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15.09.1989

Die Gefahr der elektronischen Manipulation sehen

Norbert Dähne, Bereichsleiter Transport und Verkehr des EDV Studio Ploenzke, Wiesbaden

Information - es ist das Zauberwort unserer Zeit. Wir wollen Informationen und grollen, wenn sie uns nicht rechtzeitig gegeben werden. Wir sind dankbar denjenigen, die uns die Informationen geben und leiden wie unter Liebesentzug, wenn uns Informationen vorenthalten werden. Manchmal stöhnen wir zwar über die Informationsflut, die auf uns niederprasselt. Aber wir tun uns im gleichen Atemzug schwer, Informationen links liegen zu lassen.

Was macht Informationen so wertvoll? Informiert sein bedeutet, Klarheit und Sicherheit haben über die Vorgänge, die sich um uns abspielen. Informationen bedeuten Wissen und Wissen bedeutet bekanntlich Macht. In der Informatik werden Informationen in Nullen und Einsen dargestellt. Dies sind eindeutig definierte Zustände, wie wir sie uns als Basis unserer Entscheidungen wünschen.

Betrachten wir jedoch unser tägliches Leben, also die Praxis, so bilden Gefühle und Stimmungen, Geheimnisse, Mystiken, Überraschungen, undurchsichtige Machenschaften und ständig wechselnde, komplexe Beziehungsgeflechte einen schier undurchdringlichen Dschungel. Natürlich sollen diese Elemente nicht aus unserem Leben verbannt werden. Sie sind unbestritten ein wichtiger Bestandteil unseres menschlichen Daseins. Aber in vielen Situationen wünschen wir uns doch exakte, genaue Informationen zur Vorbereitung, Durchführung und Absicherung unseres Tuns und Handelns.

Hier erhält nun der Computer, Synonym für Informatik und Datenverarbeitung, die herausragende Bedeutung als Hoffnungsträger und "Wunderwaffe". Mit Computern können wir Informationen bestens verteilen, verdichten, speichern, übertragen und vieles mehr.

Oft ist er jedoch zunächst einmal selbst wie ein undurchdringlicher Dschungel, auch wenn man als DV-Profi seine Innereien kennen müßte. Programme mit Spaghetti-Codes, riesige Datenbestände mit unbekanntem veralteten Inhalt, überraschende unauffindbare Fehler - dies ist der Stoff, aus dem die Alpträume manch eines frustierten Programmierers gemacht sind.

Aber dennoch: Die Informatik bietet die Möglichkeit, Dinge offenzulegen, analytisch zu erfassen, vergleichbar zu machen, und objektiv darzustellen. Die Folgerung: Wir wünschen uns die Hilfe des Computers. Er soll uns die Informationen geben, die wir im täglichen Leben dringend brauchen. Einige Beispiele: Wir wollen in Urlaub fliegen, gehen zum Reisebüro und dort flimmern in Sekundenschnelle die Flugverbindungen nach Amerika oder Asien auf dem Bildschirm. Wir erfahren, welche Hotels noch frei sind und was sie kosten, buchen direkt noch einen Theaterbesuch und vermerken auf der Anmeldung, daß wir bei Ankunft mit Sekt begrüßt werden möchten, da gerade unser Geburtstag sein wird.

Ein zweites Beispiel: Wir wollen ein Haus kaufen. Unser Makler selektiert mit Hilfe seines Computers alle in Frage kommenden Angebote. Für das passende Objekt wird über ein Baufinanzierungs-Analyseprogramm unsere Belastung ausgerechnet. Dabei werden auf Konditions- und Tarifdatenbanken die günstigsten Bedingungen für uns herausgesucht. Überall können mit Hilfe des Computers die für uns günstigsten Preis-Leistungsverhältnisse gefunden werden. Produkte werden mit Computerhilfe verglichen, das objektiv beste Angebot gewinnt.

Ergebnis: Der Markt wird transparenter, dem Kunden kann nicht mehr durch Verkäufertricks und Unwissenheit Geschäft aufgezwungen werden. Entscheidend ist nur noch die Qualität.

Traumhaft - nicht wahr? Der Dschungel lichtet sich. Wir, die privaten Endverbraucher, erhalten klare Antworten und optimale Lösungen.

Aber Datenverarbeitung kostet Geld, viel Geld - und meist mehr als wir, die Privatpersonen, besitzen. Die großen Unternehmen und Konzerne dagegen verfügen über die notwendigen Mittel, die Informatik für ihren Unternehmenserfolg einzusetzen. Und hier, in den Chefetagen, werden sicher andere Prioritäten für den Einsatz der Datenverarbeitung gesetzt!

Firmen versuchen, mit Computerhilfe ihre Leistungen zu erstellen und auch bei der Vermarktung zu unterstützen. Nicht die Transparenz ist gefragt, sondern das geschickte Darstellen der eigenen Angebote. Mit Computern werden endlose Werbebriefe produziert, die uns mit ungewollten, nichtssagenden Informationen überschütten. Mit Computern werden die Produkte und Kunden priorisiert, die den meisten Umsatz oder die höchsten Provisionen versprechen.

Auf einer Messe erklärte eine Studentin stolz, daß das von ihr demonstrierte Reservierungssystem die Angebote der unterschiedlichen Leistungsträger stets in veränderter Reihenfolge auf dem Bildschirm darstellen würde. Auf die Bitte, zweimal die gleiche Abfrage zu starten, um dies bestätigt zu bekommen, wurde die Dame aktiv und dann sehr verlegen. Beide Ergebnisse waren identisch: Das Produkt der eigenen Gesellschaft stand stets in der ersten Zeile am Bildschirm.

Wird also der Dschungel doch nicht verlassen? Wird weiterhin gehandelt und gefeilscht wie auf einem orientalischen Basar - nur in der Sprache der Elektronik?

Wir sollten die Gefahren der elektronischen Manipulation sehen. Wir sollten nicht in Computergläubigkeit verfallen. (Hier haben die DV-Leute selbst wohl die wenigsten Probleme, da sie die Unzulänglichkeiten nur allzu gut kennen.)

Aber wir sollten trotzdem guter Hoffnung sein, daß die Informatik und ihre neueren Anwendungen auch für uns persönlich hilfreich sein werden.

Es gibt mittlerweile eine Reihe von Firmen mit ganz neuen Dienstleistungen: Angebotsvergleiche aller Art werden computerunterstützt durchgeführt, Informationsanbieter sammeln und speichern Daten über Börse, Wirtschaft, Recht und vieles mehr. Ehepartnerschaften werden per Computer vermittelt. Selbst Expertenwissen kann schon ansatzweise vom Computer erworben beziehungsweise genutzt werden.

Mit dem Nutzen, den wir aus dem Computereinsatz auch im privaten Bereich langfristig ziehen, sollte ein Sprung in der Lebensqualität zu erzielen sein. Logische Ergebnisse sind schnell erzielbar beschaffbar und speicherbar, Entscheidungen werden sicherer, Bedürfnisse durch schnellen Zugriff unmittelbar befriedigt. Damit gewinnen wir Zeit - Zeit zur Entfaltung von Kreativität, Ideenreichtum, Phantasie und Künstlertum.

Meine Forderung: Schlagen wir eine Bresche durch den Urwald. Fordern wir von der Industrie die Anwendungen, die dem Endverbraucher wirklich nützlich sind. Seien wir vorsichtig und kritisch bei Versuchen, uns elektrisch zu manipulieren, aber akzeptieren wir das Angebot, Dinge objektiver und transparenter zu machen. Fordern wir die Informatik auf, uns aus manchem scheinbar undurchdringlichen Dschungel zu führen. Sie hat die Möglichkeiten, uns zu unterstützen und damit ein kleinwenig zu unserem Glück beizutragen. Wir als Informatiker sollten darauf achten, dieses Ziel bei unserer täglichen Arbeit im Auge zu behalten. Es ist eine lohnenswerte Aufgabe.