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15.08.1997 - 

Finger weg von Kategorie-6-Kabeln

Die Glasfaser verdrängt das Kupfer in LAN-Nischen

Der Weg zur richtigen Verkabelung beginnt mit der Einplanung eines angemessenen Nutzungszeitraums. Thomas Simon, Geschäftsführer der Comconsult Beratung und Planung GmbH in Aachen, rät, die Nutzungsdauer der Infrastruktur auf 15 Jahre zu bemessen, da die angewandte europäische Norm EN50173, die von zehn Jahren ausgeht, heute wesentlich zu kurz greift. Bei einer Planung von 15 Jahren sei der Fortschritt im Bereich der IT-Technologie innerhalb des Unternehmens nachzuvollziehen. Außerdem empfiehlt der Berater, neben der Übertragung von Daten auch an die von Sprache und Video zu denken.

Differenzierter sieht Michael Rudolphi, Associate Partner bei der Andersen Consulting GmbH in Sulzbach, den Planungsansatz. Er rät, für die einzelnen Verkabelungsbereiche unterschiedliche Planungshorizonte anzustreben. Seiner Meinung nach wird der Grundsatz, daß Verkabelung und Gebäude eine ungefähr gleiche Lebensdauer haben, aufgrund von Teleworking, Telekooperationen und stagnierenden Märkten an Relevanz verlieren. Deshalb sollten Unternehmen bei der Gebäudeverkabelung von folgenden unterschiedlichen Zeithorizonten ausgehen:

-Verteilerräume und Kabelwege: 20 bis 50 Jahre; signifikante Veränderungen sollten nur zusammen mit grundlegenden Umbauten oder Renovierungen erfolgen.

-Sekundärverkabelung (Steigleitungsbereich) und aktive Komponenten: fünf bis zehn Jahre.

-Tertiärverkabelung (Arbeitsgruppenbereich) und passive Komponenten: zwölf bis 20 Jahre.

Während im Backbone- und zunehmend auch im Sekundärbereich der Einsatz von störungsunanfälliger Glasfaserverkabelung unumstritten ist, da über Kategorie-5-Kupferkabel (100 Megahertz) nur Entfernungen von maximal 100 Metern überbrückt werden können, sieht es im Bereich der Arbeitsgruppen anders aus. Hier spitzt sich der Marktkampf zwischen Kupferkabel und Glasfaser zu.

Der vermeintlich höhere Preis der Glasfaser gegenüber Kupferkabel ist heute kein Verkaufsargument mehr. Die Verlegung von Glasfaser ist nur noch geringfügig teurer als die von Kategorie-5-Kabeln. Alles scheint also für die Glasfaser zu sprechen, da ein Planungszeitraum von 15 Jahren bezogen auf Kategorie-5-Komponenten in den meisten Unternehmen zu kurz greift. Davon sind zumindest die Analysten der Gartner Group überzeugt, die der Kategorie-5-Verkabelung nur noch eine Lebensdauer von sieben bis maximal zwölf Jahren einräumen.

Doch mit dem Ende der Kupferära wollen sich viele Hersteller nicht abfinden und locken die Anwender mittlerweile mit Kategorie-6-Komponenten. Die Offerte klingt vielversprechend: 300 Megahertz (Klasse E) beziehungsweise 600 Megahertz sollen über eine solche Verkabelung realisierbar sein. Wird das Signal um Faktor vier bei 300 Megahertz und den Faktor zwei bei 600 Megahertz codiert, versprechen die Anbieter Geschwindigkeiten auf Kupferleitungen von 1,2 Gbit/s.

Experten raten jedoch zur Zurückhaltung, da bisher die dringend erforderliche Standardisierung für Kategorie 6 noch in weiter Ferne liegt. Weil die verfügbaren Produkte lediglich ein Vorgriff auf einen möglichen Standard sind, fehlt es Rudolphi zufolge an den Zertifizierungen für die entsprechenden Verkabelungssysteme. Da die Übertragungsqualität aber nicht nur durch die Verkabelungskomponenten, sondern auch durch die Verlegung selbst determiniert werde, sei der Anwender auf diese Zertifizierungswerte dringend angewiesen.

Wer sich dennoch für Kategorie 6 entscheidet, sollte nach Ansicht von Insidern allenfalls die langsamere 300-Megahertz-Variante wählen und in diesem Fall vom Kabel über die Dosensysteme bis hin zu den Patch-Feldern nur Komponenten eines Herstellers einzusetzen. Bei dieser hohen Frequenz erweisen sich die Zusatzkomponenten anderer Hersteller nämlich schnell als das schwächste Glied in der Verkabelungskette.

Es deutet also vieles darauf hin, daß sich das Einsatzpotential von Kategorie-5-Kupferkabel mittelfristig erschöpfen wird. Für Unternehmen ist es deshalb an der Zeit, über den Einsatz von Glasfaser bis zu den Endgeräten nachzudenken. Spätestens mit Gigabit Ethernet, so der Tenor in Fachkreisen, dürfte das Potential von Kupfer endgültig ausgereizt sein, zumal viele Argumente für den Einsatz der Glasfaser sprechen:

-geringe Dämpfung und damit größere Vermittlungsabstände,

-große Bandbreite und damit hoher Durchsatz,

-galvanische Trennung von Sender und Empfänger und damit keine Überlagerung von Signalen,

-Unempfindlichkeit gegenüber elektromagnetischen Störungen und damit niedrige Fehlerrate und hohe Netzverfügbarkeit,

-kleine Kabeldurchmesser und damit wenig Gewicht und geringer Platzbedarf sowie

-ein geringerer Energiebedarf und damit niedrigere Betriebskosten.

Trotzdem gibt es immer noch Gründe, die dem Einsatz von Glasfaser im Arbeitsgruppenbereich entgegenstehen, zum Beispiel die mangelnde Universalität, also die Möglichkeit, darüber auch die analoge Telefonie sowie Terminalanbindungen abzuwickeln. Diese Universalität läßt sich jedoch, wenn auch mittelbar, ebenso über Glasfaser erreichen, freilich zu höheren Anschlußkosten. Die zusätzlichen Ausgaben halten sich mittlerweile aber langfristig gesehen in einem verträglichen Rahmen.

Rund 30 bis 50 Mark kostet die zusätzliche Schwachstromversorgung pro Anschlußdose, sofern sie nicht bereits vom Hub-System geliefert wird. 150 bis 300 Mark müssen zudem pro Anschlußdose für einen elektrisch-optischen Wandler kalkuliert werden. Auf den ersten Blick sind das immer noch erhebliche Mehrkosten; doch setzt man sie ins Verhältnis zur Nutzungsdauer des Verkabelungssystems von rund 15 Jahren, dürften sie ins Budget der meisten Unternehmen passen.

Mit der richtigen Verkabelungsstruktur und Glasfaser in den Arbeitsgruppen kann ein Unternehmen zudem erhebliche Kosten einsparen, wenn es statt auf die klassische Dreiteilung in Primär-, Sekundär- und Tertiärbereich gemäß EN50173-Norm (siehe Abbildung auf Seite 21) auf die Zwei-Ebenen-Hierarchie des Collapsed Backbone (siehe Lexikothek) setzt. Weil in diesem Fall die Endgeräte auf den Etagen direkt mit dem Gebäudeverteiler verbunden sind und ein zentrales Router-System die Kommunikationsströme im lokalen Netzwerk steuert, müssen auf den einzelnen Etagen keine Verteiler, Hub- und Router-Systeme mehr verwendet werden. Laut Experten sind durch diese Einsparung die Mehrkosten für die Anschaltelektronik auf der Anschlußseite vollständig zu kompensieren, was sich besonders in mehrstöckigen Gebäuden bezahlt macht. Bezieht man nämlich den Wegfall der Etagen-Router mit in die Kostenrechnung ein, kann die Collapsed-Backbone-Lösung mit Glasfaser in den Arbeitsgruppen sogar kostengünstiger sein als die Kategorie-5-Alternative.

Der Collapsed Backbone erspart jedoch nicht nur erhebliche Kosten. Er ist darüber hinaus aufgrund seiner flacheren Infrastruktur die zeitgemäßere Lösung für die Unternehmen, wo durch den Einsatz von Switch-Systemen und virtuellen LANs zunehmend flache Architekturen gefordert sein werden. Er wird von allen wichtigen Anbietern favorisiert.

Die klassische Verkabelungsstruktur nach EN 50173 hat Branchenkennern zufolge einen weiteren Nachteil: Bei dieser Drei-Ebenen-Hierarchie fehlen die Normvorschläge, um innerhalb der passiven Infrastruktur redundante Strukturen aufzubauen.

Abschließend stellt sich noch die Frage nach der richtigen Anschlußdichte bei der Verkabelung. Hier gehen die Empfehlungen der Anbieter weit auseinander. Sie reichen von zwei bis vier Anschlüssen pro Arbeitsplatz.

Comconsult rät bei Kupferverkabelung in den Arbeitsgruppen, für zwei Arbeitsplätze drei Hoch-Niederfrequenz-Kombinationen vorzusehen, also drei Anschlüsse je Desktop. Sparsamer können die Anschlüsse in Glasfasertechnik ausfallen. Künftig wird es sicher möglich sein, daß eine Arbeitsstation über einen passiven Anschluß auf alle Dienste zugreift. Die Einrichtung von zwei Fasern pro Arbeitsplatz reicht dann aufgrund der hohen Bandbreite der Glasfaser völlig aus.

Tips zur Zertifizierung

Bei der Zertifizierung des Verkabelungssystems sollten folgende Punkte beachtet werden:

-Nur einen Anbieter auswählen, der mindestens zehn Verkabelungsreferenzen mit Messungen im Feld aufweisen kann.

-Nur Produkte kaufen, die den Test Electromagnetic Compatibility erfolgreich bestanden haben und ein entsprechendes Label der CE (Communauté Européenne) tragen.

-Vorab auf eine Testinstallation des Verkablers in einem begrenzten Bereich bestehen, in dem elektromagnetische Störeinflüsse am ehesten auftreten und auf ausgiebige Messungen im Feld drängen.Quelle: Gartner Group

Tips zur Dokumentation

Bei der Verkabelung empfiehlt sich eine vollständige Dokumentation aller installierten Strecken, in der dann folgende Daten ausgewiesen sein sollten:

- verwendetes Meßgerät (Typ und Seriennummer),- Datum und Uhrzeit der Messung,- Einstellungen des Meßgerätes (NVP, Frequenzbereich, etc.),- Kabelstreckenbezeichung,- Meßergebnisse sowie- Firma und Techniker, die die Messungen im einzelnen vornehmen. Quelle: Wavetek GmbH

Tips zur Messung

Der Anwender trifft bei der Kategorie-5-Verkabelung nach EN 50173 heute bereits auf Grauzonen in der Zertifizierung. Die bloße Vorgabe einer Kategorie-5-Verkabelung gemäß dem deutschen DIN-Standard EN 50173 Class D-Link reicht nicht aus. Denn verbindliche Meßtechniken innerhalb dieser Standards wurden bis heute nicht definiert. Deshalb sollten Unternehmen bei der Zertifizierung des Verkabelungssystems darauf bestehen, daß in den Meßgeräten nach der Spezifikation TSB 67 Level II gearbeitet wird - eine Norm, die zumindest im Draft vorliegt. Darüber hinaus sollten folgende Messungen verbindlich festgeschrieben werden:

- Verdrahtungsplanmessung,- Längenmessung (maximal 90 Meter beziehungsweise 100 Meter),- Kapazitätsmessung (maximal 56pF/Meter),- Dämpfungsmessung (maximal 23,2Dezibel 100Megahertz),- beidseitige Nahnebensprechdämpfung (mindestens 24 Dezibel 100 Megahertz),- Abstand zwischen Nahnebensprechdämpfung und Signaldämpfung = ACR (mindestens 4 Dezibel),- Rückflußdämpfung (mindestens 10 Dezibel 100 Megahertz),- Gleichstromwiderstand (maximal 40 Omega),- Impedanzmittelwert (Wechselstromwiderstand) des Kabels und der Verbindung im Zusammenspiel (100 Omega + 15 Omega ) sowie- Laufzeitmessung (maximal 0,9 Mikrosekunden)Quelle: Wavetek GmbH

*Sven Bevermann ist freier Journalist in Bad Camberg.