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17.05.1991 - 

Downsizing vom Host auf Server-Systeme verlangt gute Planung (Teil 1)

Die große Freiheit, offener Systeme hat auch ihren Preis

MÜNCHEN (jm) - Die Rezesion in den USA scheint auch positive Nebenwirkungen zu haben: Immer mehr Unternehmen sehen sich wegen der anhaltend schlechten Wirtschaftslage gezwungene ihre IS-Budgets auf Strom-Buie zu schneidern, weswegen sich Manager zunehmend auch für technologische Evolutionen aufgeschlossen zeigen, mit denen sich Ausgaben reduzieren lassen. Client-Server-Strukturen Erfolgen dabei nach bisherigen Erfahrungen die in sie gesetzten Erwartungen offerieren sie doch gegenüber traditioneller Host-orientierter DV ein erheblich besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Aber Downsizing hat seinen Preis.

Daß der Rechnerverbund auf Client-Server-Basis alsalternative Hardwaretopologie zu zentralistischer Host-DV für Unternehmensgeldbeutel interessant ist, belegt eine Untersuchung des Marktforschungsinstitutes Forrester Research: In ihrer Studie hatten die Analysten für die beiden miteinander konkurrierenden Hardwarekonzepte ein Preis-Leistungs-Verhältnis von 1:10 zugunsten der PC-basierten LAN-Systeme errechnet. Kein Wunder also, daß dezentralisierte DV-Konzepte bei den Kassen- warten der Unternehmen auf offene Ohren stoßen.

Neueste Studien zum Beispiel der Gärtner Group Inc. bezeugen zudem, daß es mit der Ausgabenfreudigkeit für IS-Investitionen schon im laufenden Jahr nicht mehr so weit her ist: Nur mehr eine 3,5 prozentige Steigerung der IS-Budgets -sind den befragten 200 Unternehmen ihre MIS-Abteilungen wert. Im Jahr 1990 war die Steigerung mit 7,7 Prozent noch mehr als doppelt so hoch ausgefallen.

Eine andere, Untersuchung belegt, wofür in Zukunft Geld locker gemacht werden soll: Vor allem Workstations, hochleistungsfähige PCs und Server stehen danach ganz oben auf den Wunschzetteln der Firmen. Nachforschungen der Forrester Research Inc. bei Fortune-1000-Unternehmen brachten auch an den Tag, daß es bei der Wahl der zukünftigen Leistungsträger in LANs klare Favoriten gibt: Für die als Datenbankrechner fungierenden oder auf besondere unternehmensweite Aufgaben (E-Mail-Server beispielsweise) spezialisierten Arbeitspferde liebäugeln die großen Unternehmen eindeutig mit Mehrprozessor-PC-Systemen wie etwa Compaqs "Systempro", DECs "Application DEC 433MP" AT&Ts "Starserver E" oder Konkurrenzprodukten von Netframe Systems, Parallan Epoch Systems oder anderen. Mini- und Minicomputer hingegen finden nach dieser Studie als Server kaum Anklang.

Doch obwohl einige- Unternehmen bereits seit mehreren Jahren mit der Idee dezentralisierter DV im Sinne von Client-Server-Lösungen schwanger gehende scheint erst jetzt, forciert durch den Zwang zum Sparen, in den Vorstandsetagen ein Umdenkprozeß einzusetzen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß nicht die Bosse technologische Fortentwicklungen zu blockieren scheinen: Immer wieder ist zu hören, daß die Unternehmensleitung bei ihrer Kalkulation anscheinend häufig die eigenen MIS-Leiter umgeht.

Die sind noch der traditionellen hierarchischen Host-Umgebung verpflichtet und argwöhnen nun nicht ganz zu Unrecht, mit dem Einzug neuer Rechnertopologien könnten ihre zentralen DV-Machtbefugnisse geschmälert werden und viele Arbeitsplätze in den MIS-Abteilungen zur Disposition stehen.

Fachleute und selbst Spezialisten aus Unternehmen, die Client-Server-Lösungen vermarkten, unterstützen zwar prinzipiell die Erwartungshaltung von Managern, durch den Einsatz neuer Rechnertechnologien ließen sich signifikante Einsparungen erzielen. Sie warnen allerdings auch vor den Problemen, die beim unkoordinierten Umstieg von Host-basierten Systemen auf Server-Topologien entstehen können.

In diesem Sinne äußerten sich im April 1991 auf der internationalen HP-Usergroup-Veranstaltung in Hamburg gleich mehrere Vertreter des 1939 im kalifornischen Silicon VaIley gegründeten Unternehmens. Beim -Vergleich von Host-Terminal- mit Client-Server-Computing konzedieren Caroline Ellis und Steve Every von Hewlett-Packard, daß die Hardwarekosten für eine Terminal-Nutzung im Vergleich zu einem PC-Client-Arbeitsplatz relativ gering seien.

Aber - so die Gegenrechnung - für den Mainframe am anderen Ende der Leitung muß ein Unternehmen dann um so tiefer in die Tasche greifen. Auch der Einsatz mehrerer Server in einer Client-Server-Umgebung käme für Unternehmen wesentlich billiger als ein, Großrechner. Außerdem sei die Abhängigkeit aller Anwender von einem einzigen großen Host, über den praktisch die gesamte Unternehmens-DV sowohl in puncto Datenhaltung als auch der Anwendungen abgewickeltwird, viel größer.

Das Ellis-Every-Gespann gibt allerdings zu, daß beim Umstieg auf Client-Server-Topologien die Investitionen für Zeit und Geld dann in astronomische und damit unakzeptable Höhen schnellen, wenn sowohl Hard- als auch Software komplett ausgetauscht würden. Vor allem wegen der seit Jahren getätigten Software-Investitionen vertritt Patrick Rocca von HP Computer Systems in Böblingen auch die Meinung, daß ein Umstieg auf verteilte Rechnerumgebungen nur über einen längeren Zeitraum verwirklicht werden sollte.

Trotzdem glaubt Rocca, daß sich der Anwender heute schon Gedanken machen muß, ob er seine DV-Strategie in Zukunft auf verteilte Datenhaltungs- und Verarbeitungskonzepte aufbauen möchte: "Wenn Sie nämlich zu lange warten, bis Sie ihre existierende Rechnerumgebung austauschen, dann kostet das genauso Geld - schließlich wissen wir alle, daß jede zu pflegende Software im Lauf der Zeit immer "kostenaufwendiger wird."

Wer sich andererseits überstürzt auf das Abenteuer Client. Server einläßt, der zahlt - so HPs Rechnerspezialist - erst recht. Neben Amortisätionslücken bei noch in Gebrauch befindlicher Hard- und Software sind es vor allem Arbeitnehmer, die die Unternehmen teuer zu stehen kommen können: Nachlassende Arbeitseffizienz als Folge mangelnder Akzeptanz der ungewohnten DV-Welt und über das ohnehin nötige Maß hinaus entstehende Kosten für Fortbildung ließen bei einem Hauruck-Umstieg nach Roccas Meinung die Kosten explodieren.

Daß Client-Server-Topologien dennoch die Zukunft gehört, scheinen auch Zahlen zu belegen, die das US-Marktforschungsinstitut Sentry im November 1990 veröffentlichte. Die darin enthaltenen Ergebnisse lassen für den Softwaremarkt im Jahr 1991 eine Umsatzsteigerung um etwa 15 Prozent auf 30 Milliarden Dollar erwarten.

Weniger Geld für Mainframe Software

Grund für die schönen Aussichten: Die 1300 befragten Unternehmen, Regierungsstellen und Universitäten sind nach der Sentry-Studie vor allem an Tools interessiert, mit deren Hilfe bestehende Software-Anwendungen auf Corporate-Computing-Szenarien umgemodelt werden können. Applikationen aus einer Einplatz- in eine Client-Server-Umgebung zu hieven, ist ein Haufen Arbeit, meint Sentry-Projektleiterin Suzanne Murphy, "davon kann die Software-Industrie noch eine ganze Zeit lang gut leben.

Die Sentry-Untersuchung sieht daneben auch voraus, daß der Budget-Anteil für Mainframe-Software stark abnimmt, während sich gleichzeitig derjenige für PCs im Zeitraum von 1989 bis 1991 mehr als verdoppeln werde. (wird fortgesetzt)