Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

11.12.1992 - 

Am 1. Juli 1993 steht in vielen Unternehmen die DV- Welt kopf

Die fünfstelligen Postleitzahlen bereiten DV-Chefs Kopfzerbrechen

MÜNCHEN (hv) - Der europäische Binnenmarkt wird nicht das einzige Großereignis bleiben, mit dem sich deutsche DV-Verantwortliche im nächsten Jahr auseinandersetzen müssen. Eine zusätzliche Herausforderung bedeutet die Einführung der neuen fünfstelligen Postleitzahlen zum 1. Juli 1993, die aufgrund der deutschen Einheit notwendig geworden ist.

Daß die Umstellung vorhandener Datenbestände und Programme für viele Unternehmen kompliziert werden könnte, darauf deuten schon die nackten Zahlen hin: Die Menge der Postleitzahlen wird von gegenwärtig 5300 auf rund 34 000 steigen. Davon entfallen 14 000 auf Ortsbereiche und neuerdings 20 000 Nummern auf Postfächer und Großkunden. Ortsteile von Städten werden ab Mitte nächsten Jahres in mehrere Postleitzahlbezirke aufgeteilt. Maßstab ist dabei die Anzahl der für ein Gebiet vorgesehenen Briefträger.

Diese Neuregelung kann im DV-Bereich vor allem Anwender mit großen Adreßbeständen hart treffen. Sie stehen unter dem Druck, ihre Daten termingerecht zu aktualisieren, denn, obwohl die Bundespost zumindest theoretisch eine Übergangsfrist einräumt, wird sich ab 1. Juli die Beförderungsdauer von Briefen mit alter Postleitzahl voraussichtlich stark verzögern.

Die Post bietet lediglich das neue Straßen- und Orts- beziehungsweise Postleitzahlverzeichnis auf Datenträgern an - für die Umstellung und den Abgleich der Daten müssen die Anwender selbst sorgen.

Umstellung kann Millionenaufwand bedeuten

Welchen Aufwand eine solche Konvertierung bedeuten kann, verdeutlicht das Beispiel des Quelle-Konzerns. Das Versandhaus veranschlagt rund neun Millionen Mark für die Neuaufbereitung ihres Adreßbestandes, der angeblich bei rund 27 Millionen Eintragungen liegen soll.

Zwar bildet ein Datenvolumen dieser Größenordnung eher die Ausnahme, doch Quelle ist längst nicht mehr das einzige Unternehmen, das inzwischen eine vielköpfige Projektgruppe mit der Umstellung betraut hat. Trotz des spürbaren Engagements bei sehr großen vertriebsorientierten Unternehmen lassen Aussagen von Software- und Beratungsunternehmen darauf schließen, daß sich Anwender dem Thema bisher nur unzureichend widmen. Oft werden die Auswirkungen der neuen Postleitzahlen auf die hauseigene Datenverarbeitung verkannt, die Unternehmen beginnen erst spät - möglicherweise zu spät - mit der Korrektur ihrer Datenbestände.

Vielen Usern scheint nicht klar zu sein, daß von der neuen Postleitzahlregelung nicht allein die Adreßbestände, sondern auch komplexe Anwendungen betroffen sind. So müssen etwa die jeweiligen Feldlängen für Orts- und -Straßennamen den geänderten Vorgaben des Postdienstes angepaßt werden. Außerdem sind die Datensätze um ein zweites Postleitzahl-Feld für Postfächer zu erweitern.

Beeinträchtigt werden können auch Teile des Formular- und Druckwesens, denn Geschäftspapiere, Visitenkarten, Kataloge, Publikationen, Stempel, Frankierautomaten etc. müssen rechtzeitig mit den neuen Adressen versehen werden.

Auch Organisationsprobleme dürften sich einstellen, nämlich dann, wenn die vielerorts übliche Zuordnung von Verkaufs- oder Zuständigkeitsgebieten nach Postleitzahlen beeinflußt wird.

Wichtig ist, daß für eine automatisierte Konvertierung der Datenbestände ein fehlerfreier, einwandfrei zu identifizierender Adreßbestand vorliegt. Die Neuordnung der Postleitzahlen hat nämlich unter anderem zur Folge, daß dort, wo etwa Stadtteile in mehrere Bezirke zerfallen, Adressen sich nur dann zuordnen lassen, wenn zusätzlich der Straßenname ausgewertet wird. Schreibfehler oder Abkürzungen aufgrund zu kurzer Datenfelder, die im Vorfeld der Konvertierung nicht bereinigt wurden, verhindern das schnelle Auffinden des jeweiligen Pendants in der Postdatei und machen so eine langwierige manuelle Bearbeitung erforderlich.

Ab Februar 1993 gibt es die Umstellungsdateien

Die Post stellt ihre acht Umstellungsdateien, die unter anderem die neuen Postleitzahlen und ein aktuelles Straßenverzeichnis enthalten, erst ab Februar 1993 auf CD-ROMs, Bändern und Disketten zur Verfügung - zu spät, wie viele Softwarehäuser meinen. Denn erst mit diesem Datenbestand von 80 MB können die bis dato unbekannten Daten analysiert und die Programme abschließend getestet und getunt werden. Heute steht für die Programmentwicklung seit wenigen Wochen ein Testdatenbestand von 7 MB zur Verfügung, der bei der Post bezogen werden kann.

Informationspolitik der Post kritisiert

Anwender und Softwarehäuser kritisieren nicht nur die späte Auslieferung der Daten, sie ärgern sich auch über die Informationspolitik der Bundespost. Mitarbeiter der ersten und zweiten Führungsebene bei Postkunden sowie DV- und Organisationsleiter sollten bis spätestens November 1992 über die Veränderungen in Kenntnis gesetzt werden. Bis heute scheint dieser Plan jedoch nicht in die Tat umgesetzt worden zu sein. "Unsere Kunden wurden nicht angeschrieben", kritisierte zum Beispiel Ulrich von Welck, Geschäftsführer der Münchner Angewandte Computer Software GmbH (ACS) im Gespräch mit Pressevertretern. Sein Unternehmen gehört - wie auch die TS Organisationsberatung für Vertrieb und Marketing GmbH in Neumarkt-St. Veit oder die IBS Systemvertrieb GmbH in Garbsen - zu einer Reihe kleinerer Softwarehäuser, die Anwendern mit Beratung und PC- oder Mainframe-Produkten aus der Bredouille helfen wollen.

Dadurch, daß diese Anbieter ihren Kunden bei der Planung und Durchführung von Adreßumstellungen zur Seite stehen, springen sie für die Post in die Bresche. Der Postdienst stellt nämlich zur Zeit nicht mehr als drei DV-Berater ab. Diese Mitarbeiter dürften mit der Betreuung einiger weniger Großkunden genug zu tun haben.