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29.01.2009

Die fünf Irrtümer der IT

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Andreas Resch war CIO der Bayer AG und Geschäftsführer der Bayer Information Services. Jetzt wechselte er in das Beraterlager. Hier ist sein Vermächtnis.

Der moderne CIO spielt zumeist eine Doppelrolle: Er vertritt die Demand-Seite, indem er die Anforderungen des Business filtert und an die operative IT-Einheit oder einen externen Dienstleister weiterleitet. Oft ist er aber auch für die Umsetzung verantwortlich - oder er wird zumindest dafür verantwortlich gemacht.

Resch hat diese beiden Rollen über Jahrzehnte verkörpert - bis er Ende vergangenen Jahres die IT-Verantwortung der Bayer AG aufgab und beim Berliner Beratungsunternehmen Modalis anheuerte. Auf der diesjährigen "Handelsblatt"-Konferenz "Strategisches IT-Management" zog Resch ein Fazit seiner beruflichen Laufbahn als CIO. Er identifizierte fünf Irrtümer, denen die Unternehmens-IT bewusst oder unbewusst aufgesessen ist.

1. Die IT hat überall den gleichen Stellenwert

Alle Sätze, die mit "Die IT ist", "Die IT hat" oder "Die IT muss" anfangen, sind per se falsch, konstatierte Resch. Nur weil die IT gemeinhin derart pauschal betrachtet werde, habe Nicholas Carr mit seinen im Grunde recht oberflächlichen Thesen einen "intellektuellen Tsunami" erzeugen können. In Wirklichkeit gebe es aber unzählige Ausprägungen der IT. Die Differenzierung durch unterschiedliche Branchen, Funktionsbereiche und technische Entwicklungslinien mache generelle Aussagen über die IT als Arbeitsgebiet beinahe unmöglich.

2. Die IT braucht ein Budget

Der IT-Bereich wird über das IT-Budget gesteuert - diese Aussage bleibt weitgehend unwidersprochen. Trotzdem ist sie falsch, so Resch: Das IT-Budget existiere nur als "rechnerisches Konstrukt". Denn es bestehe aus zwei disparaten Teilen, die sich nicht zusammen steuern ließen: dem Change- und dem Run-Anteil. "Mit Change kann man Lorbeer ernten, mit Run höchstens rausfliegen", brachte der Ex-CIO den Unterschied auf den Punkt.

Wie Marktforscher herausgefunden haben, besteht das IT-Budget typischerweise zu vier Fünfteln aus den Kosten für den laufenden Betrieb. Solange Qualität und Umfang dieser Services gleich bleiben, bedeutet jeder gesparte Euro im Prinzip eine Steigerung der Effektivität. Ganz anders beim restlichen Fünftel: Hier gebe es keinen direkten Bezug zwischen der Investitionshöhe und dem erzielten Ergebnis, führte Resch aus: "Auch das kleinstes Projektbudget kann verschleudertes Geld bedeuten."

3. Je höher das relative Budget, desto besser der CIO

Diese These gewinnt auch nicht dadurch an Wahrheitsgehalt, dass das Budget hier relativiert wird. Eingeführt worden seien Maßzahlen wie IT-Budget pro Umsatz, User oder Mitarbeiter von renommierten Consulting-Unternehmen wie Gartner oder Hackett, um auf dieser Basis beispielsweise zu beurteilen, ob ein Budget zu hoch sei, stellte Resch fest. Gleichzeitig werde häufig der Erfolg des jeweiligen CIO daran gemessen, ob es ihm gelinge, "sein" Budget zu verteidigen oder sogar zu erhöhen.

Eine solche Interpretation dieser Kennzahl sei jedoch "weitgehend Unsinn", wie empirische Untersuchungen gezeigt hätten.

4. Die IT liefert künftig einen Wertbeitrag

Viele CIOs versuchen, der leidigen Kostendiskussion den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem sie auf den Beitrag der IT zum Unternehmenserfolg hinweisen. Dummerweise verschlingt die Aufrechterhaltung des Betriebs aber in den meisten Unternehmen den Löwenanteil der IT-Budgets, und zumindest dieser Teil trägt, wie Resch bestätigte, allenfalls marginal zur Wertschöpfung bei.

Die Projektinvestitionen hingegen zahlen sich nur im Zusammenhang mit den durch sie verbesserten Geschäftsprozessen aus, konstatierte der frisch gebackene Unternehmensberater. Sein Resümee lautete deshalb: "Es gibt keinen separierbaren Wertbeitrag der IT zum Unternehmenserfolg."

Den Begriff "Alignment" sollten die IT-Verantwortlichen am besten gar nicht erst in den Mund nehmen, ergänzte Resch. Er bezeichne ihn als den Versuch, ein Problem zu lösen, das sich schon verselbständigt habe: "Wenn wir Alignment sagen, haben wir den Punkt, an dem wir uns Respekt verschaffen könnten, bereits verpasst." Die Achtung der Fachbereiche sichere sich der IT-Chef besser durch exakt definierte und für das Business transparente Services, erläutert der ehemalige Bayer-CIO.

5. Die Unternehmens-IT prägt die Zukunft

Die Zeiten, in denen einige Eingeweihte den heiligen Gral der Informationstechnik hüteten, sind passé. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Zum einen vergeben die Unternehmen immer mehr Run-Aufgaben an die IT-Serviceindustrie. Zum anderen bringen heute vielfach nicht die CIOs, sondern die Mitarbeiter innovative Technik ins Unternehmen. Diese, von Marktbeobachtern "Consumerisation" genannte Entwicklung begann laut Resch, als sich die Mitarbeiter zu Hause mehr Performance leisten konnten, als das Unternehmen ihnen am Arbeitsplatz zugestehen wollte.

"Wir konnten jahrelang darauf vertrauen, dass das Zentrum der Innovation in unserem Unternehmen lag", mahnte Resch seine Zuhörer, "heute liegt es außerhalb." Das stelle die berufliche Dynamik des CIO in Frage. Deshalb müsse er sich nun mit dem Problem beschäftigen, wie er die Unternehmens-IT im Griff behalten und trotzdem mit der technischen Entwicklung Schritt halten könne. (qua)