Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.


14.08.1992

"Die Geldgeber sind konservativer geworden"

Im September wird Gene Amdahl 70 Jahre alt. Seine nach ihm benannte Computerfirma hat er schon seit zwölf Jahren verlassen, doch aktiv ist er nach wie vor - "Ich fühle mich jung und immer noch erfinderisch". Vor einigen Jahren hat er sich eine weitere Firma im Bereich von Datensicherheit aufgebaut. David Rosenthal* sprach im Auftrag der CW mit Amdahl über Computerpioniere in der heutigen Zeit.

CW: Sind die Pionierleistungen von früher in der Computerbranche in der jetzigen Zeit noch möglich?

Amdahl: Alles, was neu ist, ist eine Erfindung. Der Raum für Kreativität hat keineswegs abgenommen, im Gegenteil, er ist größer geworden. Das zeigt sich doch an den vielen neuen Dingen, die jetzt kommen. Aber es ist schwieriger geworden, da man heute auf wesentlich mehr neue Entwicklungen achten muß als früher.

CW: Ist es heute schwieriger geworden, für eine neue Idee Geldgeber zu finden?

Amdahl: Das finanzielle Klima hat sich sehr stark verändert. Das gilt insbesondere für die Geber von Risikokapital. Diese verhalten sich heute sehr konservativ. Bevor ein neues Konzept nicht allgemein und auf breiter Basis als zukunftsweisend anerkannt wurde, bekommt man in der Regel kein oder zumindest fast kein Risikokapital. Sobald aber ein Kapitalgeber interessiert ist, dann spricht sich das schnell herum und auf einmal wollen sich alle beteiligen.

Da das natürlich nicht geht, versuchen jene, die nicht zum Zuge gekommen sind, ihr Glück eben mit der Gründung einer eigenen Firma nach dem gleichen Muster. Dadurch ist man schon von Anfang an der Konkurrenz der anderen Firmen ausgesetzt.

Das macht es schwer, einen finanziell erfolgreichen Start zu haben, solange der Markt für das neue Produkt noch nicht entwickelt ist.

CW: Was ist die Folge davon?

Amdahl: Jede Firma wird versuchen, mit der neuen Idee die potentiellen Kunden für sich zu gewinnen. Hat es jedoch nicht genügend davon, so werden die beiden über kurz oder lang über die Preise konkurrieren - bis zu einem Niveau, wo kein Gewinn mehr übrigbleibt. Dann gibt es sehr rasch eine große Flurbereinigung unter den Anbietern.

CW: Muß sich denn der kreative Unternehmer selbst um die finanziellen Dinge kümmern?

Amdahl: lm Grunde kann diese Aufgaben am Anfang niemand sonst übernehmen. Kapital bekommt man eben nicht, weil einer ein guter Finanzexperte ist. Man bekommt es nur, weil man eine Idee hat und die Investoren dazu bringt, an diese Idee zu glauben. Und es ist ja der Unternehmer selbst, der diese Idee hat. Deshalb muß er sich anfangs allein um die finanziellen Dinge kümmern. Später kann er natürlich qualifizierte Personen heranziehen und ihnen die Verantwortung übertragen.

CW: Wäre es dann ratsam, sich in seiner Firma künftig nur noch auf die technischen, kreativen Dinge zu beschränken?

Amdahl: Es gibt eine Sache, die lernt man in einem Unternehmen ziemlich schnell: Wer seine eigenen Ideen verwirklicht wissen möchte, der muß mindestens die Kontrolle darüber haben, wie die Produktpalette gestaltet werden soll. Will sich einer nur auf die technischen Aspekte beschränken, so würde er sehr rasch auf die Stufe etwa eines Designers verfrachtet und wäre der Firma fast nicht mehr nützlich.