.1992

Die FUD-Ära ist vorüber

Die Kundenzeitschrift der Fiducia stellte in einem Ausblick fest: "Die Turbulenzen auf dem PC-Markt werden sich verschärfen. In der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' vom 13. 10. 92 wird die Frage gestellt, wie bei ständigem Preisverfall das Überleben der Hersteller zu sichern ist. Vor diesem Hintergrund ist eine Orientierung an IBM eine richtige Entscheidung." Wohl ohne Ironie kommentierte die "Süddeutsche Zeitung" am Freitag, dem 18. Dezember 1992, den "Niedergang des Computerriesen IBM". Auszug: "Das amerikanische Kartellamt verschleuderte Jahre mit dem vergeblichen Versuch, den Koloß nach dem Muster AT&T zu zerstückeln. Was die Regierung nicht geschafft hat, nämlich die Entmonopolisierung, hat nun IBM selbst durchziehen müssen." Zwischen beiden Meldungen liegen nur wenige Wochen, zwischen beiden Meldungen liegen Welten.

Man hat die IBM in ihrer bewegten Geschichte seit 1914, als Thomas J. Watson seinen IBMern das Motto "Think!" (Denke!) vorgab, schon mehrmals abgeschrieben. Stets hat sich die Denk-ich-an-Computer-denk-ich-an-IBM-Company, gefangen, ist gestärkt ans der Krise hervorgegangen. Warum sollte das jetzt anders sein? Noch möchten die meisten Big-Blue-Beobachter an ein Ende des IBM-Booms nicht glauben. Warnende Stimmen wie die des Geschäftsführers von Systems Center, Rolf Levenhagen, bleiben in der Minderzahl.

Natürlich muß man IBM-Watchern zugute halten, daß es schwierig war und ist, mit dem Phänomen IBM umzugehen. Levenhagen bringt es auf den Punkt: "Die IBM-Mitarbeiter waren fest davon überzeugt, die besten zu sein. Sie glaubten, ein vernünftiger Kunde könne gar nicht anders, als sich für die blauen Produkte zu entscheiden." Aus Anwendersicht machte es Spaß, mit der IBM in einer Uns-kann-keiner-Welt zu leben, solange die Realität nicht in sie einbrach.

Diese Ära ist nun vorüber, egal, was auf dem DV-Markt noch geschieht. Mitte der 80er Jahre konnte eine selbstherrliche IBM mit SAA noch FUD (Fear, Uncertainty and Doubt) verbreiten. Furcht, Unsicherheit und Zweifel ließen die Konkurrenten in die Irre laufen; das FUD-Konzept verfehlte aber auch bei den Anwendern seine Wirkung nicht. Die Lage ist heute fundamental anders, vor allem sind die beteiligten Personen andere: Die Open-Systems-Anwender, die PC-Benutzer lassen sich nichts mehr vormachen. Neben den Akteuren ist auch das Umfeld anders - die DV ist keine geheime IBM-Kommandosache mehr.

Eines muß die Big-Blue-Oberen besonders beunruhigen: Es ist das Bröckeln der Unterstützung der bisher loyalen IBM-Kunden. Mitgefühl und Sympathie werden Akers & Co. nicht erwarten können. Der Schaden, den die IBM-Ära angerichtet hat, ist bislang kaum übersehbar.