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20.09.1996 - 

DV und Umwelt/

Die größten Gewinner setzen auf Umweltschutz

"Umweltschutz, ein Unternehmensziel", lautet das Credo von SNI. Das Paderborner Unternehmen ist ein Umwelt-Vorreiter der Branche, die sich, im weitesten Sinne, mit IuK-Technologien befaßt - vom Papier bis zum Drukker, vom Kabel bis zum Fernseher. Doch das Denken vieler in institutionellen, oftmals historisch begründeten, produktbezogenen, nur gewinnorientierten Kategorien verhindert ein Bewußtsein aller für alle - egal, in welcher Branche wer was wann für wen zu welchem Zweck herstellt, vertreibt, anwendet, verwertet oder entsorgt. Typisches Beispiel ist die Vielzahl an Zeichen, die, auf diversen Geräten angebracht, unterschiedlichsten Anforderungen genügen.

Blauer Engel auf Höhen- oder Sturzflug?

Deutschland gilt als der Initiator in Sachen Umweltschutz. Bereits 1977 wurde hierzulande das "Umweltzeichen", salopp als "Blauer Engel" bezeichnet, eingeführt. Zeicheninhaber ist das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Sämtliche technischen Anforderungen für eine bestimmte Produktgruppe werden seitens der "Jury Umweltzeichen" beschlossen. Jüngstes Beispiel im Bereich IuK-Technologien sind die Vergabegrundlagen für das Umweltzeichen "Drucker" mit der Umschrift "weil emissionsarm und recyclinggerecht konstruiert". Mit der Vergabe selbst ist der RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnungen e.V., Sankt Augustin, befaßt.

Ende dieses Jahres sollen die ersten Blauen Engel den Absatz von Druckern beflügeln. Zweifel sind angebracht, denn das weltweit älteste Umweltzeichen kennt noch längst nicht jeder deutsche Verbraucher, obgleich es mittlerweile 5000 Produkte ziert. Zudem entrichtet jeder Antragsteller - neben einer einmaligen Gebühr von 300 Mark sowie dem jährlichen, umsatzabhängigen Obolus zwischen 350 und 3980 Mark - Gebühren in Höhe von 20 Prozent des Jahresbeitrages für den "Werbefonds".

Auf Kopiergeräte mit dem Blauen Engel stößt man inzwischen oft. Agfa, Canon, Develop, Infotec, Kodak, Konica, Lanier, Minolta, Mita, NRG, Océ, Olympia, Panasonic, Rank Xerox, Ricoh, Toshiba und Utax haben insgesamt 128 Verträge mit dem RAL geschlossen. Der erste Blaue Engel für "umweltgerecht konstruierte Arbeitsplatz- Computer" mit der Umschrift "weil langlebig und recyclinggerecht" prangte 1994 auf dem "Öko-PC" von SNI. Inzwischen erfüllen viele Hersteller die Kriterien des RAL-UZ 78 (UZ = Umweltzeichen) für Monitore, Rechner oder Tastaturen. Sonys Umweltmanagerin Renate Augustynak meint auf die Frage, warum Sony-Monitore das deutsche Umweltzeichen nicht trügen, das Label beinhalte nicht sämtliche umwelt-relevanten Aspekte, und Sony erfülle die US-amerikanischen, schwedischen, japanischen und deutschen Normen. Weder der Amerikaner, noch der Schwede, noch der Japaner, nicht einmal jeder Deutsche kenne den Blauen Engel. Dagegen kennt man in Deutschland vermutlich die schwedischen TCO- und MRP-Standards für Strahlungsarmut sowie den amerikanischen "Energy Star" zur Energieeinsparung.

Die bunte Blume der Europäischen Union

Entsprechende Erkenntnisse sammelte auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND: Seit drei Jahren püft man hier Tastaturen, Monitore und Rechner nach 28 Kriterien, die über die diversen Vorgaben weit hinausgehen. Bis vor kurzem sah die Industrie rot, wenn sich die Grünen meldeten. Heute wirbt die SNI damit, daß 1995/96 ihre Produkte Gewinner des Öko-Rankings des BUND waren.

Die EU-Blume wurde 1992 kreiert. Die Auszeichnung soll, nach Artikel 1 der EG-Verordnung 880/92, vergeben werden für Umweltfreundlichkeit des gesamten "Lebenszyklus" eines Produkts.

Ende 1993 trugen die ersten britischen Waschmaschinen das EU- Zeichen seit Juni dieses Jahres können sich auch Bettwäsche und T-Shirts mit Blumen schmücken. Zum Arbeitsalltag eines IT-Nutzers könnten "geblümte" Energiesparlampen und demnächst Kopierpapier gehören, sofern sich Hersteller um das Emblem bemühen Haushaltsbatterien werden folgen. Kostenintensiv sind nicht die Gebühren, sondern der Nachweis der erfüllten Kriterien.

Seit letztem Jahr wird der "ECO-Kreis", das Umweltprüfzeichen des TÜV Rheinland, gehandelt. Bisher tragen Acer- und Tandberg- Monitore das Label. Für Stephan Scheuer vom TÜV entspricht nur dieses Zeichen dem am 7. Oktober in Kraft tretenden Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrW-/AbfG). Die 5000 bis 7000 Mark, die zu bezahlen sind, "sofern die Standardsachen erfüllt sind" - vor Antragstellung versteht sich - seien nur "Minimalkosten". Wieviel noch hinzukäme, "hängt von den notwendigen Tests ab". Maya Panconcelli-Calzia, Environmental Project Manager bei der deutschen Tochter der Acer-Taiwan, hatte sich, unter anderem aufgrund des hohen Bekanntheitsgrades des TÜV, eine "höhere Marktdurchdringung" der Produkte mit ECO-Kreis erhofft. Diese Erwartung habe sich jedoch "nicht bestätigt". Sie werde "kein Gerät nachzertifizieren lassen".

"Die Elektronikindustrie macht zur Zeit eine Transformation in Richtung auf eine umweltfreundliche Industrie durch." Diese Feststellung trifft Dietrich Wienke, Projektmanager im Environmental Center Europe von Sony. Seit April darf sich der Mainzer Produktionsbetrieb von IBM mit der Plakette "EG-System für das Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung" - auch "EU- Öko-Audit" genannt, schmücken. SNI unterstützt die praktische Umsetzung der Verordnung unter anderem mit der Software "Audit". Die jüngste Zertifizierung erhielt am 1. August 1996 Sony Deutschland. Die Kölner hatten den Nachweis erbracht, daß das am Standort eingeführte und angewandte Umweltmanagementsystem die Forderungen der internationalen Norm ISO/DIS 14001 erfüllt.

Wer sich auf der CeBIT Home seinen Weg durch eine Unmenge von Hochglanzprospekten, Coladosen und Bonbonpapieren gebahnt hatte, konnte Inhalte bei Chancen 2000 in der Ausstellergruppe "Umwelt & Ethik" finden. Hier ging es nicht um Labels, sondern ums Bewußtmachen. Volker Fischer, PR-Berater bei SNI, stellte die CD- ROM "Umwelt macht Schule" vor, die jedem Lehrer einen leichten Weg zur Umwelterziehung der Schüler aufzeigen soll. Stolz verweist das Unternehmen auf den "Umweltpreis des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltmanagement (B.A.U.M.)", den der SNI- Umweltschutzbeauftragte Alois Hampp 1995 erhielt.

Bei Chancen 2000 führte der B.A.U.M. den "Umwelt-Check für den Haushalt" vor. Ursula Ilg rückt ihre letzte, von IBM und AEG Hausgeräte gesponserte CD-ROM heraus. "Sie investieren knapp 50 Mark und sparen schnell einen Tausender, wenn Sie die Tips beherzigen", meint die für Umweltförderung zuständige IBM-Dame. Je nach Ausstattung kann die Summe auf das Doppelte steigen - fatale Aussichten für so manchen Produzenten, würde auch nur ein Prozent aller deutschen Haushalte den Check durchführen.

Edelschrott - markiert und dennoch verachtet

"Wohin mit Maus, Tastatur, Modem, Monitor oder Rechner?" fragen wir eine Mitarbeiterin des städtischen Umweltladens inmitten der Millionenstadt München. "Auf den Sperrmüll", lautet die lapidare Antwort. Doch diese Geräte sind nicht "sperrig", sie passen bequem in die Tonne des Wohn- und Geschäftshauses nahebei, in der der Müll seit wenigen Monaten nach Papier und Nichtpapier getrennt werden kann. Weich gebettet in Biomüll, stirbt der Blaue Engel, der auch für Recycelfähigkeit steht. Sein "Haar" - aus Platin, Gold oder Kupfer - wird vergeudet.

Um die Ecke setzt Günter Wildner, Geschäftsführer der Antares Computerhandels-GmbH, voll auf Dienstleistung. Seine Erfahrungen: "Das Umweltwissen ist gleich Null. Weder Industrie noch Privatanwender fragen nach dem Blauen Engel, niemand kennt den ECO-Kreis." Nach einer Studie von Tulip rangiert das Entscheidungskriterium "Umwelt" beim Kauf eines PCs nur auf Platz 14. Die für das Recyceln der Altgeräte anfallenden Kosten übernimmt Antares und schickt die Geräte durch halb Deutschland. Eine neue Chance bietet sich dem Händler seit Juni dieses Jahres mit einer Annonce bei "Waris", dem SNI-Marktplatz im Internet, der die Kreislauf- und Abfallwirtschaft optimieren soll.

Ein Zeichen kann jeder setzen

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Die Pressemitteilungen der Umweltministerin erscheinen mit vierfarbigem Logo, zirka 50mal im Jahr seit kurzem werden auch die Presse-Informationen des Forschungsministers bunt und doppelt so häufig publiziert. In drei Sekunden ist eine Druckseite überflogen, der Zettel wird "entsorgt", eventuell archiviert. Was, wenn sämtliche Redakteure und Journalisten die Presse-Infos demnächst papierlos nur noch via Modem oder ISDN-Karte, per Fax oder E-Mail auf ihren PC holen? Warten, bis das farbige Logo erscheint? Wohl kaum.

Beispielsweise fragten viele Abonnenten der COMPUTERWOCHE, nachdem im Frühjahr 1996, im Zusammenhang mit der Umstellung auf ein neues Layout, der Zusatz "gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Altpapier" entfallen war, ob man nicht mehr umweltbewußt handele.

Sie konnten beruhigt werden: Der Verlag setzt in Sachen Papier weiter auf PIUS, den produktionsintegrierten Umweltschutz, ebenso wie es inzwischen viele andere Unternehmen auch tun, ohne ein großes Aufheben davon zu machen selbstverständlich ist das allerdings noch nicht.

Auch bei IBM oder SNI ist PIUS König. Hatte eine SNI-Tastatur vor zehn Jahren noch 155 Bauteile, reichen heute sechs Teile aus statt ehemals 1,8 Kilo wiegt ein Keyboard heute 750 Gramm. IBM senkte den Energie-, Wasser- und Chemikalienverbrauch bei Herstellung einer Magnetplatte innerhalb von drei Jahren um 50 Prozent.

CeBIT: Das Stichwort "Umweltschutz" fehlte

Auf der CeBIT Home suchte man im elektronischen Katalog der Deutschen Messe AG vergebens nach dem Stichwort "Umwelt". Und das an dem Standort, an dem anläßlich der EXPO 2000 der Welt gezeigt werden soll, daß die "Agenda 21", die Umweltvorgaben von Rio, ernst genommen wird, so ernst, daß die zirka 170 erwarteten Nationen ihre Exponate nur ausstellen dürfen, wenn sie mit der allseits geforderten "nachhaltigen Entwicklung" in Einklang stehen. Doch die Tatsache, daß wir am letzten Tag der Fun-Messe, unangemeldet kurz vor Toresschluß, bei Weltfirmen auf kompetente Umwelt-Experten stießen, zeugt von ausgeprägtem Umweltbewußtsein derer, die auch die größten Gewinner am Markt sind - mit Umweltschutzzeichen oder ohne.

Die Münchner Systems im Oktober 1996 läßt hoffen: Das Stichwort "Umweltschutz" ist hier gegeben.

Vielleicht bringt das im Dezember 1995 gebildete Technical Committee TC38 der 1961 in Genf zum Zweck der "Standardisierung von Informations- und Kommunikationssystemen" gegründeten ECMA Licht in den Dschungel der Zeichen und Chiffren und der chaotischen und undisziplinierten Streitereien in konkurrierenden Verbänden um den "blondesten Engel". In einer kleinen Gruppe wollen dort die weltweit führenden IuK-Technokraten und Unterhaltungsprofis erstaunlicherweise zusammenarbeiten. Ziel des hochkarätigen Genfer Komitees ist eine Gebrauchsanleitung für jedes elektronische Gerät, aus der alle umweltrelevanten Parameter, produktbezogen, inklusive der Meßmethoden, hervorgehen. Zur Zeit werden Standards formuliert - von der Auswahl der Rohstoffe über den Produktionsablauf bis zur Entsorgung. Weitere Infos enthält die Internet-Seite http://www.ecma.ch.

Umwelt-Termine

Am 25. Oktober 1996 stellt die AG Cycle unter Vorsitz des 3M- Umweltbeauftragten Hans A. Korfmacher in Frankfurt/Main das "Cycle-Modell", den "ökologischen und ökonomischen Ansatz für die optimierte Verwertung gebrauchter IT-Geräte", zur Diskussion. Christoph Hecker vom Fachverband Informationstechnik im VDMA/ZVEI hofft, bei diesem Anlaß endlich alle zirka 300 Recycel-Firmen und -Verantwortliche aus den 16 Bundesländern, die, trotz aller Zeichen, Rücknahme und Verwertung nach völlig unterschiedlichen Konzepten gestalten, auf eine gemeinsame Linie einzuschwören. Informationen beim VDMA, Tel.: 069/6603-1572, Fax: 069/6603-1510, E-Mail: S.Brosefvit-eurobit.de.

"Care Innovation '96" lautet der Titel des Frankfurter Symposiums (18. bis 20. November 1996), das Sonys Europa-Umweltmanager Dietrich Wienke organisiert und mit den Organisatoren der EXPO 2000 veranstaltet. Besetzt mit den Top-Umweltmanagern der internationalen Elektronik-Szene, soll es unter anderem der Bestandsaufnahme "öko-effizienter Konzepte" dienen. Parallel dazu hat jeder Teilnehmer - vom Hersteller bis zum Behördenchef - die Gelegenheit, grenzüberschreitende Umweltkontakte zu knüpfen. Wolf- Eberhard Schiegl, Leiter Umweltschutz bei der Siemens AG, sieht in seinem Konferenzbeitrag "die Möglichkeit, in der Öffentlichkeit darzustellen, was die elektronische Industrie zu leisten vermag". Auch er hofft im übrigen auf internationale Standards gegen die "Inflation der Zeichen". (Informationen bei Sony Deutschland, Tel.: 07 11/58 58-308, Fax: 07 11/5 78 98 33 )

Angeklickt

Die elektronische Industrie, ob der Information, der Kommunikation oder der Unterhaltung dienend, ist im Vergleich zu anderen Branchen dafür prädestiniert, umweltverträgliche Maßstäbe zu setzen. Die für diesen Wirtschaftszweig typische Miniaturisierung und Virtualisierung führen zu immer mehr Leistung bei immer weniger Material- und Energieverbrauch, sowohl was die Herstellung als auch den Gebrauch betrifft, und damit zur Schonung der Ressourcen. Die Branche beugt Umweltschäden vor, da sie erkannt hat, daß dies - auch mit Blick auf die Kosten - effizienter ist als ein späteres Regenerieren. Labels allein schaffen noch keine Aktion. Erst dann, wenn jeder einzelne in seinem Umfeld entsprechend den Zeichen handelt, die die IT-Branche setzt, gibt es eine Überlebenschance. In Deutschland existieren laut VDMA 4,4 Millionen PCs, doch es wird immer "nur eine Umwelt" geben.

Öko-Check

Ob der PC umweltverträglich ist, entscheidet nicht allein die Vergabe des Blauen Engels. Acer zum Beispiel errang Platz zwei beim BUND - Ausdruck eines "überdurchschnittlichen Umwelt- Engagements". Insgesamt zeigt die BUND-Liste umweltbewußtes Handeln. 50 Prozent der Produkte bekamen grünes Licht, nur bei vier Herstellern sah man rot aufgrund gravierender Ökomängel. Strahlungsarmut nach MPR II und TCO beziehungsweise nach TCO 92 oder 95 ist Standard. In den Energiesparmodus lassen sich die geprüften Monitore beziehungsweise Rechner, meist gekennzeichnet durch den "Energy Star" der USA, ebenfalls versetzen. Nur ein Hersteller hatte keine Kunststoffkennzeichnung nach der ISO-Norm, einem wesentlichen Kriterium für sortenreines Trennen nach Gebrauch.

*Gerda von Radetzky ist freie Journalistin in München..