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Portale/Entwicklungsumgebungen für den Portalbau


25.02.2000 - 

Die ganze systemtechnische Intelligenz ins Portal investieren

Software für Portale wird ein ernst zu nehmendes Marktsegment. Größte, aber auch relativ kleine und unbekannte Anbieter versuchen, sich in diesem Zukunftsgeschäft zu etablieren. Noch sind die Claims nicht abgesteckt. Ein kreatives Gerangel ist im Gange. Martina Ludewig* wirft ein Spotlight auf diesen lebendigen Marktplatz.

Das Internet hat neue Geschäftsmodelle geprägt. Unternehmen, die Produkte und Lösungen im E-Business-Bereich anbieten, liegen im Trend. Der Marktforscher Gartner Group prognostiziert, dass in etwa vier Jahren weltweit Geschäfte im Wert von sieben Billionen Dollar so abgewickelt werden. Für Internet-Anwender ist das zwar interessant, aber nicht eben einfach. Schließlich müssen sie sich in der Informationsvielfalt des World Wide Web erst einmal zurechtfinden. Hier können so genannte Portale eine wertvolle Unterstützung leisten, indem sie aus der Vielzahl der Informationen die passenden herausfiltern. Anwender stellen sich aus einer weltweiten Bibliothek die Informationen zusammen, auf die sie konkret zugreifen wollen. Dieses individuelle Profil wird einmal hinterlegt, und die richtigen Informationen werden bei jedem Neuaufruf aktuell angezeigt. Ulf Freiberg, Leiter Practice Workmanagement bei der CSC Ploenzke AG, zur Bedeutung von Portalen: "Leistungsfähige Portale sind eine enorme Herausforderung für ein Unternehmen. Der Kunde erwartet eine systemtechnische Intelligenz, die nur durch eine ganzheitliche interdisziplinäre Integration von Konzepten aus Betriebswirtschaftslehre, Soziologie, Wirtschaftsinformatik und Informationstechnologie erreicht werden kann."

Eines der bekanntesten Portale in Deutschland ist MySAP.com. Demnächst will SAP darüber hinaus einen Online-Marktplatz für die chemische Industrie und die Pharmabranche etablieren. Zum Start im zweiten Quartal 2000 werden auf der Käuferseite BASF, Bayer, Degussa-Hüls, Henkel und Wacker Chemie antreten, um ihren Einkaufsbedarf elektronisch von den Lieferanten KSB, Linde, Sartorius, Siemens sowie der Heinz Wollschläger GmbH zu decken. Laut Hasso Plattner, dem Vorstandsvorsitzenden von SAP, will das Unternehmen in fünf Jahren zehn bis 20 Prozent seines Umsatzes aus dem Verkauf von Portalen erwirtschaften.

3Com entwickelte gemeinsam mit Deloitte Consulting ein Realtime-Bestellwesen mit dem Ziel, 80 Prozent von den drei Billionen Dollar Einnahmen online zu erzielen und rund 100 Millionen Dollar innerhalb eines Jahres einzusparen. Backend-Applikationen inklusive SAP wurden hierbei mit den E-Commerce-Applikationen verbunden.

Der Computeranbieter Gateway entwickelte mit Andersen Consulting ein Kundenportal, um seine Hardwareprodukte über das Web zu verkaufen. Dabei mussten 14 Backend-Lösungen wie beispielsweise von J.D. Edwards und anderen integriert werden. Mit Hilfe dieses Portals lassen sich individuelle Konfigurationen von Computern inklusive Preisangabe in Echtzeit erstellen. Gateway erwartet, dass mit Hilfe dieses Portals 50 Millionen Dollar an allgemeinen Kosten eingespart werden.

Die weltweit agierende Anwaltskanzlei Davis Polk & Wardwell nutzt eine Portallösung, die ihre großen Informationsvolumina strukturiert. Anwender bekommen auf einer einzigen Web-Seite die Daten, die für sie relevant sind, ganz egal, woher sie stammen. Zudem können Mitarbeiter eigene Informationen beisteuern, damit diese anderen Personen ihrer Arbeitsgruppe oder auch unternehmensweit zur Verfügung stehen. Dabei ist die Integrität der Informationen und der Verknüpfungen zwischen den Inhalten gewährleistet.

Welche Anforderungen müssen Portale erfüllen, um erfolgreich am Markt zu bestehen? Gefordert sind

-eine attraktive Aufmachung: Dabei sollten durchgängige Logik und einfache Wege zu den Informationen selbstverständlich sein.

-Servicequalität: Das Portal sollte einfach bedienbar sein.

-leistungsstarke Portale, die Realtime-Transaktionen ermöglichen.

-Time to Market: Informationen müssen in Echtzeit zur Verfügung stehen (zum Beispiel aktuelle Aktienkurse).

-Backend-Integration: Dies stellt eines der schwierigsten Probleme dar. Legacy-Systeme, Customer-Service-Programme, ERP- und Data-Warehouse-Lösungen sowie Logistiksoftware müssen miteinander kommunizieren und Informationen austauschen können. Point-to-Point-Verbindungen sind hier wenig sinnvoll, da sehr wartungsintensiv; ein EAI-(Enterprise-Application-Programming-)Ansatz ist sinnvoll.

-Verfügbarkeit rund um die Uhr und sieben Tage die Woche: Ein großer Vorteil des E-Business ist, dass es keine Ladenschlusszeiten kennt. Folglich muss das Portal jederzeit offen sein.

-die Abwicklung von Geschäftsprozessen in Echtzeit: Eine prompte Ausführung der Prozesse sichert Kundenzufriedenheit.

-Personalisierung: Anwender müssen ihr Profil im Portal hinterlegen können. In diesem Profil ist dann vermerkt, auf welche Information sie zugreifen wollen, wenn sie das Portal aufrufen.

-Sicherheit: Nicht alle Anwender dürfen auf alle Informationen zugreifen. Diese Reglementierungen müssen definiert sein.

Dokumenten- mit Content- Management verbindenFür den Aufbau eines Portals reicht ein herkömmlicher Web-Server, mit dem Internet-Seiten erstellt werden, nicht aus. Damit lassen sich Anforderungen wie Personalisierung oder die Bereitstellung von Informationen aus unterschiedlichen Quellen nur sehr aufwändig erfüllen. Hier werden spezielle Entwicklungsumgebungen benötigt.

So entwickelte die Firma Gauss ihren "VIP-Portal Manager". Das Produkt gestattet die Erstellung virtueller Firmenportale. Auf alle bestehenden Anwendungen im Unternehmen wird der Zugriff über JDBC/ODBC (Java Database Connectivity/Open Database Connectivity) oder die Application Programming Interfaces (APIs) der Anwendungen realisiert. Dabei werden offene Standardtechnologien wie Javabeans genutzt. Unter Einsatz des Scripting-Standards und von Java Server Pages (JSP) wird die Website im Moment des Aufrufs zusammengesetzt und zeigt sich so mit aktuellen Inhalten.

Das Unternehmen Hyperwave stellte im Herbst vergangenen Jahres sein Hyperwave Information Portal (HIP) vor. Dessen Ansatz ist die Verbindung von Dokumenten- und Content-Management mit standardbasierender Web-Technologie. Das Produkt wird in erster Linie im Bereich Wissens-Management eingesetzt. HIP verwaltet automatisch die Links zwischen den verschiedenen Inhalten. Das dynamische, bidirektionale Link-Management vermeidet so defekte Links und blendet Links zu Informationen aus, für die der jeweilige Benutzer keine Zugriffsberechtigung hat.

"Jcatalog" ist eine Softwarelösung aus dem Hause Jcatalog Software zum Aufbau elektronischer Produktkataloge für Internet-Portale. Die Software unterstützt die Erstellung, Verwaltung, Präsentation und Verteilung unterschiedlicher Typen von Katalogen. Dies können einerseits die eingebauten Standardkataloge, andererseits aber auch Kataloge in Form von vorhandenen Datenbanken sein. Jcatalog ist vollständig in Java entwickelt. Bei größeren Datenmengen besteht die Online-/Offline-Anbindung von Warenwirtschaftssystemen wie zum Beispiel SAP R/3. Optional lässt sich der Net-Katalog durch Shop-Lösungen mit Bestellmöglichkeit erweitern.

Der "Portalbuilder" von Tibco Software basiert auf einer patentierten Technologieplattform, die erstmals in den 80er Jahren eingesetzt wurde. Heute heißt die Produktfamilie "TIB/Active Enterprise". Durch die integrierte Publish/Subscribe-Technologie wird ein durchgängiger Informationsaustausch zwischen den unterschiedlichsten Anwendungen und Datenbanken sichergestellt. Bestehende Anwendungen werden durch die in Active Enterprise zur Verfügung stehenden Adaptoren integriert. HTML- und XML-Dokumente sowie JDBC-Quellen werden ebenfalls integriert. Services, die bereits über TIB/ Active Enterprise zugänglich sind beziehungsweise über Datenbank-, HTML- oder XML-Schnittstellen zur Verfügung stehen, lassen sich direkt in ein Portal integrieren.

Angeklickt

Nur mit einem ganzheitlichen Ansatz erstellte E-BusinessLösungen haben eine gewisse Zukunftssicherheit: In der Regel erfüllen sie die Wünsche der am Portal Beteiligten folgerichtig, fehlerfrei, schnell und zuverlässig. Künftige Portalanbieter sind gut beraten, wenn sie sich sehr genau die Referenzinstallationen der Softwarehersteller ansehen und diese neue Form des Handels mit einem klaren Konzept in die Realität umsetzen.

*Dr. Martina Ludewig ist freie Journalistin in Lübeck.