Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Die ganze Kommunikationswelt ist kompatibel geworden

27.02.1978

Mit Unternehmensberater Günther Leue, Haunetal, sprach CW-Chefredakteur Dieter Eckbauer

- Im US-Markt sind heute etwa 150 000 Telekopierer im Einsatz, hierzulande durften weniger als 5000 Faksimile-Geräte installiert sein. Selbst wenn man die üblichen Relationen des US-Marktes zum deutschen Markt berücksichtigt - warum sind das drüben so viele und hier so wenige?

Ein Grund ist sicherlich darin zu sehen, daß es in den Vereinigten Staaten etwa zwanzig Hersteller mit 70 Produkten gibt, dem US-Anwender also eine viel größere Palette zur Verfügung steht, als es bis heute in der Bundesrepublik der Fall ist. Darüberhinaus hatten wir das Handikap, daß es mit der Kompatiblität schwierig war: Ein Hersteller, der einen größeren Marktanteil erringen konnte, schrieb den Mitbewerbern vor, was sie tun mußten, um kompatibel zu sein.

- Inzwischen hat die C. C. I. T. T. als beratende Dachorganisation der europäischen Postverwaltungen eine Reihe von Empfehlungen für die Faksimileübertragung in digitalen Netzen ausgesprochen. Und die deutsche Bundespost hat verabschiedet, daß ein "Telefax-Service" noch in diesem Jahr kommen soll. Wissen die Anwender, wohin sie jetzt marschieren?

Das möchte ich bezweifeln. Doch die Deutsche Bundespost beabsichtigt, eine Marketing-Abteilung einzurichten, die nur für den Telefax-Dienst da ist. So können wirklich die Ideen und Möglichkeiten, die in der Faksimile-Technik drinstecken, bei der Anwenderschaft bekanntgemacht werden. Ich glaube, einer der Gründe, warum beispielsweise die Computer-Entwicklung so rasant war, wie wir's erlebten, ist - neben den zugrundeliegenden Technologien -, daß wir hier tatsächlich einen Markt haben, in dem durch sehr intensives Marketing eine Aufklärung der Benutzer erfolgt ist.

- Interessant ist, daß erst die "Computerisierung" der Fernkopierer - im Kern ist jedes Gerät ein Mikrocomputer - eine Reihe von Computer-Herstellern in den US-Markt einsteigen ließ. Warum hat eine vergleichbare Entwicklung bei uns nicht stattgefunden?

Man hat dort Geräte auf digitaler Basis entwickelt, die - insbesondere dann, wenn in den Vereinigten Staaten mit dem Satelliten-System SBS gearbeitet werden wird - Faksimileübertragungen in weniger als fünf Sekunden für eine DIN-A4-Seite ermöglichen werden.

- Setzen sich diese digitalen Faksimile-Techniken auch in Europa durch?

Es wird mit diesen Techniken zunehmend mehr Faksimile-Terminals mit lokaler Kopiermöglichkeit geben. Lassen Sie mich das an einem Beispiel aufzeigen. Eine Firma in den Vereinigten Staaten hat ein solches Gerät entwickelt, das mit digitalem Input arbeiten kann, wo eben ASCII-Code-Informationen übertragen werden; das ferner einen Zeichengenerator hat, der 4000 Zeichen pro Sekunde generieren kann, der damit also in der Lage ist, den Kopierer praktisch als Drucker zu verwenden. Überdies kann das Gerät normale Kopien durchführen.

- Wann wird es verfügbar sein und was wird es kosten?

Das Gerät ist im Prototyp fertig, Preisvorstellung 15 000 Dollar, und auch hier gilt wieder: Da in dieser Technik sehr viel in Mikroelektronik ausgeführt ist, wird es mit Sicherheit sinkende Preistendenzen geben, sobald das in größere Stückzahlen hineingeht.

- Welche Anwender-Anforderungen muß dieses Telekopier-Konzept berücksichtigen?

Das Gerät sollte eine Kommunikationsschnittstelle haben, um jegliche Form von Datenfernübertragung mit einem Multiform-Zeichengenerator in Zeichen umzuwandeln, die im Kopierer ausgedruckt werden können. Es sollte eine Telefax-Schnittstelle haben, um Faksimile-Informationen, die über Draht hereinkommen, auszudrucken. Und dann sollten Tastatur und Bildschirm vorhanden sein, um Nachrichten, die gedruckt werden sollen, selbst erstellen zu können. Das ließe sich auch mit Remotegeräten bewerkstelligen, die im Unternehmen verteilt sind.

- Die Beschreibung paßt auf den "intelligenten" Kopierer. Ist das nicht ein Schlagwort? Und zumindest hierzulande Zukunftsmusik?

Ein Gerät dieser Art gibt es zwar im Augenblick auf dem Markt noch nicht. Aber wir haben eine ganze Menge Ansatzpunkte, daß so ein Gerät in Kürze kommen wird, und wir damit einen anderen Gesichtspunkt für die Verschmelzung von (Computer-) Nachrichten- und Bürotechnik - in diesem Falle Faksimile und Kopierern - bekommen.

- Welche Techniken werden dabei angewendet werden?

Denkbare Techniken für solche intelligenten Kopierer gibt es genügend. Das können Ink-Jet-Geräte sein, wie sie IBM mit dem Modell 4640 heute offeriert. Es können aber auch elektrografische Druckverfahren sein, wie sie im Siemens-Laserdrucker 3356 oder in IBM 3800 oder im Xerox-Drucker realisiert sind.

- Bestimmt sollten diese Techniken; aber nicht isoliert eingerichtet werden, vor allem nicht, ohne die anderen Kommunikationsformen zu berücksichtigen?

Für Faksimile ist es hochinteressant, wenn man die Verteilung im Unternehmen vornimmt, wenn man also die sehr preiswerten Faksimile-Sendegeräte am Arbeitsplatz unterbringen würde, und dann computergesteuerte Nebenstellen-Anlagen einsetzt, die quasi nebengeschaltet werden.

- Sollte es demnach nur ein Netzwerk, nämlich das Telefon, geben, das Bild-, Text- und Datenendgeräte zusammenschaltet?

Sicherlich wäre es falsch, wenn man der Computer-Nebenstellenanlage diese Aufgaben mit übertragen würde, aber ein Gerät, das parallel in ein und demselben Gehäuse untergebracht ist, wäre dafür exzellent geeignet.

- Das wäre keine Lösung für den Kleinbenutzer, der keine solche Nebenstellenanlage verkraften kann.

Für diesen wäre eine öffentliche Dienstleistung - ob von Privathand oder von der Deutschen Bundespost offeriert - eine exzellente Angelegenheit.

- So etwas gibt es in den Vereinigten Staaten seit etwa zweieinhalb Jahren mit dem Graphnet. Wie arbeitet Graphnet?

Graphnet besteht aus einem Computernetzwerk mit gemieteten Leitungen, die vom AT & T, also praktisch der Deutschen Bundespost in den USA angemietet wurden. Dabei werden analoge und digitale Nachrichten umgewandelt. Da können Sie sich einwählen mit jedem Gerät, das sie haben, es kann noch so alt, noch so langsam sein. Jede Technik, die heute im amerikanischen Markt ist, kann sich dort einwählen. Sie wird umgewandelt in digitale Impulse, die dann im Packet-Switching zu den Plätzen übertragen werden, wo sich der Adressat befindet. Dort erfolgt eine Rückumwandlung in die Technik, die der Adressat verwendet.

- Die Amerikaner haben eine Kompatibilität geschaffen, ohne darauf zu warten, daß eine Norm, ein Standard kommt. Das erscheint eher wettbewerbshemmend. Denn wie sollen die Hersteller wissen, wonach sie sich auszurichten haben?

Im Gegenteil. Man schafft damit die Möglichkeit, die modernsten Techniken einzuführen, ohne Rücksicht auf einen Standard nehmen zu müssen, der schon da ist. Die Übertragung erfolgt mit einer Kompressionstechnik; es ist Kompatibilität mit allen Marken für die Faksimilegeräte sichergestellt. Darüber hinaus ist Kompatibilität sichergestellt mit Telex, mit Timesharing-Terminals, mit Computern. Die ganze Kommunikationswelt ist kompatibel geworden. Es kann jeder mit jedem verkehren.

- Können Sie die wichtigsten Graphnet-Vorteile einmal auflisten?

Die Graphnet-Vorteile sind Zwischenspeicherung, Übertragung zu tarifgünstigen Zeiten, Nachrichten vervielfachen, gespeicherte Briefköpfe und Unterschriften, gespeicherte Adressenlisten, Ausdruckmöglichkeiten im Service-Center und Zustellung durch Telefon, durch Boten, oder durch die öffentliche Post.

- Die Begeisterung scheint bisher nur amerikanisch zu sein.

Daß die Amerikaner damit nicht alleine stehen, mögen Sie aus der Tatsache erkennen, daß die Japaner ein Gegenstück gebaut haben, zu den Graphnet-Processoren.

- Bleiben immer noch die Deutschen übrig: Ist das Vorsicht oder Nichterkennen eines revolutionären Trends?

Bei dieser Technik, die bisher in Deutschland noch so wenig Verbreitung gefunden hat, befinden wir uns in der Tat mitten in einer Revolution. Es ist auf jeden Fall eine Technik, mit der sich der Computerfachmann, der sich für das Informationsbedürfnis seines Unternehmens verantwortlich fühlt, sehr ernsthaft und ausführlich auseinandersetzen sollte.

Günther Leue (52)

kennt aus früheren Tätigkeiten bei Univac und Diebold den deutschen EDV-Markt wie seine Westentasche. Als freier Unternehmensberater mit "Zweitwohnsitz" in Kalifornien liegt ihm viel daran, bundesrepublikanischen Anwendern die neuesten Errungenschaften der US-Datenverarbeiter näherzubringen. Er gilt als Experte auf dem Gebiet der neuen technischen Kommunikationsformen "Bild- und Textübertragung", die immer mehr in die Büro- und Nachrichtentechnik integriert werden.