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Gute Chancen für Quereinsteiger mit Energie und Durchhaltevermögen

Die großen Karrieren von der Backschüssel zur Computertastatur sind die Ausnahme

24.11.2000
MÜNCHEN (hp) - Der Arbeitsmarkt ist für IT-Spezialisten günstig wie kaum jemals zuvor, weshalb sich auch für Quereinsteiger sehr gute Möglichkeiten bieten. Auf einer CW-Podiumsdiskussion anlässlich der Systems waren sich die Diskutanten einig, dass Interessierte vor allem überdurchschnittliche Motivation, Leistungsbereitschaft und möglichst IT-Grundkenntnisse mitbringen sollten. Denn die viel zitierten Bäcker, die sich zum IT-Profi weiterbilden, sind nach wie vor die große Ausnahme.

Unternehmen haben es schwer, an die begehrten IT-Spezialisten zu kommen. So können in Westeuropa derzeit über 13 Prozent der IT-Stellen nicht besetzt werden. Wenn nichts geschieht, werde sich dieser Wert einer Studie des European Information Technology Observatory (Eito) zufolge auf 18 Prozent erhöhen. Darüber, wie viele IT-Profis letztendlich fehlen, gehen die Meinungen auseinander. Eines ist aber sicher: Die 6000 bis 7000 Informatikabsolventen, die jährlich die deutschen Hochschulen verlassen, werden nicht ausreichen. Und auch die gestiegene Zahl der IT-Azubis wird an dem leer gefegten Arbeitsmarkt kaum etwas ändern können.

Die deutschen Unternehmen leiden inzwischen so unter dem IT-Arbeitskräftemangel, dass selbst eher konservative Arbeitgeber Mitarbeiter einstellen, die nicht die traditionellen Ausbildungswege absolviert haben. "Chancen für Quereinsteiger" lautete deshalb das Thema einer CW-Podiumsdiskussion auf der Systems.

Dass man mit Mut und Einsatzbereitschaft den Einstieg in die IT-Arbeitswelt schaffen kann, erzählten Roland Baumgartner und Frank Donner. Baumgartner entschied sich nach acht Jahren als CAD-Zeichner für eine IT-Qualifizierung, weil es für ihn im alten Beruf keine Aufstiegsperspektiven mehr gab. Seine Wahl fiel auf eine halbjährige IT-Weiterbildung bei Ditec zum Web-Master, zum einen wegen seines IT-Interesses, zum anderen wegen der günstigen Berufsaussichten. Inzwischen arbeitet er bei dem Firewall-Anbieter Genua im technischen Vertrieb und ist froh, den Absprung vom CAD-Zeichner geschafft zu haben.

Als studierter Literaturwissenschaftler hat Frank Donner mit seinem Einstieg in die IT-Branche Neuland betreten. Wie bei vielen anderen DV-Quereinsteigern spielte der Zufall in Form von Bekannten, die ihn mit der Firma Webmiles zusammenbrachten, eine entscheidende Rolle. Nach zwei Probearbeitstagen stieg er im August letzten Jahres bei dem Startup-Unternehmen ein. In den darauf folgenden fünf Monaten durchlief er eine Art Mini-Trainee-Programm, in dem er die Firma und den Markt kennen lernte. Inzwischen betreut er die Bereiche Customer-Support und Community-Management.

Die zwei Beispiele von erfolgreichen Quereinsteigern stehen stellvertretend für viele. Dies kann auch Margot Speiser vom Bildungsträger Ditec bestätigen. Die dort angebotenen, auf sechs bis sieben Monate angelegten Weiterbildungen richten sich an alle, die in die IT-Berufswelt einsteigen wollen und bereits Vorkenntnisse mitbringen. Die Teilnehmer stammen aus ganz unterschiedlichen Berufsgruppen. So finden sich dort Architekten, Ingenieure, Mediziner oder Juristen. Die meisten haben schon vor der IT-Qualifizierung Softwarekenntnisse aufbauen können, denn der "Bäcker, der sich zum IT-Spezialisten weiterbildet", ist laut Speisers Erfahrung die absolute Ausnahme. Ausschlaggebende Kriterien für den Erfolg der Weiterbildung seien Motivation, Durchhaltevermögen und Spaß an der DV. Allen denjenigen, die nur auf das schnelle Geld in der IT-Welt aus sind, rät sie dagegen dringend ab. Auch Baumgartner, der bei Ditec die Weiterbildung absolvierte und dafür täglich fünf Stunden Zugfahrt auf sich nahm, bestätigt, dass es ohne die nötige Motivation und Leistungsbereitschaft nicht geht.

Was aber müssen die Quereinsteiger mitbringen, um ihre potenziellen Arbeitgeber zu überzeugen? Für Erik Steinbrecher, zuständig für das Personal bei dem IT-Projektdienstleister Tecops, ist das Auftreten der Kandidaten eines der entscheidenden Kriterien. Um später im Team beziehungsweise mit Kunden zu arbeiten, seien Praxiserfahrungen in diesen Bereichen äußerst nützlich. Selbstverständlich sollte auch das nötige Fachwissen nicht fehlen. "Ein Bewerber hat aber auch ohne ein Abschlusszeugnis Chancen, wenn er die notwendige Qualifikation im Vorstellungsgespräch vorzeigen kann", erklärt Steinbrecher.

Auch für Thomas Grieche, Bereichsleiter bei dem DV-Dienstleister Dr. Seidel, gehört Teamgeist zu den Schlüsselqualifikationen. Da viele Mitarbeiter in der Projektarbeit für Kunden arbeiten, legt er großen Wert auf das äußerliche Erscheinungsbild. "Ein Kandidat, der in Jeans und Turnschuhen zum Bewerbungsgespräch erscheint, hat seine Chance verspielt." Natürlich sei es später möglich, in legerer Kleidung zu arbeiten, wenn keine Kundentermine anstehen.

Um den Berufseinstieg zu schaffen, rät Personalexperte Steinbrecher dazu, die gängigen Regeln für Bewerbungen unbedingt einzuhalten. Er erhält immer wieder Unterlagen mit Rechtschreibfehlern, eingescannten Fotos oder ellenlange Anschreiben mit Serienbriefcharakter, deren Absender bei ihm keine Einladung zum Gespräch erhalten. Wichtig sei es, dass der Bewerber begründen kann, warum er sich genau bei dieser Firma auf diese Position bewirbt.

Immer wieder kursieren Gerüchte über immense Gehälter für gut ausgebildete Experten. Quereinsteiger können im Durchschnitt mit einem Anfangsjahresgehalt von rund 60000 bis 70000 Mark rechnen, erklärt Donner von Webmiles. Für ihn wie auch für Baumgartner stand bei der Wahl des Arbeitgebers nicht das Gehalt im Mittelpunkt. Viel mehr zählten die Reputation der Firma beziehungsweise die vielen Chancen, die ein Startup-Unternehmen bietet. Donner: "Der Sprung ins kalte Wasser bedeutete für mich eine sehr steile Lernkurve."