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Lucent will Herstellung optischer Leiter ausbauen


07.04.2000 - 

Die Glasfaserproduktion ist die Grundlage für schnelle Datentransfers

AUGSBURG (ave) - Für die breitbandige Datenübertragung sind Lichtwellenleiter unverzichtbar. Sie können Daten mit Geschwindigkeiten von bis zu mehreren Gigabit pro Sekunde befördern. Doch wie entstehen die Spezialkabel? Ein Besuch in einem Kabelwerk bringt Licht in die Angelegenheit.

Wenn von Lucent Technologies die Rede ist, denken viele zunächst an Telefonanlagen, Switches oder die Ideenschmiede Bell Labs. Dass das Unternehmen auch Glas herstellt, wissen nur wenige. Genau darauf aber gründet sich ein zunehmend wichtigerer Zweig der Company: Die eigene Glaserzeugung ist die Grundlage für die Produktion von Lichtwellenleitern, die Datenübertragungen in atemberaubender Geschwindigkeit erlauben.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Glasproduzenten setzt Lucent keinen natürlichen Quarzsand als Ausgangsstoff bei der Produktion ein. Walter Ehmer, Leiter von Lucents Glasfaserfabrik in Dänemark, erklärt, dass dieser Rohstoff für die Herstellung der optischen Übertragungsbahnen viel zu unrein ist. Daher produzieren die Spezialisten des Unternehmens im Labor ihr eigenes, synthetisches Quarz. Dieses dient als Grundlage für die Fertigung eines Glasblocks, der Pre- oder Vorform, die in einem dreißig Meter hohen Turm dann zu einer fast haarfeinen Faser gezogen wird. Schon während dieses Prozesses wird das empfindliche Material mit Kunststoff ummantelt, um es vor Beschädigung zu schützen, und nach dem Abkühlen gleich aufgespult.

Weltweit betreibt Lucent mehrere Fabriken, in denen aus diesem Zwischenprodukt dann spezielle Kabel wie der Hohlader-Lichtwellenleiter "Midia" hergestellt werden. Midia kann trotz seines geringen Durchmessers von nur 13 Millimetern bis zu 144 einzelne optische Leiter enthalten, die jeweils über eine theoretische Übetragungskapazität von 40 Gbit/s verfügen. Midia-Kabel eignen sich Lucent zufolge vor allem für den Aufbau von Weitverkehrsnetzen und den Einsatz in Stadtnetzen. Über Druckluftinstallation lassen sich solche Kabel in bereits verlegte Kabelkanäle pressen. Diese Methode ist wesentlich billiger als das Neuverlegen einer Kabeltrasse: Schlägt Letzteres im Durchschnitt mit rund 150 Mark pro Meter zu Buche, entstehen beim Einblasen wesentlich geringere Kosten von etwa 2,50 Mark pro Meter.

Die Herstellung eines Glasfaserkabels beginnt mit der Einfärbung der Kunststoffumhüllung. Dies hat den einfachen Grund, später das Verbinden der zueinander gehörigen Leiter zu erleichtern. Anschließend werden mehrere derart vorbehandelte Glasfasern innerhalb einer sie umgebenden Schutzschicht zusammengeführt. Die Leiter liegen jedoch nicht völlig dicht in dieser Hülle - der Zwischenraum wird mit einer gelartigen Masse gefüllt, um die Glaskabel vor Stößen und anderen Belastungen zu schützen.

Dies geschieht am Anfang einer mehrere hundert Meter langen Produktionsstraße. In ihrem weiteren Verlauf werden den Kabeln unter anderem ein Stützelement, diverse Zugentlastungsschichten, je nach Anforderung verschiedene Armierungen (etwa gegen Nagetierbiss) und abschließend eine Kunststoffummantelung hinzugefügt. Am Ende der Produktionsstraße werden die im Schnitt sechs Kilometer langen Kabel auf hölzerne Trommeln aufgerollt.

Obwohl die Produktion mit großer Sorgfalt erfolgt, werden alle Leiter einer abschließenden Kontrolle unterzogen. Neben Kälte-, Hitze- und Stresstests - schließlich sollen die Kabel 25 Jahre halten - überprüfen die Mitarbeiter der Qualitätssicherung jede einzelne Glasfaser auf ihre Übertragungseigenschaften.

Die Glasfaserkabelproduktion spielt für Lucent eigenen Angaben zufolge eine bedeutende Rolle. Das Unternehmen investiert in diesem und den beiden nächsten Jahren eine Milliarde Dollar in diesen Bereich. Diese Finanzspritze soll dazu beitragen, die Produktion bereits im Jahr 2000 um 60 Prozent zu erhöhen. Damit will der Hersteller der rasanten Entwicklung in diesem Bereich Rechnung tragen: Analysten gehen davon aus, dass der Markt für Glasfaserkabel dieses Jahr um etwa 25 Prozent wächst.