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24.01.1992 - 

Preis-Leistungs-Schlacht bei Low-end-Workstations

Die "großen Drei "beginnen das neue Jahr mit RISC-Offensive

MÜNCHEN (sc/zek) - Innerhalb weniger Tage haben die "großen Drei" DV-Branche mit neuen Low-end-Systemen" ihr Engagement im RISC- Workstation-Markt bekräftigt. Lange erwartet wurde bereizt das neue Einstiegssystem in die RS/6000-Familie der IBM, doch den Wettbewerbern Hewlett-Packard (HP)und Digital Equpiment (DEC) gelang es durch ähnliche Ankündigungen, Big Blue besonders in Sachen Preis-Leistung anzustehen

Es war wohl kein Zufall, daß HP und DEC ihre neuen Low-end-Workstations eine Woche vor der IBM ankündigten Hp zielt mit den beiden neuen Modellen "705" und "710" der Systemfamilie HP-Apollo 9000 auf seine traditionellen Work-Station-Märkte wie mechanische und elektronische Konstruktion und Entwicklung, CASE und Electronic publishing, aber auch auf neue Einsatzgebiete im Wirtschafts- und Finanzwesen. Eine wesentliche Neuerung innerhalb der HP-Apollo-9000-Familie bringen die neuen Rechner durch die Verwendung des HP-eigenen RISC-Prozessors PA. Bisher bildeten CPUs aus Motorolas 68000er Familie die Basis der HP-Apollo-Systeme.

Mit dem Modell 710, das ab Ende Januar in großen Stückzahlenausgeliefert werden soll, ziehlt HP auf Anwender, die eine Einstiegs-Workstation mit der Option zu Erweiterung in Richgtung mittleres System suchen. Vom Preis her- etwa 22 000 Mark sind zu berappen - will man mit Systemen wie der Sparcstation IPX konkurrieren; mit einer Leistung von 50 Specmarks bietet HP aber etwa die doppelte Performance.

Das Einstiegsmodell 705 zum Preis von knapp 12 000 Mark basiert auf einer 35-MHz-Version des PA-Prozessors und bietet nach HP-Angaben eine Leistung von 34 Specmarks. Die Auslieferung in größeren Stückzahlen soll ab März anlaufen.

DEC hat vier neue Rechner vorgestellt. Die Computer entsprechen den Angaben zurfolge Spezifikationen zufolge des ACE-Konsortimus, zu dessen Initiatoren Digital zählt. Wie bereits berichtet (vgl. CW 1/2 vom 10. Januar 1992, Seite 23), erweitern jetzt zwei RISC-PCs die Palette. Die beiden Modelle "Decstation 5000/20" (20 MHz) und "Decstation 5000/25" (25 MHz) basieren jeweils auf einem R3000A-Prozessor von Mips. Herstellerangaben zufolge sind die Computer so konzipiert, daß ein Nachrüsten sowohlvon den 33-MHz-Modulen (in Vorbereitung) als auch von der für Herbst angekündigten R4000-CPU möglich ist, die auf einer 64-Bit-Architektur basiert.

Bestätigt hat sich der Preis für das Einstiegsmodell, der bei knapp 9000 Mark liegt und damit unter dem von HPs Produkt. Die 25-MHz-Version kostet mit Farbmonitor und 209-MB-Festplatte etwa 16 000 Mark. Zum Lieferumfang gehört DECs Unix-Derivat Ultrix.

In Kürze soll laut DEC auch das Standard-Unix-Betriebssystem der Open SoftwareFoundation, OSF/1, zur Verfügung stehen - ein Angebot, das auch HP noch in diesem Jahr bereitstellen will.

Workstaition und RZ-Server

Zudem will man die RISC-Version von Windows NT anbieten, sobald diese auf dem Markt ist. Jochen Haink, Geschäftsführer der Microsoft GmbH, rechnet ab Oktober 1992 - "auf jeden Fall noch in diesem Jahr" - mit den ersten Produkten. Die ersten Beta-Versionen des ACE-Betriebssystems gibt die Bill-Gates-Company den Angaben zufolge ab April 1992 frei.

Als zutreffend erwiesen sich die Informationen aus den USA, daß neben den RISC-PCs, die zum Kampfpreis angeboten werden, eine Hochleistungs-Workstation sowie ein Rechenzentrums-Server die Palette erweitern. Beide Rechner basieren auf dem R3000A-RISC-Prozessor und arbeiten mit 40 MHz. Die "Decstation 5000/240" ist laut DEC für rechenintensive Anwendungen im technisch-wissenschaftlichen Bereich konzipiert. Als Preisbeispiel nennt die Münchner DEC-Niederlassung eine Konfiguration mit 16 MB RAM, 426-MB-Festplatte, Farbgrafik mit 1280 x 1024 Bildpunkten bei 256 Farben und einem 19-Zoll-Trinitron-Monitor. Diese Lösung integriert die Lizenzen für Unix, TCP/IP und NFS und kostet zirka 39000 Mark.

Die Eckdaten von Hauptplatine und Rechenleistung des "Decsystem 5900" entsprechen dem 240-Modell der Decstation. Bei diesem Server sind jedoch intern 28 GB Festplatten-Kapazität im Tower möglich.

Extern lassen sich 720 GB realisieren. Zur Grundausstattung gehört Prestoserve, ein Software-Cache um den Festplatten-Zugriff zu beschleunigen. Der Einstiegspreis liegt bei 140 000 Mark.

Nach Ansicht von Marktbeobachtern handelt es sich bei dieser DEC-Ankündigung aber lediglich um eine Vorstufe zu einer noch für dieses Jahr erwarteten neuen Workstation-Serie, die auf einem vollkommen neuen RISC-Prozessor basieren soll.

Bislang ist DEC, so Lars Christian Mieritz, Analyst bei IDC in London, etwa dort, wo HP vor sechs Jahren war: Man setzt eine Vielzahl von Prozessoren ein, noch fehlt jedoch eine einheitliche Linie bei den verschiedenen Systemfamilien. Abhilfe soll der sogenannte "Alpha-Chip" bringen, ein von DEC selbst entwickelter RISC-Prozessor, der zunächst in Workstations und später auch in VAX-Systemen eingesetzt werden soll. Bis Ende '93, so Mieritz, will DEC soweit sein, alle Systeme mit diesem Prozessor auszurüsten und damit mit HP wieder gleichzuziehen. Bei dem Alpha-Chip soll es sich um einen Uniprozessor handeln, der eine Leistung von etwa 100 VAX-Units pro Sekunde bringen soll.

Nach dem Vorpreschen der Konkurrenz mußte schließlich auch die IBM Farbe bekennen und ihre neuen RS/6000-Modelle präsentieren. Vom neuen Einstiegsmodell von Big Blue mit der Bezeichnung "Modell 220" erwartete man sich ein ähnlich günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis, wie bei HP oder DEC. Nach allem, was bisher bekannt ist, werden die Preise aber höher als beim Wettbewerb sein. die Diskless-Versionen sollen zwischen 6000 und 7000 Dollar kosten, eine Farbversion mit 200-MB-Platte soll rund 10 000 Dollar kosten. Damit positioniert die IBM das Modell 220 preislich zwischen die HP-Modelle 705 und 710; ein Schritt, der die Anwender zum Kauf der IBM-Maschine überzeugen könnte, denen HPs Low-end-System zu wenig, das Modell 710 aber zu viel bietet und zu teuer ist.

Die wesentliche technische Neuerung am Modell 220 ist eine neue Implementation des Power-Chip-Satzes in nur zwei Chips; die bisherigen Modelle basierten noch auf einer Sechs-Chip-Version. Diese Reduktion des Power-Prozessors auf zwei Chips wird als erster erfolgreicher Schritt zum Ein-Chip "Power-PC" gewertet, an dem IBM, Motorola und Apple gemeinsam arbeiteten.

Die Leistung wird von IBM mit etwa 25 Specmarks angegeben und von Branchenkennern als relativ gering beurteilt. Dennoch bleibt Modell 220 als Konkurrent zu HPs Modell 710 interessant: Es bietet Farbe und kann erweitert werden.

Ein weiteres neues Desktop-Modell von IBM ist das RS/6000Modell "340". Es bringt eine Leistung von 55 Specmarks und läßt sich mit HPs Modell 720 vergleichen, während Modell "350" mit 72 Specmarks gegen HPs Systeme 720 und 730 positioniert werden könnte. Das neue High-end-Modell "560" rundet IBMs Neuankündigungen ab. Dieses Deskside-Modell soll eine Leistung von etwa 90 Specmarks bringen. Die deutschen Verkaufspreise für die neuen IBM-Systeme standen bei Redaktionsschluß noch nichtfest.