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21.01.1977

"Die Groß-EDV ist zu weit weg"

* Die Lager- und Materialflußsteuerung bei Schott-Zwiesel wird mit einem autonomen Prozeßrechner, einer PDP-11/10 von Digital Equipment, bewältigt. Für diese "Insellösung" ist ein eigens geschaffener Bereich "Technische Dienste" verantwortlich, der wiederum dem technischen Vorstand, also Ihnen, unterstellt ist - eine Lösung, die man (zumindest hierzulande) keineswegs als "konventionell" bezeichnen kann.

Sie ergibt sieh aus der Aufgabenstellung heraus: Material- und Lagerwirtschaft werden nun mal von der "Technik" bestimmt Überdies gibt es bei uns kein Spannungsfeld zwischen der "kommerziellen" Datenverarbeitung und dem - wie ich ihn nennen möchte - "Ingenieurbereich"; was sich mit der Philosophie unseres Unternehmens erklären läßt: Das praktische Denken und Machen hat einen hohen Stellenwert bei uns.

* Diese Anwendung hätte doch auch über den bei Schott installierten Universalrechner- Siemens 7730 abgewickelt werden können - zumal ja für die Lagersteuerung keine Online-Lösung gewählt wurde.

Es ging uns vor allem darum, möglichst schnell, "Vorposten", saubere, präzise Lösungen (anwender-orientierte vor allem) für in sich geschlossene Bereiche wie beispielsweise das Lager, zu schaffen. Das erfordert die besondere Situation des Unternehmens: Wir operieren direkt am Endverbraucher und unsere Kunden sind in bezug auf unsere Lieferfähigkeit extrem sensibel. Die Kleinmengen-Distribution hätte uns bei einem ausschließlich computer-gesteuerten Lager vor unlösbare Probleme gestellt - wir müssen flexibel sein. Insofern bekomme ich Alpträume, wenn ich an ein vollelektronisches, menschenleeres System denke.

* Für die Großrechnerlösung hätte aber doch gesprochen, daß die Integration des Gesamtsystems erhalten geblieben wäre.

Wir haben uns - und das sage ich nicht als "Technologie-Kritiker" - von den anfänglichen Höhenflügen der EDV gelöst. Integration bis ins letzte Detail ist kurzfristig ohnehin mit vertretbaren Mitteln nicht realisierbar wohl auch nicht wünschenswert: Man darf dabei den psychologischen Effekt nicht unterbewerten, welche Motivation nämlich allein darin liegt, ein schlüsselfertiges System an die Fachabteilung zu übergeben, an die Leute, die damit arbeiten müssen.

* Das ist mir - offen gesagt - zu wenig konkret: An welchen Kriterien gemessen, ist ihre "eigenwillige" Lösung besser als das Großrechnerkonzept?

Wir haben - ausgehend von der Problemstellung - das mit der Projektausführung beauftragte Softwarehaus PSI die drei in Frage kommenden Lösungsmöglichkeiten "manuelles Konzept", "EDV-unterstützte Lösung auf der vorhandenen Rechenanlage" und schließlich die "Variante mit einem autonomen Kleinrechnersystem" vergleichen lassen. Dabei kristallisierte sich die dritte Alternative als rationellste und leistungsfähigste heraus: Einmal ist die Auslastung der 7.730 bereits relativ hoch - die Hauptspeicherkapazität hätte erweitert werden müssen -, zum anderen ging es uns, wie bereits erwähnt, um eine "schnelle" Lösung.

- Gibt es noch einen weiteren Punkt, der für "Distributed Processing" sprach?

Wenn ein Lager wie bei uns "chaotisch" geführt wird, dann darf der Rechner einfach nicht ausfallen. Dazu muß man wissen, daß wir hier im Bayerischen Wald oft erhebliche Netzschwankungen haben. Und während es beim Großrechner erfahrungsgemäß doch einige Stunden dauert, das System nach dem Wiederstart hochzufahren, ist die PDP-11 nach einem Stromausfall in Minuten betriebsbereit.

* Wie ist eigentlich ihr Verhältnis zu den Kaufleuten im Unternehmen, wie hat andererseits das EDV-Management auf den Alleingang der Techniker reagiert?

Es gibt da überhaupt keine Probleme. Im Gegenteil: Was wir gemacht haben, wird von allen Seiten als "Musterbeispiel interdisziplinärer Zusammenarbeit" gesehen.

* Demnach betrachten Sie das neue Lagersystem keineswegs isoliert?

Ganz und gar nicht. Später werden wir, soweit das notwendig ist, die Rechner miteinander vernetzen. Deshalb haben wir die PSI - aber auch unsere EDV-Leute und selbstverständlich Siemens - immer wieder gefragt: "Ist das kompatibel, lassen sich die bereits realisierte aber auch die geplanten Insellösungen (das Lager war ja erst ein Anfang) in ein zukünftiges Gesamtsystem integrieren?" Sonst hätten wir selbstverständlich einen anderen Ansatz gewählt.

* Eine letzte Frage: "Stehen Sie nach wie vor zu Ihrer Entscheidung?"

Die Konzeption ist für dieses Unternehmen ausgesprochen richtig- Die Anwender selbst sind voll des Lobes.

_AU:Mit Dr.-lng. Heinz Simon, Kfm. Vorstand der Schott-Zwiesel-Glaswerke AG, sprach Dieter Eckbauer