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27.08.1976 - 

Modularprogramme für die Fertigungsplanung (Schluß)

Die Gewichtung des Anwenders ist entscheidend

"Brauchbar sind alle angebotenen Systeme - sie müssen nur konsequent eingesetzt werden", folgert Prof. Helmut K. Kernler, der sieben Modularprogramme für die Fertigungsplanung verglich: Die MDT-Systeme von Kienzle und Nixdorf (Infos), die Großrechner-Systeme von Siemens (ISI), Honeywell (Miacs), IBM (Pics), Sperry Univac (Unis 1100) und das hardwareunabhängige Programm IAA des Berliner Softwarehauses PSI (CW Nr. 33/34 vom 13. August 1976 "Investition, die hohe Rendite verspricht"). Bei der Auswahl eines geeigneten Systems müssen die einzelnen Aussagen allerdings entsprechend den Anforderungen des Unternehmens gewichtet und außerdem Wartung, Innovation sowie die Hersteller-Unterstützung berücksichtigt werden.

Die Steuerung der Produktion auf Grund der geplanten Daten, sollte nach Möglichkeit dezentralisiert werden, da die Datenerfassung zeitkritisch ist: Je schneller die Produktionsdaten erfaßt und zurückgemeldet werden, desto exakter kann geplant werden.

D 1. Auftragsfreigabe (Erstellen der Werkstattpapiere): PICS und UNIS prüfen die Materialverfügbarkeit vor der Auftragsfreigabe, Kienzle nach der Auftragsfreigabe; IAA prüft sogar auf Material-, Kapazitäts- und Vorrichtungsverfügbarkeit.

D 2. Verwaltung der Werkstattaufträge: Nur UNIS erstellt bei der Auftragsverwaltung standardmäßig Statistiken über Ausschuß, tatsächliche Durchlaufzeiten, Wartezeiten usw. Eine Rückkopplung zu den Planungsläufen ist bei allen angebotenen Modularprogrammen Sache des Benutzers.

D 3. Produktionsmittelverwaltung und Bestimmung der Auftragsreienfolge: Die Produktionsnmittelverwaltung ist bei IAA besonders detailliert gelöst: Nicht nur Maschinengruppen, sondern auch Vorrichtungen, Werkzeuge und Personal werden verwaltet.

-Fast alle Modularprogramme melden Ausnahmesituationen, die zu Produktionschwierigkeiten führen können. Im Gegensatz zu Abrechnungssystemen ist das Melden von Ausnahmesituationen bei Fertigungsplanungssystemen ein wesentliches Kriterium.

Manuelle Eingriffe sind normalerweise nur sinnvoll, wenn man den Rückbezug zu allen betroffenen Kundenaufträgen hat. Der Rückbezug zu den Kundenaufträgen ist für die Arbeit der Disponenten von großer Bedeutung - jede manuelle Änderung kann sofort auf ihre Betriebsauswirkungen untersucht werden. Dadurch sinkt das Risiko von Fehlentscheidungen. Bei ISI, MIACS, PICS und UNIS ist der Rückbezug zu allen Kundenaufträgen möglich, wird jedoch standardmäßig nicht angeboten.

Verschiedene Modularprogramme bieten zunächst den Rückbezug zu auswählten Kundenaufträgen.

Kennzahlen fehlen

Leistungskennzahlen für Modularprogramme sind bis jetzt noch nicht verfügbar. Nicht die Bereitschaft der Hersteller, sondern der Mangel an Meßmethoden ist daran schuld. Die verwendeten Softwaretechniken geben Anhaltspunkte über die Leistung der Modularprogramme:

ISI, PICS und UNIS kennen 4 Vorhersagemodelle. IAA enthält mehrere Alternativen für die Abstimmungsrechnung. ISI und PICS berechnen Sicherheitsbestände nach 3 Verfahren. Fast alle Modularprogramme kennen mehr als 3 Verfahren zur Lösgrößenbildung (statische und dynamische Verfahren). PICS hat wahlweise 4 verschiedene Lader bei der Kapazitätsterminierung. IAA verwaltet Werkzeuge, Vorrichtungen, Maschinen und Personal. ISI und PICS setzen Verbunddisposition, Rabattstaffeln und ähnliches bei Fremdbestellungen ein.

Als Anhaltspunkt für eine reibungslose Umstellung kann man die wahlweise Verwendung von Einzeldateien werten.

Verkettete Dateien vereinfachen den Änderungsdienst und reduzieren den Speicheraufwand. ISI ermöglicht für die Dispositionsdatei wahlweise die sequentielle und verkettete Verarbeitung, was der Laufzeiteinsparung dient.

Viele Modularprogramme sind auf Informationssysteme umstellbar. So läuft MIACS 66 mit IDS-erstellten Datenbanken, PICS mit IMS und UNIS mit DMS 1100.

Hier liegen die Stärken

Die Stärke von INFOS ist die terminalorientierte Kundenauftragsverwaltung und Globalplanung, wo jeder Kundenauftrag über einen Grobarbeitsplan als Belastung auf die Produktionsabteilungen übertragen wird. So ist der unmittelbare Zusammenhang zwischen Kundenaufträgen und Belastungsprofil ersichtlich.

ISI, MIACS, PICS und UNIS haben eine besonders gut konzipierte Bedarfs-und Bestellmengenrechnung mit Ein/Auslaufterminen, Gregorianischem Kalender, losgrößenabhängiger Durchlaufzeit usw.

Bei ISI ist die Variantenspeicherung hervorragend gelöst. Außerdem erfolgt die Material- und Kapazitätsermittlung simultan.

Bei MIACS erfolgt während der Disposition auch die Kapazitätsglobalplanung.

PICS hat 4 verschiedene Kapazitätsterminierungs-Programme zur Auswahl, wodurch die Anpassung an jede Unternehmensstrategie möglich ist.

UNIS verwendet DMS 1100 als Datenbasis. Dadurch sind alle Stamm- und Bestandsdateien vor versehentlicher Zerstörung gesichert.

Typische Einschränkungen

-Viele Modularprogramme erlauben keine uneingeschränkte Nummerung der Stammdaten. So ist oft vorgeschrieben, daß die Nummer des Arbeitsplans und die Teilenummer identisch sind, daß ein Teil nur einen Lagerort hat, daß der Kundenbedarf nach Teilenummern zu spezifizieren ist oder daß eine maximale Stellenzahl nicht überschritten werden darf.

-Die freie Wahl der Periodenlänge ist bei allen Modularprogrammen möglich. Einige Moduln arbeiten jedoch ganz ohne Periodenraster, wodurch die Flexibilität erhöht wird. IAA arbeitet im Bereich der Material- und Zeitwirtschaft nur mit einer Periode, wodurch die Laufzeit reduziert, aber der Zusammenhang zur langfristigen Planung vernachlässigt wird.

-Für den Rechenzentrums-Leiter ist der Laufrhythmus der einzelnen Moduln ein wichtiges Kriterium. Alle periodischen Läufe behindern die Flexibilität im Rechenzentrum. Bei UNIS können die einzelnen Läufe sogar vom Sachbearbeiter über das Terminal gestartet werden.

Einige charakteristische Merkmale, die den Anwender und seinen Arbeitsstil beeinflussen, sollen den Vergleich beschließen:

- Für die tägliche Arbeit sind Systeme zu bevorzugen, die nach einem manuellen Eingriff nicht den gesamten Planungslauf (der u. U. einige Stunden dauert) wiederholen, sondern nur die Veränderung durchspielen. So werden bei der Stücklistenauflösung nur diejenigen Baugruppen und Teile neu disponiert, die von einer Kundenauftragsstornierung betroffen sind.

MIACS plant überhaupt nur die Veränderungen, erstellt also keine neue Dispositionsdatei, sondern schreibt alle Änderungen fort.

Am elegantesten löst UNIS dieses Problem: Dort können alle Veränderungen eines jeden Programmlaufs nachträglich rückgängig gemacht werden.