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29.07.1988 - 

Nur Spezialanwendungen rechtfertigen die Ausgaben:

Die große DV-Freiheit bleibt immer noch eine teure Illusion

*Horst-Joachim Hoffmann ist freier DV-Fachjournalist in München.

MÜNCHEN - "Die große Freiheit des Computerns heißt Portable". So jedenfalls versuchen es die Hersteller der tragbaren PCs zu suggerieren. Der große Traum der uneingeschränkten Freiheit allerdings muß recht teuer erkauft werden - "für herkömmliche Systeme pro Kilo

1 000 Mark", so die lapidare Feststellung eines Münchner VARs,

Die Anforderungen an einen tragbaren PC von der Anwenderseite her sind eigentlich recht klar definiert: Er möge die gleiche Leistungsfähigkeit, Ergonomie und Ausstattung besitzen wie ein festinstalliertes Tischgerät, aber eben tragbar und kostengünstig sein.

Diese Merkmale allerdings sind voneinander abhängig, so daß sich ein Portable immer als Kompromiß erweisen muß - und meistens auch in der Herstellung und damit im Endverkaufspreis deutlich teurer wird als ein normales Desktop-System.

Die Probleme eines Laptops beginnen schon bei der Auswahl der Bildschirmtechnik. Die Herstellung bietet hier zwei Möglichkeiten der Schirmtechnologie, die aus Platzgründen für Portables geeignet sind, LCD und Plasma.

Die LCD-Schirme sind von ihrer Ergonomie her immer noch nicht als optimal zu bezeichnen. Die Abhängigkeit vom Streulicht, die von den Taschenrechnern her allgemein (negativ) bekannt ist, konnte zwar Dank verbesserter Technik gemildert, aber nicht aufgehoben werden. Immerhin hat sich das Verhältnis von Vordergrund- zu Hintergrundhelligkeit im Laufe der Entwicklung von 1:3 auf 1:12 verbessert. Zenith weist für seinen im Mai vorgestellten Turbosport 386 sogar ein Kontrastverhältnis von 1:20 aus.

Aus ergonomischen Gründen haben sich einige Hersteller, unter ihnen Toshiba und Compaq, für den Plasma-Bildschirm entschieden. Der Vorteil eines Plasma-Schirmes liegt darin, daß Graustufen allgemein wirkungsvoller als bei LCD dargestellt werden können und die Lichtausbeute nach Meinung von Experten immer noch besser ist als die einer LCD-Anzeige. Dadurch wird ein längeres und entspannteres Arbeiten möglich, befinden Ergonomiespezialisten. Ein hintergrundbeleuchteter LCD wie etwa in den neuen Zenith- und Grid-Serien hat nur eine Leistungsaufnahme von rund 3 Watt im Gegensatz zu einem Plasma-Display mit gut 28 Watt, die von aktiven Elemeten im Plasma-Schirm gefordert werden.

Die Stromversorgung nach wie vor ein Problem

Dennoch, trotz verbesserter LCD-Anzeige mit geringerem Energieverbrauch - die freie Wahl der Parkbank oder des Intercity findet nur begrenzt statt. Die Energieaufnahme der Geräte ist nach wie vor so hoch, daß trotz LCD und verbesserter Batterietechnik bei neueren Hochleistungsgeräten nur 3 bis 4 Stunden netzunabhängiges Arbeiten möglich ist. Dann heißt es, ganz schnell "Daten sichern und rund zwei Stunden Kaffee trinken", bis der Akku wieder einsatzklar ist.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der zum Gebiet der Ergonomie zählt, ist die Gestaltung des Keyboards. Gefordert ist eine abgesetzte Tastatur in Übereinstimmung mit DIN-Größe und gewohnter Anordnung der Characters. Der Gewöhnungseffekt an ein System ist hier ein nicht zu unterschätzender Faktor; Untersuchungen haben einen deutlichen Effektivitätsverlust beim Wechseln auf Systeme mit unterschiedlicher Tastatur bewiesen.

Die abnehmbare Tastatur setzt sich zwar langsam - zumindest bei den 386-Portables - durch, nicht aber die einheitliche Anordnung der Tastenblöcke. So emulieren die neuen Modelle von Zenith beispielsweise mit nur 79 Tasten eine 101er-Tastatur, der Zehnerblock ist in das normale Buchstabentastenfeld integriert. Andere Hersteller bieten beispielsweise die Möglichkeit einen separaten Zehnerblock zusätzlich an den Laptop anzuschließen.

Ein weiteres Kriterium ist die Leistungsfähigkeit, des Prozessors an sich. Zwar drücken Hersteller wie Grid, Compaq oder Zenith 286er-

und 386-Portables in den Markt, der Großteil der Systeme aber läuft in der 8086/88er-Klasse.

Für die typische Anwendung eines Außendienstlers oder eines Wartungstechnikers ist nach Meinung von kritischen Fachleuten ein 8086/ 8088-Prozessor in der Regel völlig ausreichend.

Als Referenz an OS/2 und Unix allerdings bietet sich ein 286er-Portable an. Ein 386er würde Sinn machen bei grafisch orientierten Benutzeroberflächen, aber wer schleppt schon seine Maus mit rum? Zudem ist bei der Anschaffung zu prüfen, ob tatsächlich so große Rechenalgorithmen, wie sie der 386 leistet, portabel durchgeführt werden müssen.

Die Leistungsfähigkeit der neuen Systeme ist zwar beachtlich, ihr Preis allerdings auch. Die 286er- und 386er-Portables liegen immerhin in einer Größenordnung von rund 10 000 Mark bis zu 16 000 Mark. 8086/8088er-Tragbare werden in einfachen Versionen ab etwa 2 500 Mark angeboten, mit Festplatte ab etwa 5000 Mark.

Teuer werden die Systeme auch durch die Techniken, die eingesetzt werden müssen, um auf engstem Raum eine Überhitzung der Chips und anderer Bauteilkomponenten zu verhindern. Dies kann nur durch geringere Energieaufnahme erreicht werden, da der Einbau von Ventilatoren nicht nur raumintensiv ist, sondern auch Gewichtsprobleme hervorrufen würde, Dennoch wollten manche Hersteller auf den Einbau von Ventilatoren nicht verzichten.

Das CMOS-Design setzt sich hier für fast alle Komponenten wie CPU, Speicher und Controller durch, da es gegenüber dem NMOS eine durchschnittlich 10fache Energieausbeute bei entsprechend geringerem Wärmewert liefert.

Wer braucht schon einen 80386er Laptop?

Ein weiteres Kriterium für die Auswahl eines Portables sind Fragen der Laufwerksanordnung, der Schnittstellen nach außen und der Erweiterungsmöglichkeiten des Systems.

Bei den Laufwerken setzt sich, so scheint es, das 3?-Zoll-Format mit 1,44 MB durch. Bereits jetzt wird neue Standardsoftware im Normalfall auch auf diesem Format angeboten, so daß die lästige Konvertierung der Programme zukünftig entfällt.

Von herausragender Bedeutung für den ortsungebundenen Betrieb ist die Schocksicherheit der Festplatte. Sie ist für Desktop-Systeme unkritisch, trägt aber ebenfalls mit zu dem höheren Preis der Portables bei.

Obwohl die Festplatten gegen Erschütterungen allgemein sehr empfindlich sind, muß ein Portable mit 'geparkter' Harddisk die normalen Erschütterungen einer Autofahrt aushalten (Die Schocksicherheit wird übrigens in 'g' (Erdbeschleunigung) gemessen, und nicht in MTBF-Mean Time Between Failure -, wie ein VAR mangels Daten klarmachen wollte). Größere Probleme sind hier nach Aussagen von Händlern bislang nicht aufgetreten, es lohnt aber, diesen Punkt bei der Auswahl kritisch zu hinterfragen.

Gegen Feuchtigkeit ist ein Portable im allgemeinen nicht vollständig geschätzt. Schwachpunkte sind die Öffnungen des Gerätes für Zusätze, Disketten und Standardschnittstellen, die zwar bei den meisten Systemen abgedeckt, aber nicht so konzipiert sind, daß sie einer Spritzwasserschutzklasse entsprechen. Ohne Schutzhülle ist der Portable-Transport in einem Nieselregen vom Parkplatz zur Haustür also gerade noch möglich. Größere Regenfälle würden das Gerät aber schon gefährden.

Dennoch setzen die Hersteller auf einen Markt mit Zukunft. Das Marktforschungsunternehmen IDC rechnet mit europäischen Absatzzahlen von 375 000 Stück in 1987 und prognostiziert 1 000 000 verkaufte Portables für 1991. Der Einsatznutzen der Systeme hängt aber sehr stark von der Anwendung und den verfügbaren Applikationen ab.

Unkomfortabel kann es nämlich bei der Frage der Weiterverarbeitung der Daten werden. Zwar besteht immer die Möglichkeit, sich des Transportmediums Diskette zu bedienen, aber schon bei der Frage eines Anschlusses für ein lokales Netzwerk tauchen Hindernisse auf.

Für VARs bietet sich ein breiter Markt

Um einen Portable sinnvoll einsetzen zu können, muß also auch das Umfeld entsprechend ausgestattet sein, eventuell mit einer Erweiterungseinheit, die einen File-Transfer zum Großrechner gestattet, oder eine Station, die die Diskette lesen kann. Dies ist häufig ein Konverter für die zwei gängigen Formate 5? Zoll und 3? Zoll. Erst langsam setzt sich bei den Herstellern zudem die Erkenntnis durch, daß ein Portable nur dann wirklich Sinn macht, wenn auch die Kommunikationskomponenten wie Akustikkoppler oder Drucker in das Gesamtkonzept integriert sind.

Hier bietet sich für Value Added Reseller noch ein breiter Markt, die zudem für sich in Anspruch nehmen, durch eine intensive Anwendungsberatung Fehlkäufe zu vermeiden.

Dennoch, Vorteile beim Einsatz eines Portables sind gegeben - das raumsparende Design sorgt für mehr Platz auf dem Schreibtisch und ab und zu auch ein Gemeinschaftserlebnis, wenn man sich mit Kollegen zu einer Computersession trifft.