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Aktuelle Channel-News // 6. Dezember 2016

28.01.2016 - 

IT-Security

Die gefährlichste Malware 2015

Christine Schönig ist seit 2009 als Technical Managerin bei Check Point Software Technologies GmbH und verantwortet hier das technische Pre-Sales Consultancy-Team in Deutschland.
Cryptolocker, Logjam, CTB-Locker, XCodeGhost… Welche Schädlinge haben im vergangenen Jahr den IT-Security-Markt aufgemischt? Wir entschlüsseln die gefährlichsten Bedrohungen und alle geheimen Tricks der Cyberkriminellen.

Lässt man die News noch einmal Revue passieren, die 2015 die Security-Branche beschäftigten, dann fällt auf, dass vor allem spektakuläre Hacks (General Motors Car Hack) und Schwachstellenfunde (XcodeGhost, Certifi-Gate) im Gedächtnis geblieben sind. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass Cyber-Kriminelle ihre Schadsoftware weiter verbessert haben. In diesem Zusammenhang werden die sogenannten unbekannten Unbekannten immer wichtiger. Es handelt sich hierbei um Malware, deren Signatur bislang noch nicht bekannt ist und die von Antivirensoftware nicht enttarnt werden kann. Viel Aufwand betreiben die Programmierer nicht, denn sie verwenden in der Regel alte Malware und ändern lediglich Details im Programmcode, um neue Signaturen zu erhalten.

Ransomware

Neben dieser neuen Schadsoftware arbeiteten kriminelle Banden vor allem mit Ransomware, mit der Opfer erpresst wurden. Der CTB-Locker ist ein gutes Beispiel für diese neue Form der Ransomware. Codiert mit fortschrittlichen Algorithmen, erschwert er traditioneller Antivirensoftware die Erkennung. Gleichzeitig macht diese Schadsoftware deutlich, dass sich der Trend zum Social Engineering noch einmal verstärkt hat. Opfer werden gezielt über E-Mails von scheinbar bekannten Stellen angesprochen und sollen die Software herunterladen. Die Installation des Schadcodes erfolgt dann so schnell, dass kaum Zeit für Gegenmaßnahmen bleibt.

Exploit Kits

Exploit Kits sind alte Bekannte, doch auch hier lassen sich Trends feststellen, die aufschlussreich sind. Wer Exploit Kits einsetzt, der wechselt nun verstärkt die Landing Page, um zu verschleiern, woher sie kommen. Bislang war es schon schwer, überhaupt das Herkunftsland zu lokalisieren - jetzt wird es auch immer schwerer, die Quelle auszumachen. Darüber hinaus werden auch Exploit Kits weiterentwickelt und somit immer raffinierter. Sie können nicht nur die verwendeten Browser ihrer Opfer erkennen, sondern lernen auch immer besser die installierte Sicherheitssoftware ausfindig zu machen.

Im Folgenden stellen wir die Top-11-Schädlinge des vergangenen Jahres vor:

CTB-Locker

Beim CTB-Locker handelt es sich um eine Kombination von Krypto- und Ransomware. Er basiert auf fortschrittlichen Algorithmen, die die Entdeckung und Neutralisierung der Malware erheblich erschweren. Das Programm verschlüsselt die Dateien der betroffenen Unternehmen. Anschließend verlangen die Cyber-Kriminellen 3 Bitcoins (ca. 360 Dollar) Lösegeld für die Freigabe. Die Infizierung erfolgt in den meisten Fällen über eine E-Mail, die von der Adresse eines Firmenangestellten aus an das Management geschickt wird. Fünf Minuten nach dem Öffnen der angehängten .zip- oder .cab-Datei platziert das Schadprogramm den CTB-Locker im Netzwerk.

Angler Exploit Kit

Exploit Kits gelangen über schadhafte Websites in das Netzwerk. Sie suchen nach Schwachstellen auf Webservern und nutzen diese zur Platzierung von Ransomware. Im Dezember letzten Jahres richteten die Check Point-Experten die IPS-Protection gegen das Angler Exploit Kit aus. Nur zwei Tage, nachdem die Schutzmaßnahmen fertig waren, beobachtete das Unternehmen schwere Angriffe auf einige seiner Managed-Service-Kunden, unter anderem eine führende Bank und ein Krankenhaus in den USA. Die Attacken waren über deren IPS-Blade aufgezeichnet worden. Problematisch ist hierbei, dass Exploit Kits ihre Landing Page häufig wechseln, um IPS-Detection zu vermeiden. Es ist durch die Untersuchung großer Datensätze aber gelungen, einige dieser URLs ausfindig zu machen.

Exploit Kits wie "Angler" spähen Webserver gezielt nach Verwundbarkeiten aus.
Exploit Kits wie "Angler" spähen Webserver gezielt nach Verwundbarkeiten aus.
Foto: Check Point Software 2015

Volatile Cedar

Volatile Cedar (explosive Zeder) ist wahrscheinlich eine im Libanon verwurzelte Hacker-Gruppe. Als Hintergrund ihres Handels können politische Gründe angenommen werden. Bereits seit 2012 attackiert die Malware-Kampagne Einzelpersonen, Unternehmen und Institute weltweit. Unter den Opfern sind Rüstungskonzerne, Telekommunikations- und Medienunternehmen sowie Bildungseinrichtungen. Besonders häufig verwendet Volatile Cedar einen Remote Access Trojaner namens Explosive. Das Hauptziel dieser Malware ist, sensible Informationen zu sammeln und Cyberspionage zu betreiben. Zusätzlich wurden eine File-Deletion-Funktion und ein Arbitrary Code Execution eingebaut.

AAEH/Beebone

Es handelt sich hierbei um Schadsoftware, die weitere Malware nachlädt. Darunter befinden sich unter anderem Password Stealers, Rootkits, gefälschte Antivirus-Programme und Ransomware. AAEH wird unter anderem über Netzwerke, bewegliche Datenträger oder .zip- und .rar-Dateien verbreitet. Die Schadsoftware ändert ihre Form, sobald sie einmal installiert wurde und verteilt sich mit großer Geschwindigkeit über das gesamte System. Sie stiehlt Zugangsdaten für Online-Services wie Bank-Accounts und erpressen mit Datenverschlüsselung Geld von den Betroffenen.

Wandlungsfähig wie ein Chamäleon: AAEH/Beebone.
Wandlungsfähig wie ein Chamäleon: AAEH/Beebone.
Foto: www.shutterstock.com - Andrew M. Allport

AAEH/Beebone wurde Anfang April 2015 in einer gemeinsamen Operation von Europol, den holländischen Behörden und dem FBI stillgelegt. Nach wie vor können die von Beebone infizierten Systeme Antivirus-Programme außer Kraft setzen, indem sie die Verbindung zu den IP-Adressen der Hersteller unterbrechen. Deswegen empfiehlt es sich, die infizierten Maschinen aus dem Netzwerk und die Infektion zu entfernen. Auf Shadowserver sind verschiedene Reparations-Tools erhältlich.

Simda

Das Simda Botnet ist ein Netzwerk von infizierten Computern. Malware aus diesem Botnet verbreitet sich selbstständig. Bereits 770.000 Geräte wurden weltweit angegriffen. Allein im Januar und Februar 2015 wurden 90.000 neue Beeinträchtigungen festgestellt - und das nur in den USA. Seit 2009 attackieren Cyber-Kriminelle einzelne Geräte mit Schwachstellen und infizieren sie mit der Simda-Malware. Diese leitet Benutzer auf schädliche Websites weiter und lädt zusätzliche Malware herunter.

Die Hacker steuern das kompromittierte System von außen und führen weitere Attacken aus oder verkaufen die Steuerung an andere Cyber-Kriminelle. Die Zugänge zur Systemsteuerung verändern sich stündlich. Sie sind somit für Anti-Viren-Programme schwer aufzuspüren und können frei im gehackten Netzwerk agieren. Einen kleinen Fortschritt gibt es jedoch: Im vergangenen April wurden in einer weltweiten Aktion zehn Kontrollserver in den Niederlanden stillgelegt. Weitere Erfolge wurden in den USA, Russland, Luxemburg und Polen erzielt.

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